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Als Quintfallsequenz wird in der Musiktheorie eine Harmoniefolge bezeichnet, deren Grundtöne in Quinten-Schritten abwärts gehen (bzw. im Sinne der Komplementärintervalle eine Quarte aufsteigen). Sie wird hörbar, wenn mindestens vier Quintfälle hintereinander vorkommen, und hat in der Regel (Teil-)Funktionen einer Kadenz.

  • Beispiel für eine vollständige Quintfallsequenz mit Tonika a-Moll:

Quintfallsequenz in a corrected.png

In diesem Beispiel ist jeder Ton der Tonleiter einmal Grundton eines Akkords. Hinzuweisen ist auf die verminderte Quinte zwischen dem 5. und 6. Akkord, da an dieser Stelle sonst ein nicht leitereigener Ton zum Akkordgrundton würde; entsprechend ist dann der 6. Akkord (h-Moll) vermindert und nicht Moll.

  • Beispiel für eine Quintfallsequenz mit Tonika C-Dur:

Quintfallsequenz in C-corrected2.png

Dieses Beispiel hat vierzehn Schritte, obwohl nur sieben nötig wären, um zur Tonika zurück zu gelangen; zwischen dem 2. und 3. Schritt befindet sich eine verminderte Quinte. Hörbar wird sie als Tritonus zwischen F und H.
Auffällig ist auch die abschließende II-V-I - Kadenz, die vor allem im Jazz Anwendung findet. Hier wird die ursprünglich gemeinte Subdominante (S) als IV. Stufe mit der Subdominantparallele (Sp) ersetzt. Die eigentlich gemeinte IV-V-I Kadenz (Subdominante-Dominante-Tonika) wird so umgeformt und in diesem Beispiel zum formalen Abschluss der Quintfallsequenz genutzt.

So steht es jedem Komponisten frei, nur kurze Strecken seines Werks mit Quintfallsequenzen auszustatten, um dann wieder ganz anders fortzufahren.

Besonders häufig findet sich die Quintfallsequenz mit Akkorden, denen sämtlichst außer der Tonika die leitereigene Septime zugefügt ist.

Quintfallsequenz in C7.png

Quintfallsequenzen schließen nicht zwangsläufig in der Tonart, in der sie begonnen haben. Sie werden oft und gern zur Modulation verwendet.

Anwendungen


Quintfallsequenzen trifft man in der Musik-Literatur immer wieder an. Als besonders erfolgreiches Mittel zur Modulation oder zur Durchwanderung einer bestimmten Tonart findet man sie in allen Zeiten und Epochen wieder.

Besonders häufig hörbar sind sie in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, in Barock und Klassik. Vor allem im Barock werden fast sämtliche Modulationen über Quintfallsequenzen vorgenommen. Der berühmte Kanon von Pachelbel ist eines der einfacheren Beispiele für eine kurze Quintfallsequenz innerhalb der Tonart. Darüber hinausgehende, modulierende Beispiele finden sich in fast sämtlichen Inventionen und Fugen von Johann Sebastian Bach. Der charakteristische Bass wird bei Bach und seinen Zeitgenossen nicht immer angewendet, die Harmoniefolge bildet nur das Grundgerüst der Komposition.

Quintfallsequenzen finden sich in Jazz-Standards wie "Autumn Leaves" und "Fly me to the moon", in Chansons wie "Oh, Champs-Elysées" sowie in balladesker, melancholisch gestimmter Popmusik wie etwa "Still Got The Blues" von Gary Moore (Akkordfolge d - G - Cj7 - Fj7 - h b5 - E 7 - a) oder bei leichten lateinamerikanischen Einfärbungen wie bei Santana in "Europa" (zweiter Teil: f - Bb - Ebj7 - Abj7 ...). Taizé-Lieder mit Quintfallsequenzen sind "Nada te turbe" und "Miserere domini". Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus Liedern und Songs aller Gattungen seit dem Barock. In dem Jazz-Standard "Fly me to the moon" findet sich die Quintfallsequenz mit Septakkorden, hier in der Tonart a-Moll, gleich zum Beginn. (Vgl. erstes Notenbeispiel mit Akkordsymbolen)

Fly me to the moon.png

Siehe auch


Musiktheorie

 

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