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Das Ravensberger Land ist eine historisch-kulturräumliche Landschaft im Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe) im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Es umfasst hier jenes überwiegend hügelige Gebiet zwischen mittlerem Teutoburger Wald und östlichem Wiehengebirge, das vom 17. bis ins 20. Jahrhundert zu Preußen gehört hatte.
Prägende Merkmale sind neben der preußischen Vergangenheit das vorherrschende lutherische Bekenntnis, eine alte intensive landwirtschaftliche Nutzung, vielfältige Industrie und eine hohe Bevölkerungsdichte. Das Gebiet ist in weiten Teilen, jedoch nicht vollständig, deckungsgleich mit der Ravensberger Mulde.
Die bedeutendsten Städte sind Bielefeld (zum größeren Teil im Ravensberger Land gelegen), Herford, Bad Oeynhausen und Bünde.
Es umfasst somit den ganzen Kreis Herford bis auf den Vlothoer Stadtteil Uffeln, im Kreis Minden-Lübbecke die Kommunen Bad Oeynhausen und Hüllhorst, im Kreis Gütersloh Werther und einen kleinen nördlichen Teil Borgholzhausens, schließlich die Bielefelder Stadtbezirke Mitte, Dornberg, Gadderbaum, Heepen, Jöllenbeck, Schildesche und Stieghorst, zusammen etwa 755 km² mit rund 580.000 Einwohnern (2005).
In der Folge ging der Name Ravensberg von der Grafschaft auf den durch die Mittelgebirge klar abgegrenzten Kernraum Minden-Ravensbergs über und damit auch auf ehemals mindische Gebiete, begünstigt durch die seit alters her bestehenden kulturlandschaftlichen Gemeinsamkeiten im Raum der Ravensberger Mulde. Gegenüber den dahingehend ähnlich geprägten Nachbargegenden um Melle und in Lippe wirkten nun jedoch die politischen Grenzen verstärkt weiter, zusätzlich kamen gewisse konfessionelle Gegensätze hinzu.
Der sich nun allmählich einbürgernde Begriff Ravensberger Land hatte damit keinen ausschließlichen naturräumlichen oder kulturlandschaftlichen Bezug, die Landschaft erhielt zusätzlich in politischer, konfessioneller und mit Beginn der Industrialisierung immer mehr auch wirtschaftlicher Hinsicht eine eigene Prägung.
Nach dem kurzen Zwischenspiel der Napoleonischen Zeit gehörte das Gebiet ab 1815 zum Regierungsbezirk Minden in der preußischen Provinz Westfalen. Auf unterer Verwaltungsebene lagen der Kreis Herford (seit 1878 auch der neugebildete Stadtkreis Bielefeld) ganz, der (Land-)Kreis Bielefeld überwiegend und die Kreise Halle, Lübbecke und Minden zu kleineren Teilen im Ravensberger Land.
1946/47 ging die Provinz Westfalen mit dem Ende Preußens im neugebildeten Land Nordrhein-Westfalen auf, auf Kreisebene besteht seit 1973 die oben angeführte Verwaltungseinteilung.
Die Landschaft des Ravensberger Hügellandes wird allgemein als Parklandschaft charakterisiert. Typisch dafür sind relativ zahlreiche Feldgehölze und Gebüsche innerhalb der überwiegend als Acker und Grünland genutzten Feldflur und eine ursprünglich ausgeprägte Streusiedlung, d.h. neben kleinen Dorfkernen waren zahlreiche Einzelhöfe vorhanden, die mit Fachwerkgebäuden und Eichkämpen für den landschaftlichen Reiz dieses Gebietes von wesentlicher Bedeutung waren.
Die Fruchtbarkeit des Gebietes führte zusammen mit Heuerlingswesen und dem geltenden Anerbenrecht im 18. und frühen 19. Jh. zu Überbevölkerung und zur Verarmung großer Bevölkerungsteile, die auch durch die genannte Binnenkolonisation (Markenteilung) nicht aufgefangen werden konnte. Erst durch eine erhebliche, tlw. vom preußischen Staat forcierte, breitgefächerte Industrialisierung im Anschluss an den Bau der Köln-Mindener Eisenbahn gelang es allmählich, die stetig weiterwachsende Bevölkerung in Lohn und Brot zu bringen, trotzdem gab es noch lange eine starke Abwanderung, v.a. nach Amerika. Die Verbindung von weiterhin bestehender ländlicher Prägung mit starken industriellen Einflüssen war ein typisches Merkmal des Ravensberger Landes bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte einen erneuten Bevölkerungszuwachs durch die Ostflüchtlinge, auch die weiterhin prosperierende Wirtschaft zog Zuwanderer an. Heute steht Bielefeld (das allerdings im Süden über das Ravensberger Hügelland hinausreicht) unter den deutschen Großstädten an 18. Stelle, der Kreis Herford gehört zu den dichtestbesiedelten (Land-)Kreisen Deutschlands. Das Gebiet ist Kernraum des Verdichtungsraumes Bielefeld-Herford, der sich vom Kreis Gütersloh bis Minden erstreckt.
Die hohe Bevölkerungsdichte in Verbindung mit den besonders ab Mitte des 20. Jh. steigenden Ansprüchen an Wohnraum, Mobilität und Infrastruktur schränken den alten Reiz der Ravensberger Kulturlandschaft immer mehr ein. Zu nennen wären hier v.a. die massive Zersiedelung und die Zerschneidung der Landschaft durch den Straßenbau. Außerdem nahm vielerorts die Kommunalpolitik im Zuge der Modernisierungswelle seit den 1960er Jahren wenig Rücksicht auf die historische bäuerliche Bausubstanz.
Kreis Minden-Lübbecke | Kreis Herford | Bielefeld | Kreis Gütersloh
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