Ein Quadrocopter (von lat. quadrum - Viereck) ist ein Luftfahrzeug, das vier in einer Ebene angeordnete, senkrecht nach unten wirkende Rotoren oder Propeller benutzt, um Auftrieb und durch Neigung der Rotorebene auch Vortrieb zu erzeugen. Es gehört zu den Hubschraubern und kann wie diese oder auch wie VTOL-Flugzeuge senkrecht starten und landen. Andere Bezeichnungen sind Quadrotor oder Schwebeplattform.
Technik
Der Vorteil dieser Bauweise liegt darin, dass alle drei Achsen allein durch Variation von
Schub und damit
Drehmoment der vier Propeller angesteuert werden können, wenn die Drehrichtungen geeignet angeordnet sind. Aufwändige
Taumelscheiben wie bei einem Hubschrauber oder andere
Aktuatoren sind damit nicht notwendig. Auch entsteht kein Drift wie bei der
Heckrotor-Konfiguration und bei der Steuerung treten kaum asymmetrische
Artefakte aus
Kreisel-Effekten des Rotors auf.
Dabei spielt es keine Rolle, ob der Schub durch Drehzahlunterschiede oder durch Pitch, also Veränderung des Anstellwinkels des jeweiligen Propellers, geregelt wird. Die Schubänderung muss nur schnell genug reagieren, bei Drehzahlsteuerung etwa durch stufenlose Getriebe oder Elektromotoren.
Anhand der Grafik wird das Zusammenwirken der Rotoren deutlich (A in Flugrichtung):
- Kippen nach vorn/hinten um die Querachse, d.h. Beschleunigen/Bremsen (Nick):
- Schubverhältnis zwischen A und C verschieben.
- Kippen um die Längsachse, seitliche Bewegung (Roll):
- Schubverhältnis zwischen B und D verschieben.
- Drehen um die Hochachse (Gier oder Yaw):
- Schubverhältnis paarweise zwischen A-C und B-D verschieben.
Durch Mischung der Steuerbefehle kann jeder Schubvektor im Raum erreicht werden. Bei der H-Konfiguration sind die Rotoren nicht wie hier rautenförmig, sondern rechtwinklig zur Flugrichtung angebracht - die Ansteuerung erfolgt dann um 45 Grad versetzt.
Bei den Flugleistungen reichen die bekannten Quadrocopter nicht an vergleichbar motorisierte Hubschrauber heran, sind aber meist auch nicht auf hohe Geschwindigkeit ausgelegt (Ausnahmen sind Wandelflugzeuge in dieser Bauweise). Bei der Konzentration der Massen im Zentrum und durch den schnell veränderlichen Schubvektor sind aber grundsätzlich hohe Beschleunigungen möglich.
Entwicklung
Zu Beginn der Entwicklung von
Hubschraubern wurden häufig eine Vielzahl von Rotoren eingesetzt, da man sich etwa eine Steuerung mittels
Taumelscheibe noch nicht praktisch vorstellen konnte. Der französische Luftfahrtpionier
Étienne Oehmichen hatte schon seit
1920 mit Drehflügeln experimentiert, bevor sich am
11. November 1922 erstmals sein
Oehmichen No.2 in die Luft hob.
Bei diesem frühen Quadrocopter waren die vier Rotoren elastisch und ihr
Anstellwinkel konnte durch Verschränkung über Seilzüge verändert werden. Daneben wurden weitere acht waagerecht wirkende Propeller für Stabilisierung und Vortrieb eingesetzt, da die Rotoren noch nicht präzise genug steuerbar waren. Das
Oehmichen No.2 war wohl der erste zuverlässige Senkrechtstarter, absolvierte mehr als 1.000 Flüge und erreichte am
4. Mai 1924 Rekorde mit einer Flugzeit von 14 Minuten und einem 1 km Kreisflug.
Mit der Entwicklung von Taumelscheibe und Heckrotor-, Tandem- oder Koaxial-Bauweise verschwand die Quadrocopter-Bauweise aus dem Blickfeld der Entwickler.
Erst mit dem allgemeinen Interesse für VTOL-Fahrzeuge in den 50er Jahren flogen wieder neue Quadrocopter, so das Convertawings A von 1956, der technisch bewusst einfach aufgebaute "Flug-Jeep" Curtiss-Wright VZ-7AP von 1958, das experimentelle Schwenkrotor-Flugzeug Bell X-22 (1966) oder der für schnellen Personentransport vorgesehene Curtiss-Wright X-19 mit Schwenkrotoren (1963). In Deutschland wurde ab 1963 u.a. das Transportflugzeug VC 400 in dieser Bauweise entwickelt, das jedoch nicht flugreif wurde.
Einsatz
Aktuell werden keine personentragenden Quadrocopter mehr eingesetzt. Die Bauweise tritt aber häufiger bei
Drohnen oder
UAVs sowie bei
Modellhubschraubern auf. Grundlage sind vor allem Fortschritte in der Elektronik und Sensorik: Durch
Beschleunigungssensoren können Kippmomente - die höher und plötzlicher auftreten als bei Hubschraubern, da der
Schwerpunkt häufig in der Rotorebene liegt - automatisch ausgeregelt werden. Dabei kommen Sensoren auf
Piezo-Basis zur Messung der Winkelgeschwindigkeit zum Einsatz, alternativ
Gyroskope, die direkt den Neigungswinkel zur Vertikalen ermitteln. Über einen
Mikrocontroller wird dann die Drehzahl der Elektromotoren nachgeregelt, um die Fluglage zu stabilisieren. Da außer den Motoren keine mechanischen Teile wie
Servomotoren, Gestänge und Rotorköpfe notwendig sind, ist diese Bauweise preiswert zu realisieren und weniger sturzempfindlich als ein
Hubschrauber. Durch neuere
Lithium-Polymer-Akkus mit günstigem
Leistungsgewicht werden dabei Flugzeiten bis zu 30 Min. erreicht.
Siehe auch: VTOL, UFO-ähnliche Luftfahrzeuge
Weblinks
- http://avia.russian.ee/helicopters.html - 'All Rotorcrafts', darunter früheste Entwürfe
- http://www.rclineforum.de/forum/board.php?boardid=84 - Modellforum 'Schwebeplattformen'
- http://forum.xufo.net - Forum zu einem deutschen RC-Modell
- http://www.rcuniverse.com/forum/forumid_403/tt.htm - Forum zu einem US-RC-Modell
- http://cherokee.stanford.edu/~starmac/project.htm - Projekt eines GPS-gesteuerten UAV
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