Als Realität (lat. realitas, von res „Ding“) oder Wirklichkeit wird im allgemeinen Sprachgebrauch die Gesamtheit des Realen bezeichnet. Real ist dabei das, was auch außerhalb des Denkens existiert, d.h. unabhängig vom nur Gedacht-Sein: Inhalte von Vorstellungen, Gefühlen, Wünschen, Wahrnehmungen u.ä. gelten im Alltagsverständnis zunächst einmal als nicht der Realität zugehörig.
Das genaue Verständnis dessen, was unter real, irreal und Realität zu verstehen ist, beruht auf den jeweils vorausgesetzten philosophischen Grundannahmen ontologischer und metaphysischer Art; dies gilt auch für das Realitätsverständnis der einzelnen Wissenschaften. In der Philosophie können die Begriffe „Realität" und „Wirklichkeit" in unterschiedlicher Weise gebraucht werden.
Für die Naturwissenschaften ist Realität das, was der wissenschaftlichen Betrachtung und Erforschung zugänglich ist. Dinge der Realität müssen messbar sein und können als Basis für Theorienbildung dienen.
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Der Realitätsbegriff als solcher ist unscharf. Je nach Verwendungsweise hat er unterschiedliche Inhalte. So werden etwa im Philosophielexikon von Hügli/Lübcke die folgenden Realitätsbegriffe aufgeführt, deren Bedeutung sich jeweils unterscheidet:
In der Philosophie wird weiterhin die Realität von Allgemeinbegriffen diskutiert (Universalienstreit) und sogar die Frage gestellt, ob Werte objektiv existieren (Ethischer Realismus).
Wie in anderen Bereichen auch gibt es in der Philosophie zu der Frage, was real ist, eine Vielzahl zum Teil erheblich widerstreitender Auffassungen. Dabei wird grundsätzlich die ontologische von der erkenntnistheoretischen und schließlich von der wissenschaftstheoretischen Sichtweise unterschieden. Ontologischer Realismus besagt, dass es grundsätzlich eine Außenwelt gibt, die unabhängig von erkennenden Subjekten existiert. Die Gegenposition dazu ist der subjektive Idealismus, für den Wirklichkeit nur von geistigen Leistungen abhängt (siehe auch Solipsismus). Der erkenntnistheoretische Realismus ist insofern stärker bzw. enger als angenommen wird, dass die existierende Wirklichkeit in irgendeiner Weise auch erkannt werden kann. Über den Grad der Erkennbarkeit gibt es nun wiederum eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Auffassungen. Die Gegenposition ist der Konstruktivismus, der davon ausgeht, dass alle Gegenstände im Bewusstsein auf einer Konstruktion, d.h. wiederum auf geistigen Leistungen beruhen. Schließlich sind die Vertreter des wissenschaftstheoretischen Realismus der Auffassung, dass sich über die Realität Theorien aufstellen lassen, die in gewisser Hinsicht wahr sind. Aus Sicht der analytischen Philosophie hat Michael Dummett diese These so formuliert, dass die Wahrheit einer Aussage unabhängig von der Möglichkeit ihrer Rechtfertigung besteht. Die von Dummett vertretene Gegenthese ist der Antirealismus.
In Hinblick auf den erkenntnistheoretischen Realismus werden üblicherweise die folgenden Positionen unterschieden:
Nicht ganz in die vorstehende Einteilung passt der Begriff der Repräsentation, bei dem die Erscheinung des Gegenstandes im Bewusstsein als etwas Vermitteltes aufgefasst wird. Dabei reicht das Spektrum der Vorstellungen von Repräsentation von der physischen Abbildung über die Sinnesdaten bis hin zur Isomorphie zwischen Wirklichkeit und Sprache oder auch Zeichen. Die Repräsentationsauffassungen bezeichnet man auch als Phänomenalismen.
Bei der Bewertung der vorgestellten Grundpositionen muss man feststellen, dass sie alle jeweils empirisch nicht belegbar sind, sondern auf mehr oder weniger plausiblen Interpretationen unseres Bewusstseins bzw. unserer Vorstellungen von der Welt beruhen, so dass sie alle ebenso metaphysisch sind wie ein radikaler Skeptizismus.
