Rassismus ohne Rasse bezeichnet rassistische Ansätze, die den Begriff Rasse nicht ausdrücklich verwenden.
Dieser Ansatz wurde erstmals von dem französischen Marxisten Étienne Balibar beschrieben und bezieht sich begrifflich auf das Phänomen des Antisemitismus ohne Juden, also die Tatsache, dass in Gegenden ohne jüdische Bevölkerung der Antisemitismus fortbesteht und häufig noch ausgeprägter ist als in Regionen mit einer jüdischen Gemeinde.
Häufig werden neu-rechte Ansätze als Rassismus ohne Rasse beschrieben, da sie in der Regel formal multikulturell argumentieren ohne die Rassismen des Nationalsozialismus zu wiederholen und sich teilweise sogar von diesen distanzieren. Dabei behaupten die neu-rechten Ideologen eine Differenz zwischen Völkern bzw. Rassen, die erhaltenswert sei. Aus diesen Gründen lehnen sie jede Mischung zwischen den von ihnen konstruierten Gruppen ab und fordern eine Rassentrennung.
Aber nicht nur neofaschistische Ansätze beinhalten einen Rassismus ohne Rassen. Dieser ist wesentlich weiter verbreitet und auch historisch kein neues Phänomen. Anzeichen hierfür sind u. a. folgende Argumentationsstrategien:
Darüber hinaus wird ein entsprechender Rassismus häufig im Sozialdarwinismus und auch in Verschwörungstheorien vertreten.
Auch wenn der Rassismus ohne Rassen schon zu Zeiten des traditionellen Rassismus mit Rassen bestand, stellt er doch aktuell eine Modernisierung des Rassismus dar, dessen Charakter häufig nicht einfach zu durchschauen ist. Genau in dieser Modernisierung und Verschleierung liegt die Gefahr des Rassismus ohne Rassen.
Kritiker bezeichnen Balibars Konzept des "Rassismus ohne Rassen" als "Inflation des Rassismus" (so der Leipziger Philosophieprofessor Christoph Türcke). Der Gefahr der Verschleierung des Rassismus steht dann die Gefahr entgegen, den negativ besetzten Rassismusbegriff zur Tabuisierung und intellektuellen Abwertung von sachlich unverwandten Themenstellungen zu missbrauchen. Dies wiederum verzerrt den intellektuellen Diskurs.
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"Rassismus ohne Rassen".
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