Römer, Frankfurt.jpgDer Römer ist seit 600 Jahren das Rathaus der Stadt Frankfurt am Main und mit seiner charakteristischen Treppengiebelfassade eines ihrer Wahrzeichen. Das mittlere der ursprünglich drei eigenständigen Gebäude am Römerberg ist das eigentliche Haus Römer. Die gleichnamige Kaufmannsfamilie hatte es am 11. März 1405 zusammen mit dem nordwestlich angrenzenden Goldenen Schwan an den Rat der Stadt verkauft, der die beiden Gebäude zum Rathaus umbauen ließ.
Seit dem frühesten Mittelalter bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 Ort der meisten Königs- bzw. Kaiserwahlen und -krönungen, ist der Römer eines der herausragendsten Gebäude der deutschen Geschichte. Trotz schwerer Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und der daher vor allem im Inneren von der Nachkriegszeit geprägten Einrichtung ist er noch immer einer der bedeutendsten gotischen Profanbauten überhaupt.
Dennoch ist der Römer kein Museum, sondern wird von der Stadt in vielfältiger Weise genutzt, beispielsweise als Standesamt. Die Trausäle befinden sich im ersten und zweiten Obergeschoss des Hauses Löwenstein.
Am 20. Juni 1329 gestatte Kaiser Ludwig IV. laut einer in Pavia ausgestellten Urkunde den Frankfurter Bürgern, "das sie ein ander rathuse mügen pawen und machen ze Frankfurt, wo sie dunchet, daz ez in und der stat aller nützlichest sei". Über den anschließend am selben Platz erfolgten Neubau ist geschichtlich sehr wenig überliefert. Die einzige nennenswerte Erwähnung datiert auf das den 24. Juli 1349, als von hier ein großes Feuer ausging, welches einen Teil des angrenzenden Doms sowie praktisch das gesamte angrenzende Judenviertel in Schutt und Asche legte. Das Rathaus selbst erlitt dabei offensichtlich kaum größere Schäden, da die städtischen Bücher der Zeit kaum Ausgaben für Reparaturen verzeichnen. Inwiefern hiervon auf ein bei Stadtbränden gegenüber den vorherrschenden Fachwerkbauten bevorteiltes Steinhaus geschlossen werden kann, ist ungeklärt. Die einzige bildliche Darstellung des Baus stammt aus dem städtischen Bedebuch von 1405, die einen einen von steinernen Mauern und Zinnen umsäumten Hof zeigt, dennoch aber eher als humoristische Kritzelei abgetan werden kann.
Ende des 14. Jahrhunderts war das alte Rathaus zu klein und baufällig geworden. Ab 1401 begann man daher mit der Vorbereitung eines neuen Rathausbaus am Römerberg. Ein Baumeister wurde berufen, ein Modell gefertigt, Baumaterialien auf den Römerberg geschafft und sogar schon Steinquader behauen. Durch den erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen mit den Besitzern der Privathäuser am Römerberg konnte der Neubau jedoch kurz vor seiner Grundsteinlegung doch noch vermieden werden.
Am 11. März 1405 kaufte der Rat für "800 Gulden guter Frankfurter Währung baren Geldes" und eine jährliche Leibrente von 65 Gulden die Häuser Römer und den westlich angrenzenden Goldenen Schwan, die er bereits seit 1329 gelegentlich als Ausweichquartiere genutzt hatte.
Der Umzug ins neue Rathaus zog sich über knapp zwei Jahre hin, das alte Rathaus am Dom wurde von den städtischen Bediensteten nachweislich 1407 zuletzt genutzt. 1414 endeten die sich seit dem frühen 14. Jahrhundert hinziehenden Streitigkeiten um das Grundstück am Dom, um dem Neubau des Domturmes Platz machen zu können. Am 31. Mai desselben Jahres verkaufte die Stadt das Grundstück an die für den Neubau des Domturmes zuständige Baufabrik, trotz eines Kaufangebotes von 350 Pfund, für nur 200 Pfund. Das alte Rathaus muss zwischen 1414 und 1415 abgerissen worden sein, da am 6. Juni 1415 auf seinem ehemaligen Grundstück der Grundstein für den neuen Domturm gelegt wurde.
