Unter der Psychoanalyse (von griechisch ψυχη (psyche), dt. Seele, und ανάλυσις (analysis), dt. Auflösung, im Sinne von Untersuchung, Enträtselung der Seele) versteht man
Psychoanalytiker der auf Freud folgenden Generationen haben die Psychoanalyse in vielfältige Richtungen weiterentwickelt, teils mit Freud übereinstimmend, teils weit von ihm abweichend. Diese stetige Differenzierung der psychoanalytischen Theorie und Methodik hat - ergänzt um integrative Bemühungen - zur Entstehung einer Vielzahl von psychoanalytischen Schulrichtungen mit unterschiedlichen Konzeptionen und Schwerpunkten geführt. Dazu zählen z.B. die Ichpsychologie, die Objektbeziehungstheorie (u.a. Melanie Klein, Winnicott, Wilfried Bion), die Selbstpsychologie (Heinz Kohut), die Relationale und Intersubjektive Schule der Psychoanalyse sowie die Strukturalistische Psychoanalyse (Jacques Lacan).
In den Jahrzehnten nach Freud haben andere Psychoanalytiker eine beachtliche Anzahl von weiteren Methoden entwickelt, so z.B. zur Analyse der Persönlichkeitsstruktur (u.a. Arbeitskreis OPD) oder der Erzählstrukturen (z.B. Boothe: Erzählanalyse JAKOB). Auch der Inhalt von Märchen, Mythen oder künstlerischen Werken (Literatur, Film u.a.) kann psychoanalytisch interpretiert werden.
Die klassische Psychoanalyse findet über einige Jahre hinweg drei- bis fünfmal wöchentlich statt. Der Patient bzw. Analysand liegt auf einer Couch und sagt möglichst unzensiert alles, was ihn gerade bewegt bzw. ihm durch den Sinn geht. Der hinter ihm sitzende Analytiker hört mit einer Haltung gleichschwebender Aufmerksamkeit zu und teilt dem Analysanden die während des psychoanalytischen Prozesses gewonnenen Erkenntnisse mit ("Deutung"), wann immer er dies für günstig hält. Insbesondere bemüht sich der Analytiker, die sich in der Beziehung zu ihm einstellenden Übertragungen typischer emotionaler Muster bzw. Motive des Analysanden aufzuspüren und ihren Stellenwert innerhalb der Psychodynamik des Analysanden zu interpretieren, um sie einer Veränderung zugänglich zu machen (Übertragungsanalyse s. Übertragung (Psychologie)). Auch die Traumanalyse kommt während der analytischen Behandlung zur Anwendung.
Neben der "großen" psychoanalytischen Therapie sind heute kürzer dauernde tiefenpsychologische Therapieformen weit verbreitet (s. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie), bei denen sich Analytiker und Analysand gegenübersitzen und sich ein- bis zweimal wöchentlich treffen. Erwähnenswert sind noch die psychoanalytischen Fokaltherapien bzw. Kurzzeittherapien, in denen versucht wird, ein zentrales, mehr oder weniger klar umschriebenes Problem in insgesamt ca. 20 bis 30 Sitzungen zu behandeln.
Die Psychoanalyse findet Anwendung bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen. Zudem gibt es psychoanalytische Paar- und Familientherapie, Gruppenpsychoanalyse, stationäre psychodynamische Therapie und psychoanalytisch orientierte Supervision.
Zu den bedeutenden Psychoanalytikern der ersten Generation zählen neben Freud Karl Abraham, Alfred Adler, Siegfried Bernfeld, Helene Deutsch, Paul Federn, Otto Fenichel, Sandor Ferenczi, Ernest Jones, Carl Gustav Jung, Sandor Rado, Otto Rank, Theodor Reik und Wilhelm Reich.
Wichtige Vertreter der psychoanalytischen Ichpsychologie sind Heinz Hartmann, Anna Freud und Erik H. Erikson.
René A. Spitz und Margaret Mahler begründeten die psychoanalytisch orientierte empirische Säuglings- und Kleinkindforschung.
Als Begründer der Bindungstheorie, die innerhalb wie außerhalb der Psychoanalyse weite Verbreitung fand, gilt der Psychoanalytiker John Bowlby. Exponenten der Objektbeziehungstheorie sind D.W. Winnicott, Melanie Klein, Michael Balint, W.R.D. Fairbairn und Wilfried Bion.
