- | RMS Lusitania | - |
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| Technische Daten | |
| Boot Typ: | Passagierdampfer |
| Verdrängung: | 44.000 t |
| Rauminhalt: | 31.550 BRT |
| Länge: | 232,3 m |
| Breite: | 26,75 m |
| Antrieb: | 4 Schrauben, 4x Parsons-Dampfturbinen |
| Geschwindigkeit: | 25,0 Knoten |
| Passagiere: | 563 Erste Klasse 464 Zweite Klasse 1138 Dritte Klasse |
| Stapellauf: | 7. Juni 1906 |
| Beginn der Probefahrten: | 29. Juli 1907 |
| Jungfernfahrt: | 7. September 1907 |
| Schicksal: | versenkt Freitag 7. Mai 1915 vor der Küste Südirlands |
Die RMS Lusitania (engl. RMS = Royal Mail Steamer (königlicher Postdampfer)) war ein britischer Passagierdampfer. Sie machte am 7. September 1907 ihre Jungfernfahrt. Zusammen mit ihrem Schwesterschiff Mauretania gehörte sie zu den schnellsten und größten Passagierschiffen dieser Zeit. Für die Cunard-Line bewältigte die Lusitania die Strecke Liverpool – New York in 4 ½ Tagen, was ihr das Blaue Band einbrachte.
Am 7. Mai 1915, um 14.10 Uhr, wurde der Passagierdampfer von dem deutschen U 20 ohne Vorwarnung im Unterwasserangriff versenkt. Gleich nach dem Torpedotreffer gab es eine heftige Explosion, vermutlich durch Kohlenstaub oder Munition ausgelöst. Das Schiff bekam sofort schwere Schlagseite nach Steuerbord. Wegen schwerer Schäden im Schiffsinneren konnte die Fahrt nicht sofort gestoppt werden. Dadurch machte der Dampfer noch Fahrt, als bereits die Rettungsboote gefiert wurden. Von den insgesamt 1959 an Bord befindlichen Menschen starben 1198. Darunter befand sich der größte Teil der Frauen und Kinder. 761 Menschen konnten gerettet werden. So z. B. auch die amerikanische Architektin Theodate Pope und die berühmte französische Schauspielerin Rita Jolivet.
Den Passagieren sowie der Besatzung war die Gefahr bekannt. Die Deutsche Botschaft in Washington hatte vor der Versenkung noch eine Warnung herausgegeben. Es wird berichtet, dass Captain William Thomas Turner, der Kapitän der Lusitania, zwar sehr ungeduldig sein konnte, aber sich für die Passagiere Zeit nahm, die ihn in seiner Kabine besuchten, um ihm ihre Bedenken über die Sicherheit bei der Überfahrt - aufgrund fehlender Notfallübungen - auszudrücken. Turner war sonst eher als desinteressiert gegenüber der zahlenden Kundschaft bekannt. Er mochte weder genäselten gesellschaftlichen Tratsch noch offizielle Anlässe. Er nannte die reichen Passagiere gern „vermaledeite Affen”.
Der Ozeandampfer war bei dieser Überfahrt bei weitem nicht ausgebucht. Die Räumlichkeiten der ersten Klasse waren mit 290 Personen geradezu leer, auch die dritte Klasse lag mit 370 Buchungen weit unter ihrer Kapazität. Lediglich die zweite Klasse war mit 600 Personen bis an ihre Grenze belegt, da Cunard die Preise für diese Preisklasse gesenkt hatte. Hohe Prominenz fehlte jedoch nicht: Der 37-jährige US-Millionär Alfred Vanderbilt war ebenso an Bord wie der englische Opernstar Josephine Brandell und der Chicagoer Großindustrielle Charles A. Plamondon. Mit der Frauenrechtlerin und Autorin Lady Margaret Mackworth und dem Kunstsammler Sir Hugh Percy Lane war auch der britische Hochadel vertreten. Die zweifellos berühmteste Persönlichtkeit war wohl der New Yorker Theaterimpresario Charles Frohman. Auffällig während dieser Reise war die große Anzahl von Müttern mit Kleinkindern. Diese Atlantiküberquerng verzeichnete die größte Anzahl von Kindern an Bord seit dem Ausbruch des Krieges. Der Londoner Geschäftsmann Paul Crompton zum Beispiel reiste mit Ehefrau, Kindermädchen und den sechs gemeinsamen Kindern, um nur ein Beispiel zu nennen.
