Qianlong 乾隆 * (* 25. September 1711 in Peking, Verbotene Stadt; † 7. Februar 1799, ebenda) war der vierte chinesische Kaiser der Qing-Dynastie und regierte offiziell vom 18. Oktober 1735 bis zum 9. Februar 1796, inoffiziell bis zu seinem Tod im Jahre 1799. Sein Geburtsname war Aisin Gioro Hongli 愛新覺羅弘曆, Prinz Bao 寶親王, sein Tempelname Gaozong 高宗 (Hoher Ahne), sein Ehrenname lautete Chundi 純帝. Qianlong war Sohn des Yongzheng-Kaisers 雍正帝 und der Kaiserin Xiao Sheng 孝聖.
Qianlong-1736k.jpg Qianlong war der am längsten regierende Kaiser in der Geschichte Chinas. Seine Herrschaft gilt als Höhepunkt der Qing-Dynastie, als eine Zeit, die geprägt war von Stabilität, großer Machtentfaltung und enormem Wohlstand, aber auch bereits Anzeichen für die Probleme des darauffolgenden Jahrhunderts aufwies. Der Kaiser zeigte sich als ambitionierter und kompetenter Staatsmann, als erfolgreicher Eroberer, Ästhet, Kunstmäzen, Dichter und Meister der Kalligraphie. Das China der Qianlong-Ära gilt als größtes geschlossenes Reich der damaligen Welt, das ebenfalls die größte Bevölkerungszahl der Zeit aufweisen konnte.
Hongli war kaum elf Jahre alt, als sein Großvater 1722 starb und sein Vater als Kaiser Yongzheng den Thron bestieg. Der neue Kaiser schätzte seinen vierten Sohn ebenso sehr und ernannte ihn unverzüglich nach seiner Thronerhebung testamentarisch zum Kronprinzen. Keiner der kaiserlichen Prinzen wusste, wer Yongzheng nachfolgen würde, was Cliquenbildung verhindern sollte. Hongli wurde weiter einem harten Studium unterworfen. Von sechs Uhr früh bis fünf Uhr abends musste er sich den Lektionen der Gelehrten widmen. Sein Vater selbst unterwies ihn in der Politik und überwachte seine Ausbildung streng. Der junge Qianlong wurde zu einem der am besten ausgebildeten Kaiser in der chinesischen Geschichte. Sein Studium umfasste humanistische Bildung, Poesie, Kalligraphie und Malerei, wobei er sich auf allen Gebieten als talentiert zeigte. Auch gelang es ihm, Mandschurisch zu erlernen und, ebenso wie Mongolisch, Uigurisch und Tibetisch, neben seiner chinesischen Muttersprache fließend zu beherrschen. Mit zweiundzwanzig Jahren legte er das kaiserliche Examen ab, indem er eine umfassende Analyse der konfuzianischen Klassiker erarbeitete.
Als erste Maßnahme entschied der neue Kaiser, alle Mitglieder des kaiserlichen Clans aus wichtigen Ämtern zu entlassen. Qianlong misstraute seiner weitläufigen Verwandtschaft zutiefst und fürchtete Fraktionskämpfe innerhalb des Hofes, wie sie in den letzten Regierungsjahren seines Großvaters vorgekommen waren. Selbst seinen Brüdern und Cousins, welche mit ihm an der Palastschule erzogen worden waren, schenkte er keinerlei Vertrauen. Die Prinzen wurden konsequent von der Regierung ausgeschlossen. Dies führte zwangsläufig zu einer Entfremdung zwischen dem Kaiser und seinen Verwandten und Freunden, welche aber durchaus von ihm gewollt war. Denn der Kaiser war in seinen Augen eine übergeordnete Macht, die frei entscheiden können müsse und nicht von persönlichen Bindungen befangen sein dürfe.
Qianlongs Alltag war durch Traditionen reguliert und er führte ein sehr diszipliniertes Leben. Am liebsten beschäftigte er sich mit der Poesie, dem Sammeln von Kunstwerken und dem Bau von Gärten und Palästen. Als Herrscher war Qianlong ungemein arbeitsam. Er bewältigte täglich große Mengen Papier und ließ kein Detail unberücksichtigt. Er traf gern schnelle Entscheidungen, wobei er für Ratschläge stets offen blieb. Bei der Wahl seiner Ratgeber zeigte er eine gute Hand für Talente. Erst im hohen Alter von über achtzig Jahren sollte Qianlongs Urteilskraft nachlassen, während sein Machtwille bis zu seinem Tod stark blieb.
Kaiserin-Xiaoxian1.jpg Kaiser Qianlong hatte insgesamt einundvierzig Ehefrauen mit unterschiedlichen Rängen. Wiedergegeben sind nur die Kaiserinnen und diejenigen, welche dem Kaiser Kinder geboren haben. Das äußerst komplexe Titularsystem des kaiserlichen Clans ist nur grob übersetzt worden. Für eine genauere Differenzierung siehe Weblinks.
Eine besonders tiefe Beziehung führte Qianlong nur mit seiner ersten Gemahlin, Kaiserin Xiao Xian. Er hatte sie schon mit sechzehn Jahren geheiratet, doch sie starb bereits 1748 eines plötzlichen Todes, was der Kaiser nie überwand. Obwohl er weitere vierzig Ehefrauen hatte, sollte er nie wieder eine gleichartige Bindung eingehen. Trotzdem schenkten ihm seine Frauen 17 Söhne und 10 Töchter, von denen die Hälfte das Erwachsenenalter erreichte.