Der Antirealist hat in dieser Debatte eine relativ leichte Position, da er darauf beharren kann, dass das menschliche Erkenntnisvermögen einen empirischen Nachweis der Außenwelt nicht zulässt. Gegen diese Position spricht allerdings die Plausibilität der Alltagserfahrung, dass offensichtlich alle Menschen ein weitgehend gleichartiges Erleben der Welt haben und die praktische Argumentation der Naturwissenschaften, die mit einer realistischen Weltsicht auf die Erfolge der Forschung verweisen können. Das klassische Beispiel ist die auf der Relativitätstheorie beruhende Theorie der Ablenkung von Lichtwellen durch Gravitation, die dann durch die Beobachtung der Rotverschiebung im Nachhinein bestätigt wurde.
Von der Antike bis zum Mittelalter ist nur die Auseinandersetzung über die Realität von Allgemeinbegriffen (Universalienstreit) bekannt, d.h. es ist für diese Zeit von einem naiven bzw. allenfalls kritischen Realismus auszugehen. Die Vorstellung einer reinen Konstruktion der Welt im Bewusstsein wie im subjektiven Idealismus Fichtes oder im Radikalen Konstruktivismus heutiger Zeit gab es damals noch nicht. Erst mit der Bewusstseinsphilosophie Descartes’ und der idealistischen Interpretation durch Berkeley (esse est percepi = Sein ist Wahrgenommenwerden) begann die Realismus – Debatte in der Philosophie. Sie prägte vor allem die Auseinandersetzung zwischen Rationalismus und Empirismus in der Neuzeit, für die Kant eine vermittelnde Position zu finden suchte.
Immanuel Kant bezeichnete die Außenwelt mit dem Begriff der „Dinge an sich“. dieser Begriff war für ihn ein Grenzbegriff, weil er die Eigenschaften der Außenwelt für den Menschen als nicht erkennbar ansah. In das Bewusstsein gelangen nur von der Außenwelt affizierte Wahrnehmungen, die er Erscheinungen nannte. Da die Erkenntnisweise bei allen Menschen gleich ist, können die Wahrnehmungen intersubjektiv überprüft werden, so dass es auf der Ebene der Erscheinungen ein objektives Wissen gibt.
Die Realität umfasste für Kant aber auch den Bereich des reinen Verstandes und der reinen Anschauungen, die sog. intelligible Welt, die a priori im Menschen liegt. Der Mensch verfügt unabhängig von den Dingen an sich über sie Anschauungen von Raum und Zeit sowie über Denkstrukturen, die sog. Kategorien, mit denen er die Erscheinungen strukturiert und nach Regeln in Begriffe und Urteile (Aussagen) umwandelt. Auch wenn die Dinge an sich für den Menschen nicht unmittelbar erkennbar sind, müssen sie notwendig angenommen werden, weil sonst keine Anschauungen entstehen können. Auf der anderen Seite bedarf es der menschlichen Begriffsbildung, um eine Realität im Bewusstsein entstehen zu lassen. Darüber hinaus gab es für Kant sog. regulative Ideen, nämlich Gott, die Freiheit und die Seele. Dieses sind absolute Begriffe, die ohne empirische Basis von der Vernunft gebildet werden, weil das Streben nach einer unbegrenzten Erweiterung der Erkenntnis in der Natur des Menschen liegt. Auch diesen reinen Bewusstseinsinhalten sprach Kant in seiner Postulaten – Lehre als gedanklichen Entitäten Realität zu.
