Der Begriff Quantifizierung, nicht zu verwechseln mit Quantisierung, kommt vom lateinischen quantum („wie viel, wie groß“) und bedeutet Angabe als Zahlenwert.
Eine oder mehrere Eigenschaften eines Gegenstands oder die Beschaffenheit eines Sachverhalts werden in messbaren Größen und Zahlen umformuliert.
Voraussetzung ist die Definition einer quantifizierbaren Größe und die Angabe eines Quantifizierungsverfahrens. Die Vergleichbarkeit entsteht durch die Anwendung desselben Verfahrens auf unterschiedliche Dinge/Sachverhalte.
Quantifizierung ermöglicht die Entwicklung und Verwendung differenzierter quantitativer Modelle eines Gebietes und damit kognitiv gesteuertes differenziert-zielgerichtetes Handeln, i.G. zu intuitiv gesteuertem Handeln.
Quantifizierung in Naturwissenschaft und Technik
In Rahmen eines
Experiments in
Naturwissenschaft und
Technik erfolgt die Quantifizierung durch
Messung oder Berechnung aus gemessenen Werten. Das Teilgebiet dafür nennt sich
Messtechnik.
Quantifizierbare Größen sind etwa
Temperatur, Drehzahl, Geschwindigkeit, Kraft, Länge, Winkel, Durchfluss, Stromstärke, Spannung, Druck, Beschleunigung, Frequenz, Lichtstärke, Radioaktivität. Die Messung besteht in der Umwandlung in analoge oder digitale elektrische Signale. Der eigentliche Messfühler heißt Sensor, das Teilgebiet für Sensoren also Sensorik.
Vertreter der klassischen Verhaltensbiologie entwickelten ein so genanntes "Prinzip der doppelten Quantifizierung" im Rahmen der Instinkttheorie.
Quantifizierung in Wirtschaft und Politik
In Bereichen der
Wirtschaft und
Politik geht es oft um
Entscheidungsgrundlagen und
Erfolgskontrolle, z. B. bei
Innovationen. Dabei sind nach Hauschildt drei Vorgehensweisen bzw.
Konzepte möglich:
- qualitativer Ansatz, bei dem die Einschätzung des Erfolgs auf (subjektive) Urteile von befragten Personen (Manager, Kontrollpersonen, externe Experten) zurückgeführt wird;
- quantitativer Ansatz, bei dem auf genaue Ergebnisdaten (erzielte Umsatzsteigerung, Gewinn usw.) sowie auf "nachvollziehbare Berechnungs-Algorithmen" zurückgegriffen wird;
- semi-quantitativer Ansatz, dessen Ausgangspunkt eine Vielzahl von Beobachtungs- Befragungs- Items, die mittels Faktoren- oder Clusteranalysen auf wenige Typen verdichtet werden darstellt. Typische Beispiele sind die Wahl oder die Meinungsumfrage.
Doch meistens ist eine
Kombination dieser drei Ansätze notwendig, um eine
Bewertung der sehr unterschiedlichen Wirkungen genau, detailliert und zugleich
komplex vornehmen zu können. Dies ist z. B. ein
Forschungsthema der
Wirtschaftsinformatik.
Quantifizierung in den Geisteswissenschaften
Geisteswissenschaften wie
Psychologie und
Soziologie versuchen oft, Einstellungen und Verhalten von Individuen oder Gruppen über quantitative Modelle zu erfassen. Da menschliches Verhalten starken Variationen unterworfen ist, sind diese Modelle fast immer statistischer Natur und treffen Wahrscheinlichkeitsaussagen.
Beispiele
Schule
Schulische Zeugnisnoten sind ein Musterbeispiel für die Suche nach möglichst objektiven Bewertungskriterien. Sie sind
Messzahlen, die statt sprachlich formulierter
Beurteilungen das Können bzw. die
Lernfähigkeit von
Schülern bzw. Kursteilnehmern darstellen sollen.
Neben dem Zweck zu
motivieren macht die Zeugnisnote die
Leistung der Schüler bzw.
Azubis vergleichbar, aber auch von
Lehrern oder
Schulen. Hier werden gleichzeitig die Probleme mit der Quantifizierung deutlich: Ihre Restunsicherheit (wer hätte sich nicht schon einmal über ungerechte Noten geärgert?) und die Begrenztheit quantitativer Modelle (die Charakterisierung eines Menschen durch einige Zahlen) wird ihm nie gänzlich gerecht.
Ökonomie
Die
Ökonomie ermittelt
statistische Zahlen zur
Kaufkraft oder zum
Lebensstandard einer
Region, eines
Volkes oder einzelner
Gruppen (sog.
Primärdaten). Diese lassen sich relativ leicht erheben, sagen aber wenig z. B. über die
Lebensqualität der einzelnen Bürger aus. Um diese zu quantifizieren müsste eine Berechnungsvorschrift angegeben werden, in der naturgemäß viel Raum für
subjektive Bewertungen ist. Solche werden etwa im Rahmen von
Produkt- und
Konsumforschung. Interessanter ist oft auch die
Streuung der Daten, d. h. die
Standardabweichung vom
Durchschnitt.
Eine sinnvollere Quantifizierung ist daher oft der Übergang von primären Daten zu Sekundärdaten - z. B. die Aggregation von Ergebnissen einzelner Zählbezirke zu Mittelwerten und anschließender Varianzanalyse.
Siehe auch
CCD,
Digitalisierung,
Elektronik,
Erhebung,
Genauigkeit,
Klassifizierung,
Präzisierung;
Messgerät,
Verbrauch,
Waage
Weblinks
- http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_geb/begriffe/quantifi.htm (Soziologie)
- http://www.fto.de/~hschaefer/prolog95/varia_01.html (Math., Mengenlehre)
- http://www.managerakademie.de/imperia/md/content/managerakademie/2004/45.pdf (Managementprozess, Politik)
- http://www.umweltdaten.de/rup/nachhaltiges-bauen/checkliste.pdf (Bauwesen, Umwelt)
- http://www.unics.uni-hannover.de/nhdfboet/Boden%F6kologie-Anhang%20II.pdf (Bodenkunde, natürliche Varianz)
- http://www.sachsen.de/de/bf/verwaltung/rechnungshof/studie.pdf (qualitativ, semi/quantitativ, Innovation, Unternehmen, Politik)
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