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Quastenflosser
Coelacanth.png (Latimeria chalumnae)]]
: Wirbeltiere (Vertebrata)
: Kiefermäuler (Gnathostomata)
: Fische (Pisces)
: Knochenfische (Osteichthyes)
: Fleischflosser (Sarcopterygii)
: Quastenflosser
Wissenschaftlicher Name Coelacanthimorpha Arten Quastenflosser (Coelacanthimorpha) – auch Blaufische genannt – sind eine Ordnung der Knochenfische. Ihre nächsten Verwandten sind die Lungenfische und die Landwirbeltiere (Tetrapoda).

Ein wesentliches Kennzeichen sowohl der Quastenflosser als auch der Lungenfische ist das teilweise verknöcherte und mit Muskulatur versehene Skelett der Brust- und Bauchflossen. Sie werden deshalb zur Unterklasse der Muskelflosser (alternativ Fleischflosser) (Sarcopterygii) zusammengefasst.

Der Name Quastenflosser leitet sich davon ab, dass sich an der Spitze der Schwanzflosse eine pinsel- beziehungsweise quastenförmige Verlängerung befindet.

Körperbau


Der Bau der Brust- und Bauchflossen ähnelt dem Bau der Gliedmaßen der Landwirbeltiere (Tetrapoden). Vermutlich haben frühe Quastenflosser-Arten ihre muskulösen Flossen zur Fortbewegung am Meeresboden, möglicherweise auch an Land benutzt. Ein mit Fett gefülltes blasenartiges Organ am Darm, das homolog zur Schwimmblase ist und das als Rudiment einer als Lunge genutzten luftgefüllten Schwimmblase interpretiert wird, gilt als Indiz für die Fähigkeit der Ur-Latimeria Luft atmen zu können. Bei den rezenten Lungenfischen ist ein solches Organ vorhanden und funktionsfähig. Quastenflosser sind die einzigen lebenden Tiere, die über ein funktionsfähiges Gelenk im Schädelknochen verfügen. Dieses Gelenk erlaubt es ihnen, den Oberkiefer gegenüber dem hinteren Schädelteil anzuheben, um so beim Fressen die Maulöffnung zu vergrößern. Latimeria wird bis zu 1,8 Meter lang.

Evolution


Relativ enge Verwandte der Quastenflosser und Lungenfische, die Rhipidistia, werden in der Paläontologie vielfach als Vorfahren der ersten Landwirbeltiere angesehen. Der Aufbau des Skelettes ähnelt Ichthyostega, einem Fossil, das als eines der ersten Amphibien und damit als Landwirbeltier angesehen wird. Der Quastenflosser verwendet seine Flossen in einer Art „Kreuzgang“, aber er bewegt sich nur schwimmend, die Evolution hatte somit eine Art des Gehens entwickelt, die erst später verwendet wurde.

Quastenflosser werden oft als die Urahnen der Landwirbeltiere (Amphibien etc.) dargestellt. Dabei bezieht sich diese didaktische Darstellung nicht auf die heute lebenden Latimeria, sondern auf die letzten gemeinsamen Vorfahren der heutigen Quastenflosser und der anderen aus diesen hervorgegangen Wirbeltiere. Hierdurch wird klar, dass Genomvergleiche der heute gefangenen Quastenflosser keine Aussage über die evolutionäre Verwandtschaft der "Ur-Quastenflosser" zu den rezenten Wirbeltieren zulassen. Die genetische Anpassung der vom Aussehen her den ursprünglichen Quastenflossern sehr ähnlich erscheinenden rezenten Tiere an den Lebensraum Tiefsee hatte ebenso lange Zeit wie die Entwicklung aller heute lebenden Landwirbeltiere. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Genome der heutigen Quastenflosser den fossilen Quastenflossern gleichen, ist daher wohl sehr gering. Tatsächlich ergaben genetische Vergleiche, dass die rezenten Lungenfische eine deutlich größere genetische Übereinstimmung mit den Höheren Wirbeltieren aufweisen als die rezenten Quastenflosser.

Quastenflosser, die schon vor circa 400 Millionen Jahren die Meere bevölkerten, waren bis weit in das 20. Jahrhundert nur als 80 Millionen Jahre alte Versteinerung bekannt. Die ältesten Fossilien stammen aus dem Devon, die jüngsten aus der Kreidezeit. Die Blütezeit lag in der Trias. Daher glaubte man lange, dass die Quastenflosser mit den Dinosauriern ausgestorben seien.

