Der Rütlischwur ist ein Schweizer Nationalmythos. Er besagt, dass Abgesandte aus den drei Orten oder Waldstätten (den Urkantonen der Schweiz) auf dem Rütli am Vierwaldstättersee einen Schwur leisteten, der ein Schutz- und Trutz-Bündnis besiegelte. Dieses Bündnis gilt im Volksmund als Gründung der Eidgenossenschaft. Historisch gilt aber heutzutage der Bundesbrief als Gründungsurkunde.
Seit Aegidius Tschudi (Chronicon Helveticum) werden die Anführer dieser Abgesandten (die sogenannten Drei Eidgenossen) mit Werner Stauffacher von Schwyz, Walter Fürst von Uri und Arnold von Melchtal aus Unterwalden gleichgesetzt. Andere Varianten ersetzten Fürst durch Wilhelm Tell.
Mit dem Bundesbrief von Anfang August 1291, der das Verteidigungsabkommen zwischen den drei Urkantonen festhielt, hatte man ein Dokument gewählt, das nicht unumstritten war. Historiker zählten schon im 19. Jahrhundert für den Zeitraum von 1251 bis 1386 82 Dokumente, mit denen ähnliche Bünde besiegelt wurden. Namentlich der Bund zu Brunnen von 1315 galt vielen als eigentlicher Gründungsakt der Eidgenossenschaft, wenn man denn nicht überhaupt von einer schrittweisen Entstehung der Eidgenossenschaft ausging. Noch bis ins 20. Jahrhundert hielt sich auch Tschudis Datum des Rütli-Schwurs als Gründungjahr der Eidgenossenschaft. 1907 wurde in Altdorf im Beisein einer Bundesratsdelegation das 600jährige Bestehen der Eidgenossenschaft gefeiert. Seither hat sich die Erinnerung an das Jahr 1307 als Datum des Rütli-Schwurs und damit als Gründungsjahr der Eidgenossenschaft verloren. Im neuen Nationalmythos, der in der Zeit des Zweiten Weltkrieges – unter anderem mit dem Rütlirapport von General Henri Guisan oder mit der 650 Jahr-Feier von 1941 – geprägt wurde, verband sich der Rütli-Schwur Mythos mehr und mehr mit dem 1. August, dem vom Bundesrat 1889 festgelegten Schweizer Nationalfeiertag.
Das stärkste Motiv der drei Eidgenossen ist die vielbeschworene Vielfalt in der Einheit. Drei Männer verschiedener Herkunft, verschiedenen Alters und mit verschiedenen Motivationen finden sich gleichberechtigt in einem gemeinsamen Ziel wieder. Die drei Eidgenossen stehen für eine kooperierende Gemeinschaft, die es mit Hilfe dieser Kooperation schafft, eine bestehende, als ungerecht empfundene Rechtsordnung durch einen beschworenen Gesellschaftsvertrag zu ersetzen. Die Zahlensymbolik ist ebenfalls sehr aussagekräftig und steht hier für drei Völker, drei Generationen und drei Stände (Bauernstand, Bürgertum und Handwerkerstand).
Während der Einzelkämpfer Wilhelm Tell gegen Ende des 19. Jahrhunderts insbesondere von nationalistischen Strömungen verwertet wurde, beanspruchte die Arbeiterbewegung das Drei-Eidgenossen-Motiv für sich als Symbol für eine klassenlose Gesellschaft, in der Arbeiter, Bauern und Angestellte solidarisch zusammenstehen.
Johann Heinrich Füssli 018.jpg, 1780]]
Während in frühen Darstellungen der drei Eidgenossen diese alleine dastehen, befinden sie sich später in Begleitung ihrer jeweiligen Gefolgschaft, die "das einzig Volk von Brüdern" repräsentiert.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurden bildliche Darstellungen des 3 Eidgenossen-Motivs beliebt. Am bekanntesten dürfte das Gemälde Die drei Eidgenossen beim Schwur auf dem Rütli des Malers Johann Heinrich Füssli von 1780 sein (s. Illustration). Der oft abgebildete, aus drei Quellen gespiesene und ebenfalls mythologische Brunnen auf dem Rütli wurde im Jahr 1865 eingeweiht. Sehr imposant ist die von James Vibert erstellte Monumentalgruppe in der Kuppelhalle des Bundeshauses, dem Schweizer Parlamentsgebäude, in Bern.
Auf einer Darstellung aus dem Jahr 1908 wird einer der drei Eidgenossen sogar als Frau dargestellt, wodurch das "einig Volk von Brüdern" erstmals auch die "Schwestern" mit einbezog.
Nationales Symbol (Schweiz) | Eid | Schweizerische Geschichte | 1291
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"Rütli-Schwur".
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