Die auf dem Römerberg für den Neubau aufgeschichteten Baumaterialien wurden für den nun folgenden, sich von 1405 - 1408 hinziehenden Umbau der beiden Häuser einbezogen. Wenig ist über die Details zusammenhängend überliefert, die sich ergebenden Änderungen müssen daher aus wenigen erhaltenen Rechnungen über Handwerksarbeiten zusammengesetzt werden. Definitiv ist, dass das Haus Römer äußerlich im Erdgeschoss mit drei großen Eingangsportalen und dem Stufengiebel ausgestattet wurde, die es bis heute trägt. Im Inneren wurde offenbar die ursprüngliche Geschosseinteilung verändert, der bis dahin eine Einteilung in Wohnräume zugrunde lag. Aus den beiden ehemaligen Obergeschossen des Römers entstand im Wesentlichen eine große Kaufhalle, die in späteren Zeiten als Kaisersaal bekannt wurde; dahinter die "große Ratsstube", das spätere Wahlzimmer der Kurfürsten. Informationen über die Umbaumaßnahmen an den Obergeschossen des Goldenen Schwans sind nicht überliefert.
Die jedoch wichtigste Änderung im Inneren war der Bau eines gotischen Kreuzrippengewölbes in den Erdgeschossen beider Bauten. Es ist bis heute erhalten und besser als Römer- bzw. Schwanenhalle bekannt. Der anfängliche Baumeister Friedrich Königshofen fiel jedoch beim Rat der Stadt in Ungnade, da bereits 1405 ein Teil des Gewölbes einstürzte. Nach langen Verhandlungen verzichtete er am 13. Oktober 1406 in einer bis heute erhaltenen Urkunde auf weitere Ansprüche gegen die Stadt. Ein von historischen Dokumenten nur als Wigel benannter Maurer stellte die Römerhalle von November 1405 - Februar 1406 fertig, die danach begonnene Schwanenhalle wurde offenbar erst Ende der Umbauarbeiten 1407 fertig gestellt. 1408 leistete man nur noch Detailarbeiten wie das Pflastern des Hallenbodens oder das Verputzen des Gewölbes. Dass die Stadt beim zweiten Anlauf zum Bau desselbigen offenbar auf eine äußerst massive Bauweise besonderen Wert legte, stellte dieses eindrucksvoll knapp 550 Jahre später unter Beweis, als es eine der wenigen Räumlichkeiten des Rathauskomplexes war, die den Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs unbeschadet überstand.
Im Verlaufe des Jahres 1407 bezogen die städtischen Bediensten das neue Rathaus am Römerberg. Nur wenig später begann 1414 die Nutzung zu Zwecken des Handels, insbesondere während der Messe. Zu dieser Zeit wurden die Gewölbe der Gebäude als Kaufhaus verwendet und jeder Fuß zum Preis von einem Schilling vermietet. Dieser Nutzungszweck blieb dem Römerkomplex bis zum völligen Niedergang der klassischen Frankfurter Messen 1846 erhalten.
Die Neubauten auf dem Trotz des Abbruchs beibehaltenen Grundrisses entstanden um den in dessen Mitte gelegenen, zur damaligen Wedelgasse gewandten Hof. Im östlichen Teil entstand ein Archivturm unter der Leitung des Baumeisters Eberhard von Friedberg, der mit Schiefer gedeckt und in seinen Gewölben mit vier gemalten Adlern geschmückt. Auf dem westlichen Teil des Grundstücks wurde ab Anfang 1438 das eigentliche Haus mit der sogenannten neuen Ratsstube erbaut. In diesem über die verschiedenen Jahrhunderte zunehmend reicher verzierten Raum tagte der für das politische Agieren der Stadt wichtige Rat bis zum Ende der reichstädtischen Zeit 1806.