Die tiefste Zuneigung jedoch empfand Qianlong zu seiner leiblichen Mutter, der durch ihn in den Rang einer Kaiserinwitwe erhobenen Xiao Sheng 孝聖憲 (1693–1777). Regelmäßig besuchte er sie alle drei Tage, ehrte sie zu jedem Feiertag, überhäufte sie mit Geschenken und nahm sie selbst auf den weitesten Reisen mit sich. Die Kaiserinmutter blieb bis ins hohe Alter sehr vital; die Verehrung ihres Sohnes für sie war in der Tat außergewöhnlich. Dennoch war auch sie von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen und es war ihr strikt verboten, sich in öffentliche Angelegenheiten einzumischen.
Beide Systeme waren nur bedingt effizient, was soziale Kontrolle, Steuerabgaben und Volkszählung betraf. Kaiser Qianlong suchte diese Systeme zu reformieren und entschied sich 1740, eine Änderung einzuführen. Die Lokalbeamten sollten ab sofort nicht nur die erwachsenen Männer zählen, die zum Arbeitsdienst verpflichtet wurden, sondern die Arbeitsregistrierung mit dem Steuersystem verknüpfen und so alle Individuen eines Haushalts erfassen. Qianlongs Ratgeber erklärten, dass dieses Vorhaben der nahezu perfekten Volkszählung bei so vielen Millionen Einwohnern unmöglich sei. Der Kaiser war anderer Meinung und befahl, das baojia entsprechend seinen Vorgaben zu ändern. Fortan musste der Vorsteher einer zu je zehn Haushalten zusammengefassten Einheit den Namen, das Geschlecht und das Alter der Mitglieder eines Haushalts auf einer Plakette am Eingang notieren. Einmal im Jahr wurden die Änderungen dem zuständigen Lokalbeamten mitgeteilt. Auf diese einfache Art war es nun möglich, ein ziemlich genaues Bild über die Einwohnerzahl und deren Steueraufkommen zu gewinnen, was mögliche Unterschlagung eindämmen konnte. Auch wurde die lokale Ordnung gestärkt, denn die zehn Familien innerhalb des baojia mussten sich gegenseitig überwachen und Verstöße jedweder Art melden. Dadurch war die Kontrolle durch die örtlichen Behörden stark erweitert, und dieses System sollte auch eine lange Zeit sehr effektiv funktionieren.
Solche Touren waren aufwendig und teuer. Ihre Organisation war daher eine Meisterleistung. Qianlong hatte Reisepaläste bauen lassen, um unterwegs eine behagliche Unterkunft zu haben. Die südlichen Touren führten in die großen Zentren der Region: Yangzhou, Nanjing, Suzhou und Hangzhou. Die meiste Zeit verbrachte der Kaiser damit, Kanäle und Deiche zu begutachten oder andere öffentliche Bauten zu besuchen, mit Beamten und Gelehrten zu sprechen, Kriminelle zu begnadigen und Truppen zu inspizieren. Es kam aber auch oft vor, dass man Feste zu Ehren des Kaisers gab, organisiert durch wohlhabende Provinzbeamte und Kaufleute. Dadurch, dass die Yangtzeregion die reichste und bevölkerungsstärkste des ganzen Landes war, waren solche Ereignisse erst überhaupt möglich. Privatpersonen, besonders die Händler, die mit dem Ankauf und Verkauf von Salz durch das Staatsmonopol reich wurden, konnten als Gastgeber für kaiserliche Empfänge fungieren. Einige soll es aber auch gänzlich ruiniert haben, denn Qianlong schätzte kein bescheidenes Auftreten.
Es gab verschiedene Möglichkeiten des Reisens. Man konnte zu Pferd über Land reiten oder den gesamten Weg in den Süden über den Kaiserkanal nehmen, der von Peking nach Hangzhou führte. Der Seeweg war bequemer und ermöglichte luxuriösen Komfort, doch meist bevorzugte Qianlong das Pferd. So konnte er sich sportlichen Aktivitäten wie Polo oder Bogenschießen weit besser hingeben. Die riesige Entourage des Kaisers kam ohnehin nur schleppend voran.
Insbesondere gegen Ende der Regierungszeit Qianlongs griff im Verwaltungsapparat zunehmend Korruption um sich.
Erscheinungsformen
Sie äußerte sich beispielsweise darin, dass lokale Beamte unter Anwendung von Gewalt oder Drohung von den Bauern mehr Abgaben forderten, als ihnen zustand, was die allgemeine Unzufriedenheit schürte und unter anderem zu den Aufständen des Weißen Lotus beitragen sollte. Steuerüberschüsse wurden bisweilen von den Magistraten nicht oder nur unvollständig an die Finanzkommissare der Provinzen weitergeleitet. Auch wurden staatliche Mittel, die für bestimmte Projekte wie Straßen- oder Deichbauten bestimmt waren, veruntreut und in die eigene Tasche abgezweigt. Ein Umstand, dem China übrigens sieben große Überschwemmungen des Gelben Flusses Anfang des 19. Jahrhunderts sowie die desaströse Flutkatastrophe von 1855 zu verdanken hat. Justizbedienstete ließen sich eigenmächtige „Strafmilderungen“ von den Delinquenten durch Schmiergeld bezahlen. Schließlich wurden selbst Aufstände von den verantwortlichen Beamten aufgrund von Bestechungsgeldern, die die Rebellen zahlten, häufig nur halbherzig bekämpft. Die Abgrenzung von Korruption, Ausbeutung und Kriminalität zu legalem Amtsverhalten gestaltete sich freilich mangels Rechtssicherheit mitunter schwierig; häufig fehlte es an juristisch verbindlichen Regelungen, auch war ein starker gewohnheitsrechtlicher Einschlag zu verzeichnen.
