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Definition


Das Redoxpotential beschreibt die Potentialdifferenz zwischen einem Halbelement und dem international standardisierten Bezugselement, der Normal-Wasserstoffelektrode. Das Bezugselement besteht aus einer Platinelektrode, welche bei 25 °C von Wasserstoffgas mit einem Druck von 1013 hPa umspült wird und in eine Salzsäurelösung der Stoffmengen-Konzentration 1 mol/l (das bedeutet, dass pH 0 vorliegt) taucht.

Die Spannung, welche entsteht, wenn das gewählte Halbelement mit dem Bezugshalbelement verbunden wird, bezeichnet man als das Standardpotential des gewählten Halbelements.

Geschichte


Klassisch wurden Oxidationsprozesse als Verbindung mit Sauerstoff oder Entfernung von Wasserstoff verstanden.

Regeln


Für den Elektronenfluss gilt:

Das Ausmaß der Reduktionskraft einer Substanz wird durch ihr Redoxpotenzial beschrieben; dies ist die Bereitschaft, Elektronen abzugeben und damit in die oxidierte Form überzugehen. Zutreffender spricht man hier von einem "Redox-Paar".

  • Je negativer ein Redoxpotenzial, desto stärker die Reduktionskraft
  • Elektronen fließen vom Redoxpaar negativeren Potenzials zum Redoxpaar weniger negativen (postiveren) Potenzials, also vom Atom, bei dem der Elektronendruck höher ist zu dem Atom, bei dem der Elektronendruck niedriger ist.

In der Physikalischen Chemie bezieht sich das Redoxpotenzial auf Standardbedingungen, d.h. eine Konzentration von 1 mol/l aller Reaktionspartner inklusive Protonen (diese entspricht pH 0 in Fällen, bei denen Protonen entstehen oder verschwinden). Die Triebkraft, auch Elektromotorische Kraft, eines Elektronenflusses zwischen zwei Redoxpaaren wird als ΔEo angegeben.

Redoxpotenzial und Gibbs-Energie


Zwischen ΔEo' und der Änderung der Gibbs-Energie besteht ein einfacher Zusammenhang:

ΔGo' = - n*F*ΔEo'
wobei n die Zahl der übertragenen Elektronen und F die Faraday-Konstante (96,5 kJ/(V*mol) bedeuten.

Um den ΔGo'-Wert der Reduktion von Acetaldehyd durch NADH,H + zu errechnen, sind die Eo'-Werte der Halbreaktionen voneinander zu subtrahieren +0,12, denn es gilt der Ansatz:

RedoxRK4.png

Nach Multiplikation mit n (2) und der Faradaykonstante (96,5) ergibt sich ΔGo' = - 23,16 kJ/mol; die Reaktion würde also unter Standardbedingungen (aber bei pH 7) spontan ablaufen. Dies geht allerdings auch schon daraus hervor, dass NADH,H + / NAD+ in der Tabelle über Ethanol/Acetaldehyd 2 H+ angeordnet ist, d.h. ein stärker negatives Redox-potenzial aufweist.

