Die Psychophysik ist der Wissenschaftsbereich, der die Wechselwirkung zwischen objektiv messbaren physischen Prozessen und subjektivem mentalem Erleben untersucht. Er hat sich wissenschaftshistorisch recht früh durch die Arbeiten von Gustav Theodor Fechner im Anschluss an Ernst Heinrich Weber entwickelt. Psychophysik.jpg]] Auf Fechner geht die Unterscheidung zwischen äußerer und innerer Psychophysik zurück. Während die äußere Psychophysik den Zusammenhang zwischen Reizungen der Sinnesorgane und Erleben misst, beschäftigt sich die innere Psychophysik mit den Relationen zwischen neuronalen Prozessen und Erleben. Meist wird unter "Psychophysik" primär die Untersuchung Reiz - Erlebenzusammenhängen verstanden, während der Bereich der inneren Psychophysik der kognitiven Neurowissenschaft zugeordnet wird. Diese Zuordnungen resultieren aus der Tatsache, dass Fechner die innere Psychophysik nur theoretisch postulieren konnte, aber aufgrund fehlender neurowissenschaftlicher Methoden nicht an ihr forschen.
Fechners Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen Reiz- und Erlebnisintensität:
Aufgrund der eingeschränkten Gültigkeit von Fechners Gesetz hat Stanley S.Stevens 1957 seine Potenzfunktion (Stevenssche Potenzfunktion) formuliert:
repräsentiert hier die modalitätsspezifische Potenz, die für die meisten Sinne kleiner als eins ist (mit Ausnahme des Schmerzes) und die subjektiv geschätzte Größe eines Attributes. Nach Stevens Potenzfunktion nimmt die durchschnittliche Schätzung der Größe eines Attributes etwa als Power-Funktion der Intensität des Reizes zu.
Die Psychophysik hat sich im Verhältnis zu anderen kognitionswissenschaftlichen Disziplinen sehr früh entwickelt. Webers und Fechners zentrale Arbeiten fallen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihre systematische und empirische Erforschung von Reiz-Erlebnis-Zusammenhängen hat einen großen Einfluss auf viele Wissenschaftler und Philosophen gehabt. Beispiele sind Hermann von Helmholtz und Ernst Mach. Die Psychophysik gehörte damit zu den wissenschaftshistorisch bedeutsamen Vorreitern einer naturwissenschaftlichen Erforschung von Bewusstseinsprozessen.
Gleichzeitig bietet das Werk Fechners auch eine kritisch-skeptische Perspektive auf die Naturwissenschaften. Fechner war als Kritiker des Materialismus nicht der Meinung, dass sich mentale Ereignisse auf physische Ereignisse reduzieren lassen. Dennoch versuchte er mit der Psychophysik Korrelationen zwischen diesen Ereignissen herzustellen. Fechners methodologische Einstellung findet sich zum Teil auch heute bei Neurowissenschaftlern wieder, die nach neuronalen Korrelaten des Bewusstseins suchen, ohne damit eine metaphysische Aussage über die Natur des Bewusstseins machen zu wollen.
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