Gründe
Ein Grund für die genannten Zustände lag sicherlich im Niedergang der einst glanzvollen Stellung der kaiserlichen Beamten. Weiterhin gelang es nur einer schmalen Elite, das langwierige und schwere kaiserliche Prüfungssystem zu absolvieren und obendrein im Anschluss gegen übermächtige Konkurrenz einen der raren Verwaltungsposten zu erringen. Nach Etablierung im Staatsdienst wurden Beamte jedoch zunehmend schlechter bezahlt, wobei sie andererseits häufig völlig überlastet waren, unter anderem wegen des schleppenden Ausbaus des Behördenapparates, der mit dem drastischen Bevölkerungswachstum nicht Schritt hielt. Oft mussten sie obendrein einen Verwandtenkredit abzahlen, mit dem sie die Ausbildung finanziert hatten. Dass unter diesen Umständen viele Beamte der Versuchung nicht widerstehen konnten, ihr Gehalt auf illegale Weise aufzubessern, erscheint menschlich verständlich.
Begünstigt wurde die Korruption schließlich auch durch die schwindende zentralstaatliche Kontrolle durch den Kaiserhof. So beschäftigte sich Qianlong in weitaus geringerem Maße als seine Vorgänger mit Verwaltungsdingen. Insbesondere das von seinem Vater Yongzheng eingeführte System der „Palastdenkschriften“ ließ er zunehmend zur formellen Routine verkommen. Häufig überflog er die Eingaben nur flüchtig und pinselte oberflächliche Bemerkungen wie „zur Kenntnis genommen“, „gelesen“ oder „an das zuständige Ministerium weiterleiten“ auf die Dokumente. Mitunter überließ er auch zentrale, an sich dem Kaiser obliegende Aufgaben dem Staatsrat oder nachgeordneten Behörden. Umgekehrt wurden Qianlong von den Provinzbeamten mitunter wichtige Informationen vorenthalten und insbesondere die wahre Lage bei Feldzügen oder Aufständen verschleiert. Ansätze des Finanzministeriums, den Missständen durch verstärkte Berichtspflichten und Genehmigungsvorbehalte entgegenzuwirken, erwiesen sich oft als kontraproduktiv, verschärften die Bürokratisierung und brachten damit noch mehr Lasten für die Amtsträger mit sich.
Heshen.jpg Rolle des Günstlings Heshen Eine besondere Rolle bei der Ausbreitung der Korruption gegen Ende des Jahrhunderts spielte Qianlongs Günstling Heshen 和珅. Im kaiserlichen Regierungssystem hatte er stets zentrale Funktionen inne. So war er etwa u.a. Finanzminister, Chef des Beamtenministeriums, Kaiserlicher Großsekretär und Aufseher für Transitzölle. 1781 wurde er gar als Sonderbeauftragter in die Provinz Yunnan entsandt, um den dort erhobenen Korruptionsvorwürfen nachzugehen. In all diesen Ämtern nutzte er seine Stellung wie auch seine Intelligenz, um sich und seine Sippe zu bereichern. Er maßte sich nahezu kaiserliche Machtbefugnisse an, erzwang Gefälligkeiten und ließ sich jede ihm obliegende Dienstleistung bezahlen. Insbesondere auch bei der Bekämpfung der Rebellion vom Weißen Lotus unterschlug er durch Rechnungsfälschung mehrere Millionen Silbertael.
Gegen Ende der Regierungsperiode Qianlongs kam es in zahlreichen Landesteilen zu Rebellionen: So erhob sich in den achtziger Jahren auf Taiwan die sog. „Himmel- und Erdegesellschaft“ (Tiandi), eine pseudo-religiös inspirierte Gruppe, die den Qing die Legitimation absprach, mehrere Städte eroberte und sogar kurzzeitig eine eigene Gegen-Dynastie, die „Shuntian“, etablieren konnte. Dazu kamen mehrere Aufstände muslimischer Minderheiten u.a. in der Provinz Gansu sowie von Miao-Stämmen im Südwesten Chinas. Diese Unruhen konnten von Qianlongs Heeren noch relativ leicht niedergeschlagen werden.
Ungleich schwerer wog indes der 1774 in Shandong ausgebrochene, nach seinem charismatischen Anführer benannte Wan-Lun-Aufstand. Er wurzelte insbesondere in der sich infolge von Bevölkerungsexplosion und Nahrungsmittelverknappung verschärfenden allgemeinen wirtschaftlichen Lage, der steigenden Abgabenlast für die Bevölkerung, der zunehmenden Konzentration des Landeigentums in den Händen weniger Großgrundbesitzer und dem damit verbundenen Abstieg freier Bauern zu Landarbeitern sowie in der Entwertung des Kupfergeldes im Verhältnis zum Silber. Besondere Bedrückung für weite Kreise der Bevölkerung brachte auch die bereits beschriebene Korruption in der Beamtenschaft. Getragen wurde die Erhebung dementsprechend vor allem von durch die genannte Entwicklung sozial deklassierten Bevölkerungsgruppen, insbesondere Bauern und Landarbeitern, aber auch eher städtischen Ständen wie Fuhrleuten, Kleinhändlern, Geldleihern, Schauspielern, Treidlern oder Kulis. Man berief sich auf die obskure Tradition der seit Ende der Yuan-Dynastie in China tätigen Sekte des Weißen Lotus, verehrte deren Gottheit der Ewigen verehrungswürdigen Mutter; die desolate irdische Lage wurde als Vorbote einer messianischen Zeit gedeutet.