Standardpotenziale


Reduktionsmittel Gleichgewicht.png Oxidationsmittel + n e- Standardpotenzial
E0 (in Volt)
2 F- Gleichgewicht.png F2 + 2 e- +2,87
2 SO42- Gleichgewicht.png S2O82- + 2 e- +2,00
4 H2O Gleichgewicht.png H2O2 + 2 H3O+ + 2 e- +1,78
PbSO4 + 5 H2O Gleichgewicht.png PbO2 + HSO4- + 3 H3O+ + 2 e- +1,69
MnO2 + 6 H2O Gleichgewicht.png MnO4- + 4 H3O+ + 3 e- +1,68
Mn2+ + 12 H2O Gleichgewicht.png MnO4- + 8 H3O+ + 5 e- +1,49
Pb2+ + 6 H2O Gleichgewicht.png PbO2 + 4 H3O+ + 2 e- +1,46
Au Gleichgewicht.png Au3+ + 3 e- +1,42
2 Cl- Gleichgewicht.png Cl2 + 2 e- +1,36
2 Cr3+ + 21 H2O Gleichgewicht.png Cr2O72- + 14 H3O+ + 6 e- +1,33
6 H2O Gleichgewicht.png O2 + 4 H3O+ + 4 e- +1,23
Mn2+ + 6 H2O Gleichgewicht.png MnO2 + 4 H3O+ + 2 e- +1,21
Pt Gleichgewicht.png Pt2+ + 2 e- +1,20
2 Br- Gleichgewicht.png Br2 + 2 e- +1,07
NO + 6 H2O Gleichgewicht.png NO3- + 4 H3O+ + 3 e- +0,96
Hg Gleichgewicht.png Hg2+ + 2 e- +0,85
Ag Gleichgewicht.png Ag+ + e- +0,80
2 Hg Gleichgewicht.png Hg22+ + 2 e- +0,80
Fe2+ Gleichgewicht.png Fe3+ + e- +0,77
H2O2 + 2 H2O Gleichgewicht.png O2 + 2 H3O+ + 2 e- +0,68
MnO2 + 4 OH- Gleichgewicht.png MnO4- + 2 H2O + 3 e- +0,59
2 I- Gleichgewicht.png I2 + 2 e- +0,54
Cu Gleichgewicht.png Cu+ + e- +0,52
4 OH- Gleichgewicht.png O2 + 2 H2O + 4 e- +0,40
2 Ag + 2 OH- Gleichgewicht.png Ag2O + H2O + 2 e- +0,34
Cu Gleichgewicht.png Cu2+ + 2 e- +0,34
2 Hg + 2 Cl- Gleichgewicht.png Hg2Cl2 + 2 e- +0,27
Cl- + Ag Gleichgewicht.png AgCl + e- +0,22
H2SO3 + 5 H2O Gleichgewicht.png SO42- + 4 H3O+ + 2 e- +0,20
Cu+ Gleichgewicht.png Cu2+ + e- +0,16
H2S + 2 H2O Gleichgewicht.png S + 2 H3O+ + 2 e- +0,14
Ag + Br- Gleichgewicht.png AgBr + e- +0,07
H2 + 2 H2O Gleichgewicht.png 2 H3O+ + 2 e- 0,000
Fe Gleichgewicht.png Fe3+ + 3 e- -0,04
Pb Gleichgewicht.png Pb2+ + 2 e- -0,13
Sn Gleichgewicht.png Sn2+ + 2 e- -0,14
H2O2 + 2 OH- Gleichgewicht.png O2 + 2 H2O + 2 e- -0,15
Ag + I- Gleichgewicht.png AgI + e- -0,15
Ni Gleichgewicht.png Ni2+ + 2 e- -0,23
Co Gleichgewicht.png Co2+ + 2 e- -0,28
Pb + SO42- Gleichgewicht.png PbSO4 + 2 e- -0,36
Cd Gleichgewicht.png Cd2+ + 2 e- -0,40
Fe Gleichgewicht.png Fe2+ + 2 e- -0,41
Zn Gleichgewicht.png Zn2+ + 2 e- -0,76
H2 + 2 OH- Gleichgewicht.png 2 H2O + 2 e- -0,83
SO32- + 2 OH- Gleichgewicht.png SO42- + H2O + 2 e- -0,92
N2H4 + 4 OH- Gleichgewicht.png N2 + 4 H2O + 4 e- -1,16
Al Gleichgewicht.png Al3+ + 3 e- -1,66
Mg Gleichgewicht.png Mg2+ + 2 e- -2,38
Na Gleichgewicht.png Na+ + e- -2,71
Ca Gleichgewicht.png Ca2+ + 2 e- -2,76
Ba Gleichgewicht.png Ba2+ + 2 e- -2,90
K Gleichgewicht.png K+ + e- -2,92
Li Gleichgewicht.png Li+ + e- -3,02

Redoxpotentiale in der Biochemie


Für biochemische Vorgänge rechnet man mit den auf pH 7 bezogenen Potenzialen ΔEo'. Für Reaktionen, an denen Protonen beteiligt sind, ergibt sich somit eine Potenzialdifferenz von 0,413 V, wie in der nachfolgenden Tabelle angegeben.

Bitte beachten: werden Redoxpotenziale als Eo oder Eo' angegeben (Tabelle), so bezeichnen sie formal das Potenzial relativ zur Normal-Wasserstoffelektrode. Das Redoxpotenzial jeder anderen Reaktion, ΔEo bzw. ΔEo', ergibt sich dann durch Differenzbildung der zutreffenden Eo'-Werte.

Red/Ox n Eobei pH 0 Eo' [V bei pH 7
Ferredoxin Fe++/Fe+++ 1 -0,43 -0,43
½ H2 /H+ 1 0 -0,413
NADH,H + / NAD+, 2H+ 2 +0,09 -0,32
Liponsäure: Lipons.-H2/Lipons., 2 H+2 +0,21-0.20
Ethanol/Acetaldehyd 2 H+2 +0,21 -0,20
Flavin-Nucleotide (FAD, FMN): F-H2/ F, 2H+2 +0,22-0,19*)
Glutathion: 2GSH/(GS)2, 2 H+2 +0,31-0,10
Suc/Fum, 2 H+2+0,38-0,03
Ascorbat/Dehydroasc., 2 H+2+0,35+0,06
Hydrochinon/Ubichinon, 2 H+2+0,51+0,10
H2O/½O2, 2 H+2+1,23+0,82
Häm-Eisen-Proteine
Katalase Fe++/Fe+++ 1-0,5-0,5
Peroxidase Fe++/Fe+++ 1-0,2-0,2
Cytochrom b562 Fe++/Fe+++ 1-0,1-0,1
Cytochrom b5 Fe++/Fe+++ 1+0+0
Hämoglobin, Myoglobin Fe++/Fe+++ 1+0,1+0,1**)
Cytochrom c Fe++/Fe+++ 1+0,25+0,25

*) Bei Flavin-Nucleotiden handelt es sich um fest gebundene prosthetische Gruppen, deren genaues Redoxpotenzial vom Proteinpartner abhängt.
**) Bemerkenswert ist die geringe Bereitschaft von Hämoglobin, Elektronen abzugeben: dies würde zum Funktionsverlust führen.

Siehe auch


Chemie

Redox potenciál | Reduction potential | Potentiel d'oxydo-réduction | Redoxpotential

 

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