Purin bzw. Purine sind neben Pyrimidinen wichtige Bausteine der Nukleinsäuren. Sie sind bizyklische organische Verbindungen mit 4 Stickstoffatomen. Sie sind nicht essentiell, sondern werden vom menschlichen Körper selbst gebildet. Tierische Lebensmittel enthalten viele Purine, da diese in Haut und Innereien in hoher Konzentration enthalten sind. Beim Menschen werden sie zu Harnsäure abgebaut und über die Nieren ausgeschieden; bei verschiedenen anderen Tierarten erfolgt ein weitergehender Abbau (beispielsweise zu Allantoin bei Rindern. Daher leitet sich auch der Name von lat. purus = rein und acidum uricum = Harnsäure ab, da es das „reine“ Grundgerüst der Harnsäure ist, die 1898 von Emil Fischer erstmals synthetisiert wurde.
Struktur
Das Molekül kann als kondensiertes Ringsystem, zusammengesetzt aus den beiden Heterozyklen Pyrimidin und Imidazol, aufgefasst werden. Deshalb lautet sein systematischer Name 7H-Imidazol*pyrimidin.
Das 7H-Purin steht mit seinem Isomer, dem 9H-Purin, in einem tautomeren Gleichgewicht:
Abgeleitete Moleküle
Purine
Übersicht
Werden die
Wasserstoff-Atome in den Positionen 2, 6 und 8 durch andere Moleküle ersetzt, ergeben sich verschiedene substituierte Purine:
Tautomerie
Auf Grund der Molekül-Abschnitte mit dem Grundmuster N=C-X-H (mit X = O, S oder NH) besteht die Möglichkeit der
Tautomerie. (Siehe dort
Lactam-Lactim-,
Thiolactam-Thiolactim- und
Ketimin-Enamin-Tautomerie):
Purin-Alkaloide
Vom Grundgerüst des Purins leiten sich auch einige
Alkaloide ab:
Rezeptoren
Purine binden an spezifische Rezeptoren in der Zellmembran, sog. purinerge Rezeptoren. Es gibt ionotrope und metabotrope purinerge Rezeptoren. Der physiologische Agonist dieser Rezeptoren ist ATP.
Biologische Bedeutung
- Die Harnsäure ist das Endprodukt des Purinstoffwechsels.
- Sind Adenin und Guanin in Position 9 mit dem 1. C-Atom der Ribose (bei der DNA mit Desoxyribose) verknüpft, ergeben sich die Nucleoside Adenosin und Guanosin. Durch Veresterung der Ribose mit Phosphat entstehen die Nukleotide, die Bausteine zahlreicher physiologisch wichtiger Moleküle sind. (Siehe dazu auch die Vitamine des B2-Komplexes Nicotinsäure, Riboflavin und Pantothensäure sowie AMP, ADP, ATP, RNA, DNA, cAMP, NADPH, NADH, FAD, Coenzym A, Succinyl-Coenzym A.)
- Durch Salpetrige Säure (HNO2) wird die Amino-Gruppe in eine Hydroxylgruppe umgewandelt. Dadurch entsteht aus Adenin Hypoxanthin und aus Guanin Xanthin. Wirkt Salpetrige Säure auf die DNA (als Mutagen) ein, führt diese Änderung dazu, dass es bei der Vermehrung der DNA (Reduplikation) zu fehlerhaften Basenpaarungen und damit zu einer veränderten Basensequenz kommt, die zu veränderten Proteinen und damit zu einem veränderten Phänotyp führen kann.
- In der tRNA finden sich auch ungewöhnliche Purinbasen: A+ entsteht durch Anlagerung eines Protons in der 7. Position, dadurch wird das Stickstoffatom an dieser Stelle positiv geladen. Die Stickstoffe des Ringsystems können methyliert sein, wodurch sie ebenfalls positiv geladen sind. Beispiele: m1A, m7A, m7G. Bei m2’G ist das 2. C-Atome der Ribose methyliert. Die entsprechenden Basen werden erst nach der Transkription modifiziert und beeinflussen Genauigkeit der Translation und Aktivität und Stabilität der tRNA. (siehe auch Nukleoside)
- Trans-Zeatin (tZ, N6-(Δ2’-Isopentenyl)-aminopurin, Isopentenyladenin, IPA) ist ein natürlich vorkommendes Cytokinin.