Obwohl die von mitunter recht krausem Gedankengut gestützten Rebellen des Weißen Lotus keinerlei festes politisches Programm hatten und Qianlong mit äußerster militärischer Härte gegen sie vorging, gelang es ihm zeitlebens nicht mehr, die Bewegung einzudämmen. Ursache hierfür dürfte insbesondere auch die zunehmende Korruption im kaiserlichen Verwaltungsapparat gewesen sein, die zu einer oft nur halbherzigen Bekämpfung der Aufstände durch bestochene Beamte, aber auch zu einer unzureichenden Information des Kaiserhofs über die tatsächliche Situation führte. Mitunter desertierten sogar unzufriedene kaiserliche Soldaten und Offiziere zu den Aufständischen.
Als er den Thron bestieg, übernahm Qianlong von seinem Vater zwei sehr kompetente und machtvolle Minister: Den Mandschu E’ertai (1680–1745), einst Generalgouverneur der Südwestprovinzen, der es bis zum Großsekretär, Kriegsminister und Mitglied des Staatsrats brachte. Und den Chinesen Zhang Tingyu 張廷玉 (1672–1755), das einflussreichste Mitglied des Staatsrats. Um diese zwei begannen sich nun die Fraktionen der Mandschu und Chinesen zu scharen, was den Kaiser sehr beunruhigte. Er konnte die beiden aus Respekt für seinen Vater nicht einfach absetzen. So distanzierte er sich zusehends von ihnen und wartete ab, bis sie bald darauf starben, um anschließend ihre Anhänger in Ungnade fallen zu lassen. Danach versuchte er ein relatives Gleichgewicht innerhalb der höchsten Staatsämter herzustellen – was den chinesischen Beamten auch nicht unbedingt passte – und die so oft proklamierte Gleichheit zwischen Mandschu und Chinesen zu unterstreichen.
Qianlong suchte ein anderes Problem mit seiner Ämterbesetzung zu bekämpfen, den anhaltenden Verfall der mandschurischen Traditionen und Sitten. Zu seiner Zeit sprach kaum noch ein Mandschu seine Muttersprache, sie assimilierten sich praktisch vollständig in die chinesische Kultur und gaben ihre eigene Identität dabei auf. Qianlong versuchte Maßnahmen gegen diesen Verfall durchzusetzen, doch musste er schnell erkennen, wie sinnlos dies war. So hoffte er, wenn er diesen Prozess schon nicht stoppen konnte, den Mandschu zumindest ein höheres Prestige und mehr Macht in der Gesellschaft zu verschaffen. Das sollte ihm auch in begrenztem Umfang gelingen.
Berühmt geworden ist auch Qianlongs alljährliche Teeparty. Die eingeladenen Künstler und Gelehrten mussten für den Kaiser Gedichte schreiben, durften als Dank dafür aber das kostbare Teegeschirr, aus dem sie getrunken hatten, mit nach Hause nehmen.
Mit Leidenschaft und großem Talent sammelte der Kaiser Antiquitäten. Seine Gier nach Kunst war berüchtigt. Andere Kunstsammler fürchteten, der Kaiser würde ihre schönsten Stücke als Geschenke verlangen, sobald er Kenntnis davon bekäme. Einige Sammler ließen sogar geschickte Kopien ihrer Schätze anfertigen, für den Fall, dass Qianlong sie fordern sollte.
Seine fließende Kalligraphie gilt als bemerkenswert. Die meisten Blätter, die ihm zugeschrieben werden, scheinen auch tatsächlich von seiner Hand zu stammen. Kunstexperten bescheinigen seinen kalligraphischen Künsten zwar großes Talent, allerdings keine Bestnoten. Zu allen Zeiten ist Qianlong dafür kritisiert worden, dass er auf die Ränder der bedeutendsten Bilder der chinesischen Malerei seine Gedichte mit eigener Hand niederschrieb. Einige haben diese „Verschönerungen“ gar als Vandalismus tituliert.
Daneben betätigte sich der Kaiser auch als Maler: Bekannt geworden ist etwa sein 1745 geschaffenes Rollbild „Berghaus des friedvollen Wohnens”, das den kaiserlichen Sommerpalast zu Jehol aus der Vogelperspektive zeigt. Auch dieses Werk versah Qianlong mit kalligraphierten Gedichten, in denen er meist seine bei Spaziergängen in der Umgebung gewonnenen Eindrücke schildert. Nachdem er bei jedem seiner jährlichen Besuche jeweils ein Gedicht ergänzt hatte, wies das Gemälde zuletzt deren 34 auf.