Die Selbstpsychologie wurde von Heinz Kohut begründet.
Bedeutende Vertreter der Psychoanalyse in Frankreich sind Jacques Lacan, André Green, Jean Laplanche.
Die Neopsychoanalyse ist mit den Namen Karen Horney, Harry Stack Sullivan und Erich Fromm verbunden.
Bedeutende zeitgenössische Psychoanalytiker sind Otto Kernberg, Peter Fonagy und Daniel Stern.
Weiterhin untersuchte Freud auch Alltagsphänomene wie die Mythen, Bräuche, Witze und die dann nach ihm sogar benannten "Freudschen Fehlleistungen", welche zuvor - wie die Träume - nur wenig Interesse von Seiten einer seriösen Wissenschaft geerntet haben. Grundlegend wichtig für den erstrebten Gewinn eines Ideals der intakten Psyche ("Gesundheitsmodel") war ihm die Berücksichtigung von Befunden und Annahmen aus dem Bereich der biologischen Wissenschaften, so die Evolutionstheorie Charles Darwins, die Freud mit Begeisterung befürwortete. Weitere Daten, auf die er sich stützte, waren seine intensive Selbstanalyse anlässlich ihm bewusst werdender Störungen sowie wie oben gesagt die psychologische bzw. psychotherapeutische Behandlung von neurotischen Patienten. Ausgehend von den während dieser Arbeit entwickelten Annahmen und gewonnenen Erkenntnissen, entdeckte er psychische Zustandsformen, Verhaltensmuster und meist nicht bewusste Funktionsweisen, die in der einen oder anderen Form bei allen Menschen angetroffen werden können. Grundsätzliche (hypothetische) Differenzen zu dem in der Biologie verankerten Idealmodel der Psyche, veranlassten Freud zur Äußerung des Verdachts, wir alle wären mehr oder weniger neurotisch, und zur Suche nach einer gesunden menschlichen Gemeinschaft; er erkannte aber nur die Herkunft unserer Gesellschaft aus dem barbarischen Totemismus (Zusammenfassung s. Totem und Tabu). Freud legte jedoch große Hoffnung auf die künftige Primatenforschung, und Konrad Lorenz wurde von Freuds Entdeckung des die Berichte der Forscher unabsichtlich verfälschenden Projektionsphänomens (s.a. "Übertragung") zum Entwurf der Ethologie veranlasst, die seit den 70er Jahren letzten Jahrhundert Einzug hielt in die Primatologie. Die darin tätige Jane Goodall entdeckte bei unseren genetisch nächsten Verwandten eine Gemeinschaftslebensform, deren soziale Struktur und - Verhaltensweisen Freud in Totem und Tabu nicht zu erraten vermochte, die er jedoch als "Horde" bezeichnet hat. Bemerkenswert ist seine hypothetische Rückführung der monogamen "Familie" auf einen gezielt vereinbarten Vertrag; demnach wäre die Familie ein Erzeugnis des menschlichen Denkens, während die von ihm vergeblich egsuchte Primatenhorde ein einwandtfreies Naturprodukt ist.
Bei jeder Darstellung der Grundlagen von Freuds Theorien und so auch besonders in Hinblick auf die letztgenannten psychoanalytischen Annahmen, muss zweierlei vorweggeschickt werden: 1- dass Freuds Ansichten und Annahmen nicht in geschlossener Form vorliegen, weil er selbst so gut wie all seine früheren Thesen nach und nach revidierte, entwickelte und gar verwarf, wenn sich ihm neue Erkenntnisse aufgedrängt haben, und die späteren ohne Kenntnis der früheren unverständlich bleiben. 2- dass die Psychoanalytiker der nachfolgenden Generationen diese Theorien vielfach eigenständig umänderten, weiterentwickelten oder gänzlich neue Konzepte und Theorien eingeführt haben, die die Klarheit des Denkens von Freud nicht oft erreichen, sodass die Psychoanalyse in ihrer zeitgenössischen Form keineswegs mit dem Werk Freuds gleichgesetzt werden darf.
