article Related Topics:
Ravenna :: Ravenna_Township
 

Ravenna (früher dt.: Raben) ist eine italienische Stadt mit etwa 140.000 Einwohnern. Ravenna ist Hauptstadt der gleichnamigen italienischen Provinz in der Region Emilia-Romagna und liegt an der Adria zwischen Rimini und dem wahrt. Von 402-476 war Ravenna Hauptstadt des Weströmischen Reiches. Später residierten hier auch Odoaker und Theoderich der Große; nach der Rückeroberung Italiens durch oströmische Truppen residierte dann bis 751 der kaiserliche Exarch in der Stadt.

Geschichte


Antike

In der Antike war Ravenna eine von Wasser umschlossene Lagunenstadt und ihr Hafen Classis (zeitweilig bis zu 50000 Einwohner) einer der bedeutendsten Flottenstützpunkte des Römischen Reiches. Der gestürzte markomannische König Marbod wurde hier im Jahre 19 bis zu seinem Tode im Jahre 37 interniert. Ebenso lebten die von Germanicus gefangen genommenen Cherusker Thusnelda und Thumelicus hier.

Spätantike und Völkerwanderung

Im Jahre 402 verlegte der weströmische Kaiser Honorius seinen Hof von Mailand nach Ravenna. Die Westgoten unter Alarich I. belagerten 408 Ravenna. Im selben Jahr wurde der Feldherr Stilicho Opfer einer Intrige am Kaiserhof. Des Paktierens mit Alarich und damit des Hochverrats beschuldigt, wurde er in Ravenna hingerichtet.

Nach dem Tod des (Mit-)Kaisers Constantius III. 421 in Ravenna und dem Tod des Honorius regierte dessen Halbschwester Galla Placidia zunächst für ihren minderjährigen Sohn Valentinian III. Sie ließ die Stadt prächtig ausbauen. Eine Legende besagt, dass sich im Jahre 410 der Neffe des Hunnenkönigs Rugila, Attila, am Hofe als Geisel befand.

Nach der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustus herrschte in der Stadt ab 476 der Germane Odoaker, der 493 von dem Ostgotenherrscher Theoderich nach der Niederlage in der Rabenschlacht eigenhändig ermordet wurde. Die Ostgoten unter Theoderich errichteten in Italien ein Reich, das bis zur Niederlage gegen Byzanz 552 Bestand hatte. Die Hauptstadt Ravenna erlebte eine kulturelle Blütezeit.

Gegen seinen Protest wurde der gebrechliche Papst Johannes I. 525 von dem arianischen Theoderich nach Konstantinopel geschickt, um dort mit Justinian I. über sein Dekret gegen die Arianer zu verhandeln. Theoderich drohte dem Papst mit Repressionen gegen die Katholiken. Als Johannes unverrichteter Dinge zurückkehrte, ließ Theoderich den Papst mit der Anschuldigung verhaften, er habe sich mit Kaiser Justinian I. verschworen. Er wurde in Ravenna festgehalten und starb dort aufgrund der schlechten Behandlung 526. Theoderich starb kurz darauf am 30. August in Ravenna. Sein dortiges Grabmal ist aber heute leer.

Im Mai 540 fiel das von Belisar im Auftrag Kaiser Justinans belagerte Ravenna, wahrscheinlich hatten ostgotische Adlige dem Heermeister die Kaiserwürde im Westen angeboten. Belisar ging darauf ein und eroberte so die Stadt. Ob Belisar die Kaiserwürde nur zum Schein annahm, ist unklar, aber wohl am wahrscheinlichsten. Dennoch erweckte dies den Argwohn Justinians, der seinen Generälen ohnehin nie recht traute. 549 wurde Belisar abberufen und durch seinen Konkurrenten Narses ersetzt. Dem gelang es Anfang Juni 552, das wieder gotische Ravenna erneut zu erobern.

Nun erlangte Ravenna bis 751 als Vorposten des Oströmischen Reiches in Italien Bedeutung, die Stadt wurde bald nach dem Einfall der Langobarden (568) Hauptstadt des Exarchats von Italien. Aus dieser Zeit des Umbruchs von der Antike zum Mittelalter (siehe vor allem Spätantike) findet man in Ravenna heute noch zahlreiche bedeutende Bauwerke, die oft noch den originalen Mosaikenschmuck des 5. bis 7. Jahrhunderts zeigen und die inzwischen zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Sie sind einzigartig, da im Kerngebiet des Oströmischen Reiches fast alle derartigen Mosaiken später dem Bilderstreit zum Opfer fielen.