Insgesamt gilt die kaiserliche Sammlung, die er mit so viel Hingabe sein ganzes Leben zusammengetragen hat, als eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt, die in ihrer Qualität bis heute unübertroffen ist. Doch auch als Mäzen der Künste machte sich der Kaiser einen Namen. Die Kunst erlebte eine Hochblüte unter seiner Förderung, und der Qianlong-Stil beim Porzellan und anderen Luxusgütern wird damals wie heute geschätzt. Zahllose Künstler beschäftigte er in seinen Palastwerkstätten, mit dem Ziel, sein Ansehen zu vermehren und natürlich um seine eigene Sammlung zu erweitern.
Besonderen Wert legte er auf den Bau seines Sommerpalastes, des Yuanming Yuan. Dabei handelt es sich um die größte Garten- und Palastkomposition der damaligen Welt, in der nordwestlichen Vorstadt von Peking gelegen. Hier konnte er ungezwungen seinen Vorstellungen folgen und seiner Phantasie freien Lauf lassen. Unter anderem bauten ihm die Jesuiten unter den Hofkünstlern einen weißen Marmorpalast im europäischen Barockstil, auf einer weitläufigen Terrasse gelegen, mit Fontänen und Wasserspielen nach dem Vorbild von Schloss Versailles. Natürlich legte Qianlong sein Augenmerk auch auf den Bau seines Yuling genannten Grabbezirks.
Bereits sehr früh begannen die kaiserlichen Zensoren, den Kaiser für seine Bauprojekte zu tadeln und sie als nutzlose Verschwendung zu brandmarken. Qianlong lobte im Gegenzug ihren konfuzianischen Sinn für Sparsamkeit und ignorierte ihre Kritik. 1780 schrieb er ein Memorandum, in dem er sich verteidigte. Er führte an, dass seine Schatzkammern heute doppelt so voll seien wie am Tage seiner Thronbesteigung, dass er seine Arbeiter überdurchschnittlich gut bezahle und so vielen Menschen Arbeit habe geben können. All dies mag sicherlich stimmen, aber dennoch förderte sein extravaganter und luxuriöser Lebensstil die Verschwendungssucht innerhalb der gesellschaftlichen Elite. Auch hätte bei der expansiven und teuren Außenpolitik, die er vorantrieb, eine Umverteilung der Finanzen so manche Steuererhöhung in einigen Provinzen überflüssig gemacht.
1770 erließ der Kaiser ein Edikt, welches seinen Hof wissen ließ, dass die Zeit gekommen sei, das gesamte literarische Erbe der chinesischen Geschichte zu sichten und zusammenzutragen. Er befahl Listen zu erstellen, in denen alle Werke (klassische, historische, philosophische und literarische Schriften) verzeichnet werden sollten, die je erschienen seien, in allen Varianten und Formen. Diese Listen sollten dann darauf hin untersucht werden, welches die besten Werke seien, um dann von Gelehrten genutzt werden zu können. Zunächst fand dieses Vorhaben wenig Anklang. Besonders der Staatsrat gab zu bedenken, dass das Sammeln von Texten nicht die Aufgabe der Regierung sei, dass es viel Geld kosten würde und man sich eventuell in einen philosophischen Disput darüber begeben würde, was aufnahmewürdig sei und was nicht. Kurz gesagt, die Ratgeber des Kaisers machten auf die vielen praktischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Vorhabens aufmerksam. Qianlong ließ sich nicht beirren und gab im März 1773 bekannt, dass das Projekt in Angriff genommen werden müsse. Er nannte es offiziell Die Vollständige Bibliothek der Vier Schätze (Siku quanshu 四庫全書).
Aus dem ganzen Reich wurden seltene Bücher nach Peking gebracht, private Sammler um Kopien gebeten, Neuveröffentlichungen untersucht. Ferner trug man Teile alter verlorener Texte zusammen und versuchte, sie wiederherzustellen. Alle gesammelten Bücher wurden in die Hanlin-Akademie innerhalb der Kaiserstadt Pekings gebracht, wo man sie las, verglich und verbesserte. Etwa 360 Gelehrte waren mit dieser als sehr ehrenvoll empfundenen Aufgabe betraut. Dann kopierten 3.862 Meister der Kalligraphie die Schriften in ein einheitliches Format. Schnell war klar, dass die kaiserliche Akademie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stieß und weitere Büros zur Bearbeitung eingerichtet werden mussten.
Innerhalb des Palastbezirks wurde eine große Bibliothek errichtet, um das Endprodukt aufzunehmen. Dieses enthielt am Ende 3.470 kopierte Texte sowie ein großes Verzeichnis weiterer Werke, die nur mit ihren Titeln aufgenommen waren. Das erste Manuskript wurde dem Kaiser 1782 vorgelegt. Es umfasst 79.932 Kapitel mit mehr als 360 Millionen Wörtern in 36.000 Bänden. Das gewaltige Werk war bei weitem zu groß, um gedruckt zu werden. Es wurden nur sieben Ausgaben davon hergestellt, vier wurden in den Palästen von Peking und Umgebung aufbewahrt, drei weitere in den Süden nach Yangzhou, Zhenjiang und Hangzhou geschickt, wo sie unter der Aufsicht von speziellen Beamten für das Studium zugänglich waren. Die Sammlung der Vier Schätze gehört nicht nur zu den herausragenden Leistungen Qianlongs, sondern sie bildet bis heute den Grundstein der chinesischen Literatur.
Trotz dieser Eingriffe seitens des Staates unter der Qianlong-Herrschaft kann man nicht leugnen, dass seine Regierung ein goldenes Zeitalter der chinesischen Literatur war. Das 18. Jahrhundert gilt nicht nur als Epoche großer Romane wie dem Traum der roten Kammer, sondern auch als eine Renaissance des Neo-Konfuzianismus und der Philosophie. Einige der bedeutendsten Gelehrten und Autoren waren unter Qianlong tätig, und das wohl nicht trotz, sondern eher dank Qianlong.
