In diesem Artikel wird die Geschichte der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 im deutschen Sprachraum und deren Akzeptanz beleuchtet. Eine Übersicht über die in der öffentlichen Debatte angeführten Argumente pro und contra finden sich im zugehörigen Artikel Kritik und Apologetik.
Zum konkreten Inhalt und Regelwerk
Zu vorausgegangenen Reformen der deutschen Rechtschreibung
Zu nicht auf eine bestimmte Sprache bezogenen Reformen
In den folgenden Jahrzehnten wurde die deutsche Rechtschreibung de facto von der Redaktion des „Duden“ weiterentwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition in Leipzig und in Mannheim doppelt fortgeführt (Ost- und West-Duden). In Westdeutschland griffen zu Beginn der 1950er Jahre einige Verlage das faktische Dudenmonopol an, indem sie Wörterbücher mit abweichenden Schreibweisen herausbrachten. Daraufhin erklärten die Kultusminister der westdeutschen Bundesländer den Duden per Beschluss vom November 1955 in allen orthographischen Zweifelsfällen für verbindlich.
Die Dudenredaktion ging einerseits konservativ vor, indem sie es als ihre primäre Aufgabe betrachtete, im Wörterbuch den vorherrschenden Sprachgebrauch zu dokumentieren. Andererseits entwickelte sie im Regelwerk zur Klärung immer neuer Zweifelsfälle immer feinere Verästelungen.
Vielen Vorschlägen gemeinsam war die Forderung nach „gemäßigter Kleinschreibung“: die generelle Großschreibung von Substantiven sollte abgeschafft, die von Eigennamen dagegen beibehalten werden. Eine solche Reform hatte nach dem Zweiten Weltkrieg Dänemark durchgeführt.
Allerdings ergab eine viel beachtete Untersuchung in den Niederlanden, dass eine dem Deutschen entsprechende Groß- und Kleinschreibung einen großen Einfluss auf die Lesegeschwindigkeit hat. Die Probanden waren mit einer solchen Groß- und Kleinschreibung in der Lage, Texte in ihrer Muttersprache sehr viel schneller zu lesen als in gemäßigter Kleinschreibung. (Darstellung und Literaturhinweise in der Grammatik das Wort/der satz.) Als Reaktion wurde in verschiedenen europäischen Ländern, darunter Großbritannien, darüber diskutiert, eine dem Deutschen entsprechende Groß- und Kleinschreibung einzuführen. Die Diskussionen verliefen jedoch ausnahmslos im Sande.
Die Vorüberlegungen wurden vorangetrieben durch die zwei „Wiener Gespräche“ von 1986 und 1990, zu denen die österreichische Bundesregierung Vertreter aus allen Gebieten, in denen Deutsch gesprochen wird, eingeladen hatte. An der Schlusserklärung des 1. Wiener Gesprächs wurde angekündigt, die „umstrittene Groß- und Kleinschreibung“ vorerst auszublenden, um sie später in einem „zweiten Schritt“ in Angriff zu nehmen.
1987 erteilte die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim den Auftrag, zusammen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. in Wiesbaden ein neues Regelwerk zu entwerfen. 1988 übergaben diese einen noch unvollständigen Vorschlag mit zahlreichen, sehr weitreichenden Neuregelungen (zum Beispiel neu „Bot“ statt „Boot“ oder „Keiser“ statt „Kaiser“), der in der Öffentlichkeit und bald auch von der KMK als unannehmbar zurückgewiesen wurde.
Parallel dazu hatte die Schweizer Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eine Expertengruppe mit dem gleichen Auftrag eingesetzt; beim Österreichischen Bundesministerium für Unterricht und Kunst gab es eine 'Wissenschaftliche Arbeitsgruppe des Koordinationskomitees für Orthographie'; in der DDR die 'Forschungsgruppe Orthographie' am Zentralinstitut für Sprachwissenschaft an der Akademie der Wissenschaften.
1992 veröffentlichte der Internationale Arbeitskreis einen alle Bereiche der Orthographie behandelnden Vorschlag unter dem Titel „Deutsche Rechtschreibung – Vorschläge zu ihrer Neuregelung“ (Narr, Tübingen).
1993 lud die KMK 43 Verbände zur Stellungnahme ein. Anhörungen fanden in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Der IAR zog daraufhin die Forderung nach gemäßigter Kleinschreibung zurück. Es blieb auch bei der Unterscheidung von das/daß.
Auf dem 3. Wiener Gespräch, auch Wiener Orthographiekonferenz genannt, das vom 22. bis zum 24. November 1994 stattfand, wurde das Beratungsergebnis den politischen Entscheidungsinstanzen zur Annahme empfohlen. Im Anschluss an die „politische Willensbildung in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz“ solle Ende 1995 ein Abkommen geschlossen werden. Der Dudenverlag machte die Ergebnisse der Wiener Orthographiekonferenz im Dezember 1994 in einer Broschüre publik und vertrat die Auffassung: „Bei der Neuregelung handelt es sich nicht um eine ‚Reform an Haupt und Gliedern‛, sondern um eine ‚kleine Reform der Vernunft‛“.
