Rattanakosin (Thai: กรุงรัตนโกสินทร์, Indras wertvollstes Juwel) heißt das Gründungs-Gebiet der neuen siamesischen Hauptstadt 1782 am östlichen Ufer des Maenam Chao Phraya. Es wird auch „Rattanakosin-Insel“ genannt.
Das Flussbett des Maenam Chao Phraya, so wie er heute mitten durch Bangkok fließt, wurde wesentlich in der Regierungszeit von König Chairatcha Thiraj von Ayutthaya (1534-46) bestimmt. Der ließ nämlich einen Khlong (Kanal) graben, um die Fahrt vom Golf von Thailand bis zur Hauptstadt Ayutthaya durch zahlreiche Flussbiegungen abzukürzen. Der ursprüngliche Lauf des Flusses lässt sich noch heute erahnen, wenn man den Lauf des Khlong Bangkok Yai und des Khlong Bangkok Noi westlich des heutigen Hauptstromes ansieht.
Französische Ingenieure erbauten im Jahre 1675 Forts auf beiden Seiten des Flusses, sie mussten sich aber 1688 wieder von dort zurückziehen. Überreste des Forts auf der Thonburi-Seite sind heute noch an der Mündung des Khlong Bangkok Yai zu sehen. Dort wo das Fort auf dem östlichen Ufer stand, gründete König Rama I. die neue Hauptstadt des siamesischen Reiches.
Über die Gründung im Jahre 1782 erzählt die Inschrift auf einem Denkmal vor der heutigen Stadtverwaltung von Bangkok:
Karte_Bangkok_MKL1888_kl.png Das östliche Flussufer war ursprünglich sehr sumpfig, so dass es zuerst entwässert werden musste. Schon zur Zeit König Taksins wurde dazu ein schmaler Kanal, der Khlong Lord („Strohhalm-Kanal“) gegraben. Dort, wo der neue Palast geplant war, lebte bereits eine Gemeinschaft von wohlhabenden chinesischen Kaufleuten, die wahrscheinlich den dort bereits vorhandenen Wat Potharam (heute Wat Phra Chetuphon, kurz: Wat Pho) unterstützten. Sie wurden freundlich „gebeten“, ihre Geschäfte umzusiedeln, und zwar in die „Gärten“, einer damals unbesiedelten Gegend vor der Stadt, die heute als „Sampeng“ bekannt ist. Dann konnten die ersten Gebäude des neuen Palastes gebaut werden. Später kam dann eine hohe Backsteinmauer dazu, die das Areal von heute 250 ha nach aussen abschirmte.
Als Vorbild für den neuen Palast diente der zerstörte Palast von Ayutthaya. Der Palast wurde so geplant, dass der König ihn nie verlassen musste. Wenn er sich dem Volk zeigen wollte, betrat er einen speziell dazu erbauten Balkon, heute noch als Teil der Ostmauer zu sehen. Der Palast enthielt einen Inneren Bereich, den Wang Nai. Hier befand sich sich die Private Residenz des Königs, seine Blumengärten und die Villas der Königin und der Chao Choms (etwa: „Königliche Gesellschafterinnen“) mit deren Kindern und (weiblichen!) Bediensteten. Der innere Bereich faszinierte als „Stadt der Frauen“ ausländlische Besucher noch bis ins frühe 20. Jahrhundert. Im Äußeren Bereich befand sich das eigentliche Machtzentrum des siamesischen Reiches. Hier wohnte und lebte der Premier Minister mit seinen Sekretären, hier gab es das Hohe Gericht, die königliche Ratsversammlung, die königlichen Wachen, sogar die königliche Artillerie hatte hier ihr Quartier. Für den königlichen Tempel, der den Smaragd-Buddha beherbergen sollte, wurde ein eigener Bereich geschaffen.
