Die Quantenverschränkung (engl. quantum entanglement), manchmal auch Quantenkorrelation genannt, ist ein quantenmechanisches Phänomen. Dabei können zwei oder mehr verschränkte Teilchen nicht mehr als einzelne Teilchen mit definierten Zuständen beschrieben werden, sondern nur noch das Gesamtsystem als solches. Man kann allerdings die Abhängigkeiten zwischen den bei einer Messung auftretenden Zuständen der Einzelteilchen angeben. Dies führt zu tieferen Beziehungen zwischen den physikalischen Eigenschaften (Observablen) der Systeme, als sie von der klassischen Physik bekannt sind.
Wegen der Wahrscheinlichkeitsinterpretation der Quantentheorie ist die Verschränkung lange als rein statistische Korrelation missverstanden worden – selbst von Schrödinger, der den Begriff geprägt hat. Verschränkte Zustände beschreiben aber individuelle Eigenschaften (wie etwa den Gesamtdrehimpuls zweier Teilchen). Die reale Bedeutung der Verschränkung ist u.a. durch die Verletzung der Bellschen Ungleichung bestätigt worden, welche eine noch unbekannte lokale Realität ausschließt. Die Quanten-Nichtlokalität bedarf daher auch keiner (in Einsteins Worten) spukhaften Fernwirkung; ebensowenig bedarf die so genannte Quantenteleportation der Portation von irgendetwas. Dies bedeutet, daß das Phänomen der Verschränkung nicht auf sogenannten verborgenen Variablen (nicht messbare, aber vorhandene Zustände) beruht, die wir nur nicht zu entdecken vermögen.
Die Tatsache, dass die Verschränkung keine lokal-realistische Interpretation zulässt, bedeutet, dass entweder die Lokalität aufgegeben werden muss (etwa wenn man der nichtlokalen Wellenfunktion selber einen realen Charakter zubilligt - das geschieht insbesondere in Kollapstheorien, in der Everettschen oder der Bohmschen Quantenmechanik), oder aber das Konzept einer mikroskopischen Realität (am radikalsten wird diese Abkehr vom klassischen Realismus in der Kopenhagener Interpretation vertreten).
Auf der anderen Seite konnten die Vorhersagen der Quantenmechanik höchst erfolgreich experimentell belegt werden, sogar Einsteins „spukhafte Fernwirkung“ wurde beobachtet. Viele Wissenschaftler führten dies auf unbekannte, deterministische „verborgene Variablen“ zurück, die dem lokalen Realismus unterworfen seien, aber die Quantenphänomene erklären könnten.
1964 zeigte John Bell, dass die Effekte der Quantenverschränkung experimentell von den Ergebnissen der auf verborgenen Variablen basierenden Theorien unterschieden werden konnten (siehe Bell'sche Ungleichung). Seine Ergebnisse wurden durch weitere Experimente bestätigt, so dass die Quantenverschränkung heute weitestgehend als physikalisches Phänomen anerkannt ist.
Zwar ist Informationsübertragung durch Verschränkung allein nicht möglich, wohl aber mit mehreren verschränkten Zuständen zusammen mit einem klassischen Informationskanal (Quantenteleportation). Trotz des Namens können wegen des klassischen Informationskanals keine Informationen schneller als das Licht übertragen werden.
Bestimmte Atomsorten kann man mit Hilfe eines Lasers derart anregen, daß sie bei ihrer Rückkehr in den nicht angeregten Grundzustand ebenfalls ein Paar verschränkter Photonen abstrahlen. Diese werden jedoch mit gleicher Wahrscheinlichkeit in jede beliebige Raumrichtung abgestrahlt, so daß sie nicht sehr effizient genutzt werden können.
Bei Photonen bezieht sich die Verschränkung immer auf die Polarisation der Photonen. Misst man die Polarisation des einen Photons, ist dadurch die Polarisation des anderen Photons festgelegt (z.B. um 90° gedreht).
Bei Atomen bezieht sich die Verschränkung auf deren Spin. Regt man ein zweiatomiges Molekül mit einem Spin von Null mit einem Laser derartig hoch an, daß es zerfällt (dissoziiert), sind die beiden freiwerdenden Atome bezüglich ihres Spins verschränkt. Bei einer entsprechenden Messung wird eins von ihnen den Spin +1/2 zeigen, das andere -1/2. Es ist aber nicht vorhersagbar, welches der beiden Atome den positiven und welches den negativen haben wird. Misst man aber den Spin eines der beiden Atome, wird dadurch der Spin des anderen festgelegt.
Quantencomputer: Bei Berechnungen mittels Qubits auf einem Quantencomputer wird bei manchen Algorithmen die Verschränkung von Qubits untereinander genutzt. Mit Quantencomputern können manche Probleme gelöst werden, die mit konventionellen Computern nicht oder nur mit nicht realisierbarem Zeitaufwand lösbar sind.
Es seien zwei Systeme A und B mit den Hilberträumen und gegeben. Der Hilbertraum des zusammengesetzten Systems ist . Das System A sei im reinen Zustand und System B im reinen Zustand . Dann ist der Zustand des zusammengesetzten Systems ebenfalls rein und gegeben durch
Reine Zustände, die sich in dieser Form schreiben lassen, nennt man separabel.
Wählt man Orthonormalbasen und der Hilberträume und , dann kann man die Zustände nach diesen Basen entwickeln und erhält mit komplexen Koeffizienten und
Der allgemeinste reine Zustand auf hat die Form
Wenn ein solcher Zustand nicht wie oben faktorisiert werden kann, also nicht separabel ist, dann nennt man ihn verschränkt.
Zum Beispiel seien zwei Basisvektoren von und zwei Basisvektoren von gegeben. Dann ist ein verschränkter Zustand
Wenn das zusammengesetzte System in diesem Zustand ist, haben weder A noch B einen bestimmten Zustand, sondern ihre Zustände sind überlagert. In diesem Sinne sind die Systeme verschränkt.
Man nehme an, Alice beobachte System A, Bob System B. Wenn Alice die Messung durchführt, können mit gleicher Wahrscheinlichkeit zwei Ergebnisse auftreten:
Im ersten Fall wird jede weitere Messung durch Bob immer 1 ergeben, im zweiten Fall immer 0. Also wurde das System durch die von Alice durchgeführte Messung verändert, auch wenn A und B räumlich getrennt sind. Hier liegt das EPR-Paradoxon begründet.
Das Ergebnis von Alices Messung ist zufällig, sie kann nicht den Zustand bestimmen, in den das System kollabiert, und kann daher durch Handlungen an ihrem System keine Informationen zu Bob übertragen. Eine mögliche Hintertür: Sollte Bob mehrere exakte Duplikate der Zustände machen können, die er empfängt, könnte er auf statistischem Weg Informationen sammeln - das No-Cloning-Theorem verbietet aber das Klonen von Zuständen. Daher wird - wie oben erwähnt - die Kausalität nicht verletzt.
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