1995 beschlossen die deutschen Kultusminister in der KMK, die Neuregelung zum 1. August 1998 mit einer Übergangsphase bis 2004/2005 einzuführen.
Am 1. Juli 1996 verpflichteten sich die deutschen Bundesländer, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein und weitere Staaten mit deutschsprachigen Bevölkerungsteilen durch die Wiener Absichtserklärung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, die neue Orthographie bis zum 1. August 1998 einzuführen. Einige Bundesländer führten bereits mit Schulbeginn 1996/97 die neuen Regeln im Unterricht ein. Es entbrannte ein Wettrennen um die Herausgabe der ersten Wörterbücher in neuer Rechtschreibung. Für die Verlage zahlte sich die Rechtschreibreform aus: für viele Jahre belegte der Duden Spitzenplätze auf Bestsellerlisten; der Schulbuchmarkt erlebte eine Sonderkonjunktur.
Reformen, die eine Umstellung für große Bevölkerungsgruppen bewirkten, seien erfahrungsgemäß desto erfolgreicher, je kürzer die Übergangsfrist sei. Idealerweise würden Reformen gut vorbereitet und dann von einem Tag auf den anderen umgesetzt. Als Beispiele werden Reformen der Gewichts- und Maßsysteme, die Umstellung auf den Euro, Rechtschreib- und Schriftreformen in anderen Ländern sowie die Umstellung von Links- auf Rechtsverkehr in Schweden genannt, welch letztere in sukzessiver Form zu erheblichen Problemen geführt habe.
Eine lange Übergangsfrist verleite dazu, sich nicht mit der Reform auseinander zu setzen und sich in der Hoffnung zu wiegen, dass die Reform sich nicht durchsetzen werde. Das spalte die Bevölkerung in jene, die sich frühzeitig damit auseinander gesetzt hätten und die Reform akzeptierten, und jene, die sich zu spät oder gar nicht mit ihr befassten.
Dem wird entgegnet, eine Rechtschreibreform könne gar nicht von einem Tag auf den anderen umgesetzt werden. Dem Bürger begegneten weiterhin andere Schreibweisen. Der Vergleich mit einer Währungsumstellung oder dem Übergang vom Links- auf Rechtsverkehr sei wenig überzeugend, da Umstellungen in diesen Bereichen naturgemäß schneller vonstatten gingen.
Auch führe frühzeitiges Kennenlernen der neuen Regeln nicht notwendigerweise zu deren Akzeptanz.
Nachdem Verwaltungsgerichte im Lauf des Jahres 1997 unterschiedlich geurteilt hatten, erklärte das Bundesverfassungsgericht am 14. Juli 1998 die Einführung der neuen Rechtschreibung per Kultusministererlass für rechtmäßig.
In Schleswig-Holstein wurde in einem Volksentscheid am 27. September 1998 die Wiedereinführung der herkömmlichen Rechtschreibung beschlossen. Ministerpräsidentin Heide Simonis hatte schon vorher angekündigt, den Volksentscheid mit der Landtagsmehrheit wieder aufzuheben. Das Volksgesetz wurde dann tatsächlich vom Kieler Landtag im September 1999 aufgehoben. In Bayern war 1996/97 eine Volksinitiative erfolgreich. Aber das dadurch mögliche Volksbegehren wurde von den Initiatoren um Friedrich Denk aufgegeben.
Durch das Erscheinen der neuen Wörterbücher im Juli/August 1996 wurde die Kritik der Reformgegner bestätigt. Sie drängten nun darauf, die Neuregelung zurückzunehmen. Die Kultusministerkonferenz lehnte jedoch die daraufhin von den Reformern vorgeschlagenen Nachbesserungen ab. Auch die Duden-Redaktion räumte ein, dass viele Probleme im Zusammenhang mit der alten Rechtschreibung vor allem mit der unverständlich formulierten und spitzfindigen Darstellung der Rechtschreibregeln im Duden zusammenhingen.
Im Mai 1998 forderten 550 Sprach- und Literaturprofessoren die Rücknahme der Rechtschreibreform.
Anfang 2004 kündigte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn an, künftig solle die Zwischenstaatliche Kommission weitestgehend autonom über die deutsche Rechtschreibung entscheiden; nur noch Reformen von der Bedeutung etwa der gemäßigten Kleinschreibung bedürfen noch ministerieller Zustimmung. Der Vorstoß wurde scharf kritisiert.
Parallel dazu legte die Zwischenstaatliche Kommission ihren vierten Bericht zur Rechtschreibreform vor, in dem sie die neue Rechtschreibung in zahlreichen Punkten revidierte.
