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Psychologische Diagnostik ist ein Teilbereich der Psychologie. Dies ist ein zentraler Begriff für Zugänge, welche eine Erfassung von Charakteristika von Personen, Personengruppen, Institutionen, Situationen etc. zur Folge haben. Die Gewinnung von Informationen über die Charakteristika erfolgt innerhalb eines diagnostischen Prozesses.

Diagnostik vollzieht sich in der praktischen und wissenschaftlichen Orientierung nicht unabhängig von Fragestellungen, von Personen, Institutionen, von ethischen und rechtlichen Bedingungen etc. Solche Bedingungen steuern den immer interaktiv sich vollziehenden Prozess. Die Interaktion kommt zwischen der zu diagnostizierenden Person, der Personengruppe etc. (dem, Diagnostikanden) und der diagnostizierenden Person (dem Diagnostiker), Drittpersonen (Auftraggeber) und mehr äußeren Randbedingungen (wie etwa gegebene sozioökonomische Bedingungen) zustande.

Es kann aber aber auch als Abfolge von Bedingungen innerhalb des diagnostischen Prozesses selbst beschrieben werden, wenn in Abhängigkeit von vorgegebenen Bedingungen – etwa eine Antwort in einem Interview – nachfolgend gesteuert wird, welche weitere Frage zu stellen ist welcher Zugang zu wählen ist, um weitere Informationen über die gewünschten Charakteristika einzuholen.

Die Erfassung und Gewinnung von Charakteristika erfolgt mit wissenschaftlich fundierten Methoden, zielgerichtet, systematisch und orientiert an vorgegebenen Hypothesen. Mit ihr wird das Ziel verfolgt, Erkenntnisse über die Merkmalsträger zu gewinnen und für eine Entscheidung über eine nachfolgende Maßnahme, wie Beratung, Therapie, Training etc., zu nutzen. Sofern Maßnahmen durchgeführt werden, kann Diagnostik wiederum eingesetzt werden, um den Erfolg eben dieser Maßnahmen zu kontrollieren und zu evaluieren. Die genannten Entscheidungen basieren auf einem komplexen Informationsverarbeitungsprozess. In diesem Prozess wird auf Regeln, Anleitungen, Algorithmen usw. zurückgegriffen. Man gewinnt damit relevante Charakteristika von Merkmalsträgern und integriert gegebene Daten zu einem Urteil (Diagnose, Prognose). Die Integration wird als diagnostische Urteilsbildung bezeichnet.

Psychologische Diagnostik dient der Untersuchung psychischer Funktionen. In diesem Zusammenhang wird die Ausprägung bestimmter psychischer Merkmale untersucht (z.B. Wahrnehmung, Konzentration, Merkfähigkeit, Intelligenz, Angst, oder Selbstkonzept (Selbstbild)).

Dies geschieht in der Regel durch Psychologen mit Hilfe wissenschaftlich anerkannter Methoden und Testverfahren. Neben den vielfältigen standardisierten Verfahren, die durch möglichst für alle Probanden gleichartig strukturierte und durchgeführte Methodik zu möglichst objektiven Vergleichsaussagen führen sollen, gibt es die sogenannten qualitativen Verfahren, die über einzelne Individuen möglichst umfangreiche, aussagekräftige Informationen zutage fördern sollen. In qualitativen Interviews soll durch gezieltes Hinterfragen von Antworten und durch freies Erzählen und themenzentrierte Ausführungen der Probanden ein möglichst vorurteilsfreies und nicht von normengestützten Vergleichsinteressen geleitetes Bild der Persönlichkeit oder der individuellen Denkleistungen erzeugt werden. Siehe auch: Interview

Ein spezielles Anwendungsgebiet psychologischer Diagnostik ist die pädagogisch-psychologische Diagnostik. Zu den Themen in diesem Bereich gehört die Diagnose von Merkmalen wie Schulangst bzw. Leistungsangst oder Motivation aber auch die Messung von Intelligenz und Selbstkonzept. In qualitativen Untersuchungen von Schulleistungen können z.B. Aussagen über das individuelle, inhaltlich-mathematische Denken (siehe auch: Qualitative Diagnostik) oder andere Sachgebiete gemacht werden.

Literatur

  • Boerner, Klaus - Das Psychologische Gutachten: Ein praktischer Leitfaden. Weinheim 1991 (Neuauflage:2004), Beltz, ISBN 3-621-27166-X
  • Brähler, E., Holling, H., Leutner, D. &Petermann, F. (Hrsg.): Brickenkamp Handbuch psychologischer und pädagogischer Tests 3.Aufl. Göttingen: Hogrefe (2002). ISBN: 3-8017-1441-1
  • Fisseni, H.-J.: Lehrbuch der psychologischen Diagnostik Mit Hinweisen zur Intervention 3.Aufl. Göttingen (2004): Hogrefe. ISBN: 3-8017-1756-9
  • Ginsburg, Herbert P. / Jacobs, Susan F. / Lopez, Luz Stella: The Teacher's Guide to Flexible Interviewing in the Classroom. Learning what Children know about Math. Needham Heights 1998, Allyn&Bacon, ISBN 0-205-26567-7
  • Jäger, R.S. & Petermann, F. (Hrsg.).Psychologische Diagnostik - ein Lehrbuch. Weinheim, 1999, 4. Aufl., BeltzPVU: Weinheim. ISBN: 3-621-27273-9
  • Kubinger, K. & Jäger, R.S. (Hrsg.). Schlüsselbegriffe der Psychologischen Diagnostik. Weinheim, 2003,BeltzPVU: Weinheim. ISBN: 3-621-27472-3

Weblinks


Angewandte Psychologie

 

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