Rationalität (von lat. rationalitas = Denkvermögen) bezeichnet im Allgemeinen die Vernunft bzw. den Verstand oder vernunftbegabtes Handeln.
Im erweiterten Sinne wird der Begriff auch im Sinne von Verhältnismäßigkeit verwendet, zum Beispiel für die Verhältnismäßigkeit von Mittel und Zweck. Rationales Handeln liegt demnach vor, wenn angestrebter Zweck und verwendetes Mittel in einem vernünftigen Maß zueinander stehen.
Im Besonderen wird der Begriff Rationalität in folgenden Bereichen verwendet:
Die Rationalität als Charaktereigenschaft wurde von Aristoteles den Männern zugeschrieben, Frauen hingegen bezeichnete er als irrational.
Viele klassische Philosophen unterscheiden zwischen ratio und intellectus, im Deutschen meist mit Verstand und Vernunft (ursprünglich genau umgekehrt) wiedergegeben, wobei ratio in aller Regel ein niedrigeres Erkenntnisvermögen darstellt, das vergleichend und diskursiv operiert, während intellectus meist ein einheitlich zusammenschauendes Vermögen bezeichnet.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde vielfach ein klassischer Begriff von Rationalität, auf welchen etwa die Aufklärung zu optimistisch gesetzt habe, kritisiert, da er beispielsweise die Bindung an verletzbare Leiblichkeit ausblende und zu einer technisierten Totalverapperatung des Daseins führe, Individuelles unter der Brille allgemeiner Kategorien tilge oder im Sinne einer rein technischen Optimierungslogik die Verfolgung beliebiger Zwecke, auch der Katastrophen des 20. Jahrhunderts sanktioniere und optimiere. Viele Philosophen sehen Rationalität gebunden an soziale Praktiken, besonders solcher des Ausschlusses von als "irrational" Gewertetem. Bekannte Philosophen, die teils als "Rationalitätskritiker" eingeschätzt werden oder explizit auftraten, sind, bei freilich ganz unterschiedlicher Akzentsetzung, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Michel Foucault, Jacques Derrida oder Jürgen Habermas.
Die Rationalität individueller oder sozialer Praktiken sowie bestimmter Theorien zu reflektieren steht in vielen Bereichen der Philosophie im Mittelpunkt, etwa, abhängig vom jeweils verfolgten Ansatz, oft in Bereichen der Ethik, der Handlungstheorie, Sozialphilosophie, Wissenschaftstheorie oder Religionsphilosophie.
Zahlreiche analytische Philosophen haben in jüngerer Zeit systematische Ausarbeitungen eines Rationalitätsbegriffs versucht, beispielsweise Robert Nozick, John Searle oder Robert Audi.
In der Folge wurde der Begriff unter anderem von Jürgen Habermas (Kommunikative Rationalität) erweitert.
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