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Eine Redewendung (auch: Idiom, idiomatische Wendung, Phraseologismus) ist eine Verbindung von mehreren Wörtern ("feste Wortverbindung"), die eine Einheit bilden und deren Gesamtbedeutung nicht direkt aus der Bedeutung der Einzelelemente abgeleitet werden kann. Es handelt sich um den Spezialfall einer Kollokation. Siehe auch Ausdruck.

Wortverbindungen und Wortschatz


Die Idiomatizität einer Wortverbindung zeigt sich daran, dass
  • der Austausch einzelner Elemente keine systematische Bedeutungsveränderung ergibt: jemandem einen Katzendienst erweisen gegenüber jemandem einen Bärendienst erweisen, über der Hand gegenüber unter der Hand
  • es auch eine "wortwörtliche" Lesart der Phrase gibt, für die die vorhergehende Regel nicht gilt.

Diese Wendungen werden unterschieden von den Gruppen der freien (unfesten) Wortverbindungen und den losen Wortverbindungen. In ungenauer Redeweise werden unter Redewendungen auch Sprichwörter, Redensarten, Funktionsverbgefüge und Zwillingsformeln subsumiert.

Redewendungen sind ein fester Bestandteil des sprachlichen Lexikons. Oft enthalten sie ehemalige rhetorische Figuren, vor allem Metaphern. Fast immer sind sie aus sprachhistorisch älteren unidiomatischen ("wortwörtlich gebrauchten") Syntagmen entstanden. Die Unanalysierbarkeit der Bedeutung löst sich somit fast immer auf, wenn die Geschichte einer Redewendung nur weit genug zurück verfolgt werden kann. Redewendungen können (wie alle Wortschatzelemente) eine eingeschränkte regionale Verbreitung haben.

Literarische Zitate, die als Redewendungen Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden haben, werden als geflügelte Worte bezeichnet.