Anfang März 2004 tagte die Kultusministerkonferenz und vertagte den Beschluss über den von der Zwischenstaatlichen Kommission vorgelegten vierten Bericht auf Juni. Außerdem wurde der Zwischenstaatlichen Kommission aufgetragen, mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zusammenzuarbeiten. Diese Entscheidung ist besonders bemerkenswert, denn die Akademie hatte die Rechtschreibreform von jeher scharf kritisiert und war dafür von der Zwischenstaatlichen Kommission heftig angefeindet worden. Ferner beschloss die Kultusministerkonferenz, dass die Zwischenstaatliche Kommission teilweise neu besetzt und erweitert werden solle.
Im Mai 2004 legte die Kommission einen Bericht über die Gespräche mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vor und modifizierte dabei einige Formulierungen ihres Änderungsvorschlags aus dem vierten Bericht, ohne ihn im Kern zu verändern.
Im Juni 2004 hat die Kultusministerkonferenz dem vierten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung sowie dem ergänzenden Bericht vom 18. Mai 2004 zugestimmt. Die neu vorgeschlagenen Schreibweisen umfassen zum Beispiel „seit Längerem“ (neben: „seit längerem“), „leidtun“ (neben: „Leid tun“), „die Meisten“ (neben: „die meisten“); sie machen die bisherigen Schreibweisen, die 1998 in Kraft getreten sind, nicht falsch, sondern sind ebenso möglich. Zudem bekräftigten die Kultusminister, dass der Übergangszeitraum am 1. August 2005 enden solle. Außerdem soll ein Rat für deutsche Rechtschreibung gegründet werden, der an die Stelle der Zwischenstaatlichen Kommission treten soll. Der Beschluss erfolgte einstimmig und kann auch nur einstimmig geändert werden.
Der Rat für deutsche Rechtschreibung nahm am 17. Dezember 2004 seine Arbeit auf und soll sich in der Anfangszeit um die besonders umstrittenen Themen der Rechtschreibreform, wie z. B. der Zusammen- und Getrenntschreibung sowie der Eindeutschung von Fremdwörtern („Ketschup“, „Portmonee“) kümmern. Doch wurde gleich anfangs klargestellt, dass dieser Rat keine Rückkehr zur alten Rechtschreibung beschließen darf.
Am 27. Februar 2006 überreichte der Rat für deutsche Rechtschreibung der Kultusministerkonferenz eine Reihe weiterer Empfehlungen für Änderungen. Sie betreffen vor allem Groß- und Kleinschreibung sowie Zusammen- und Getrenntschreibungen. So werden Eigennamen wie "der Runde Tisch" wieder großgeschrieben und Wörter wie "eislaufen" wieder zusammengeschrieben. Außerdem gibt es eine Liste von Einzelentscheidungen, wie bei "es tut mir leid". Weitere Änderungen betreffen das Trennen am Zeilenende. So sollen sinnentstellende Trennungen, wie "Urin-stinkt" und Trennungen einzelner Buchstaben wie bei "E-sel" nicht mehr zulässig sein. Die Neuerungen, die zum großen Teil eine Rückkehr zu vorher üblichen Schreibweisen bedeuten, sollen mit dem neuen Schuljahr in Kraft treten, wobei die vorigen Schreibweisen erst nach einer Übergangsfrist von einem Jahr als Fehler angekreidet werden. Vorher bedurfte es allerdings noch der Zustimmung der Kultusministerkonferenz.
Die Kultusministerkonferenz stimmte am 2. März 2006 den Vorschlägen des Rates zu, so dass die reformierte Rechtschreibreform bundesweit am 1. August 2006 in Kraft treten soll.
In Österreich ist das Regelwerk das Österreichische Wörterbuch in seiner aktuellen Auflage.
Es wird immer wieder gesagt und geschrieben, die Neuregelung sei für Schulen und Behörden verbindlich. Das stimmt in dieser Absolutheit nicht. Staatliche Organe haben entsprechende Weisungsbefugnis nur für einen bestimmten Bereich, Landesregierungen beispielsweise haben diese Befugnis nur für Landesbehörden (zu denen auch die Schulen zählen), für Kommunalorgane haben sie diese Weisungsbefugnis nicht.
Im August 2004 hatte die Stadtverwaltung von Braunschweig die Rückkehr zur alten Rechtschreibung beschlossen - als einzige Stadt bundesweit. Im August des folgenden Jahres wurde jedoch wieder entschieden, sich prinzipiell nach der neuen Rechtschreibung zu richten, auch wenn die alte Schreibweise immer noch akzeptiert wird. Im März 2005 hat der Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen empfohlen, die Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen sollten die reformierten Schreibweisen „vor dem Hintergrund der vielfältigen Defizite und Widersprüchlichkeiten der reformierten Rechtschreibung“ nicht anwenden.
