Rürup-Kommission bezeichnete eine von der Bundesregierung, vertreten durch Ulla Schmidt, Bundesministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung, eingesetzte Expertenrunde. Die Kommission wurde am 21. November 2002 einberufen und beendete ihre Arbeit mit der Übergabe des sog. Rürup-Berichts am 28. August 2003 in Berlin an Ulla Schmidt.
Der Namensgeber ist der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup, der als Vorsitzender der Kommission agierte. Offiziell hieß das Experten-Gremium Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Sie setzte sich u.a. zusammen aus Universitätsprofessoren, Arbeitnehmern und Vertretern der Gewerkschaften.
Die Teilnehmer waren im Einzelnen:
Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup Professor für Volkswirtschaftslehre, Technische Universität Darmstadt; Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirt. Entwicklung (s.g. "Wirtschaftsweise"); Vorsitzender des Sozialbeirats; Vorsitzender der "Sachverständigenkommission zur Neuordnung der Besteuerung von Altersvorsorgeaufwendungen und Alterseinkommen" Heinrich Tiemann Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung
Prof. Dr. h.c. Roland Berger Chairman and Global Managing Partner von Roland Berger Strategy Consultants GmbH, München
Prof. Axel Börsch-Supan, Ph. D Prof. für Makroökon. u. Wirtschaftspol. sowie geschäftsf. Dir. des Inst. für VWL u. Stat. der Univ. Mannh.; Dir. des Forschungsinst. Ökonomie u. demograph. Wandel, Mannh.
Dr. Claus-Michael Dill Vorsitzender des Vorstandes der AXA Konzern AG, AXA Versicherung AG und AXA Lebensversicherung AG, Köln
Dominique Döttling Geschäftsführende Gesellschafterin Döttling & Partner Beratungsgesell., Uhingen; Gesellschafterin Eberspächer Formenbau; Bundesvors. der Wirtschaftsjun. Deutschland
Dr. Ursula Engelen-Kefer Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zuständig für die Bereiche Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsrecht und Frauen
Prof. Dr. Gisela Färber Professorin für wirtschaftliche Staatswissenschaften, Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer; Vors. der Gesellschaft für Programmforschung; Mitglied des Sozialbeirats
Günther Fleig Mitglied des Vorstands der DaimlerChrysler AG, zuständig für Personal und Arbeitsdirektor, Stuttgart
Nadine Franz Bürokauffrau, Schering AG Berlin; ehemalige Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung; Mitglied der Tarifkommission der IGBCE
Jürgen Husmann ehem. Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA; Mitglied des Vorstandes BfA; Alternierender Vors. des Vorstandes des VDR; Mitglied des Vorst. der IVSS in Genf; Mitglied des Sozialbeirats
Prof. Dr. Dr. Karl W. Lauterbach Dir. des Inst. für Gesundheitsökonomie u. Klin. Epidemiologie der Univ. Köln; Dir. des Instituts für Gesundheitsökon., Medizin und Gesellschaft an der Univ. Köln
Prof. Dr. Edda Müller Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Berlin; Stellvertretende Vorsitzende des Rats für nachhaltige Entwicklung
Prof. Dr. Dr. Eckhard Nagel Dir. des Inst. für Medizinmanagement und Gesundheitswiss. der Univ. Bayreuth; Leiter des Transplantationszentrums am Klinikum Augsburg; stellv. Vors. des Nat. Ethikrates
Prof. Dr. Frank Nullmeier Professor für Politikwissenschaft, Universität Bremen, und Leiter der Abteilung Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates am Zentrum für Sozialpolitik
Dr. Helmut Platzer Vorsitzender des Vorstandes der AOK Bayern, München
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen Direktor d. Instituts für Finanzwissenschaft u. Volkswirtschaftslehre I an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Professor II an der Universität Bergen (Norw.)
Prof. Dr. Franz Ruland Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger, Frankfurt am Main
Prof. Dr. Josef Schmid Professor für Politische Wirtschaftslehre und vergleichende Politikfeldanalyse am Institut für Politikwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen
Manfred Schoch Gesamtbetriebsrats-Vors. der BMW AG; stellv. Vors. des Aufsichtsrates der BMW AG; Vors. des BMW EURO-Betriebsrates; Mitglied des Verwaltungsrates des BKK Bun-desverbandes, München
Barbara Stolterfoht Staatsministerin a.D., Kassel; Vorsitzende des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes - Gesamtverband e.V.; ehem. Mitglied des Hessischen Landtags
Dr. Gitta Trauernicht Niedersächsische Ministerin für Frauen, Arbeit und Soziales a. D., Hannover
Eggert Voscherau Mitglied des Vorst. der BASF AG, Ludwigshafen; Präsident des Verbandes der Europäischen Chemieindustrie (Cefic); Präsident des Internationalen Chemieverbandes ICCA
Prof. Dr. Gert G. Wagner Professor für empirische Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik,TU Berlin; Forschungsdirektor f. Sozialpolitik und Leiter des SOEP am Dt. Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin
Klaus Wiesehügel Bundesvorsitzender der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Frankfurt am Main; Vizepräsident des Internationalen Bundes der Bau- und Holzarbeiter, Genf
Dr. Rosemarie Wilcken Bürgermeisterin der Stadt Wismar; Stellvertreterin der amtierenden Präsidentin des Deutschen Städtetages
Die Kommission erarbeitete Maßnahmen, die die Sozialversicherung, insbesondere die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, unter Berücksichtigung der Generationengerechtigkeit langfristig finanziert und somit zukunftsfest macht. Der Bericht ist fachliche Grundlage für weitere zukünftige Reformen der Sozialversicherung. Die empfohlenen Maßnahmen der Kommission befinden sich gerade in der politischen Diskussion und werden in den Medien besprochen und publiziert.
Ziele: Senkung der Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen durch mehr Beitragszahler und höhere/korrektere Beiträge für Leute, die bisher einen Teil ihrer Einkünfte der solidarischen Beitragszahlung entziehen konnten und gleichzeitig Senkung der Lohnnebenkosten. Beibehaltung der staatlichen Instrumente zur Ausgabenbegrenzung der Krankenkassen.
Lösungsvorschlag zum sozialen Ausgleich: Bezahlt werden maximal 210 Euro/Monat, minimal aber 14 % (wie derzeit) und die eventuelle Differenz als Zuschuss aus dem Steueraufkommen (-> höhere Steuern/Abgaben).
Übergang: Der Arbeitgeberbeitrag wird dem Bruttolohn zugeschlagen und versteuert. Ab dann ist es Sache der Tarifparteien, auch die Krankenversicherung in die Überlegungen zu Lohnverhandlungen einzubeziehen.
Ziele: a) Entkopplung der Beiträge zur GKV vom Lohn. Dadurch: Verringerung der Lohnnebenkosten und positive Effekte für den Arbeitsmarkt. b) Keine Begrenzung der Ausgabenseite mehr. Übergang zu Mindestleistungen (für derzeit 210 €/Monat) und Zusatzleistungen auf zusätzlichen Beitrag. Dadurch: Stärkung der "Wachstumskräfte" im Gesundheitswesen.
Die recht heterogene Zusammensetzung der Kommission - vertreten waren alle politischen Lager mit teils erheblich abweichenden Vorstellungen über die Zukunft der Sozialversicherung - führte zu teilweise offenem Streit zwischen den Kommissionsmitgliedern. Insbesondere bei den Beratungen zum Umbau der Krankenversicherung konnten sich die Kommissionsmitglieder nicht auf eine eindeutige Linie einigen. Während sich gewerkschafts- und SPD-nahe Mitglieder für die Bürgerversicherung aussprachen, votierten wirtschafts- und CDU-nahe Vertreter - darunter auch SPD-Mitglied Bert Rürup sowie die Mehrheit der vertretenen Wirtschaftswissenschaftler - für das Modell der pauschalen Gesundheitsprämie. Der Streit wurde offen über die Medien ausgetragen.
Der mittlerweile im "Gesetz zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierungsgrundlagen der Gesetzlichen Rentenversicherung" umgesetzte Vorschlag des Nachhaltigkeitsfaktors gilt hingegen als großer Schritt zur Sicherung der Nachhaltigkeit und Aufrechterhaltung des Rentenversicherungssystems auch und gerade in der Zukunft. Dennoch wurde die Arbeit der Kommission nicht als so erfolgreich eingestuft wie die Arbeit der "Hartz-Kommission" im August 2002.
Politik (Deutschland) | Gesetzliche Krankenversicherung | Gesundheitspolitik | 2002
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Rürup-Kommission".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world