Beispiele für gebräuchliche Redewendungen


  • am Katzentischchen sitzen
  • auf dem Holzweg sein
  • auf den Hund kommen (gesundheitlich oder wirtschaftlich ruiniert werden; verelenden; zugrunde gehen)
  • auf der faulen Haut liegen
  • bis in die Puppen (etwas übertreiben, z.B. "schlaf nicht wieder bis in die Puppen!")
  • blaumachen (ohne triftigen Grund nicht zur Arbeit/Schule erscheinen; aus der Färberei: Die Farbe Blau benötigte eine längere Ruhezeit, siehe *)
  • blau sein (betrunken sein) (franz. être noir: schwarz sein)
  • Blut und Wasser schwitzen (große Angst haben)
  • wo der Pfeffer wächst (süddeutsch: Unbekannter Ort, der weit weg liegt - abgeleitet von Französisch Guayana: Pfefferanbaugebiet und frz. Kolonie, die wegen des mörderischen Dschungelklimas auch Verbannungsort für Schwerstverbrecher war)
  • das Blaue vom Himmel lügen
  • für die Katz sein (nach einer Fabel von Burkard Waldis)
  • das Kind mit dem Bade ausschütten
  • Das kommt mir spanisch vor.
  • das letzte Wort haben
  • das sind böhmische Dörfer (siehe Böhmisches Dorf)
  • dem Tod von der Schippe (Schaufel) springen (dem Tod nur knapp entrinnen)
  • den Bach hinuntergehen (zu Grunde gehen, beispielsweise ein Vermögen oder eine Firma)
  • den Hals nicht vollkriegen (von etwas nicht genug bekommen)
  • den lieben Gott einen guten Mann sein lassen (alles etwas ruhiger angehen lassen)
  • den Nagel auf den Kopf treffen (etwas (z.B. ein Problem) genau zu benennen)
  • den Teufel an die Wand malen
  • den Teufel mit dem Beelzebub austreiben
  • die Kirche im Dorf lassen
  • die Nase in etwas stecken (das einen nichts angeht)
  • die Rechnung ohne den Wirt machen (etwas zu tun ohne an negative Folgen zu denken)
  • die Spreu vom Weizen trennen (Gutes von Schlechtem trennen)
  • durch dick und dünn gehen
  • eine goldene Brücke bauen
  • eine ruhige Kugel schieben (ein ruhiges Leben führen)
  • einen Bären aufbinden
  • einen Schuss ins Blaue abgeben (eine Vermutung äußern)
  • einen Stein im Brett haben (bei jemandem etwas gut haben)
  • einen Zahn zulegen (schneller machen, beeilen)
  • etwas auf dem Kerbholz haben
  • etwas auf den Grund gehen
  • etwas aus dem effeff können
  • etwas geht auf keine Kuhhaut
  • fröhliche Urständ feiern (ein als schlecht betrachtetes Verhalten, das man erledigt glaubte, findet wieder Verbreitung)
  • für jemanden die Hand ins Feuer legen (sich für jemanden verbürgen)
  • gutem Geld schlechtes nachwerfen
  • im selben Boot sitzen
  • im Trüben fischen
  • ins Schwarze treffen (mit einer Vermutung richtig liegen)
  • jemandem auf den Zahn fühlen
  • jemandem Beine machen (jemanden zur Eile antreiben)
  • jemanden den Garaus machen (jemanden umbringen oder etwas zerstören)
  • jemandem den schwarzen Peter zuschieben
  • jemandem den Hof machen (umwerben)
  • jemandem die Leviten lesen
  • jemandem die Suppe versalzen
  • jemandem ein :Römische Zahl:: für ein :Römische Zahl:V_ungenau_als_U:: vormachen (:Wirt::es beim :Wirt:: betrügen)
  • jemandem einen Bärendienst erweisen
  • jemandem einen Denkzettel verpassen (jemanden eine Lektion erteilen)
  • jemandem einen Strich durch die Rechnung machen
  • jemandem etwas einbleuen (jemandem etwas unmissverständlich klar machen)
  • jemandem etwas heimzahlen
  • jemandem geht ein Licht auf (jemand begreift etwas unvermittelt)
  • jemandem heimleuchten
  • jemandem in die Suppe spucken
  • jemandem Paroli bieten (siehe Parolispiel)
  • jemandem reißt der Geduldsfaden (jemand verliert die Geduld)
  • jemanden Mores lehren
  • jemanden im Regen stehen lassen
  • jemanden in die Pfanne hauen
  • kein Wässerchen trüben können
  • mit allen Wassern gewaschen sein
  • mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden sein (einen schlechten Tag haben)
  • mit der Kirche ums Kreuz gehen (einen Umweg gehen)
  • nahe am Wasser gebaut haben (oder sein) (leicht zu weinen)
  • neun Leben haben (wie Katzen)
  • nur Bahnhof verstehen (nichts verstehen)
  • sein Fähnlein nach dem Winde drehen (sich opportun verhalten)
  • sein Licht unter den Scheffel stellen
  • seit Olims Zeiten
  • sich die Hände in Unschuld waschen (jede Schuld weit von sich weisen; jede Mitschuld ablehnen; Pontius Pilatus wusch sich die Hände, um vom Todesurteil an Jesus Abstand zu nehmen)
Matthäus 27,24: „Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!“
  • sich grün und blau ärgern (sich sehr ärgern)
  • springender Punkt (lat.: punctum saliens; Vorstellung: im Weißen eines Eis befinde sich ein hüpfender Blutfleck, der das Herz des späteren Vogels bildet; heute: das entscheidende Moment einer Darlegung)
  • Trick 17
  • umgekehrt wird ein Schuh draus
  • unter der Hand (heimlich, unter Mißachtung geltender Regeln)
  • Va banque spielen (franz.: Es gilt die Bank; so viel wie: sehr viel riskieren, siehe Pharo)
  • vom Hundertsten ins Tausendste kommen
  • vom Regen in die Traufe kommen (einem Unglück entkommend ins nächste stürzen)
  • von Herzen (mit Liebe)
  • wie aus dem Ei gepellt
  • wie ein Elefant im Porzellanladen (sich sehr ungeschickt anstellen)
  • wie Pilze aus dem Boden schießen
  • zwischen den Jahren
  • klar wie (klare) Kloßbrühe
  • jemanden gefressen haben (nicht leiden können)

Schweizer Redewendungen


  • bachab schicken (in einer Abstimmung verwerfen)
  • in Tat und Wahrheit (in Wirklichkeit)
  • jemandem geht der Knopf auf (jemandem geht ein Licht auf); auch in Bayern und Österreich
Siehe auch: Helvetismus
  • was Hänschen nicht kann, lernt Hans nimmermehr
  • von Tuten und Blasen keine Ahnung haben (gar nichts verstehen); keine rein Schweizer Spezialität

Siehe auch


Weblinks


Redewendung

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