Während nur eine Minderheit der Medien die Reform voll umsetzt, arbeitet der überwiegende Teil auf der Basis einer eigenen Hausrechtschreibung mehr oder weniger nach den Regeln der neuen Rechtschreibung. In den reformierten Hausrechtschreibungen wird insbesondere die von der Rechtschreibreform vorgeschlagene ß-ss-Regel (die so genannte Heysesche s-Schreibung) toleriert. Erwähnenswert sind hierbei die Zeit und die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), die wohl die beiden Gegenpole der Hausorthographien darstellen. Während die Neue Zürcher Zeitung mit ihrer Hausorthographie deutlich näher an der alten Rechtschreibung als an der neuen steht, geht die von Dieter E. Zimmer für die Zeit entworfene Hausorthographie teilweise noch weiter als die Rechtschreibreform selbst (z. B. „Foton“ statt „Photon“).
Bei den Buchverlagen richtet sich die Umsetzung der Rechtschreibreform stark nach dem jeweiligen Segment und ist daher oft auch innerhalb eines Verlages uneinheitlich: Schulbücher, Kinder- und Jugendbücher sowie Sachbücher folgen überwiegend der neuen Rechtschreibung, bei deutschsprachigen Romanen richten sich die Verlage in der Regel nach den Wünschen der Autoren. Bei Übersetzungen fremdsprachlicher Belletristik wird ähnlich verfahren.
Klassische Werke der Literatur werden häufig unverändert in der alten Rechtschreibung gedruckt, abweichend davon werden aber Klassiker, die für den Schulgebrauch gedacht sind, wie zum Beispiel die bekannten „Reclam-Heftchen“, durchaus an die neue Rechtschreibung angepasst. Insgesamt erscheinen, nach einer Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, 80 % aller neu verlegten Bücher in neuer Rechtschreibung. Die meisten Druckmedien folgen der Rechtschreibreform jedoch nicht uneingeschränkt, sondern verwenden ebenfalls ihre eigene Hausrechtschreibung. In den meisten Fällen handelt es sich hier lediglich um Festlegungen, ob z. B. die von der Reform angebotenen Eindeutschungen von Fremdwörtern („Portmonee“ statt „Portemonnaie“) übernommen werden sollen oder nicht.
In lektorierten Medien (Büchern) ist so einigermaßen sichergestellt, dass im gesamten Medium die Schreibung einheitlich ist. Bei Tageszeitungen sind die Korrektorate in vielen Fällen wegrationalisiert worden, entsprechend uneinheitlich (und auch fehlerhaft) ist deren Schreibgebrauch.
Am 28. August 2004 erschien die 23. Auflage des Dudens. Es handelt sich hierbei um den dritten Duden, der seit Beschluss der Rechtschreibreform im Jahre 1996 erschienen ist. In der neuesten Auflage berücksichtigt der Duden auch die im Juni 2004 von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Änderungen.
Am 8. Oktober 2004 haben die deutschen Ministerpräsidenten einstimmig beschlossen, dass die neue Rechtschreibung termingerecht eingeführt werden soll. Es ist ein „Rat für die deutsche Rechtschreibung“ eingesetzt worden, der sich um eine Verbesserung der neuen Rechtschreibung kümmern soll und zwar insbesondere in den Bereichen Getrennt- und Zusammenschreibung, Interpunktion, Worttrennung und Schreibung von Fremdwörtern. In diesem Rat sitzen sowohl Befürworter als auch Gegner der Rechtschreibreform. Die Verbesserungen sollten noch vor der offiziellen Einführung der neuen Rechtschreibung am 1. August 2005 erfolgen.
Die wenige Tage später vorgestellte Zusammensetzung des Rates für Rechtschreibung unterschied sich deutlich von der angekündigten „pluralen“ Verteilung der Sitze: Laut einer Meldung der Zeitung Deutsche Sprachwelt bestehe eine „erdrückende Mehrheit“ des designierten Rats aus Befürwortern der Rechtschreibreform. Die Besetzung sei daher auf Grund aktueller Umfrageergebnisse nicht repräsentativ.
Am 29. November 2004 stellte Doris Ahnen, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, mit dem ehemaligen bayrischen Kultusminister Hans Zehetmair den designierten Vorsitzenden des Rates für Rechtschreibung vor. Zehetmair kündigte in einem dpa-Interview Korrekturen an. Eine Zurückführung zur alten Rechtschreibung, zur „Stunde Null“, schloss er aber aus.
Mit einer Änderung des Statuts am 17. Juni 2005 wurde die Arbeit des Rates für deutsche Rechtschreibung neu geregelt. (Obwohl diese Änderung die Grundlage für die Tätigkeit der Ratsmitglieder ist, wurde der neue Text den Mitgliedern zunächst nicht bekanntgegeben.) Darin legten die Kultusminister überraschend fest, dass der Rat für deutsche Rechtschreibung Änderungsvorschläge lediglich in den von den Kultusministern als „strittig“ eingestuften Bereichen
erarbeiten soll. Das Fehlen der Worttrennung am Zeilenende im Ratsstatut wurde später als Übertragungsfehler bezeichnet. Die Bereiche
wurden dagegen von den Kultusministern als „unstrittig“ eingestuft, obwohl der Rat für deutsche Rechtschreibung auch in diesen Bereichen notwendige Änderungen angekündigt hat. Die Einführung der von der Kultusministerkonferenz als „unstrittig“ bezeichneten Teile der Rechtschreibreform soll nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz nicht verschoben werden. Bei den strittigen Bereichen soll von den Lehrern weiterhin Toleranz geübt werden.