Am Kaiserhof zu Peking unterhielt Qianlong ein traditionell ausgestattetes Palastorchester von mehr als 200 Musikern. Daneben bestand eine kleinere Gruppen von Eunuchen, die, in europäische Gewänder und Puderperücken gesteckt, auf westlichen Instrumenten Barockmusik zu spielen hatten. Als Kastraten kamen sie dem Kaiser auch bei der Aufführung der von den Jesuiten mitgebrachten italienischen Opern zupass.
Bajiaogu.jpg Eine besondere Blüte erlebte in Qianlongs Amtszeit der mandschurische Sprechgesang, dessen Texte häufig auf die von Heimweh geprägten Lieder der Grenzsoldaten zurückgehen. Als Begleitinstrument hierfür ließ der Kaiser auf der Grundlage tradierter Militär- und Zeremonialtrommeln die Bajiaogu 八角鼓entwickeln, eine Art achteckiges Tambourin. Es ist traditionell mit Pythonhaut bespannt und steckt voller politischer Symbolik: Die Form des Instruments sollte an die Zahl der mandschurischen Banner erinnern; die drei Zymbale pro Ecke standen für die drei Hauptnationen Mandschu, Han-Chinesen und Mongolen; die angehängte Troddel verhieß Wohlstand und reiche Ernte.
Vor allem aber wird Qianlong mit der Geburt der Peking-Oper (jingju 京剧) in Verbindung gebracht, dem aus westlicher Sicht authentischsten Ausdruck chinesischer Musikkultur. Während seiner Inspektionsreisen in den Süden hatte Qianlong Gefallen an verschiedenen regionalen Opernstilen gefunden. Anlässlich seines 80. Geburtstags lud er daher Operntruppen aus den verschiedensten Teilen Chinas, unter anderem aus den Provinzen Jiangxi, Hubei, Sichuan und Shanxi, vor allem aber aus Anhui, an den Kaiserhof. Dort blieben sie auch nach dem Ende der Feierlichkeiten und entwickelten sukzessive aus den vier regionalen Opern-Stilen huiban, kungqu, yiyang und luantan etwas Neues, eben die heute so berühmte Peking-Oper.
Expansion mit Waffengewalt wurde zu einer häufig praktizierten Politik unter Qianlong und nahm einen weiten Raum in seinem Denken ein. Zum Ende seines Lebens schrieb er 1792 die Aufzeichnung der zehn Perfektionen, womit zehn Kriege gemeint waren, die jeweils mit einem Sieg für Qianlong endeten. Die Liste zählt nicht die Niederschlagung von innerchinesischen Rebellionen auf, denn diese waren Resultate von Fehlern der Regierung. Der Kaiser war der Meinung, dass man über Fehler nachdenken müsse, anstatt sie zu feiern.
Die zehn Feldzüge bestanden aus der zweimaligen Befriedung von rebellierenden Stämmen im westlichen Sichuan, 1747-1749 und noch mal 1771-1776; zwei Kriege gegen die Dsungaren im nordwestlichen Xinjiang, 1755-1757; ein Sieg über abtrünnige Turkmenen im südlichen Xinjiang, 1758-59; die Unterdrückung einer Rebellion auf Taiwan, 1787-88; ein Grenzkrieg gegen Burma, 1766-1770; ein anderer gegen Annam; 1788-89; und die beiden Feldzüge gegen die Gurkha in Tibet und Nepal, 1790-92.
Eine herausragende Leistung war sicherlich die Unterwerfung der Dsungaren, was zur Eingliederung von ganz Xinjiang in das Reich führte. Schon lange konkurrierten Chinesen und Dsungaren miteinander, den Dalai Lama in Tibet zu kontrollieren und sich die Oberhoheit über den Buddhismus und Lamaismus zu sichern. Am kostspieligsten und schwierigsten war die Unterdrückung der Jinchuanstämme in Sichuan. Der erste Feldzug von 1747 bis 1749 war ein recht einfaches Unternehmen. Mit einem minimalen Einsatz von Truppen wurden die Stammeshäupter zum Frieden gezwungen, doch ethnische Konflikte hielten zwanzig Jahre an. Dies führte zu einem erneuten Aufstand. Ein zweites Mal musste ein Mandschugeneral entsandt werden, doch diesmal mit einem massiven Truppeneinsatz, der teurer war als alle anderen Kriege zusammengenommen. In Peking ansässige Kanonengießer aus Europa fertigten spezielle Artillerie an, um die Steinfestungen der Stämme zu bombardieren. Die Generäle kannten keine Gnade und unterdrückten die Aufstände. Danach wurde die gesamte Region in eine Militärpräfektur umgewandelt und mit loyaleren Einwohnern neu besiedelt.
Unter Qianlongs Herrschaft verdoppelte sich das Territorium Chinas durch die zahlreichen Kämpfe auf fast zwölf Millionen Quadratkilometer und erreichte damit die größte Ausdrehung in seiner Geschichte. Kaiser Kangxi hatte 1697 die Mongolei erobert, doch erst Qianlong beendete die Grenzsicherungspolitik seines Großvaters erfolgreich. Neben den eroberten Gebieten unterstanden noch andere Länder dem China der Qing-Dynastie als Vasallenstaaten: Korea, Annam (Vietnam), Siam, Burma und nach dem Gurkhafeldzug auch Nepal.