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Zeatin.png
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Biosynthese
De novo-Biosynthese
Die Purine werden im Organismus nicht als freie Moleküle synthetisiert, sondern stets als
Nukleotide. Ausgangsmolekül ist das α-D-
Ribose-5-phosphat, ein Zwischenprodukt des
Pentosephosphatzyklus. Darauf wird das Grundgerüst des Purins schrittweise aufgebaut, wobei verschiedene Moleküle die einzelnen Bestandteile liefern:
Das Endprodukt dieser Synthesekette ist das Inosinmonophosphat (IMP), das Nukleotid des Hypoxanthins, welches in weiteren Schritten zu den Nukleotiden des Xanthinosins, Adenosins oder Guanosins umgebaut wird.
Beim Abbau der RNA entstehen neben den Mononukleotiden auch freie Basen und
Nucleoside. Die Mononukleotide können dadurch wieder zurückgewonnen werden, dass die Purinbasen mit phosphorylierter
Ribose und die Nucleoside durch
Kinasen ihre Phosphatgruppe wieder erhalten.
Reduktion der Ribonukleotide
Um als Bausteine der DNA dienen zu können, muss die Ribose der Nukleotide am 2. C-Atom reduziert werden, die Hydroxyl-Gruppe wird durch ein Wasserstoffatom ersetzt, es entstehen die Desoxy-Ribonukleotide.
Abbau der Basen
Von den Nucleosiden und Nucleotiden werden als erstes die Basen abgespalten. Diese werden zu Harnsäure oxidiert. Diese ist bei
Landreptilien,
Vögeln, vielen
Insekten und
Primaten das Endprodukt, das über den
Harn ausgeschieden wird. Andere Tiere bilden aus der Harnsäure
Allantoin,
Harnstoff oder
Ammoniak.
Medizinische Bedeutung
Krankheiten
Je nach Ort der Störung im Purin-Stoffwechsel ergeben sich verschiedene Krankheitsbilder:
- Das Lesch-Nyhan-Syndrom ist auf eine Anhäufung von 5-P-Ribosyl-PP zurückzuführen, die zu einer übermäßigen Synthese von Purinen und damit auch zu einer Anhäufung von Harnsäure führt. Diese verursacht Gicht, geistige Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten.
- Die Gicht ist eine Folge von Hyperurikämie, eine erhöhte Konzentration von Harnsäure im Blut (mehr als 0,4 mmol/l). Unterhalb dieser Konzentration stehen im Blut genügend Eiweiße zur Verfügung, um die in Wasser schwerlösliche Harnsäure zu transportieren und ihre Ausfällung zu verhindern. Ist der Harnsäure-Wert zu hoch, reicht dieses Schutz-System nicht mehr aus und es kommt zu Ablagerungen in Gelenken, Sehnenscheiden und Nierenmark.
- SCID (schwerer kombinierter Immundefekt) ist auf eine 50fache Erhöhung der dATP-Konzentration zurückzuführen. Dadurch ist die empfindliche Balance in der Konzentration der DNA-Bausteine gestört und es kommt zu Störungen der DNA-Synthese, die vor allem die Zellen des Immunsystems (T- und B-Zellen) betrifft.
Medikamente
Purin-Derivate und Purin-Analoga spielen als
Antimetaboliten eine Rolle:
Azathioprin unterdrückt das
Immunsystem, 8-
Azaguanin, 6-
Purinthiol und 6-
Thioguanin werden gegen bestimmte
Krebsformen eingesetzt,
Allopurinol gegen
Gicht. N-Hydroxy-Purin und Purin-N-Oxide wirken
carcinogen.
Siehe auch:
Literatur
- Müller, C.: Gichterkrankung - Purinarme Kost gegen Schmerzen. UGB-Forum 2, 68-71, 2000*
Weblinks
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