Quarz (engl. quartz), auch Tiefquarz oder α-Quarz, bezeichnet die trigonal-trapezoedrisch kristallisierende Modifikation des SiO2 und ist die Modifikation, die bei niedrigen Drucken und Temperaturen, also auch auf der Erdoberfläche, thermodynamisch stabil ist.
Nach der Strunz'schen Systematik gehört Quarz zu der Gruppe der Oxide mit einem Metall-Sauerstoffverhältniss von 1:2, Quarzgruppe (Strunz-ID: 4/D.01-10).
Ebenfalls zur Quarzgruppe gehören Hochquarz (ß-Quarz), Tridymit, Christobalit, Coesit, Stichiovit, Melanophlogite, Seifertit, Lechatelierite und Opal.
Nach der Systematik von Dana ist α-Quarz ein Gerüstsilikat (Dana-ID: 75.1.3.1).
Tiefquarz ist zumeist farblos, häufig trüb und erscheint im Gestein eingewachsen grau. Er besitzt keine Spaltbarkeit, bricht muschelig und zeigt auf Bruchflächen einen fettigen Glanz. Seine Mohshärte beträgt 7.
Quarz wird gelegentlich mit dem Kalzit verwechselt, kann jedoch durch seine größere Härte, die niedrigere Doppelbrechung und die Reaktion des Kalzits mit verdünnter Salzsäure leicht von diesem unterschieden werden.
Für auffällige Wachstumsformen von Quarz, haben sich eigene Namen etabliert:
Weitere Namen sind für bestimmte Verwachsungen mehrerer Kristalle gebräuchlich:
Der Einbau dieser Ionen erfolgt zumeist über einen gekoppelten Ersatz (Substitution) von einem Si4+- Ion durch ein dreiwertiges und ein einwertiges Ion, also z.B. Al3+ und Na+. Die Fremdionen werden sowohl auf den Si-Positionen im Gitter eingebaut wie auch auf ansonsten leeren Zwischengitterplätzen. Der Einbau von Eisen und Aluminium ist zusammen mit der Einwirkung von ionisierender Strahlung verantwortlich für die verschiedenen Farben der Quarzvarietäten.
Alle Formen von mikrokristallinem Quarz weisen eine große Dichte an Gitterbaufehlern und Verzwillingungen auf. Chalcedonfasern z.B. weisen in Faserrichtung eine dichte Abfolge von Verzwillingungen nach dem Brasilianer Gesetz auf.
Die Chalcedon- und Quarzinfasern sind häufig um die Faserachse verdrillt und zeigen dann unter dem Mikroskop bei gekreuzten Polarisatoren ein oszillierendes Auslöschungsverhalten (Runzelbänderung). Chalcedone mit dieser nur unter dem Polarisationsmikroskop sichtbaren Textur wird „Zebra Calzedon“ (zebraic chalcedony) genannt.
Der oft im Handel zu findende Aqua Aura ist dagegen keine Varietät sondern meistens Bergkristall (oder ein anderer Quarz), der mit Metall (vorwiegend Gold) bedampft wurde.
Für technische Anwendungen werden Quarze häufig parallel zur (01-1)-Ebene (AT-Schnitt) oder (023)-Ebene (BT-Schnitt) geschnitten, da der piezoelektrische Effekt senkrecht zu diesen Ebenen nahezu unabhängig von der Temperatur ist.
Die beiden chiralen Formen des Quarzes Rechtsquarz und Linksquarz zeigen einen gegensätzlichen piezoelektrischen Effekt. Natürliche Quarze sind häufig verzwillingt nach dem Brasilianer und Schweizer Gesetz. In solchen Zwillingen sind Rechtsquarz und Linksquarz orientiert miteinander verwachsen und deren piezoelektrische Effekte heben sich im Gesamtkristall auf. Für technische Anwendungen sind derart verzwillingte Quarze unbrauchbar und es werden vorwiegend synthetische Quarze eingesetzt.
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α-Quarz ist Trigonal-trapezoedrisch (Kristallklasse 32) und kristallisiert in den enantiomorphen Raumgruppen P 31 2 1 und P 32 2 1. Die Maße der Elementarzelle sind
Silizium (Si) und Sauerstoff (O) besetzen jeweils eine kristallographisch unterscheidbare Atomposition:
(Daten von Will et al. 1988 für die Raumgruppe P 31 2 1)
O: Jedes Sauerstoffion ist von zwei Siliziumionen im Abstand von 1,6054Å und 1,6109Å umgeben und 6 Sauerstoffen im Abstand von ca. 2.62Å. Die Si-O- Bindungen haben einen großen kovalenten Anteil, was die Ursache für die große Härte von Quarz ist. Der Si-O-Si- Bindungswinkel beträgt 143.61°.
Si: Jedes Si-Ion ist tetraedrisch von vier Sauerstoffionen umgeben, zwei im Abstand von 1,6054Å und zwei im Abstand von 1,6109Å.
SiO2-Gerüst: Die SiO4-Tetraeder sind untereinander über die Tetraederecken verknüpft, jeder Tetraeder mit vier benachbarten Tetraedern. In Richtung der c-Achse sind sie zu Paaren von spiralförmigen Ketten verknüpft. Diese SiO4-Tetraederhelixpaare, die untereinander nicht verbunden sind, bilden sechsseitige, offene Kanäle in Richtung der c-Achse.