1788 suchte der vom Hause Nguyen vertriebene Herrscher der vietnamesischen Le-Dynastie in der Provinz Guangxi Schutz und bat Qianlong um militärische Hilfe gegen die Usurpatoren. Der Kaiser sandte drei Armeen, die Vietnam von Yunnan, von Guangxi und von der See her in die Zange nahmen. Schon nach wenigen Monaten waren die Truppen der Nguyen vernichtend geschlagen; die Chinesen eroberten Hanoi und setzten die Le-Dynastie wieder ein. Schon nach einem Monat, zum Neujahrsfest 1789, gewannen die Nguyen indes erneut die Oberhand, töteten viertausend chinesische Soldaten und zwangen die Qing-Heere zum Rückzug nach Guangxi. Sie etablierten sich endgültig als vietnamesisches Herrscherhaus. In der Folge sahen sich die chinesischen Küstenprovinzen über Jahrzehnte hinweg den Angriffen vietnamesischer Piraten ausgesetzt. Qianlong erkannte den Dynastiewechsel im südlichen Vasallenstaat an, sah sich in seinem Selbstverständnis als Hegemon Asiens jedoch nachhaltig gekränkt, obwohl sich die Nguyen als loyal erwiesen. Von dem Vorfall traumatisiert, sollte China bis 1979 auf jede direkte militärische Intervention in Vietnam verzichten.
In den 1760ern änderte sich die politische Lage an der Südgrenze Tibets. Nepal war unter den Gurkha als geeintes Land erstarkt und wurde von den Briten unter Druck gesetzt, ihnen die Handelswege nach Tibet zu öffnen. Durch Agenten der Britischen Ostindien-Kompanie mit Informationen versorgt, entschied sich der König Nepals 1788 für eine Invasion Südtibets (nicht identisch mit Teilen des heutigen Staates Arunachal Pradesh, die die VR China als Südtibet bezeichnet). Schnell drangen die nepalesischen Truppen der Gurkha vor und besetzten Lhasa. Die Mandschubeamten in Lhasa unternahmen nichts zur Verteidigung Tibets, sondern verließen das Land, um dem Kaiser in Peking zu berichten, und nahmen den Dalai Lama und den Panchen Lama mit, der noch ein Kind war. Qianlong betrachtete die Attacke der Gurkha als direkten Angriff auf China und befahl die Entsendung einer Armee aus der Provinz Sichuan. Der erste Gurkha-Krieg (1788–89) war schnell beendet. Die Mandschuarmee eroberte Lhasa zurück, und die Nepalesen flohen aus dem Land. Die Mandschugeneräle sahen davon ab, sie über den Himalaja zu verfolgen.
Das rächte sich, als Nepal 1791 zum zweiten Mal in Tibet einfiel. Qianlong ließ die Generäle des letzten Kampfes bestrafen und beauftragte einen seiner Verwandten, General Fukang'an mit der Niederschlagung der Gurkha. Fukang'an griff Tibet von Norden her an, mitten im Winter 1791–92, mit gerade einmal 10.000 Mann. Die Armee der Gurkha war völlig überrascht. Im Sommer 1792 eroberten die Qing-Truppen ganz Tibet zurück und verfolgten die Invasoren diesmal bis nach Nepal. Fukang'an eroberte die Hauptstadt Kathmandu und zwang die Gurkha zur Unterwerfung. Nepal musste sich dem Kaiser als Vasallenstaat unterwerfen und Tribut nach Peking senden. Man verbot den Gurkha den Kontakt mit der Ostindischen Kompanie und sperrte Tibet für die Briten, später auch für die Russen. Mit der Rückkehr des Dalai Lama und des Panchen Lama unter dem Schutz des kaiserlichen Hofs der Qing war die Herrschaft Chinas über Tibet wiederhergestellt.
Aufgrund der prosperierenden Wirtschaft unter Qianlong stieg die Bevölkerung kontinuierlich weiter an. Durch die neuen Eroberungen wurden zahlreiche neue Besiedlungsprogramme ins Leben gerufen. Hunderttausende von chinesischen Siedlern zogen in unberührte, aber fruchtbare Gebiete, um neue Familien zu gründen. Während Qianlongs langer Herrschaft verdoppelte sich die Einwohnerzahl Chinas:
Europäische Chinareisende des späten 18. Jahrhunderts berichteten bewundernd, wie geordnet, fröhlich und höflich all die Menschenmassen seien, dass die allermeisten von ihnen wohlgenährt seien und in guten Häusern lebten, dass sie alle ungewöhnlich viel Zeit aufbrächten für ihre Familien und private Interessen. In der Tat war das gut ausgebaute Netz privater und öffentlicher Institutionen in der Lage, ausreichend Nahrung, Kleidung und Häuser für eine so große Bevölkerungsmasse zu liefern, auf einem so ausgedehnten Territorium. Erst die Bevölkerungsexplosion mit der zusammenbrechenden Wirtschaft nach den Opiumkriegen gegen Großbritannien sollte zu schweren sozialen Konflikten und Massenarbeitslosigkeit führen.