Die wesentlichen Bestimmungsstücke eines Triebs sind Quelle, Drang, Ziel und Objekt. Unter der Quelle versteht man jene physiologischen Regionen, in denen ein psychisch erlebter Reiz entsteht. Quellen des Sexualtriebs (Libido) wären z.B. die orale oder die genitale Zone. Der Drang wiederum beschreibt die imperative Qualität des sich als Affekt und Vorstellung äußernden Triebs (z.B. Hunger). Das Ziel des Triebes ist definiert als ein Verhaltenskomplex, welcher den offensichtlichsten Bestandteil des Triebs darstellt. Im Falle des Selbsterhaltungstriebs wären mögliche Ziele Essen oder Trinken, im Falle des Sexualtriebs der Koitus. Das Objekt schlussendlich ist der variabelste Teil am Trieb und mit diesem lediglich aufgrund seiner Eigenschaft verknüpft, die erwünschte Befriedigung zu verschaffen. Das Objekt des Sexualtriebs kann so gesehen ein gegengeschlechtlicher Partner, aber auch einfach nur ein Stück Latex sein.
Was Art und Anzahl der Triebe anbelangt, ist Freud weitgehend Dualist geblieben. Anfangs (1905-1914) stellt er den der Arterhaltung dienenden Sexualtrieb den der Selbsterhaltung dienenden Ichtrieben gegenüber. Die Libido (Sexualtrieb) betrachtet Freud einer in Phasen verlaufenden Entwicklung unterworfen (der Mensch ist von Geburt an ein sexuelles Wesen: oral, anal, phallisch-genital; ödipal). 1914 unterschied Freud innerhalb des Sexualtriebs zwischen einer narzisstischen Libido, welche auf das eigene Selbst gerichtet ist und einer Objekt-Libido, die Zuwendung auf andere Personen richtet. 1920 postuliert er schließlich einen großen Antagonimus von Lebenstrieben mit ihrer Tendenz, Bindungen herzustellen, und Todestrieben mit zersetzend-destruktiver Tendenz. Freuds letzter Triebtheorie, darunter vor allem der Annahme eines Todestriebs (Gegensatz: Eros u. Thanatos), wollten die meisten Psychoanalytiker nicht folgen, wohl weil sie auf einem zu hohen Abstraktionsniveau angesiedelt war. Auch die hinter dem Wirken von Trieben vermuteten Energiequanten stoßen heute nicht mehr auf breiten Konsens.
Es ist ein Verdienst der Objektbeziehungstheorie das Primat der Libidotheorie zur Erklärung allen menschlichen Verhaltens gebrochen zu haben und realen und phantasierten zwischenmenschlichen Interaktionen Anerkennung als eigenständiges und nicht nur von der Libido abgeleitetes Grundmotiv verschafft zu haben. Einer der Pioniere auf diesem Feld war Fairbairn, der - allerdings noch in libidotheoretischer Terminologie - argumentierte, die Libido suche eigentlich nicht nach Lust, sondern nach dem Objekt. Besondere Bedeutung kommt auch Melanie Klein zu, welche die Uranfänglichkeit der Objektbeziehung betonte und zwischen einer paranoid-schizoiden und einer depressiven Position in der frühesten Entwicklung unterschied. Nicht zu vergessen John Bowlby, Begründer der Bindungstheorie, in dessen Werk die Mutter-Kind-Beziehung und ihre Folgen im Mittelpunkt stehen. Margaret Mahler schließlich hat die Entwicklung von der am Anfang des Lebens bestehenden Symbiose zwischen der Mutter und ihrem Baby hin zur schrittweisen Unabhängigkeit, der Individuation beschrieben. Triebtheorie wird heutzutage von Wissenschaftlern wie Dr. Alex Rotmann, Dr. Dr. Alissa Schmitz und Dr. Prof. Andre Geueke untersucht. Den unterschiedlichen, im Verlauf der Geschichte der Psychoanalyse diskutierten Grundbedürfnissen Rechnung tragend hat Joseph D. Lichtenberg eine Theorie der Motivationssysteme entwickelt und fünf menschliche Grundbedürfnisse postuliert, welche eine endgültige Abkehr von der Triebtheorie bedeuten:
Befunden der ethologischen Primatenforschung zufolge, steht folgende Reihe von Grundbedürfnissen des ES zur Diskussion (http://people.freenet.de/traumdeutung.fuer.einsteiger/index.html. Joshua Gruenerwald):