751 eroberte der Langobardenkönig Aistulf die Stadt, womit das Exarchat von Ravenna endete. Im Vertrag von Quierzy (754) versprach Pippin der Jüngere, das ehemals byzantinische Exarchat von Ravenna dem Papst zu übergeben (Pippinische Schenkung); im Gegenzug legitimierte Papst Stephan II. die Karolinger als Könige des Frankenreichs. Schon 755 ereilte den fränkischen König die Bitte, dem Vertrag durch Taten zur Erfüllung zu verhelfen. Bis zu seinem Tode führte Pippin zwei erfolgreiche Feldzüge gegen die Langobarden und schenkte dem Papst die eroberten Gebiete. Er gilt so als Begründer des Kirchenstaates, zu dem auch Ravenna gehörte. Damit gelangte auch der Bischofssitz von Ravenna endgültig unter die päpstliche Oberhoheit. Denn zur Zeit des Papstes Vitalian entzog 666 der oströmische Kaiser Konstans II. die Kirche von Ravenna der Oberhoheit von Rom und machte sie zu einer in sich selbständigen Kirche. Das daraus folgende Schisma wurde unter Papst Donus und seinem Nachfolger Agatho wieder beseitigt, aber in der Folge hatten sich die ravennatischen Bischöfe als Patriarchen einer Hauptstadt immer wieder als weitgehend gleichberechtigt gesehen.

Mittelalter

Um das Jahr 950 wurde in Ravenna der heilige Gründer der Kamaldulenser Romuald geboren, der später großen Einfluss auf Kaiser Otto III. gewinnen sollte.

967 hielt in Ravenna Kaiser Otto II. einen Reichstag ab. Auf Vorschlag des Kaisers genehmigte der gleichzeitig eine Synode versammelnde Papst Johannes XIII. die Errichtung der drei fortan zum Metropolitanverband des Erzbistums Magdeburg gehörenden Bistümer Meißen, Merseburg und Zeitz (später Naumburg).

Später führte Ravenna den zu einer autonomen Republik wachsenden Städtebund, zu dem Ancona, Fano, Pesaro, Senigallia und Rimini gehörten und war bereits im 11. Jahrhundert Sitz einer bedeutenden Rechtsschule.

Dante Alighieri vollendete in Ravenna die 1307 begonnene "Göttliche Komödie", die wie kaum ein anderes Werk die europäische Literatur beeinflusste, und starb kurz darauf am 14. September 1321. Nachdem vor einiger Zeit seine Gebeine wiedergefunden worden sind, errichtete man ihm in Ravenna ein neues Grabmal.

Neuzeit

Seit 1861 gehört Ravenna zu Italien. Seit 1989 verbindet sich Ravenna mit Speyer als Partnerstadt.

Sehenswürdigkeiten


Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten gehören frühchristliche Kirchen wie San Vitale, San Apollinare Nuovo oder im einstigen Hafenort Classe San Apollinare in Classe sowie zwei frühchristliche Baptisterien.

Das ebenfalls reich mit Mosaiken geschmückte Grabmal der Kaiserin Galla Placidia hat ihren Leichnam wohl nie aufgenommen. Galla Placidia starb 450 in Rom und wurde vermutlich dort beigesetzt.

Das Grabmal Theoderich des Großen gilt als besondere architektonische Leistung auf Grund des aus einem einzelnen Monolithen gearbeiteten Dachs.

Der Bischofsstuhl, den der den Arianismus in Ravenna beseitigende Bischof Maximianus (546-552) aus Byzanz mitbrachte, wird heute im Museum am Dom aufbewahrt und ist eines der großen Meisterwerke frühbyzantinischerr Elfenbeinschnitzerei.

Die am Meer liegenden Badeorte Lido di Ravenna, Marina di Ravenna, Lido di Classe u.a. verfügen über zahlreiche Campingplätze, Ferienhäuser und Hotels, aber auch weitläufige Naturschutzgebiete. Am Lido di Dante gibt es auch einen ausgedehnten FKK-Strand.


Söhne und Töchter der Stadt


Siehe auch


Literatur


  • Friedrich Wilhelm Deichmann: Ravenna : Hauptstadt des spätantiken Abendlandes. Bd. 1: Geschichte und Monumente (1969). Bd. 2: Kommentar, Teil 1 (1974). Teil 2 (1976). Teil 3: Geschichte, Topographie, Kunst und Kultur, Indices zum Gesamtwerk (1989). Plananhang (1976). Bd. 3: Frühchristliche Bauten und Mosaiken von Ravenna (1958) *

Weblinks


Ort in der Emilia-Romagna | Weltkulturerbe (Italien) | Alte Kirche | Römische Stadt | Archäologischer Fundplatz in Italien | Byzantinische Stadt

Равена | Ravenna | Ravenna | Ravenna | Ravenna | Rávena | Ravenna | Ravenna | Ravenne | רוונה | Ravenna | Ravenna | Ravenna | ラヴェンナ | Ravenna | Ravenna | Ravenna (stad) | Ravenna | Rawenna | Ravenna | Ravenna | Равенна | Равена | Ravenna | 拉文納

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Ravenna".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld