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Die Rössener Kultur ist eine mitteleuropäische Kultur der mittleren Jungsteinzeit (4500–4300 v. Chr.) (Mittelneolithikum). Sie ist nach dem Gräberfeld von Rössen, Landkreis Merseburg-Querfurt, Sachsen-Anhalt benannt. Sie war in Baden- Württemberg, im Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, im südlichen Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und im östlichen Mecklenburg verbreitet.

Keramik


Charakteristisch ist die Gefäßdekoration mit Doppelstichen ("Geißfußstich"), die mit weißer Paste ausgelegt waren (Inkrustation), furchenartige Einstiche und Stempeleindrücke. Typische Gefäßformen sind hohe Schüsseln mit Standfuß, Kugelbecher, Zipfelschalen und Schiffchengefäße. Die Oberfläche der Gefäße ist meistens braun, rotbraun, dunkelbraun, oder grauschwarz und geglättet.

Steingeräte


Das Silexinventar ähnelt weitgehend dem der Bandkeramik (Klingenindustrie mit pyramidalen Kernen), ein deutlicher Wechsel zeichnet sich jedoch bei den benutzten Rohmaterialien ab: der in der Bandkeramik vorherrschende Rijkholt-Feuerstein wird durch den bayerischen gebänderten Plattenhornstein (Typ Abensberg-Arnhofen) abgelöst. Bei den Felsgesteingeräten ist der durchbohrte hohe Breitkeil typisch, daneben sind auch undurchbohrte Beile und Dechsel (Querbeile) in Gebrauch.

Hausbau und Siedlungsweise


Es gibt nur wenige erforschte Siedlungen, als Beispiel seien genannt: Deiringsen-Ruploh und Schöningen/Esbeck. Die trapez- und schiffsförmigen Langhäuser konnten bis zu 65 m lang sein. Bedingt durch den Grundriss besaßen sie eine abfallende Dachlinie. Eine mehrfache Innenaufteilung ist nachgewiesen, es wohnten also vermutlich mehrere Kleingruppen in einem Haus. J. Lüning geht für die Rössener Kultur, im Gegensatz zur Bandkeramik, von echten Dorfanlagen aus. Manche Siedlungen waren von Erdwerken umgeben. Die Siedlungen befanden sich überwiegend in Schwarzerdegebieten, im Vergleich zu der späten Bandkeramik hatte sich das Siedlungsgebiet reduziert.

Bestattungssitten


Vorwiegende Bestattungsweise war die Körperbestattung in seitlicher Hockerstellung (Schlafhaltung) meist auf der rechten Seite. Als Beigaben finden sich Keramik, Kalksteinringe, Steinbeile, Silexklingen und Tierknochen. Körpergräber wurden zwischen 40 und 160 cm tief in der Erde angelegt. Über die Form und Größe des Grabes selbst ist nicht viel bekannt. In einigen Fällen wurden die Gräber mit Steinplatten bedeckt. Brandbestattungen waren zwischen 20 und 90 cm in den Boden eingetieft. Der Leichenbrand und die Scheiterhaufen Asche wurde auf einem Haufen gesammelt und die unverbrannten Beigaben daneben abgelegt. Es handelt sich hier um den Typus eines Brandgrubengrabes. Als keramische Beigaben findet man Fußbecher, Kugelbecher, Ösenbecher, Schalen, Schüsseln, Ösentassen, Flaschen, Amphoren, Kannen, Wannen.

Zeitlich und räumlich nahe Kulturen


Die Rössener Kultur löste die Linearbandkeramik in deren westlichen Verbreitungsgebiet über die Zwischenstufen Hinkelstein, Großgartach und Planig-Friedberg ab. Die Rössener Kultur ist teilweise zeitgleich mit dem Südostbayerischen Mittelneolithikum (SOB, früher auch Oberlauterbach), der Stichbandkeramik und der frühen Trichterbecherkultur im Norden. Sie wird von den so genannten Poströssener Gruppen (Wauwil, Bischoffingen-Leiselheim/Straßburg (früher Linsenkeramik), Bischheim, Goldberg, Aichbühl, Gatersleben) bzw. der Lengyel-Kultur (CSSR, Polen, Österreich) und Münchshöfen (Bayern) abgelöst.

Literatur


Allgemein

  • Joachim Preuß: Das Neolithikum in Mitteleuropa. Kulturen-Wirtschaft-Umwelt vom 6. bis 3. Jahrtausend v.u.Z., Übersichten zum Stand der Forschung. 3 Bde. Beier und Beran, Wilkau-Hasslau, Weissbach 1996, 1998, 1999. ISBN 3-930036-10-X

Genese

  • W. Meier-Arendt: Zur Frage der Genese der Rössener Kultur. In: Germania. 52/1, 1974, 1-15.
  • H.-J. Beier (Hrsg.): Der Rössener Horizont in Mitteleuropa. Wilkau-Hasslau 1994.
  • J. Erhardt: Rössener Kultur. In: H.-J. Beier, R. Einicke (Hrsg.): Das Neolithikum im Mittelelbe-Saale-Gebiet. Wilkau-Haßlau 1996, 76-77.

Keramik und Chronologie

  • H. Behrens: Die Rössener, Gaterslebener und Jordansmühler Gruppe im Mitteldeutschen Raum. Fundamenta A 3, Teil Va (Köln 1972.), 270 ff.
  • J. Lichardus: Rössen – Gatersleben – Baalberge. Ein Beitrag zur Chronologie des mitteldeutschen Neolithikums und zur Entstehung der Trichterbecherkulturen. Saarbrücker Beitr. Altkde. 17 (Bonn 1976).
  • K. Mauser-Goller: Die Rössener Kultur in ihrem südwestlichen Verbreitungsgebiet. Fundamenta A 3, Teil Va (Köln 1972), 231-268.
  • F. Niquet: Die Rössener Kultur in Mitteldeutschland. Jahresschr. Mitteldt. Vorgesch. 26, 1937.
  • H. Spatz/S. Alföldy-Thomas: Die „Große Grube“ der Rössener Kultur in Heidelberg-Neuenheim. Materialhefte Vor- und Frühgesch. Baden-Württemberg 11 (Stuttgart 1988).
  • Otto Thielemann: "Eine Rössener Prachtvase von Burgdorf, Kreis Goslar", Die Kunde, Jg.9,10/1941

Ernährung

  • J. Lüning: Steinzeitliche Bauern in Deutschland - die Landwirtschaft im Neolithikum. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 58 (Bonn 2000).
  • U. Piening: Pflanzenreste Die Pflanzenreste aus Gruben der Linearbandkeramik und der Rössener Kultur von Ditzingen, Kr. Ludwigsburg. In: Fundber. Baden-Württemberg 22/1, 1998, 125-160.

Hausbau

  • M. Dohrn: Neolithische Siedlungen der Rössener Kultur in der Niederrheinischen Bucht. München 1983.
  • A. Jürgens: Die Rössener Siedlung von Aldenhoven, Kr. Düren. In: Rhein. Ausgrab. 19, 1979, 385-505.
  • R. Kuper: Der Rössener Siedlungsplatz Inden I. Dissertations-Druck, Köln 1979.
  • J. Lüning: Siedlung und Siedlungslandschaft in bandkeramischer und Rössener Zeit. In: Offa. 39, 1982, 9-33.
  • H. Luley: Die Rekonstruktion eines Hauses der Rössener Kultur im archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen. In: Arch. Mitt. Nordwestdeutschl. Beiheft 4. Oldenburg 1990, 31-44.
  • H. Luley: Urgeschichtlicher Hausbau in Mitteleuropa. Grundlagenforschung, Umweltbedingungen und bautechnische Rekonstruktion. Universitätsforsch. prähist. Arch. 7. Bonn 1992.
  • K. Günther: Die jungsteinzeitliche Siedlung Deiringsen/Ruploh in der Soester Börde. Münster 1976.

Gräberfelder

  • R. Dehn: Ein Gräberfeld der Rössener Kultur von Jechtingen, Gde. Sasbach, Kr. Emmendingen. in: Archäologische Nachr. Baden 34, 1985, 3-6.
  • J. Lichardus: Rössen-Gatersleben-Baalberge. Saarbrücker Beitr. Altkde 17. Bonn 1976.
  • F. Niquet: Das Gräberfeld von Rössen, Kreis Merseburg. Veröff. Landesanstalt Volkheitskde. 9. Halle/S. 1938.

Poströssener Gruppen

  • Die Kugelbechergruppen in der südlichen Oberrheinebene. Sonderheft. Cahiers Assoc. Promotion Rech. Arch. Alsace 6, 1990.
  • Jens Lüning: Die Entwicklung der Keramik beim Übergang vom Mittel- zum Jungneolithikum im Süddeutschen Raum. Bericht der RGK 50.1969, 3-95.
  • M. Zápotocky, Zum Stand der Forschung über die relative Chronologie des frühen Äneolithikums in Böhmen. In: J. Biel/H. Schlichtherle/M. Strobel/A. Zeeb (Hrsg.), Die Michelsberger Kultur und ihre Randgebiete - Probleme der Entstehung, Chronologie und des Siedlungswesens. Kolloquium Hemmenhofen, 21.–23. Februar 1997. Materialh. Ur- u. Frühgesch. Baden-Württemberg 43. Stuttgart 1998, 291-302.
  • A. Zeeb: Poströssen – Epirössen – Kugelbechergruppen. Zur Begriffsverwirrung im frühen Jungneolithikum (Die Schulterbandgruppen – Versuch einer Neubenennung). In: H.-J. Beier (Hrsg.), Der Rössener Horizont in Mitteleuropa. Wilkau-Hasslau 1994, 7-10.

Archäologische Kultur | Jungsteinzeit

Rössen culture | Rössenin kulttuuri

 

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