1483 errichte man einen Schuppenvorbau im Bereich des Erdgeschosses, der dem Gebäude bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erhalten blieb. Auch wenn die älteste bekannte bildliche Darstellung desselbigen aus dem Jahr 1612 stammt, ist sein Aufbau durch erhaltene Material- und Handwerksrechnungen relativ genau überliefert:
Der Vorbau bestand demnach im Wesentlichen aus mit Blei gedeckten Holz und endigte in drei gotischen Spitzbögen mit reicher gotischer Verzierung, die den eigentlichen drei Portalen des Römers vorangestellt waren. Acht längliche Fenster aus insgesamt 500 Einzelscheiben Glas, ein für die Zeit ungeheurer Luxus, erhellten den Anbau großzügig. Bei den Verzierungen handelte es sich im Wesentlichen um teils vergoldete Blumen, Wimperge und Wappen. Letzere waren oben auf den Spitzbögen angebracht und zeigten die Heraldik des Königs, des Kaisers und der Stadt Frankfurt. Schließlich war alles von Hans Hesse und den Brüdern Hans und Thomas Dirmenstein bemalt worden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 521 Gulden, an Materialien wurden insbesondere 104 Zentner Blei und 323 Pfund Zinn benötigt.
1596 kaufte der Rat der Stadt dann das dem Goldenen Schwan benachbarte Wanebach sowie das nördlich an das Haus Römer grenzende Löwenstein und ließ beide mit dem Römer verbinden. Diese Bauarbeiten waren sehr aufwändig, da das Haus Löwenstein und der Römer völlig unterschiedliche Geschosshöhen hatten.
Römer Nordbau, Frankfurt.jpg | 1843 kamen die nördlich des Hauses Löwenstein gelegenen Frauenstein und Salzhaus hinzu. 1878 schließlich erwarb die Stadt das südlich an das Haus Römer grenzende Alt-Limpurg sowie das westlich davon gelegene Silberberg für 214.000 Mark. Damit gehörten alle fünf nebeneinanderliegenden Häuser, deren Giebel zum Römerberg gerichtet sind, sowie die sechs westlich davon gelegenen Häuser zum Rathauskomplex.
Die Verbindung der Häuser untereinander trug zu einer wenig durchschaubaren Innenarchitektur bei. Der Frankfurter Historiker Anton Kirchner bemerkte schon Anfang des 19. Jahrhunderts, dass sich im Frankfurter Rathaus „Treppen, Vorplätze, Säle und Zimmer in labyrinthischer Mischung“ fänden.
Langerfranz.JPG Gleichzeitig wurden durch Straßendurchbrüche in der Altstadt die Häuser Frauenrode, Schwarzenstein und Viole abgerissen und durch einen historisierenden Neubau im Osten ersetzt. Dieser ist durch die neue Braubachstraße in einen Nord- und einen Südflügel geteilt, die mit einer Brücke verbunden sind. Die Frankfurter Bürger, die im Nordbau ihre Steuern bezahlten, gaben der Brücke wegen der hohen Abgaben den Namen Seufzerbrücke in Anlehnung an das venezianische Original. Auch die zwei Türme des Südbaus bekamen Spitznamen: Der große wurde nach dem groß gewachsenen Oberbürgermeister Langer Franz genannt und der kleine nach einem zeitgenössischen Schlager Kleiner Cohn. Der große Rathausturm ist äußerlich eine Kopie des 1769 abgerissenen Sachsenhäuser Brückenturms.