Auf der anderen Seite dehnte China seine Exportwirtschaft aus. Die Ausfuhr von Nahrungsmitteln und Manufakturprodukten schnellte in die Höhe, was zur Bildung wichtiger Industriezentren beitrug und den Lebensstandard der Bauern erhöhte. Baumwollprodukte wurden zu einem wichtigen Exportgut, und der Verkauf von Tee an die Briten steigerte sich um das Fünfzigfache binnen achtzig Jahren. Zehntausende von Arbeitern produzierten in den kaiserlichen Porzellanmanufakturen von Jingdezhen Steinwaren und Porzellankunst für den Export, auch Seide war gefragt. Die Europäer kauften im großen Rahmen Möbel und Lackwaren. China wurde der Hauptexporteur von Papier und Büchern in Fernost und nahm wieder seine dominierende Rolle als wichtigste Wirtschaftsmacht in Ost-, Mittel- und Südasien ein. Der Handel wurde in Silber erledigt, und China konnte auf einen ansehnlichen Überschuss blicken. Schon immer war das Reich der Mitte über den Handel der Hauptprofiteur der amerikanischen Silberminen gewesen. Doch von 1760 bis 1780 stiegen die Silbereinnahmen der Chinesen aus dem Handel mit den amerikanischen Kolonien von 3 Millionen auf 16 Millionen Silberunzen pro Jahr (von 85.000 kg auf 450.000 kg). Es wundert also kaum, dass die Macartney-Mission der Briten scheitern musste, war China doch am Export und nicht am Import von Waren interessiert. Das China des 18. Jahrhunderts war ein sehr wohlhabendes Land, das große Überschüsse für seine wachsenden Einwohnerzahlen produzieren konnte und sich nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich als stabil darstellt.
Qianlongs Verhältnis zu den seit dem 16. Jahrhundert in China insbesondere durch Kaufleute und Missionare präsenten europäischen Mächten war zwiespältig:
Daraufhin sandte die Britische Ostindienkompanie 1759 den sprachkundigen Kaufmann James Flint an den Kaiserhof, um dort Beschwerde gegen die genannten Beschränkungen und Missstände zu führen. Anfangs versprach Qianlong noch halbherzig, eine Untersuchungskommission einzusetzen, änderte aber dann seine Meinung und ließ Flint festnehmen und zu drei Jahren Haft verurteilen. Die Handelsrestriktionen wurden indes noch einmal drastisch verschärft: So schloss Qianlong insbesondere die Häfen Zhoushan und Xiamen (Amoy) für westliche Schiffe. Der gesamte Handel durfte nur noch über Kanton laufen, und selbst dort war er nur noch in den Wintermonaten von Oktober bis März und ausschließlich über die Vermittlung der Cohong-Gilde gestattet.
Versuche insbesondere der Briten, doch noch eine Öffnung der chinesischen Märkte zu erreichen, wurden in der Folgezeit zurückgewiesen. Exemplarisch hierfür steht die Macartney-Mission 1793, in deren Verlauf der Kaiser in traditionellem sinozentrischem Selbstbewusstsein die Gesandten wissen ließ, das Reich der Mitte habe an westlichen Erzeugnissen keinerlei Bedarf. Qianlongs intransigente Haltung sollte letztlich zu den Opiumkriegen des 19. Jahrhunderts und damit letztlich zum Niedergang der Hegemonialmacht China beitragen.
Dem abgedankten Kaiser stand sein Favorit Heshen zur Seite. Seit 1775 hatte der Gardeoffizier eine beispielhafte Karriere gemacht. Qianlong ernannte den intelligenten und arbeitsamen, aber auch selbstsüchtigen und korrupten jungen Mann zum Minister der Palastintendantur, zum Finanzminister, zum Großsekretär, sogar zum Staatsrat und Oberbefehlshaber der Pekinger Truppen. 1790 gelang Heshen der Aufstieg in das Kaiserhaus, indem er die Lieblingstochter des Kaisers mit seinem Sohn vermählte. Nach der Abdankung Qianlongs kam ihm eine Schlüsselrolle zu: Verantwortlich für die wichtigsten Ämter innerhalb der Regierung, vollstreckte er zielstrebig den Willen des „Höchsten Kaisers“. Unmittelbar nach dem Tod seines Vaters ließ Kaiser Jiaqing, gekränkt über die Bevormundung und Bestechlichkeit des Emporkömmlings, Heshen anklagen und unverzüglich hinrichten.
Qianlong starb 1799 in der Verbotenen Stadt und wurde im Yuling Mausoleum 裕陵 – einer ungewöhnlich imposanten Anlage – mit seinen Lieblingsfrauen in den Östlichen Qing-Gräbern beigesetzt. China war zum Zeitpunkt seines Todes ein sehr reiches und mächtiges Land, das allerdings strukturelle Probleme zu bewältigen hatte. Verglichen mit den anderen Staaten der Zeit war es aber immer noch ein vorbildlich regiertes und verwaltetes Land. Von einer sozialen oder gar staatlichen Krise kann daher keine Rede sein.
Geschichte Chinas:
Geschichte der Qing-Dynastie:
Kaiser Qianlong:
Qianlongs Kunstsammlung: (bekannt als Nationales Palastmuseum Taipeh)
Peking und Hof unter Qianlong:
Kaiser der Qing-Dynastie | Manju | Geboren 1711 | Gestorben 1799
Qianlong Emperor | Emperador Qianlong | Qianlong | צ'יאן לונג | Csien-lung | 乾隆帝 | 건륭제 | Cjaņluns | Qianlong | 乾隆帝
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