Freuds Theorie gemäß können wir also den Sinn unserer Handlungen wie auch der aller anderen Lebewesen verstehen, weil dies alles nach dem selben Muster erfolgt wie die Gestaltung der Sätze, Mimik der Gesichter/ Körpersprache, Werke der Künste und Gleichungen der Mathematik. "Symbole" werden all diese anscheinbar so verschieden Botschaftenüberbringer genannt, weil in jedem einzelnen 2 komplementäre Aspekte - wie ein Siegel mit seinem Abdruck - vereinigt oder zusammengeballt wurden, also quasi einem ’Vertrag‘ -(sym-bàllein auf Altgriechisch)- geschlossen haben. Davon abgesehen versteht man all jene Mitteilungen als "symbolisch", die nicht so 'klar‘ wie eine Schritt um Schritt nachvollziehbare Gebrauchsanweisung strukturiert wurden, sondern ihren "Sinn" indirekt mitteilen, der allein auf dem Wege des rational- analytischen, Ich-eigentümlichen Denkens zwar verborgen bliebe, aber anhand unserer allgemeinen Gefühlslogik - In-tuition genannt, auch: synthetisches Denken - nachvollzogen werden kann; Die einfacheren solcher Symbole nennen wir “Bilder“, die komplexeren Gleichnisse und die abstrakten Allegorien. Das logische Denken ist also Freuds Auffassung nach grundsätzlich kollektiv und dem ES immanent, so stellt Descartes Annahme "Cogito ergo sum", aus dieser tiefenpsychologischen Perspektive, eine Anmaßung dar und das "Individuum" als denkende Seins-Entität eine reine Einbildung – wie Jacques Lacan durch seine an den Strukturalismus angelehnte Interpretation von Freuds Theorien vertritt.
Das Ich ist allerdings im Besitz eines eigenen Denkvermögens, sonst ließe sich der Wille des Es vielleicht begreifen und umsetzten - wie ein Zahnrad den Trieb seines Motors -, es wäre aber kein Fehler denkbar beim Versuch z.B. eines Psychoanalytikers, die symbolische Botschaft eines Traumes in Gedanken zu fassen und diese auszuführen. Was dem Ich eigentümlich ist, ist nämlich die "Reflexion“, die ‘dialektisch‘ erfolgt, indem es den Wunsch zuerst hypothetisch formuliert, wofür zuletzt lediglich 2 alternierende Möglichkeiten/ These und Antithese) des Verständnisses übrig bleiben, die einander an sich ebenbürtig sind - und keineswegs destruktiv (s. konstruktives Ringen von Eros und Tanatos/ Metaphysik des Lebens- und Todestriebes; Heraklit) -, weil bedingt von entgegengesetzten Perspektiven des selben Sinns oder "logos". Beide werden vom Ich zwecks Wahl der momentan richtigen logisch erwogen, und z.B. eine „Synthese“ aus beiden erstellt, die zwar ideal ist, deren Bezug zu einer konkreten Umweltsituation freilich! nicht funktioniert („irren ist menschlich“), weil nur eine von beiden momentan wahr - d.h. zur konkreten Bedürfnisstillung des ES führend sein kann. Solche Feststellung mündet dann u.U. gar in den Zerlegungsversuch auch des "Symbol-Seins" an sich - zugleich ins Unmitteilbare, "Mystische" im eigentlichen Sinne (s. Meister Eckehart), wodurch sich die Ich-Bewusste von der Es-eigentümlichen Denkungsart unterscheidet...
Wie das Es seine noumenalen Botschaften oder Offenbarungen herstellen kann wusste Freud nicht und weiß niemand; da aber Noumenon und Phänomenon (s. Immanuel Kant) einen Gegensatz darstellen, darf ersteren nicht die dialektische Reflexion unseres phänomenalen Ich-Denk-Bewusstseins anhand den Dimensionen/ s. Kants 11 „kategoriale“ Attribute der Erkenntnis-„Substanz“) zugeschrieben werden, zumal diese die der Zeit /- das Werde-Vergehen der Dinge und ihres Kosmos im Ich-eigenen Vorstellungsvermögen) miteinbegreifen, bzw. die Bewegungs-Dimension unseres darin denkenden Geistes. Das, womit das Es denkt: die reine Triebenergie - ist also zeit’geist’los, ungeworden, unvergänglich, so sind seine Botschaften - nach Freud - unfehlbar, immer und nur wahr; wer irrt, sind wenn wir, das "Ich".
