Rastislav (Rastic, Rasticlao, Rastislaus, im modernen Tschechisch Rostislav) (* in der heutigen Slowakei; † nach 870 in Bayern) stammt aus dem Geschlecht der Mojmiriden. Er war von 846 bis 870 der zweite Fürst Großmährens. Unter seiner Herrschaft kam es zur Missionierung durch Kyril und Method.
855 versuchte Ludwig der Deutsche das Großmährische Reich für seinen Ungehorsam zu bestrafen und fiel in das Land ein. Sein Heer drang bis zur Festung Rastislavs, hchstwahrscheinlich dem heutigen Devín, vor. Hier kam es zu einem erfolgreichen Gegenangriff. Die Mähren verfolgten die Franken bis zum Grenzfluss Donau und plünderte Franken aus.
858 verband sich Rastislav mit den Karlmann, em Grafen der Ostmark und Sohn des Ludwig des Deutschen. Dafür erhielt er einige Ländereien im heutigen Ungarn (das Pilis-Gebirge), die er an sein Reich anschloss.
Um 861 kämpften die von Rastislav unterstützten Karlmanns gegen den vom Pribina unterstützten Ludwig den Deutschen (siehe auch Plattensee-Fürstentum). Dabei kam Pribina ums Leben und sein Sohn Koceľ wurde der neue Herrscher der Plattensee-Fürstentums und eine Art Rastislavs Verbündeter.
Ludwig der Deutsche hat weiterhin Großmähren bedroht, jetzt mit Hilfe der Bulgaren. Um seine Position zu stärken, sendete Rastislav Gesandte nach Rom, mit der Bitte an den Papst, Lehrer für die Erziehung einheimischer Priester zu entsenden, auf dass der ostfränkische Einfluss in seinem Reich abnehme. Der Papst empfing die Botschafter jedoch nicht. 861 bis 862 sandte Rastislav neue Botschafter, diesmal in das Byzantinisches Reich zum Kaiser Michal III.. Er bat wieder um Lehrer, Priester oder einen Bischof, die in seinem Reich die Grundlage einer einheimischen kirchlichen Verwaltung legen würden. Michal III. kam dem Wunsch nach und sandte Konstantin (später als Kyrill bekannt) und Method. Deren Mission hatte eine grundsätzliche Bedeutung für weitere kulturelle Entwicklung nicht nur in Großmähren, sondern im gesamten östlichen Europa. Vor allem Method holte sich Verdienste bei der Ausbildung von Schülern und der Weihung von slawischen Priestern, die im Reich die ersten Messen in Altslawischer Sprache hielten.
864 fiel Ludwig wieder in Großmähren ein und umzingelte Rastislav in Devín. Rastislav wurde gezwungen sich dem Ostfrankenreich unterzuordnen und den ostfränkischen Priestern die Rückkehr zu ermöglichen. Im Jahr darauf wandte sich Rastislav allerdings erneut gegen Ludwig den Deutschen.Die Mission von Kyrill und Method ging ungehindert weiter.
867 machten Kyrill und Method eine Reise nach Rom. 867 wurde dort ihre ganze Mission vom Papst gebilligt. Im Februar 868 wurde Method und drei Schüler (der aus der heutigen Slowakei stammende Gorazd und die Südslawen Kliment und Naum) in Rom zu Priestern und zwei von ihnen zu Diakonen geweiht. Im März 868 wurde schließlich die slawische Liturgiesprache (Altkirchenslawisch) zugelassen, als vierte Sprache in der Westkirche neben Latein, Griechisch und Hebräisch (was kein Papst bis zum 20. Jahrhundert mehr wiederholte). Im Februar 869 starb Konstantin in Rom.
In Großmähren übergab unterdessen Rastislav nach einem erneuten - erfolglosen - ostfränkischen Angriff das Neutraer Fürstentum (d. h. das ganze Ostgroßmähren) seinem Neffen Sventopluk von Neutra als Lehnfürstentum. Es kam de facto zu einer Aufteilung Großmährens in zwei Teile. Sowohl Rastislav als auch Sventopluk mussten dann 868 und 869 weitere Angriffe abwehren. 869 griff beispielsweise Ludwig der Deutsche erneut an. Er kam wieder bis zur Rastislavs Festung und konnte sie wieder nicht erobern.
Etwa zur gleichen Zeit (Anfang 870) ernannte der Papst den 869 nach Großmähren zurückgekehrten Method auf Anregung von Koceľ hin zum Erzbischof von Pannonien und Großmähren und nahm dadurch Großmähren aus der kirchlichen Zuständigkeit Bayerns heraus. In Großmähren entstand damit das erste slawische Erzbistum, Method war sein erster Erzbischof.
Nach dessen Tod begannen im Großmährischen Reich die Streitigkeiten um die Macht. Sventopluk stellte seine Ansprüche, Ludwig beauftragte jedoch mit der Herrschaft über die Slowakei die ostfränkischen Markgrafen Wilhelm II. und Engelschalk I..
Mann | Slowake | Fürst (Großmähren)
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