Berühmte Opfer der Versenkung:
Die Leichen vieler der Ertrunkenen wurden aus dem Wrack der Lusitania geborgen und in Cobh (damals Queenstown) beigesetzt.
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde der zivile Passagierverkehr auf dem Nordatlantik auf ein Minimum reduziert. Es verkehrten kaum noch Schiffe zwischen Europa und Amerika. Die Lusitania bildete eine Art Kompromiss. Zu Beginn des Krieges wurde das Schiff der britischen Admiralität unterstellt und am 17. September 1914 als bewaffneter Hilfskreuzer in das britische Flottenregister aufgenommen, nachdem es am 12. Mai 1913 in einem Liverpooler Trockendock u.a. bereits mit zwölf 15-cm-Schnellfeuerkanonen bestückt worden war. Neben dem zivilen Passagiertransport wurde der Hilfskreuzer auch zur Verschiffung von Munition eingesetzt.
Am Sonnabend, dem 1. Mai 1915, lief die Lusitania vom Pier 54 in New York zu ihrer 101. Atlantiküberquerung nach Liverpool aus. Neben den Passagieren hatte sie auch 1.248 Kisten mit 7,5-cm-Granaten, 4.927 Kisten mit Gewehrpatronen sowie 2.000 Kisten mit Munition für Handfeuerwaffen (zusammen etwa 10,5 Tonnen Sprengstoff) für das gegen Deutschland kämpfende England an Bord. Sechs Tage später erreichte sie die Südküste Irlands. Dort wurde sie nur wenige Seemeilen vor dem Kap Old Head of Kinsale von dem deutschen U 20, unter der Führung von Kapitänleutnant Walther Schwieger, gesichtet. Um 14.10 Uhr GMT am 7. Mai 1915 traf ein Torpedo die Steuerbordseite des Dampfers. Die Passagiere saßen gerade beim Mittagessen. Als der Torpedoeinschlag den Ozeanriesen erschütterte, sprang im Speisesaal der ersten Klasse die Amerikanerin Mabel Crichton von ihrem Stuhl und rief: „Mein Gott, sie haben es getan!” Unmittelbar nach dem Einschlag erschütterte eine zweite, heftigere Explosion das Schiff. Nach den Detonationen herrschten auf dem Schiff katastrophale Zustände. Die Wucht des Torpedoeinschlags schleuderte eine Wassersäule in die Luft, die das Rettungsboot Nr. 5 mit sich riss und eine Flut von Trümmern auf das Deck nieder regnen ließ. Die Reste des geborstenen Bootes krachten durch das Glasdach des Verandahcafes, in dem sich viele Passagiere aufhielten, um nach dem Essen noch eine Tasse Kaffee zu trinken. Die Steuerbordseite war schon nach wenigen Minuten fast auf der Höhe der Wasseroberfläche, während die Backbordseite hoch in die Luft ragte. Das Aussetzen der Boote auf dieser Seite scheiterte. Die Boote überschlugen sich, warfen die schreienden Passagiere ins Meer, polterten die mit Nieten besetzte Schiffswand hinunter und zerschellten auf der Wasseroberfläche. Menschen wurden von binnenbord schwingenden Rettungsbooten erschlagen. Nach kurzer Zeit war das Deck übersät mit Toten und Verletzten. Menschen liefen panisch über das Deck, stolperten, wurden gegen die Reling gedrückt oder verhedderten sich in herumliegenden Seilen. Die Explosionen hatten im Inneren derartige Schäden angerichtet, dass die Fahrt des Schiffes nicht gestoppt werden konnte. Das machte das Fieren der Boote noch schwerer. Die kleinen Holzruderboote wurden, sobald sie auf das Wasser aufsetzten, durch den Sog mitgerissen. Außerdem fiel nach noch nicht einmal fünf Minuten der Strom aus. Die eleganten Fahrstühle blieben stecken und ertränkten die sich darin befindenden Passagiere.