Nach dieser Entscheidung gab es mehrere Versuche, ein bundesweites Moratorium zu erreichen, um dem Rat für deutsche Rechtschreibung mehr Zeit für seine Arbeit einzuräumen. Ein Vorstoß der Ministerpräsidenten der CDU-regierten Länder scheiterte jedoch am Minderheitsvotum der SPD-regierten Bundesländer.
Nachdem ein bundesweiter Aufschub gescheitert war, empfahl der Verfassungsrechtler Rupert Scholz denjenigen Bundesländern, die eine Verschiebung der Einführung der Rechtschreibreform wünschten, einen Alleingang. Dazu kam es dann am 16. Juli 2005, als die bevölkerungsreichsten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern erklärten, die Einführung der Rechtschreibreform „bis auf weiteres“ auszusetzen. Man wolle die Ergebnisse des Rates für deutsche Rechtschreibung abwarten, um den „Empfehlungen des Rates zum Erfolg zu verhelfen“.
Seit 1. August 2005 gilt die neue Rechtschreibung in den Schulen der Bundesrepublik Deutschland in den sogenannten unstrittigen Teilen, außer in Nordrhein-Westfalen und Bayern, wo weiterhin die Übergangsregeln gelten.
Nachdem die Kultusministerkonferenz am 2. März 2006 den Vorschlägen des Rates für deutsche Rechtschreibung zugestimmt hat, soll die reformierte Rechtschreibreform ohne Ausnahmen durch einzelne Bundesländer in Deutschland am 1. August 2006 mit einjähriger Übergangsfrist eingeführt werden.
Am 30. März 2006 bestätigten die Ministerpräsidenten der Bundesländer in der Bundesrepublik die Reform der Reform für die BRD.
In Schleswig-Holstein wurde 1998 per Volksentscheid die Wiedereinführung der bisherigen Rechtschreibung an den Schulen beschlossen. Ein Jahr später wurde diese Entscheidung vom dortigen Landtag einstimmig gekippt.
Die Zeitung Deutsche Sprachwelt schrieb am 20. Januar 2001: „Nach einer Umfrage des ,Allensbacher Institutes für Demoskopie' lehnen die weitaus meisten Deutschen die Rechtschreibreform ab. In einer repräsentativen Umfrage sagten nur 13 % von 2111 Befragten, sie hätten sich auf die neue Schreibweise eingestellt.“
Nach einer vom Fernsehmagazin „Panorama“ am 21. Juli 2004 veröffentlichten Studie zum Stand der Akzeptanz der Reform hielten auch sechs Jahre nach der Einführung 77 % der Deutschen die Rechtschreibreform für „nicht sinnvoll“. Nur jeder fünfte Bundesbürger (21 %) bewertete die Reform positiv.
Am 6. August 2004 erklärten die Verlage Springer (u. a. BILD) und Der Spiegel sowie die Süddeutsche Zeitung (mit Einschränkungen) ebenfalls ihre Absicht, zu den alten Schreibweisen zurückzukehren, was erneut heftige Diskussionen um die Reform nach sich zog. Andere Verlage und Zeitungen kritisierten dieses Verhalten mehrheitlich. Die taz ließ aus Protest ihre Ausgabe vom 12. August 2004 in Kleinschreibung erscheinen und bezeichnete die Anhänger der traditionellen Rechtschreibung als „Ewiggestrige“.
Wenige Tage nach dem Vorstoß von Spiegel und Springer gab der Rheinische Merkur als weitere große Zeitung bekannt, ebenfalls zur traditionellen Rechtschreibung zurückkehren zu wollen.
Auf einem Treffen am 25. September 2004 beschloss die Kultusministerkonferenz mit großer Mehrheit, am Termin für die verbindliche Einführung zum 1. August 2005 festzuhalten und Nachbesserungen nur in einzelnen Bereichen durchzuführen.
Am 6. Oktober 2004 erklärte die Süddeutsche Zeitung, dass sie - entgegen ihrer Ankündigung - doch nicht zur alten Rechtschreibung zurückkehren werde.
Das Institut für Demoskopie in Allensbach untersuchte die Auswirkungen der Debatte im Sommer 2004 auf die Haltung der Bevölkerung gegenüber der Rechtschreibreform. In der repräsentativen Umfrage wollten nur noch 26 % der Deutschen über 16 Jahre die Rechtschreibreform beibehalten. Der Anteil der klaren Befürworter der Reform sank von 13 % im April 2004 auf 11 % im September 2004. Lediglich 19 % gaben an, sie beachteten die neuen Regeln. Die Demoskopen kommentierten, der Entschluss vieler Zeitungen, zur klassischen Schreibweise zurückzukehren, habe viele Bundesbürger zu einer ähnlichen Entscheidung veranlasst.
