Unter Pyhrnbahn versteht man die Strecke Linz–Rohr–Selzthal. Der Abschnitt Linz–Klaus wurde zunächst als Lokalbahn von einer privaten Gesellschaft (Kremstalbahn) gebaut. 1901 bis 1906 baute der Staat unter Einbeziehung dieser Lokalbahn die Pyhrnbahn. Gemeinsam mit der Tauernbahn, der Karawanken- und Wocheinerbahn sowie der Linie Görz–Triest und der Wechselbahn gehörte sie zum letzten Lückenschluss im österreichischen Hauptbahnnetz.
Seit den 1870er Jahren gab es Eisenbahnprojekte ins Kremstal zur Erschließung von Sensenindustrie und Holzwirtschaft. Sowohl von Linz als auch von Wels (und auch von Steyr) wurden Strecken geplant. Letztlich setzten sich die Befürworter der Linzer Strecke durch und gründeten im Jahre 1880 die Kremstalbahn-Gesellschaft. Am 30. April 1881 wurde die Strecke Linz–Kremsmünster eröffnet.
Die Strecke (wie auch die spätere Fortsetzung nach Klaus) wurde als Lokalbahn gebaut. Die Trasse schlängelt sich stellenweise in engen Bögen der Berglehne entlang, um der hochwassergefährdeten Talsohle auszuweichen.
Anders als heute führte die Kremstalbahn von Linz zunächst entlang der Westbahngleise Richtung Wien, um dann nach Süden auf die ehemalige Pferdeeisenbahntrasse (Linz–Gmunden) einzuschwenken. Ungefähr beim Bahnhof Wegscheid wurde die heutige Trasse erreicht. Die Strecke führte dabei direkt bei der Lokomotivfabrik Krauss & Co vorbei. Dieser wurde zunächst auch die Betriebsführung übertragen (bis 1892).
In zwei Etappen wurde die Strecke verlängert:
| 1. August 1883 | Kremsmünster–Micheldorf |
| 1. November 1888 | Micheldorf–Klaus |
Außerdem nahm die KTB am 15. Mai 1887 die Flügelstrecke Rohr–Bad Hall in Betrieb.
Beim Streckenende in Klaus weicht die Trassierung ebenfalls von der heutigen ab. Kurz vor Klaus trennt ein Bergausläufer (Hungerbichl) das Kremstal vom Steyrtal. Die alte Trasse umfuhr diesen Ausläufer mit einer engen Kurve, die heutige Trasse führt durch den 523 m langen Hungerbichl-Tunnel. Der alte Bahnhof Klaus lag überdies tiefer als der heutige.
Die Kremstalbahn erhielt in den Jahren 1888/1889 noch die Konzessionen für eine Fortsetzungsstrecke nach Spital am Pyhrn, konnte sie aber aus finanziellen Gründen nicht realisieren.
An die eigene Flügelstrecke Rohr–Bad Hall schloss ab 1891 ein Seitenflügel der schmalspurigen Steyrtalbahn an. Es war dies der kurzlebigste Teil der Steyrtalbahn, wurde er doch schon 1933 stillgelegt.
Nachdem Wels beim Bau einer Eisenbahnverbindung ins Kremstal zunächst unterlegen war, konnte im Jahr 1893 zumindest eine Anschlussstrecke Wels–Sattledt–Rohr eröffnet werden. Der Abschnitt Wels–Sattledt ist heute noch als Teilstück der Almtalbahn in Betrieb, während Sattledt–Rohr im Jahre 1966 eingestellt wurde.
Die Pyhrnbahn bildet die Verlängerung der Kremstalbahn von Klaus nach Selzthal. Der Staat begann sofort Verhandlungen mit der Kremstalbahn-Gesellschaft über die Verstaatlichung der Strecke Linz–Klaus. Bereits 1902 übernahm der Staat die Betriebsführung.
Das Bauvorhaben gliederte sich in drei Teile:
Beim Umbau der Kremstalbahn gab es, wie weiter oben bereits erwähnt, zwei größere Neutrassierungen: die eine in Linz, wo die Strecke nun Richtung Salzburg aus dem Hauptbahnhof führt, und die andere in Klaus mit dem Bau des Hungerbichl-Tunnels und des neuen Bahnhofs. Ansonsten wurde beim Umbau eher gespart, und nur die engsten Kurven wurden gestreckt. In späterer Zeit (bis heute) wurden daher immer wieder einzelne Abschnitte neu trassiert. Ein Teil der alten Kremstalbahn-Trasse bei Klaus wurde ab 1909 von der Steyrtalbahn wiederverwendet.
| Eröffnungsdaten der Pyhrnbahn | |
|---|---|
| 19. November 1905 | Ober Micheldorf–Klaus (neue Trasse) –Spital am Pyhrn |
| 21. August 1906 | Linz–Wegscheid (neue Trasse) und Spital am Pyhrn–Abzweigung bei Selzthal |
| 20. Juli 1907 | Abzweigung bei Selzthal–Selzthal |
Die Strecke mündete 1906 zunächst 2,6 km vor Selzthal direkt in die Ennstalstrecke. Erst im darauffolgenden Jahr wurde ein eigenes Gleis für die Pyhrnbahn parallel zur Ennstalstrecke gebaut.
Größere Um- oder Ausbauten fanden nicht statt.