Es war der Wunsch von König Rama I., nicht eine völlig neue Hauptstadt zu errichten, sondern vielmehr eine Kopie der alten Hauptstadt Ayutthaya. Da Ayutthaya rundherum von Wasser umgeben war, ließ der König auch hier im Osten der Stadt einen weiteren Kanal graben, so dass die Hauptstadt scheinbar auch auf einer Insel lag, der Rattanakosin-Insel. Dieser Äußere Stadtgraben oder Khlong Robb Krung (wörtlich: „Kanal, der die ganze Stadt umschließt“) wurde 1783 von 5.000 laotischen Kriegsgefangenen als Verteidigungs-Graben ausgehoben und mit einer dicken, zinnenbewehrten Ziegelmauer eingefasst. (Überreste dieser Mauer sind heute noch am Prasumen Fort und gegenüber des Wat Bovornivet in Banglampuh zu sehen.) Viele der Backsteine, die zum Bau der Mauer und der Forts benutzt wurden, kamen aus dem zerstörten Ayutthaya auf Leichtern den Fluss herunter. Der Graben wurde weit genug ausgehoben, um der Bevölkerung auch hier die in Ayutthaya so beliebten Bootsrennen bieten zu können. Als weitere Verteidigungsmaßnahme wurde der nordöstlich gelegene Teil der Rattanakosin-Insel als Sumpfgebiet belassen. Hier wurden später Obstbäume gepflanzt, und erst König Chulalongkorn ließ hier die breiten Avenuen bauen, die Ratchadamnoern („wo der König lustwandelt“) genannt wurden und die noch heute den Grand Palace mit dem als Gartenstadt geplanten Dusit-Palast verbindet.
Nördlich des Großen Palastes lag der Sanam Luang (Königlicher Platz). Hier fanden die königlichen Kremationen statt, er war Schauplatz von jährlichen Zeremonien, wie das „Erste Pflügen“, einer brahmanischen Zeremonie, um das Volk einer guten Ernte zu versichern.
Der Vizekönig bekam seinen eigenen Palast gebaut, den sog. „Vorderen Palast“ (Wang Na), der sich nördlich vom ebenfalls zur Gründungszeit existierenden Wat Mahathat befindet. Er erhielt ein eigenes Tempelgebäude, den Wat Buddhaisawan mit dem Phra Buddha Sihing, einer bronzenen Buddha-Statue aus der Sukhothai-Zeit. Heute ist im Wang Na das National-Museum, im südlichen Teil die renommierte Thammasat-Universität beheimatet.
König Rama I. wäre kein richtiger König gewesen, wenn er nicht auch für seine Hauptstadt angemessen zahlreiche Tempel instand gesetzt und neu gegründet hätte. Bereits zu Anfang seiner Regierungszeit erließ er, dass aus der zerstörten Hauptstadt die heiligen Bildnisse des Buddha nach Bangkok gebracht würden, um ihnen hier eine würdige Umgebung zu schaffen. Gemäß alter Chroniken hat Rama I. mehr als 1.250 Statuen aus zerstörten oder verfallenen Tempel im ganzen Land nach Bangkok schaffen lassen und sie an verschiedene Tempel seiner Hauptstadt verteilt. Wat Potharam, der alte Tempel der direkt südlich an seinen Palast grenzt, wurde renoviert und vergrößert, um den alten Glanz Ayutthayas wieder auferstehen zu lassen. Die Renovierung wurde von 20.000 Arbeitern in 12 Jahren durchgeführt, anschließend bekam er den heutigen Namen Wat Phra Chetuphon, bei Touristen ist er aber noch immer unter seinem alten Namen als Wat Pho bekannt.
Als religiöses und geographisches Zentrum seiner Hauptstadt ließ König Rama I. einen neuen großartigen Tempel bauen. Das gesamte Layout sollte „systematisch, ordentlich und sorgfältig ausgeführt werden, so dass dieser Tempel das würdevolle Highlight des ganzen Landes“ wird. Die Grundsteinlegung des neuen Tempels war am Montag dem ersten Februar 1807 auf dem Gelände, das neben einem brahmanischen Monument mit Namen „Sao Ching Cha“ lag. Die Haupt-Buddha-Statue sollte eine alte Statue werden, die sich ursprünglich im verlassenen Wat Mahathat in Sukhothai befand. Sie wurde mit dem Boot in die Hauptstadt gebracht und im Jahre 1808 im neuen Tempel geweiht. Anschließend bekam der Tempel seinen Namen Wat Suthat Thepwararam. Dieser Name bezieht sich auf die göttliche Stadt des Gottes Indra im Tavatimsa Himmel auf der Spitze des Berges Meru. Der König verstarb im Jahre 1809, ohne die Fertigstellung des Tempels mitzuerleben.
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