Rasur (lateinisch rasura, deutsch das Schaben, Kratzen) ist das Beschneiden der Haare bis kurz über der obersten Hautschicht mit einer Klinge, so dass diese nicht mehr fühlbar sind. Die Rasur ist die gängigste Methode der Depilation. Das Haar wird hierbei nicht entfernt, sondern nur gekürzt. Bei der Haarentfernung, auch Epilation, wird die Haarwurzel mit entfernt.
Unter Rasur wird heute meist das Rasieren des männlichen Barthaars verstanden. Die getragenen Bärte und ihre Formen unterscheiden sich nach Kulturkreisen und Epochen. Die Rasur als solche ist jedoch schon recht alt: Wie Höhlenmalereien belegen, haben sich bereits die Menschen vor 25.000 Jahren mit Hilfe von geschärften Steinen und Muscheln die Behaarung abgeschabt.
Die erste „Bartmode“ ist aus dem alten Ägypten überliefert. Damals waren die Ägypter entweder glattrasiert oder trugen beispielsweise einen Oberlippenbart. Wie von der Maske des Tutanchamun bekannt, trugen die ägyptischen Könige als Zeichen ihrer Macht lange, blau gefärbte Kinnbärte, die auch nur ihnen vorbehalten waren. Diese Moden erforderten auch geeignetes Werkzeug: Sie benutzten Rasiermesser aus Kupfer oder Bronze. Rasierer mit Eisenklingen wurden erst spät benutzt.
In Südamerika bevorzugten es die Ureinwohner dagegen, die Haare statt des Rasierens auszuzupfen.
Nassrasur.jpg Im 17. Jahrhundert wurde in Sheffield das Klapprasiermesser erfunden. Rasiermesser hervorragender Qualität kamen in der Folge aus den Messermetropolen Solingen und Sheffield. Die Nassrasur der Barthaare wurde traditionellerweise beim Barbier mit dem Rasiermesser durchgeführt. In den meisten Kulturkreisen ist dieser Berufsstand recht selten geworden, aber im arabischen Raum wird die Barbierkunst noch gepflegt.
Ursprünglich war die Klinge feststehend, aber schon ca. 1550 v. Chr. sind die ersten einklappbaren Messer bekannt.
Zur Erweichung der Barthaare und für besseres Gleiten der Klinge auf der Haut verwendet man traditionell Rasierseife, eine Rasierschüssel, einen Rasierpinsel (möglichst aus weichen Dachshaaren, beste Qualität: Silberspitzendachs) und als Blutstiller einen Alaunstift. Mancher verwendet auch noch einen vergrößernden Rasierspiegel.
Three blade safety razor.jpgHeutzutage kommt der Rasierschaum bzw. das Rasiergel bequemer aus der Spraydose, erreicht aber nicht die dicke Cremigkeit und damit Wirksamkeit beim Aufweichen der Barthaare einer selbst aufgeschäumten Rasierseife oder Rasiercreme aus der Tube. Alternativ kann man auch Rasieröl oder (zweckentfremdet, aber tauglich) Haar-Conditioner verwenden. Nach dem vorsichtigen Abschaben der Bartstoppeln mit dem Rasierapparat und dem Abspülen des Schaums wird meist ein alkoholhaltiges Rasierwasser (Aftershave) aufgetragen, um die Mikroverletzungen zu desinfizieren und einen leichten Duft aufzutragen. Für empfindliche Gesichtshaut gibt es auch alkoholfreien After-Shave-Balsam/Lotion.
Aufgrund des direkten Klingenkontaktes mit der Gesichtshaut war die Nassrasur bislang wirksamer als mit dem elektrischen Rasierapparat und aufgrund des Wassergebrauchs auch wesentlich erfrischender. Sie ersetzt ein extra Peeling. Wer über eine sehr empfindliche Gesichtshaut verfügt oder gar unter Akne leidet, der wird durch eine Nassrasur allerdings stärker gereizt als durch die elektrische Trockenrasur. Unerwünschter Nebeneffekt beim erstmaligen Nassrasieren kann insbesondere bei empfindlicher Haut und Hautiritationen der so genannte Rasurbrand sein.
Bekannte Rasierklingenhersteller sind Gillette aus den USA, Wilkinson Sword (in den USA Markenname Schick) aus England sowie der französische Einwegproduktehersteller BIC (seit 1972). Grundsätzlich wird unterschieden zwischen den billigen Wegwerf-Rasierern und den Systemrasierern, bei denen nur die Klingenblöcke gewechselt werden müssen. Außerdem gibt es noch die traditionellen mechanischen Rasierapparate (Hobel) mit der wechselbaren doppelseitigen Rasierklinge, die in den Unterhaltskosten sehr günstig sind.
Bei den genannten Systemrasierern liefern sich Gillette und Wilkinson in den letzten Jahren ein Rennen um die beste Nassrasur, wobei günstige Anbieter wie Drogerieeigenmarken mit kurzen Verzögerungen nachziehen. So stieg die Klingenanzahl von zwei auf mittlerweile fünf (Gillette Fusion seit 2006) der dünnen Metallstreifen hoch, die einzeln federnd gelagert sind sowie speziell gehärtet und leicht gleitend sein sollen. Desweiteren wurden erst unterhalb und mittlerweile zusätzlich oberhalb der Klingen so genannte Feuchtigkeitsstreifen angebracht, und Gummilamellen sollen die Haare vor der Rasur aufrichten. Die Klingenblöcke selbst sind auch in verschiedene Richtungen schwenkbar gelagert. Der einzige wirkliche Unterschied der beiden großen Hersteller liegt darin, dass Wilkinson seine Klingen mit feinen senkrecht verlaufenden Drähten versieht und somit die Schnittgefahr weiter senken will.
Ob dieser Aufwand lohnt, muss jeder selbst beurteilen; aller Werbesprüche zum Trotz läßt sich ein Haar eben immer nur einmal abschneiden. Hobel und Rasiermesser sind auf die Dauer auf jeden Fall günstiger, da die Klingenblöcke nur für 8 bis 12 Rasuren empfohlen werden und preislich bei gut über einem Euro pro Stück (Stand Mitte 2005) liegen.
Da die internationale Kosmetikindustrie erfolgreich die außer dem Kopfhaar haarlose Frau (Ganzkörperrasur nach US-amerikanischem Vorbild) propagiert, hat die Nassrasur auch zunehmend Bedeutung für Frauen. Dafür gibt es von allen Herstellern spezielle Frauenrasierer.
Zur wirksameren Elektrorasur kann ein alkoholhaltiges Preshave im Gesicht aufgetragen werden, das die Barthaare aufrichtet und die Gesichtshaut entfettet. Der Vorteil der elektrischen Trockenrasur ist, dass sie jederzeit an fast jedem Ort (solange der Akku noch geladen ist) schnell durchgeführt werden kann; außerdem sind Hautreizungen deutlich geringer. Frauen verwenden zur kurzzeitigen Haarentfernung teilweise auch Rasierapparate, dazu sind mittlerweile spezielle Frauenmodelle (Lady-Shaver) von den bekannten Herstellern erhältlich.
Siehe auch: Ganzkörperrasur, Intimrasur
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