Im allgemeinen Sprachgebrauch meint 'Reflexion' ein prüfendes und vergleichendes Nachdenken über etwas. Solche Reflexion bezeichnet also vereinfacht das "in sich gehen", "über Erlebtes nachdenken/reflektieren", "etwas Revue passieren zu lassen", "zu einer Erkenntnis zu kommen".
Im philosophischen Sinne, insbesondere in der von einem Subjekt ausgehenden Erkenntnistheorie, meint Reflexion das Denken des Denkens, wobei Denken, ähnlich wie bei Descartes, im weiteren Sinne von Bewusstsein zu verstehen. Also auch etwa das Denken des Fühlens oder das reflexive (ausdrückliche) Fühlen des Fühlens ist dabei inbegriffen. Im Denken des Denkens bestätigt sich ein Subjekt selbst. Es lernt also in der Reflexion (im Denken des Denkens) "Ich" zu sagen.
Normalerweise wird dieser Ausdruck auch in der Philosophie nur für die Fähigkeit des Menschen zur theoretisch-ausdrücklichen Selbstbesinnung verwendet, die sich am elementarsten in seinem Ich-Denken und -Sagen manifestiert. Fundamental für Reflexionstheorie ist aber, dass nach der “Bedingung der Möglichkeit” (Kant) für diese ausdrückliche Reflexion gefragt wird. Diese Bedingung der Möglichkeit ist eine konstitutive oder implizite, gelebte Reflexion, wie der Sozialphilosoph Johannes Heinrichssie nennt. Im Verhältnis zu dieser bildet die ausdrückliche und theoretische Reflexion nur Folge, Symptom und theoretische Abzweigung. Diese letztere wird daher von Heinrichs auch konsekutiv genannt. Er unterscheidet daher die konsekutive Reflexion (fast gleichbedeutend auch: theoretische Reflexion) von der konstitutiv-praktischen oder gelebten Reflexion.
Die konsekutive und theoretische Reflexion kennt mehrere Ausprügungen: Die psychologische Reflexion richtet sich auf die Vollzüge eines Subjekts als auf empirisch-seinswissenschaftliche Fakten. Die logische Reflexion richtet sich formalwissenschaftlich bloß auf die Bewusstseinsinhalte in ihrer Gegegenheit. Transzendentalphilosophische Reflexion ist gerichtet auf die Einheit von Vollzug und Gehalt in Bewusstseinsvollzügen. Transzendentale Reflexion, die grundlegende Methode der gesamten Transzendentalphilosophie, ist, entgegen einem häfigen Missverständnis, nicht bloß Subjektreflexion, sondern Reflexion auf Subjekt-Objekt-Relationen bzw. Subjet-Subjekt-Relationen.
Eine besondere Form der praktischen, gelebten Reflexion ist die soziale Reflexion, also das interpersonale und soziale Handeln als Prozess einer praktischen Reflexion, die zudem soziale Systeme als reflexive Wesenheiten begründet.
Anders in der Systemtheorie im Sinne Niklas Luhmanns. Das Selbst, auf das sich etwas bezieht, ist ein System von Beobachtungen, in dem gefragt wird, wie es möglich ist, dass ein Beobachter, der beobachtet, wie ein Beobachter beobachtet, was er beobachtet.
Im Unterschied zur klassischen Erkenntnistheorie ist die Systemtheorie, ausgehend vom radikalen Konstruktivismus, differenzorientiert und nicht einheitsorientiert. Denn die Beobachtung unterscheidet, was sie unterscheidet. Sie geht so gesehen blind vor, da sie im Moment der Unterscheidung nicht sagen kann, wie sie das macht.
Johann Gottfried Herder, aus "Abhandlung über den Ursprung der Sprache":
"Der Mensch in den Zustand von Besonnenheit gesetzt, der ihm eigen ist, und diese Besonnenheit (Reflexion) zum ersten Mal frei wirkend, hat Sprache erfunden. Denn was ist Reflexion? Was ist Sprache?
Diese Besonnenheit ist ihm charakteristisch eigen und seiner Gattung wesentlich: so auch Sprache und eigne Erfindung der Sprache. Erfindung der Sprache ist ihm also so natürlich als er ein Mensch ist! Lasst uns nun beide Begriffe entwickeln! Reflexion und Sprache -
Der Mensch beweist Reflexion, wenn die Kraft seiner Seele so frei wirkt, dass sie in dem ganzen Ozean von Empfindungen, der sie durch alle Sinne durchrauscht, eine Welle, wenn ich so sagen darf, absondern, sie anhalten, die Aufmerksamkeit auf sie richten und sich bewusst sein kann, dass sie aufmerke. Er beweist Reflexion, wenn er aus dem ganzen schwebenden Traum der Bilder, die seine Sinne vorbeistreichen, sich in ein Moment des Wachens sammeln, auf einem Bilde freiwillig verweilen, es in helle, ruhigere Obacht nehmen und sich Merkmale absondern kann, dass dies der Gegenstand und kein anderer sei. Er beweist also Reflexion, wenn er nicht bloß alle Eigenschaften lebhaft oder klar erkennen, sondern eine oder mehrere als unterscheidende Eigenschaften bei sich anerkennen kann: der erste Aktus dieser Anerkenntnis gibt deutlichen Begriff; es ist das erste Urteil der Seele - und - wodurch geschah diese Anerkennung? Durch ein Merkmal, das er absondern musste und das, als Merkmal der Besinnung, deutlich in ihn fiel. * Dies erste Merkmal der Besinnung war Wort der Seele! Mit ihm ist die menschliche Sprache erfunden!*"
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"Reflexion (Philosophie)".
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