Anders in der deutschen Wirtschaft: Nach einer Umfrage des Handelsblatts vom Oktober 2004 war die Reform bei 70 % der deutschen Großunternehmen bereits umgesetzt, weitere 8 % wollten noch folgen. 71 % der befragten Unternehmen sprachen sich gegen eine Rückkehr zur alten Schreibung aus, hauptsächlich aus Kostengründen, zum Teil auch wegen der Verlässlichkeit getroffener Entscheidungen.
Im Juli 2005 wiederholte das Institut für Demoskopie in Allensbach seine Untersuchung zur Akzeptanz der Rechtschreibreform. Das Ergebnis zeigt eine klare Ablehnung der Rechtschreibreform in Deutschland: Nur 8 % der Befragten waren Befürworter der Reform, eine deutliche Mehrheit von 61 % sprach sich gegen die Reform aus.
Im Hinblick auf die notenrelevante Einführung der reformierten Rechtschreibregeln an den Schulen erklärten im Juli 2005 mehrere bereits zur klassischen Rechtschreibung zurückgekehrte Druckmedien (unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt), auch weiterhin die klassische Rechtschreibung verwenden zu wollen.
Zum 1. August 2005 wurde die Reform in den Schulen von 14 Bundesländern durchgesetzt, in Nordrhein-Westfalen und Bayern gilt weiterhin die Übergangsregelung.
Nach der Entscheidung der KMK soll eine reformierte Version der Reform am 1. August 2006 bundesweit in den Schulen mit einjähriger Übergangsfrist eingeführt werden. Zu diesem Termin wollen auch Bild, Die Welt, Hörzu und die übrigen Medien des Springer-Verlags dieser Schreibweise folgen.
Am 1. August 2005 wurden die Regeln der neuen Rechtschreibung für Ämter und Schulen verpflichtend. Zuvor galt eine siebenjährige Übergangsfrist, in der beide Rechtschreibungen gleichberechtigt nebeneinander verwendet werden durften, wobei in den Schulen nur noch nach der neuen Rechtschreibung unterrichtet wurde. Während der Frist wurden auch die österreichischen Schulbücher an die neue Schreibung angeglichen und mit einem eigenen Logo versehen, um auf den Umstand hinzuweisen. Obwohl ein Großteil der österreichischen Bevölkerung immer noch die alten Regeln bevorzugt, lösen die in Deutschland geführten Debatten über die Rückkehr zur alten Schreibung hierzulande Erstaunen aus.
Die erneute Debatte in Deutschland um die Rechtschreibreform hat auch unter den Schweizer Medien eher Verwunderung als Anerkennung ausgelöst. Der „Streit“ in Deutschland wird von den Schweizer Medien aus eher distanzierter Sicht berichtet. Allerdings sollte dazu angemerkt werden, dass sich die schweizerische Rechtschreibung bereits vor der Reform von der in Deutschland üblichen unterschied (durchgehend „ss“ anstelle von „ß“ und weitere Eigenheiten; zudem wird Hochdeutsch in der alemannischen Schweiz eher als eine Art Fremdsprache empfunden bzw. im Alltag kaum gesprochen). Auch Schweizer Schüler werden seit Jahren nur noch nach der reformierten Rechtschreibung unterrichtet, die für die Schweiz allerdings über die bisherigen Unterschiede hinaus manche Sonderregel enthält. Im Rat für deutsche Rechtschreibung setzen sich die zwei Mitglieder der Schweizer Lehrerverbände jedoch für eine Rückkehr zu den alten Regeln ein.
Die meisten Schweizer Printmedien verwenden zudem eine eigene Hausrechtschreibung. Bei einer Rückkehr zur alten Rechtschreibung müssten alle Schulbücher wie auch Medien die Rechtschreibung wieder anpassen. Dennoch gibt es auch in der Schweiz eine deutliche Rückkehrbewegung. In einer Presseerklärung vom 30. Juli 2005 kündigte die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) an, in Kürze im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft mit weiteren deutschsprachigen Nachrichtenagenturen über die weitere Anwendung der reformierten Schreibweisen zu entscheiden. Die SDA erklärte, sich alle Optionen offenhalten zu wollen, „einschließlich einer vollkommenen Rückkehr zur herkömmlichen Rechtschreibung“. Außerdem lehne die gesamte Arbeitsgemeinschaft „grammatisch falsche Schreibweisen (z. B. Leid tun, Recht haben, das 8-Fache) sowie die unnötige Veränderung gewohnter Wortbilder und falsche Ableitungen ab (z. B. aufwändig; einbläuen, Quäntchen)“.
Am 1. August 2005 wurden die Regeln der neuen Rechtschreibung für Schüler verbindlich, bis auf den Kanton Bern, dessen Lehrerverband die neue Rechtschreibung nicht einführen will (Das Schulwesen in der Schweiz wird kantonal betreut). Für Ämter und Behörden wurde die Übergangsregelung bis zum Vorliegen von Ergebnissen des Rates für deutsche Rechtschreibung verlängert.
