Der Begriff Reformator meint in der Geschichtswissenschaft und Theologie eine Person der Kirchengeschichte, die bei der Gründung und Ausformung der evangelischen Kirchen während der Reformation anwesend war und die aus der theologischen Notwendigkeit prägend an den Ereignissen der Reformationsgeschichte mitwirkte. Die Verwendung ist an die Reformationsgeschichte gebunden. Daher lässt sich Reformator nicht mit Kirchenreformer gleichsetzen.
Jederzeit war klar, dass Martin Luther, Philipp Melanchthon, Ulrich Zwingli, Martin Bucer und Johannes Calvin als Hauptvertreter anzusehen waren. Doch ohne die Personen der zweiten oder dritten Generation wie zum Beispiel Heinrich Bullinger wäre die Reformation nicht durchführbar gewesen.
Die Reformation war kein ausschließlich auf die Kirche beschränkter Vorgang sondern eine Bewegung, die sich über die Gesamtheit aller Lebensbereiche erstreckte. Sie durchdrang daher im Kern die gesamte kirchliche und politische Bewegung und drang in alle Lebensbereiche ein. Deshalb wird die Reformation auch als kirchenpolitische Reformation bezeichnet. Des Weiteren breitete sich die Reformation schnell über die Grenzen der alten deutschen Staaten aus. Möchte man alle reformistischen Persönlichkeiten mit der Bezeichnung Reformator versehen, verschöben sich die Grenzen der Definition, so dass hier eine Begrenzung bei der Begriffsbildung stattfinden musste.
Betrachtet man die Hauptvertreter der Reformation, über die es keinen Zweifel gibt, dass sie Reformatoren sind, erkennt man, dass es sich vorrangig um theologische Vertreter handelt. Melanchthon bildet hierbei als Reformator des Schulwesens eine prägnante Ausnahme. Leitet man im Bezug zu den zweifelsfreien Reformatoren eine Formulierung ab zu den Reformatoren, ergibt sich der sensitive Kontext, dass zu den Reformatoren jene zu zählen sind, die im Auftrag der großen Initiatoren die Verkündigung in Predigt und Unterricht weitergetrieben haben.
Häufig trifft man auch auf das Argument, dass die Reformation auch eine kirchenpolitische Reform war und daher die politischen Größen der Reformationszeit mit einzuschließen sind. Es ist zweifellos, dass Regenten und ihre Vertreter maßgeblich an der Reformation mitgewirkt haben. Oft haben sie die Weichen gestellt, so dass ohne ihre fördernde Kraft die Reformation nicht möglich gewesen wäre. Jedoch sollte man auch bedenken, dass dies nicht aus der theologischen Einstellung im reformistischen Sinne entstanden ist, sondern dabei vor allem dem Eigennutz nahe stehende Beweggründe nahe liegen. Nicht zuletzt lehnte Luther eine Politisierung seiner theologischen Lehre ab. Daher können Regenten und politische Größen nicht als Reformatoren im eigentlichen Sinne betrachtet werden.
Die verschiedenen Seitentriebe der Reformationsbewegung wie Spiritualismus und Täufertum, die seit Roland Bainton als „linker Flügel der Reformation“ bezeichnet werden, müssen um der Deutlichkeit willen beiseite bleiben. Zeigen ihre Vertreter einerseits starke Berührungen mit den eigentlichen Reformatoren, so sind sie andererseits doch keineswegs mit ihnen konform. Indem sie andere Grundfragen zur Hauptsache ihres Lebens und Denkens machen, erweisen sie sich als unechte Kinder der Reformation.
Der im Nordwesten aufkommende „terminus Semilutheranismus“ zeigt schließlich, dass es Gruppen gab, die zwar vom Geist der Reformation berührt waren, aber doch nicht zur Reformation durchgedrungen sind. Die Reformation war eine Bewegung der christlichen Kirche und nicht gleichzusetzen beispielsweise mit dem Humanismus, der sich nicht auf den einzelnen Menschen bezog sondern auf die Gesamtheit aller Lebensbereiche erstreckte. Daher können solche Randerscheinungen im Zusammenhang mit den Reformatoren nur vereinzelt benannt werden, wenn sie in einer anderen Beziehung bedeutsam gewesen sind.
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