α-Quarzkristalle der beiden enantiomorphen Raumgruppen unterscheiden sich im Drehsinn der Tetraederschrauben. Linkshändischer α-Quarz kristallisiert in der Raumgruppe P 31 2 1 und die Tetraederschrauben winden sich im Uhrzeigersinn um die c-Achse dem Betrachter entgegen, wenn man von "oben" auf die c-Achse schaut. Entsprechend winden sich die Tetraederschrauben des rechtshändigen α-Quarzes (Raumgruppe P 32 2 1) entgegen dem Uhrzeigersinn dem Betrachter entgegen.
Die spiralförmigen Tetraederketten sind mit sechs benachbarten Tetraederspiralen so verknüpft, dass jeder SiO4-Tetraeder zu zwei benachbarten Tetraederketten gehört und an zwei der sechsseitigen Kanäle grenzt.
Quarz ist nur bei niedriger Temperatur in der trigonalen α-Quarz-Phase stabil. Bei 573 Grad Celsius findet eine Phasenumwandlung in die hexagonale β-Quarz-Phase statt. Die höhere Symmetrie des β-Quarz führt unter anderem zum Verlust der piezoelektrischen Eigenschaften. Den Übergang von der β-Quarz Phase zum α-Quarz kann man sich leicht vereinfacht durch Kippen robuster Tetraeder um die <100> Achse veranschaulichen. Die Kipprichtung entscheidet über die Orientierung des α-Quarzes.
Viele metamorphe Gesteine (z.B. Schiefer, Gneise) enthalten Quarz und Quarz wird über zahllose Mineralreaktionen während der Gesteinsmetamorphose abgebaut oder gebildet. So markiert z.B. die quarzproduzierende Reaktion von Chloritoid und Alumosilikat zu Staurolith und Quarz die Grenze zwischen Grünschieferfazies und Amphibolithfazies bei Metapeliten.
Wegen seiner Härte und Verwitterungsbeständigkeit ist Quarz verbreitet in sedimentären Gesteinen wie Sandsteinen, und Böden zu finden.
Im Gestein eingewachsen sind Quarze meist unregelmäßig geformt und trüb. Gut ausgebildete Quarzkristalle kristallisieren in Klüften, Gängen und als Auskleidung natürlicher Höhlungen, so genannter Geoden.
Quarz findet je nach Varietät zahlreiche verschiedene Anwendungen:
Quarzvariationen wie der Achat, der violette Amethyst, der zitronengelbe Citrin, der blutrote Jaspis oder der massive, schwarz-weiß gestreifte Onyx werden wegen der großen Härte und der guten Schneid- und Polierbarkeit des Minerals in der Schmuckindustrie zu Schmucksteinen verarbeitet.
Reiner Bergkristall wird zu optischen Prismen und Linsen geschliffen; Quarz allgemein findet in der Glas- und Keramikindustrie Verwendung.
Da Quarz nur mit wenigen Chemikalien reagiert, kann er auch gut für Gefäße verwendet werden; Flusssäure ist die einzige Säure, die Quarz aufzulösen vermag; dabei bilden sich Siliziumtetrafluorid beziehungsweise Hexafluorokieselsäure.
Bei der Wirbelschichtverbrennung wird Quarzsand mit der Luft verwirbelt, um die Wärmeübertragung zu verbessern und den Verbrennungsvorgang zu optimieren. Daneben findet Quarz Anwendung in Form feuerfester Steine.
Seine hohe Festigkeit, die Pflanzenbewuchs verhindert, führt zum Einsatz des Minerals als Eisenbahnschotterkörper. Quarz ist allerdings ungeeignet als Straßenschotter, da er zu hart ist, schlecht bindet und einen raschen Verschleiß der Autoreifen verursacht.
Die piezoelektrischen Eigenschaften des Quarz werden in Form von Schwingquarzen ausgenutzt, die ähnlich einem Pendel bei Anlegen einer elektrischen Spannung in einer festen Frequenz schwingen. Der Bau sehr genau gehender Quarzuhren wurde so möglich, doch auch die Taktfrequenz von Computern (Taktgeber) und der Farbträger in so gut wie allen Farbfernsehgeräten wird durch Schwingquarze vorgegeben. Daneben ist Quarz auch geeignet für Druckmessungen und in der Hochfrequenztechnik.
Zum Einsatz kommt Quarz auch in Normmaßstäben und Normgewichten, sowie als Faden für Torsionswaagen. Quarzkristallplatten aus unverwittertem Quarz werden in der Elektroakustik verwendet. Weitere Anwendungen findet Quarz schließlich in Quarzlampen.
Dringt Kieselsäure-reiches Grundwasser in das Gewebe abgestorbener, holziger Pflanzen ein, so können diese durch Auskristallisierung von Quarz (Si(OH)4 → SiO2 + 2 H2O) fossilisieren und zwar oft so, dass die ursprüngliche Zellstruktur erhalten bleibt. Paläobotaniker können daraus heute Schlüsse zum Beispiel zu den einstigen Wachstumsbedingungen der Pflanze ziehen.
Quarz war im Mittelalter eine Bezeichnung für das Bergwerk, sowie für alle Kristalle. Erst mit Georgius Agricola wurde der Begriff auf Bergkristalle eingeschränkt. Die Wortherkunft ist unklar. In Frage kommen altslawisch tvurdu für „hart“ und mittelhochdeutsch querch für „Zwerg“. Die Bezeichnung "Quarz" hat sich international durchgesetzt.
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