Indem die Vertreter des Deutschen Idealismus die Annahme einer Außenwelt (der Dinge an sich) bestritten, kamen sie zu der Auffassung, dass die Wirklichkeit durch ein System des Geistes entsteht. Geist und Natur sind als Einheit zu verstehen, die auf ein absolutes Prinzip zurückzuführen ist wie z. B. das Ich, die Natur oder den Weltgeist. Diese in der Spekulation verhaftete Denkweise war nicht geeignet, positive Beiträge und Reflexionen zu den sich rasant entwickelnden Naturwissenschaften zu leisten. Gleichsam als Gegenentwicklung gewann im Positivismus ein stark realistischen Weltbild die Oberhand. Klassischer Vertreter des kritischen Realismus ist Nicolai Hartmann. Die Lösung des kritischen Rationalismus Karl Poppers ist ähnlich. Da Popper aber die Möglichkeit des erkenntnistheoretischen Nachweises einer Außenwelt für nicht gewährleistet hielt, nahm er stattdessen an, dass es pragmatisch sinnvoll ist, die Position des kritischen Realismus für sinnvoll zu halten. In Verbindung mit dem von ihm ausgearbeiteten Fallibilismus spricht man bei Popper daher auch von einem hypothetischen Realismus.
Jean Baudrillard (Agonie des Realen) als Denker des Poststrukturalismus sieht Ende des 20. Jahrhunderts die aktuelle Realität durch eine "Agonie fester Bezüge, Agonie des Realen und Rationalen" bestimmt, mit dem das Zeitalter der Simulation Einzug hält. Die Geschichte habe sich "zurückgezogen", einen "Nebel der Indifferenz hinter sich zurücklassend, durchquert zwar von Strömen, aber all ihrer Bezüge entleert". Baudrillard stellt Theorien der Hyperrealität auf, in der das Zeichen auf Kosten des ursprünglich von ihm Bezeichneten an Macht gewinnt.
Eine neue Sicht erhielt die Diskussion in der sprachanalytischen Wende, mit der allein der Sprache Priorität für Fragen der Erkenntnis eingeräumt wurde. In Konsequenz sind die meisten Vertreter der sprachanalytischen Philosophie Antirealisten wie herausragend Michael Dummett und Donald Davidson zu nennen sind. In seinem viel diskutierten neopragmatischen Ansatz kommt Richard Rorty zu der Auffassung, das die Realismus – Debatte letztlich nutzlos ist und statt dieser Frage vielmehr konkrete wissenschaftliche Themen bearbeitet werden sollten.
Um ihrem Selbstverständnis zu genügen, bedürfen die Naturwissenschaften eines Realitätsbegriffs, der Entitäten und die Möglichkeit von Messungen als wahr unterstellt, da ansonsten Regelmäßigkeiten nicht zu beobachten und Prognosen nicht ausführbar wären. Dabei reicht aber die Möglichkeit der Auffassungen von einem strengen metaphysischen Realismus bis hin zu der Sichtweise, dass die Objekte der Wissenschaft Abstraktionen sind. Bei Aussagen der Wissenschaft über die Realität ist heute kaum noch umstritten, dass
Eine besondere Spielart ist der sog. Wissenschaftsrealismus, der auch nicht beobachtbare Sachverhalte wie Neutronen oder Röntgenstrahlen für etwas Reales hält, weil diese theoretischen Gegenstände empirisch überprüfbare Auswirkungen haben. Ein prominenter Vertreter des Entitätsrealismus ist Ian Hacking, der aber Theorien keine eigenständige Realität zuspricht.
Der wissenschaftliche Alltag (Forschung, Publikationen, Lehre) beschränkt sich heutzutage auf die Anwendung einer Reihe bewährter Methoden. Fragen nach dem Realitätsbezug stellen sich nur an wenigen exponierten Stellen wie zum Beispiel bei Klimamodellen oder der Urknall-Theorie.
Bei der Interpretation der Quantenmechanik stellte sich das Problem, den Begriff 'Realität' zu definieren, verschärft. Ursache ist, dass die zu beobachtenden Objekte je nach Experiment sich unterschiedlich darstellen, einmal als Teilchen, einmal als Lichtwelle. Dies führte Einstein, Podolsky und Rosen zu folgendem Kriterium der physikalischen Wirklichkeit:
Obwohl diese Definition sehr vorsichtig klingt, scheint sie zu Problemen zu führen, wenn z. B. die Resultate der EPR-Experimente erklärt werden sollen.
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