Der damalige bayrische Kultusminister Hans Zehetmair stellte sich in einem Interview der Passauer Neuen Presse am 30. April 2003 hinter die Kritiker der Reform: „Aber aus heutiger Sicht und noch deutlicherer Kenntnis der deutschen Wesensart würde ich die Sache heute ganz zum Scheitern bringen. Wir hätten die Rechtschreibreform nicht machen sollen. Ich sage: Politik, Hände weg von einer Rechtschreibreform! Sprache ist ein dynamischer Prozess, sie muss wachsen und entstehen.“
Welches „Chaos“ die Rechtschreibreform anrichten würde, habe man erst in den neuen Wörterbüchern im Spätsommer 1996 gesehen. Damals habe Zehetmair erwogen, das Ganze zu kippen, aber er sei sich nicht sicher gewesen, ob er dies durchstehen könne. Zehetmair: „Niemals dürfe die Politik sich anmaßen, hier mit Dekreten einzugreifen.“
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sagte in einem Interview: „Deutschland sollte * zur alten Rechtschreibung zurückkehren und einen Schlussstrich unter diese unselige Diskussion ziehen.“ Peter Müller, der Ministerpräsident des Saarlandes, sagte: „Diese Rechtschreibreform ist eine Missgeburt und wird von den meisten Menschen nicht angenommen. Das muss die Politik akzeptieren und auch die Kraft haben, diese Reform grundsätzlich wieder abzuschaffen.“ Auf Initiative dieser beiden CDU-Politiker sowie des bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel sollen sich die Länderchefs direkt mit dem Thema befassen. Im einstimmigen Beschluss der Ministerpräsidenten vom 8. Oktober 2004 haben jedoch alle drei einer termingerechten Einführung der neuen Rechtschreibung zugestimmt.
Der Münchner Merkur kommentierte die Initiative am 13. Juli 2004: „Mit dem Niedersachsen Wulff, dem Saarländer Müller und dem Bayern Stoiber fordern nun schon drei Landeschefs die Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung. 70 Prozent der Deutschen lehnen die neuen Schreibregeln ab, weil sie ihr Sprachempfinden verletzen. Die Kultusminister haben bei der ihnen anvertrauten Reform der Rechtschreibung in aberwitziger Weise versagt und sich widerspruchslos dem Diktat selbsternannter Brachial-Reformer gebeugt. Politik muss aber in der Lage sein, erkannte Fehler zu revidieren, statt ängstlich im 'weiter so' zu verharren.“
Einer „Resolution zur Wiederherstellung der bisherigen einheitlichen Rechtschreibung“ haben sich neben sogenannten Sprachverein und anderen Bürgerinitiativen auch einige bekannte Persönlichkeiten angeschlossen. Es unterzeichneten bisher u. a. die Goethe-Gesellschaft, die Brüder-Grimm-Gesellschaft, Bundespräsident a. D. Walter Scheel, Dieter Thomas Heck, Manfred Krug, Günter Kunert, Reiner Kunze und Siegfried Lenz.
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat 2003 einen Kompromissvorschlag vorgelegt, der vor allem vom Potsdamer Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg entwickelt wurde. Von vielen Kritikern wird der Vorschlag zur Reform der Reform zwar nur als die zweitbeste Lösung angesehen, aber auch mit ihr könnten die Verantwortlichen der ursprünglichen Reform die von der Akademie gebaute Brücke erhobenen Hauptes überschreiten.
Nach dem Vorstoß von Christian Wulff im Juni 2004 befürworteten einige Ministerpräsidenten den Vorschlag, der Kultusministerkonferenz die Kompetenz über die Rechtschreibung zu entziehen, und auf diesem Wege die Rechtschreibreform doch noch zu kippen. Daraufhin erwuchs eine neuerliche breite Diskussion über die Rechtschreibreform.
Während der Diskussion kündigte der Stolz-Verlag die Rückkehr zur konventionellen Rechtschreibung an. Zuletzt forderte der Geschäftsführer der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA), Jürgen Horbach, eine vollständige Rücknahme der neuen Rechtschreibung.
Am 6. August 2004 gaben „Spiegel“ und die Verlagsgruppe Axel Springer AG bekannt, dass sie „dem Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung folgen und zur klassischen Rechtschreibung zurückkehren wollten. Begründet wurde diese Maßnahme mit der Ablehnung der Rechtschreibreform in der Bevölkerung und den gravierenden Mängeln der Reform. Das Urteil des Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust war, die Reform sei „staatlich verordnete Legasthenie“. Zum Jahresende 2005 kündigte allerdings Der Spiegel an, mit Beginn des Jahres 2006 die Rechtschreibung entsprechend der Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung umzusetzen. Aust begründete dies als eine „Rückkehr zur Vernunft“.