In der Nacht des 22. März 1944 wurde bei einem der schwersten Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg der Römer, wie die gesamte Frankfurter Altstadt weitgehend zerstört:
Das namensgebende mittlere Haus der Dreigiebelfassade brannte, ausgenommen das Erdgeschoss, völlig aus, der Giebel stürzte mangels innerer Stabilität bis auf Höhe der Fensterfront des Balkons ein. Der Kaisersaal mitsamt seiner von den verschiedenen Jahrhunderten geprägten, reichen Ausstattung wurde völlig zerstört. Einzig die Bildnistafeln der deutschen Kaiser, die man zuvor ausgelagert hatte, überstanden die Verheerungen unversehrt. Auch der angrenzende Goldene Schwan mit dem kunsthistorisch bedeutsamen Kurfürstenzimmer und die vorgelagerte Rotunde brannte völlig aus. Haus Löwenstein und Wanebach wurden gleichermaßen innerlich völlig zerstört. Bei letzterem ging dabei im Inneren die barocke Kaisertreppe verloren. Das gotische Steinhaus Alt-Limpurg brannte bis auf das Erdgeschoss aus, ebenso die Fachwerkobergeschosse des Hauses Silberberg. Von den Fachwerkhäusern Frauenstein und Salzhaus aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die mit ihren Wandmalereien und Holzreliefs zu den bedeutendsten Baudenkmälern Frankfurts gehörten, blieben nur die Untergeschosse aus Sandstein erhalten.
Beim Wiederaufbau 1951 bis 1953 wurden die Häuser Römer, Goldener Schwan, Löwenstein und Alt-Limpurg, deren Giebelwände teilweise erhalten waren, äußerlich unverändert restauriert; dies geschah teils allerdings unter Veränderung des historischen Grundrisses und unter Verwendung moderner Dachformen. Haus Wanebach wurde vollständig abgebrochen und durch einen neutralen Bau ersetzt. Die Häuser Frauenstein und Salzhaus wurden nach Entwürfen der Architekten O. Apel, R. Letocha, W. Rohrer und M. Herdt auf den erhaltenen Erdgeschossen neu errichtet. Auch die verbrannten Fachwerkobergeschosse des Hauses Silberberg wurden durch einen steinernen Massivbau auf dem weitgehend unbeschädigten Erdgeschoss ersetzt.
Auch die Innenräume wurden neu eingerichtet. Die Werte Transparenz und Bescheidenheit wurden in den Vordergrund gestellt. Besonders gut lässt sich das an der Treppe im Haus Löwenstein erkennen. Auch der Kaisersaal wurde in vereinfachten Formen unter Einbeziehung der geretteten Bildnistafeln der deutschen Kaiser wiederhergestellt. Der Römer wurde 1955 von Bundespräsident Theodor Heuss feierlich wiedereröffnet.
Plakette Römer, Frankfurt.jpg In den folgenden Jahrzehnten wurde die Fassade noch zweimal erneuert: In den Jahren 1974 und 2005 erlangte die Häuserfront am Römerberg wieder ihr neugotisches Aussehen von 1900. Auch im Innern veränderte sich einiges. 1988 konnte der umgebaute Saal der Stadtverordnetenversammlung fertiggestellt werden.
Wie die neogotische Fassade wurde auch der Balkon erst nach dem Umbau von 1900 angebaut. Er ersetzte einige Holzvordächer, die so genannten Schoppen. Der Balkon wird heute wie damals als repräsentative Bühne für Staatsbesuche und Ähnliches benutzt. So traten beispielsweise 2003 die Weltmeisterinnen des Damenfußballs und 2002 die Vize-Weltmeister des Herrenfußballs auf.
Einen anderen Weg ging man nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Fassadengestaltung der beiden nordöstlichen Häuser Frauenstein und Salzhaus. Die Architekten entwarfen unter Beibehaltung der historischen Maßstäbe und Bauvolumina eine moderne Fassade. Sie akzeptierten den unwiederbringlichen Untergang der historischen Altstadt und entschieden sich für einen bewussten Neuanfang. Als Zeichen dafür steht das Mosaik des Phoenix aus der Asche. Drei der geretteten Relieftafeln des Salzhauses wurden in die Fassade eingegliedert und führen dem Betrachter den Verlust vor Augen.
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