Verglichen mit anderen Strecken waren die Ausbauten durch die Deutsche Reichsbahn eher bescheiden: 1941 wurden neue Bahnhöfe in Wegscheid, Ansfelden und Roßleithen gebaut, sowie der Bahnhof Rohr umgebaut. Wegscheid und Rohr sind heute die beiden größten Bahnhöfe der Pyhrnbahn.
Der Bosrucktunnel war durch Wassereintritte, Gebirgsdruck und nicht zuletzt die Rauchgase der Dampflokomotiven stark in Mitleidenschaft gezogen. Eine Totalsanierung war dringend erforderlich. Da dieser Tunnel nur eingleisig ist, entschloss man sich zu einer mehrmonatigen Totalsperre der Pyhrnbahn zwischen Ardning und Spital am Pyhrn ab dem 29. September 1963.
Neben der eigentlichen Tunnelsanierung elektrifizierte man die Strecke Selzthal–Spital am Pyhrn: einerseits, um die Streckensperre auszunützen, andererseits, um neue Rauchschäden zu vermeiden. Eine Elektrifizierung der Gesamtstrecke war damals aus finanziellen Gründen nicht möglich.
Am 29. Mai 1965 wurde die Strecke wiedereröffnet. Ab diesem Zeitpunkt fuhren Personenzüge durchgehend in Dieseltraktion, während bei Güterzügen in Spital am Pyhrn von Dampflok auf Ellok (bzw. umgekehrt) umgespannt wurde.
Nach 26 Monaten Bauzeit konnte am 25. September 1977 der elektrische Betrieb zwischen Linz und Spital am Pyhrn aufgenommen werden. Neben den eigentlichen Elektrifizierungsarbeiten wurden auch Linienverbesserungen und Bahnhofsumbauten durchgeführt.
Am 31. Jänner 1982 musste bereits um 11:00 Uhr im Bereich der Traunbrücke eine Langsamfahrstelle mit 30 km/h wegen „unruhiger Gleislage“ eingerichtet werden. Gegen Abend begann sich der südliche Pfeiler zu neigen, so dass sich das Haupttragwerk von der Vorflutbrücke löste und seitlich flussaufwärts verschob. Der Lokführer eines auf die Brücke zufahrenden Personenzuges bemerkte Abreissfunken von der zerstörten Oberleitung und konnte den Zug rechtzeitig durch Schnellbremsung zum Stehen bringen (21:37 Uhr). Bis 23:00 Uhr kippte das Tragwerk weiter um, bis es schließlich auf der Uferböschung auflag. Erwähnenswert ist, dass flussaufwärts der Brücke gerade das Kraftwerk Traun-Pucking im Bau war.
In der Folge wurde ein Schienenersatzverkehr zwischen Traun und Nettingsdorf (teilweise auch Linz–Nettingsdorf oder Traun–Rohr) eingerichtet. Güterzüge wurden über die Ennstalstrecke (St. Valentin–Steyr–Selzthal) umgeleitet. Nach 5 Monaten (die effektive Bauzeit betrug nur 10 Wochen) konnte die neue Traunbrücke am 24. Juni 1982 in Betrieb genommen werden. Die Pfeiler waren bereits für den geplanten zweigleisigen Ausbau vorbereitet.
1979 schlossen das Land Oberösterreich und die ÖBB ein Übereinkommen über den nahverkehrsgerechten Ausbau des Linzer Hauptbahnhofs und der Strecke Linz–Traun. Der Ausbau umfasste:
| Eröffnung des zweiten Gleises | |
|---|---|
| 20. Juli 1982 | Gaumberg–Linz Wegscheid |
| 30. August 1984 | Linz Wegscheid–Traun |
| 5. Oktober 1984 | Linz Hbf–Gaumberg |
| 25. Mai 1988 | Traun–Nettingsdorf |
Am 2. Juni 1985 wurde schließlich die „Schnellbahn“ Linz–Traun eröffnet.
Diese Strecke war für die direkte Führung von RoLa-Zügen von der Passauer Bahn zur Pyhrnbahn gedacht. Bedingt durch den 1991 ausgebrochenen Jugoslawienkrieg, ging die Nachfrage nach RoLa-Zügen in dieser Relation noch vor der Eröffnung (29. Mai 1994) stark zurück. Die Strecke dient hauptsächlich als Entlastungsstrecke für die Westbahn (sogenanntes „drittes Gleis der Westbahn“). Ab 1995 wurden für einige Jahre Eilzüge Linz–Salzburg über Traun geleitet, hauptsächlich dient die Strecke aber dem Güterverkehr.
Pyhrnbahn_bei_Wartberg_an_der_Krems 2002-04-28.jpg Die Trassierung der ehemaligen Kremstalbahn erinnert zum Teil immer noch an die „Lokalbahnvergangenheit“. Ab 1994 wurden wieder einige Linienverbesserungen durchgeführt:
Im Dezember des Jahres 2005 wurde nach langer Zeit wieder ein internationaler Schnellzug auf der Pyhrnbahn eingeführt. Es handelt sich dabei um Eurocity 100/101 (Ljubljana - Praha), dessen Wagenmaterial von der tschechischen Bahn gestellt wird.
Bahnstrecke in Oberösterreich | Bahnstrecke in der Steiermark
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