Noch verzweifelter war die Situation der Kinder. Nach den damaligen Gepflogenheiten durften die Kinder nicht an den Mahlzeiten in den Speisesälen teilnehmen. Sie wurden in separaten Räumen von Stewardessen verköstigt. An diesem Freitag, kurz nach 14 Uhr, befanden sich die meisten Kinder unter Deck und nahmen ihr Essen ein, während ihre Eltern teilweise bereits fertig waren und an Deck flanierten. Durch die extreme Krängung war es den meisten Eltern nun nicht mehr möglich, ihre Kinder aus dem Schiffsinneren zu holen. Die Kinder, welche auf das Bootsdeck gelangten, wurden dort im Gedränge erdrückt oder starben im eiskalten Atlantikwasser. Kinderwagen rollten herrenlos über das schräge Deck und stürzten ins Meer. Von den 124 Kindern kamen 95 ums Leben. Die Lusitania sank in nur 18 Minuten. Dabei kamen insgesamt 1.198 Menschen ums Leben. Darunter befanden sich 128 Amerikaner (andere Quellen: 126). Bis heute gilt ihre Versenkung als eine der größten Schiffskatastrophen der Geschichte.
Von zentraler Bedeutung ist die Zahl der auf das Schiff abgefeuerten Torpedos. Die Überlebenden berichten übereinstimmend, dass es kurz hintereinander zwei Explosionen gegeben habe. Hätte Schwieger zwei Torpedos abgefeuert, wäre dies bei den kurzen Abständen nur in Form eines sog. Zweierfächers möglich gewesen. Damit ist die Behauptung, wissentlich ein sinkendes Passagierschiff ein zweites Mal beschossen zu haben, falsch. Laut Schwiegers Aussage und dem Kriegstagebuch von U 20 wurde nur ein Torpedo geschossen. Ferner wartete er den Untergang des Schiffes gar nicht ab. Es ist möglich, dass die ebenfalls geladene Schießbaumwolle durch den Kontakt mit Seewasser explodierte. Dies würde die Berichte über eine zweite Explosion mit der Aussage des Kommandanten von U 20 in Einklang bringen. Anderen Theorien zufolge könnte die zweite Explosion auch durch Kohle- oder geladenen Aluminiumstaub ausgelöst worden sein, der durch die Torpedoexplosion aufgewirbelt wurde und als ein explosives Luftgemisch detoniert sein könnte. Es ist allerdings fraglich, ob der Kohlestaub dafür trocken genug war.
Auf der anderen Seite hatte Kapitänleutnant Schwieger eine bis dahin ruhige Fahrt und traf nun auf ein prestigeträchtiges Ziel. Die oft zitierte Gewehrmunition war ein völlig verbotenes (Konterbande), aber explosionsungefährliches Ladegut an Bord.
Nach neuesten Erkenntnissen war weder die Explosion des Munitionslagers, noch eine Kohlestaubexplosion für das schnelle Sinken der Lusitania verantwortlich. Vielmehr weiß man jetzt, das sich eine Dampfexplosion im Kesselraum eins ereignet hat. Zum Unglückszeitpunkt fuhr die Lusitania fast volle Fahrt und die Kessel waren sehr heiß. Nach dem Torpedotreffer im ersten Kesselraum ergoss sich 4 Grad kaltes Wasser in den Kessel. Es musste zur Explosion kommen. Diese war so stark, dass sie den Kiel des Dampfers durchschlug. Des weiteren kam ein sofortiger Stromausfall hinzu. Dieser machte das Schließen der Schotts unmöglich. Bullaugen, welche zu Dutzenden offenstanden, gaben dem Schiff beim Sinken den Rest. Das Schiff sank in weniger als zwanzig Minuten.
Die britische Admiralität warf dem Kapitän der Lusitania, William Thomas Turner, vor, durch falsches Verhalten und durch Missachtung von Befehlen zur Versenkung beigetragen zu haben. In dem Gerichtsverfahren des Board of Trade unter Vorsitz von Lord Mersey wurde Kapitän Turner rehabilitiert. Die spätere gerichtliche Würdigung vor dem New Yorker Appellationsgericht Ende Januar 1923 ergab, dass die Lusitania sehr wohl Munition an Bord gehabt hatte und somit die deutsche Versenkung nicht als Seeräuberverbrechen, sondern als eine regelrechte Kriegshandlung anzusehen ist. Die völkerrechtlichen Aspekte des Angriffs werden jedoch bis heute kontrovers diskutiert.
