In der Chemie bezeichnet man als ein Racemat ein äquimolares Gemisch von zwei Enantiomeren. Ein Racemat ist nicht optisch aktiv, d.h. es dreht die Polarisationsebene von polarisiertem Licht nicht, da beide Enantiomere in gleicher Menge vorhanden sind.
Die Unterscheidung ob eine Verbindung als Racemat oder als eines der Enantiomere vorliegt ist insofern wichtig, da Enantiomere zwar gleiche physikalische, aber oft völlig unterschiedliche physiologische Eigenschaften aufweisen.
Die klassische Methode nach Louis Pasteur, die allerdings praktisch unbedeutend ist, ist das Aussortieren von Kristallen unter dem Mikroskop.
Eine Voraussetzung dafür ist, dass das Racemat von sich aus Kristalle bildet, die nur eines der Enantiomere enthalten (spontane Spaltung). Solche Kristalle unterscheiden sich auch makroskopisch wie Bild und Spiegelbild.
Die im organisch-chemischen Labor übliche Methode ist die Umsetzung mit einem ebenfalls chiralen Reagens. Dadurch entstehen Diastereomere, die man z.B. durch fraktionierte Kristallisation trennen kann.
Beispielsweise kann man eine racemisch vorliegende Substanz in eine Carbonsäure überführen, die man dann mit einer enantiomerenreinen Naturstoffbase wie Brucin (einem Alkaloid) kristallisieren kann. Das Salz des einen Enantiomers mit Brucin ist schlechter löslich als das andere und kann durch Kristallisation abgetrennt werden.
Eine weitere Methode ist die kinetische Racematspaltung. Dabei wird eine racemische chirale Substanz mit einem enantiomerenreinen Reagens umgesetzt, wobei ein Enantiomer schneller reagiert als das andere. Ist der Unterschied in der Reaktionsgeschwindigkeit groß genug, bleibt ein Enantiomer unverändert zurück, das andere Enantiomer wird in eine neue (evtl. ebenfalls chirale) Verbindung überführt.
Häufiger angewendet wird die katalytische kinetische Racematspaltung, bei der anstelle eines chiralen Reagens ein chiraler Katalysator verwendet wird, der ein Enantiomer des Edukts schneller umsetzt als das andere. Erstmals demonstriert wurde dieses Verfahren ebenfalls durch Pasteur 1858, der Hefe Penicillium glaucum mit racemischer Weinsäure als Nährstoff wachsen ließ. Während das eine Enantiomer von der Hefe verstoffwechselt wurde, blieb das andere Enantiomer in der Lösung zurück.*
Eine Lösung der Kristalle einer Sorte zeigte optische Aktivität in die eine, die andere in die entgegengesetzte Richtung – das Racemat war in Enantiomeren getrennt.
Man zweifelte Pasteurs Arbeit an und er musste sie unter der Aufsicht von Jean Baptiste Biot wiederholen, was gelang.
Pasteur hatte Glück: Wäre es im Labor kälter gewesen, wäre der Versuch misslungen. Bei Natrium-Ammonium-Tartrat tritt spontane Spaltung nur oberhalb von etwa 18 °C auf (Kristallisation als Konglomerat), darunter wäre nur eine Sorte Kristalle entstanden - die racemische Verbindung.
راسمي | Racemic | Mezcla racémica | Raseeminen seos | Mélange racémique | Racemo | Racemisch mengsel | Racemát