Wiederentdeckung eines „lebenden Fossils“


Latimeria vorn.jpg | Latimeria seite.jpg | Latimeria chalumnae01.jpg

„ Ich wäre kaum erstaunter gewesen, wenn ich auf der Straße einem Dinosaurier begegnet wäre! “ sagte Professor Smith im Jahre 1938, Professor an der Rhodes-Universität in Grahamstown, Südafrika, ein zu damaligen Zeiten berühmter Fischkundler, als er die Skizze eines Fisches erhielt, den Majorie Latimer, Leiterin des Städtischen Meeresmuseums im südafrikanischen East London, in einem großen Fischfang entdeckt hatte. Der Fisch war stahlblau, 1,50 m lang und 52 kg schwer. Auffallend waren große Schuppen, fleischige Flossen, die wie Gliedmaßen abstanden, und ein mächtiger Unterkiefer. Das Exemplar war durch die Druckverringerung bereits tot. Hinterher wurde der Fisch, der ganz offensichtlich ein Vertreter der Coelacanthini aus der Ordnung der Quastenflosser war, einer Fischgruppe, welche den Zoologen und Paläontologen bisher nur aus versteinerten Abdrücken bekannt war, und von denen man daher zu wissen glaubte, dass sie im Devon, vor über 350 Millionen Jahren, entstanden und gegen Ende der Kreidezeit, vor rund 70 Millionen Jahren, vollständig ausgestorben wären, von Professor Smith genaustens untersucht. Dieser identifizierte den Fisch als Nachfahre der fossilen Quastenflosser. Das Tier Komoren-Quastenflosser wurde nach seiner Entdeckerin und dem Fluss Chalumna, in dessen Nähe er ins Schleppnetz gegangen war, taxonomisch Latimeria chalumnae benannt.

Erst 14 Jahre später, im Jahr 1952, wurde in der Gegend zwischen den Komoreninseln und Madagaskar, 3000 km von der ersten Fundstelle entfernt, ein zweiter Quastenflosser gefangen. Hier war der Fisch den Eingeborenen längst unter dem Namen Kombessa bekannt und wurde als wenig begehrter Fisch verzehrt. Seine rauen Schuppen wurden als Sandpapierersatz verwendet. Es konnten dann noch weitere Exemplare gefangen werden, einmal sogar ein lebendes. Am 17. Januar 1987 entdeckte der Münchner Biologiestudent Olaf Reinicke vom Tauchboot Geo aus in 198 Metern Tauchtiefe den ersten Quastenflosser in seinem natürlichen Lebensraum. Im selben Jahr gelang es der deutschen Forschergruppe des Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen bei München unter Professor Hans Fricke erstmals den Quastenflosser in seinem natürlichen Lebensraum vor den Komoren zu entdecken und zu beobachten. Dort entstanden die ersten Filmaufnahmen von lebenden Quastenflossern Von 1989 an wurde mit Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt ein Projekt zur Erforschung der Quastenflosser durchgeführt.

Eine erneute Sensation gab es, als 1997 und 1998 tote Quastenflosser auf dem Fischmarkt von Manado Tua (Sulawesi) in Indonesien von dem englischen Studentenehepaar Erdmann entdeckt und als Quastenflosser identifiziert wurden, rund 10.000 Kilometer von den Komoren entfernt. Inzwischen fand Fricke auch dort lebende Quastenflosser, die als Manado-Quastenflosser (Latimeria menadoensis) bezeichnet werden.

Im April 2004 ist eine deutsche Unterwasser-Expedition in Südafrikas Küstengewässern auf weitere Exemplare der Komoren-Quastenflosser gestoßen. Am südlichsten Ende der Sodwana-Bucht nahe der Grenze zu Mosambik entdeckte das Team von Hans Fricke zwei weitere Tiere. Damit erhöht sich nach Angaben der Zoologin Karen Hissmann der dort bekannte Bestand auf 21 Exemplare. Seit Beginn der 1990er Jahre sind drei Exemplare vor Mosambik und Tansania gefangen worden. Sollte die Finanzierung gesichert sein, ist für kommendes Jahr daher auch in mosambikanischen Gewässern eine Unterwasser-Expedition geplant.

Verbreitung


Latimeria chalumnae kommt in dem Gebiet zwischen den Komoren und Madagaskar in einer Tiefe von 150 bis 400 m vor. Eine zweite Art von Quastenflossern gibt es in den indonesischen Meeresgebieten zwischen Borneo und Celebes der sogenannte Manado-Quastenflosser (Latimeria menadoensis). Diese Tiere unterscheiden sich morphologisch kaum von den Tieren von den Komoren. Molekulargenetische Untersuchungen der Mitochondrien zeigen jedoch Unterschiede. Diese lassen darauf schließen, dass die beiden Populationen seit etwa zehn Millionen Jahren getrennt sind.

Lebensweise


Durch die beinartigen Brust- und Bauchflossen kann sich der Fisch in einer Art „Kreuzgang“ bewegen. Für diese alternierenden Bewegungen seiner Flossen hat er in seinem Nervensystem bestimmte „neuromuskuläre Koordinationen“, wie es Hans Fricke nennt. Nach seiner Ansicht können solche Koordinationen den Verwandten des Quastenflossers den Schritt an Land erleichtert haben. Tiere der modernen Art gehen jedoch nicht am Meeresboden herum und berühren mit ihren Flossen nicht mal den Boden, etwa beim Beschleichen ihrer Beute, wobei die Brustflossen um 180 Grad um die eigene Achse gedreht werden können. Wenn der Quastenflosser schnell schwimmen will, benutzt er seine mächtige Schwanzflosse.

Quastenflosser sind Nachtjäger und Driftschwimmer, die auch die schwächste Wasserströmung für ihre Fortbewegung ausnutzen. Ihre großen Brust- und Bauchflossen verwenden sie zum Ausbalancieren.

Siehe auch


Literatur


  • Hans Fricke: Im Reich der lebenden Fossilien in Peter-Matthias Gaede (Hrsg): Die Seele des weißen Bären. Hamburg 1998, ISBN 3-455-11256-0
  • Samantha Weinberg: Der Quastenflosser. Die abenteuerliche Geschichte der Entdeckung eines seit siebzig Millionen Jahren vermeintlich ausgestorbenen Tieres. ISBN 3-87024-517-4

Weblinks


Fleischflosser

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