Ein Grund für die Wirrungen ist, dass Kapitän Turner am 7. Mai 1915 den Befehl erhielt, nicht, wie geplant Liverpool, sondern Queenstown anzulaufen. Dadurch geriet die Lusitania unmittelbar in den Wirkungsraum von U 20, welcher der britischen Admiralität zuvor durch Room 40 bekannt war. Zudem hatte man bereits am 5. Mai den britischen Kreuzer „Juno” von seiner Position am Fastnet-Felsen abgezogen, der ab dort den Geleitschutz für die Lusitania übernehmen sollte. Die britische Admiralität übermittelte Turner irreführende Positionsangaben des deutschen U-Bootes und verschwieg außerdem die Tatsache, dass drei Tage zuvor die Liverpool-Route um die Nordküste Irlands freigegeben worden war.
Die Akten des British Naval Intelligence Department, die sich auf die Lusitania und ihre Ladung beziehen, sind im Navy Records Office in Bath aufbewahrt. Sie befinden sich auch im Jahre 2005 noch immer auf der Geheimliste. Als US-Präsident Woodrow Wilson in zwei Noten von Deutschland verlangt, die Versenkung der Lusitania als Verbrechen zu verurteilen, tritt der amerikanische Außenminister William Jennings Bryan zurück, weil die Note Wilsons den Charakter eines Ultimatums hat und die Vereinigten Staaten in einen Krieg mit Deutschland verwickeln könnte. Nach Bryans Meinung hat Deutschland ein Recht zu verhindern, dass seinen Feinden Kriegsmaterial geliefert wird. Wenn solche Schiffe Passagiere in der Hoffnung an Bord nehmen, dass sie dann nicht angegriffen werden, so sei das kein legitimer Schutz vor einer Zerstörung.
Die Lusitania fuhr mit Tarnfarben, die Versenkung erfolgte ohne Vorwarnung durch das getauchte U-Boot, das auf Periskopbefund schoss. Die Kontroverse entzündet sich seerechtlich gesehen an der Frage, ob die Versenkung ohne Vorwarnung zulässig war und ob die Lusitania den U-Boot Regeln (cruiser rules) für Passagierschiffe oder denen für Kriegsschiffe unterlag.
Die Lusitania fuhr zum Zeitpunkt des Torpedierens ohne Flagge, ihr Name war mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht, ihre Schornsteine zeigten nicht die Cunard-Reedereifarben, sondern waren einheitlich schwarz gestrichen. Ebenso waren ihre Rettungsboote frisch grau (normal weiß) gestrichen. Die Frage der Schornsteinfarbe bzw. der Rettungsboote war lange umstritten (Logbucheintrag vom U-Boot-Kapitän sei Schutzbehauptung), wurde aber durch Dokumente, wie der Brief eines Opfers, endgültig geklärt. Dadurch verletzte die Lusitania die cruiser rules. U 20 aber ebenfalls, da es nicht auftauchte und ohne Vorwarnung schoss.
Bailey und Ryan stimmen zu, dass die Lusitania zu den cruiser rules berechtigt war, dass diese Regeln aber nicht anwendbar seien, wenn ein Schiff im Konvoi oder bewaffnet fuhr bzw. Widerstand leistete oder flüchtete (Flucht galt als Form des Widerstands). Außerdem führte auch der Einsatz von völkerrechtswidrigen Mitteln, wie dem Einsatz so genannter „U-Boot-Fallen” (d.h. Handelsschiffen mit versteckt aufgestellter Bewaffnung, die oft unter neutraler Flagge fuhren), durch Großbritannien zu einer Verwilderung der Sitten.
Einige Buchautoren stellten die These auf, die britische Admiralität habe, eingefädelt vor allem von Winston Churchill, die Lusitania absichtlich vor das deutsche U-Boot gelotst, um durch den Unmut über amerikanische Todesopfer die USA auf Seiten der Entente in den Krieg zu bringen. In der Tat gibt es Ungereimtheiten über den Wissensstand der Admiralität, die die Lusitania ja leicht hätten retten können, wenn sie sie über die Nordküste Irlands hätten fahren lassen. Dennoch sprechen sehr gewichtige Einwände gegen die Interpretation, das sei vorsätzlich gewesen:
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