Dr. Mathias Döpfner als Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG und Stefan Aust als Chefredakteur des Spiegels wiesen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass sie „sehr dringend“ notwendige und sinnvolle Reformen in der Gesellschaft befürworteten, doch die Rechtschreibreform sei keine Reform, sondern vielmehr ein Rückschritt. Das Fazit sei sechs Jahre nach der Einführung erschreckend. Die Reform sei grundlegend gescheitert. Von der Umstellung bei Springer sind auch die beiden Tageszeitungen Die Welt und Bild-Zeitung betroffen.
Bald darauf gab auch die Süddeutsche Zeitung bekannt, dass auch sie die Rückumstellung in Angriff nehme. Es werde intern nur noch über Details diskutiert, insbesondere über den Termin sowie um einzelne Regeln, die möglicherweise beibehalten werden. Am 6. Oktober 2004 wurde allerdings bekannt, dass keine Rückkehr zur alten Rechtschreibung mehr geplant sei, sondern lediglich ein Kompromiss, und dass die Redaktion die weitere öffentliche Diskussion abwarte.
Die Hamburger Bauer Verlagsgruppe erklärte, dass sie die Rückkehr von Spiegel und Springer zur alten Rechtschreibung begrüße. Sie würde sich wünschen, dass möglichst viele Verlage diesem Beispiel folgen.
Die Deutsche Presseagentur (dpa) zeigte sich aufgeschlossen und will sich bei ihren Kunden ein Meinungsbild verschaffen. Auch die deutsche Vertretung von Associated Press (AP) will zunächst die Reaktionen der Kundschaft abwarten.
Der Burda-Verlag, zu dem auch das Nachrichtenmagazin Focus gehört, äußerte sich abwartend, wollte dies jedoch keinesfalls als Bekenntnis zur neuen Rechtschreibung verstanden wissen. Aus der Redaktion des Focus verlautete, man wolle sich an der Rechtschreibung der Schulen orientieren. Beim Verlag Gruner und Jahr verlautete, die Frage über die Rechtschreibung werde vom jeweiligen Chefredakteur entschieden, derzeit lägen jedoch keine Pläne für eine Rückumstellung vor.
Als erste Zeitung aus dem Axel-Springer-Verlag kehrte die „Bild am Sonntag“ am 3. Oktober 2004, am „Tag der deutschen Einheit“, zur alten Rechtschreibung zurück. Das Blatt machte damit an diesem Sonntag den Auftakt für die vom Springer-Verlag angekündigte Rückkehr für alle großen Publikationen zu den alten Regeln. Die ebenfalls zum Springerverlag gehörende Berliner Morgenpost, Die Welt, Hamburger Abendblatt und Bild-Zeitung erschienen am 4. Oktober 2004 erstmals wieder in alter Rechtschreibung. Die Welt am Sonntag erscheint seit dem 10. Oktober 2004 nicht mehr in neuer Rechtschreibung. Der Spiegel-Verlag kündigte an, zunächst bei der neuen Rechtschreibung zu bleiben und vor einer Umstellung die Ergebnisse des neugebildeten Rates für deutsche Rechtschreibung abzuwarten und begann Anfang 2005 mit einer schrittweisen Umstellung.
Im September 2004 kündigte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff den Ausstieg seines Bundeslandes aus der Kultusministerkonferenz an. Der Ministerpräsident argumentierte neben der Kosteneinsparung mit der Unwilligkeit der Kultusministerkonferenz, von der Rechtschreibreform abzurücken.
Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2004 fanden sich namhafte Kritiker der Rechtschreibreform zusammen, um den sogenannten Frankfurter Appell zu formulieren. Der Text fordert die „Wiederherstellung der einheitlichen und bewährten Orthographie“, um so dem „in sämtlichen Umfragen seit 1996 erkennbaren Willen der großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ zu entsprechen. Der Frankfurter Appell wurde im Laufe der Buchmesse von weiteren prominenten Schriftstellern, Verlegern, Wissenschaftlern und Künstlern unterzeichnet, so dass sich bis zum Ende der Messe über 250 Persönlichkeiten der Forderung angeschlossen hatten.
Am 28. März 2006 appellierten zahlreiche Schriftsteller (unter anderen Daniel Kehlmann, Christian Kracht, Judith Hermann, Iris Hanika) sowie die Bayerische Akademie der Schönen Künste in ihrer Erklärung „Die Sprache kennt keine Kompromisse“ an die Ministerpräsidenten, an der traditionellen Rechtschreibung festzuhalten. Der Staat habe selbst ohne Not eine Situation hergestellt, in der er sich von der überlegenen Orthographie der gewachsenen und vitalen Schriftkultur provoziert fühlen müsse. Die Literatur werde ihm aus dieser Lage nicht heraushelfen. Sie werde sich um staatliche Vorgaben um so weniger scheren, als diese die Intelligenz des Lesers beleidigten und die Tradition obsolet machten.
Deutsche Sprache | Politik (Deutschland) | Politik (Österreich) | Politik (Schweiz) | Reform
German spelling reform of 1996 | Reforma de la ortografía alemana de 1996 | Réforme de l'orthographe allemande
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world