Die Radioiodtherapie ist eine medizinische Strahlentherapie der Schilddrüse mit einem radioaktiven Iodisotop. Sie wird von Strahlentherapeuten oder Nuklearmedizinern durchgeführt und gegen Schilddrüsen-Überfunktionen (Hyperthyreose) und gegen Schilddrüsenkrebs eingesetzt. Radioaktives Iod wird vom Schilddrüsengewebe und von iodspeichernden Metastasen angereichert. Das radioaktive Iod sendet Betastrahlung aus, die die umliegenden Zellen zerstört. Dabei beträgt die Reichweite der Betastrahlung im Gewebe nur wenige Millimeter. Deswegen kann die Radioiodbehandlung sehr gezielt unter weitgehender Schonung des gesunden Gewebes wirksam werden. Insgesamt ist die Radioiodbehandlung eine risikoarme und bewährte Behandlungsmethode.
Die Betastrahlung erzeugt 85 % der gesamten Strahlenbelastung und reicht im Körpergewebe nur ca. 2 mm weit. Daher entsteht eine hohe Energiedosis (Strahlenwirkung) nur innerhalb der Schilddrüse.
Die verordnete Energiedosis richtet sich nach der Diagnose. Bei der Vernichtung von autonomen Schilddrüsenknoten wird der Erhalt des gesunden Nachbargewebes angestrebt. Beim Morbus Basedow muss man die Schilddrüse vollständig ausschalten. Es entsteht zwangsläufig eine Hypothyreose. Das liegt daran, dass die Unterscheidung zwischen gesundem und krankem Gewebe beim M. Basedow nicht möglich ist. Die Erfolgsrate ist ca. 90-95 %. Auch bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs muss die Schilddrüse vollständig ausgeschaltet werden.
Häufige Nebenwirkungen der R. sind vorübergehende Kopfschmerzen und Halsschmerzen, manchmal auch entzündliche Schwellungen der Speicheldrüsen. Die Strahlendosis ist etwa die gleiche wie die einer Computertomographie. Die Kohortenstudien von Hall (1992) und Ron (1998) mit jeweils über 30.000 Patienten haben keine erhöhte Krebsmortalität der mit Radioiod behandelten Patienten festgestellt.
Die deutsche Strahlenschutzverordnung schreibt vor, dass die Behandlung nur stationär durchgeführt werden darf. Im Gegensatz dazu ist in den USA auch die ambulante Verabreichung der Substanz erlaubt. 1995 gab es in Deutschland über 100 Radioiod-Zentren. Die Wartezeiten von früher 6-24 Monaten sind mittlerweile durch zusätzliche Betten und gesetzliche Erleichterungen abgebaut.
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