Solche noumenalen Botschaften könnte das Ich in ihrer Urfassung nicht begreifen, so müssen sie - wie auch die Reize unserer äußeren Sinnesorgane - im "Vorbewussten" auf eine Weise gefärbt, strukturiert und temperiert werden (s. Kants Ästhetik), die dem Ich-Bewusstsein nachvollziehbar ist, sie dadurch zu Symbol-trächtigen Bildern und Allegorien machend. Das Ich legt diese Wünsche dann wie oben gesagt aus anhand Dialektik und intuitiver Logik, sie zur Befriedigung des Es umsetzend in der ebenfalls noumenalen Wirklichkeit, und sammelt die während solcher Handlungen anfallenden Erfahrungen in sein ab der Geburt sich zu bilden beginnendes PrivatGedächtnis ( Über-Ich ), auf dessen Inhalt das ES zurückgreift, wenn es erneut zu seinem ICH spricht. Wenn aber diese Erfahrungen nur weitergegeben werden um sie weiterzugeben, sie unumgesetzt oder untherapiert lassend weil verbunden mit psychischen Traumen, dann entstehen - so Freuds Annahme hinsichtlich soziokultureller Prozesse - Überlieferungen, die mit der Zeit von allem zu offenkundig Traumatischen 'bereinigt' werden, sie zu Märchen, Sagen und Mythen verdichtend. Dieser Prozess spiegele sich in vergleichbarer Weise in dem Werdegang der einzelnen Menschen ab ihrer Geburt und Kindheit, so seien sie grundsätzlich ebenso analytisch untersuchbar wie unsere Träume. (Mit freundlicher Kopieerlaubnis J. Gruenerwalds, übernommen aus http://people.freenet.de/traumdeutung.fuer.einsteiger/index.html .)
Freud-5.jpg Theoretische Schwierigkeiten mit diesem Modell haben Freud zur Entwicklung des Drei-Instanzen-Modells veranlasst, dem bekanntesten Persönlichkeitsmodell der Psychoanalyse. Es versteht die menschliche Psyche als in drei Instanzen untergliedert, welche teilweise interagieren und teilweise in Konflikt miteinander geraten können. Das Ich sitzt räumlich gesprochen an der Oberfläche der Persönlichkeit und gehorcht dem Realitätsprinzip. Es steuert das Selbst, die Interaktionen mit und die Anpassung an die Umwelt. Es kontrolliert Wahrnehmung und Motilität, was ihm die Aufgabe moderater Triebbefriedigung zukommen lässt. Die synthetische Funktion des Ich beschreibt seine Aufgabe zwischen den Anforderungen der verschiedenen Instanzen und der Außenwelt zu vermitteln. Das Es, ein von Georg Groddeck geprägter Begriff, ist jener völlig unorganisierte Teil der Persönlichkeit, in dem die verdrängten Wünsche und archaischen Verhaltensmuster beheimatet sind. Es ist die Quelle der Triebregungen und im Gegensatz zum Ich und zum Über-Ich gänzlich unbewusst. Das Über-Ich, die moralische Instanz, besteht aus den durch die erzieherischen Einflüsse verinnerlichten Verboten und Geboten. Freud hat die drei Instanzen mit einem Gleichnis aus der Reiterei veranschaulicht: Das Ich entspricht dem Reiter, das Es dem Pferd und das Über-Ich der Rolle des Reitlehrers.
Da Konflikte nicht nur zwischen den Instanzen auftreten können (z.B. zwischen Es und Ich), sondern auch zwischen widersprüchlichen Tendenzen innerhalb einer Instanz (z.B. zwei entgegengesetzte moralische Forderungen des Über-Ich), wurde von der späteren Psychoanalyse zwischen intersystemischen Konflikten und intrasystemischen Konflikten differenziert. Ein weiteres Problem ergab sich dadurch, dass Freud den Begriff Ich auf zweierlei Art und Weise verwendete: Einmal um ein Sammelsurium psychischer Funktionen zu beschreiben und einmal um damit die ganze Person zu bezeichnen. Dies machte eine Trennung von Ich und Selbst erforderlich, wobei der Begriff Ich für die erlebnisfernen psychischen Funktionen reserviert blieb und der Terminus Selbst fortan die Summe der erlebnisnahen Vorstellungen von der eigenen Person beschrieb. Eng verwandt mit dem Konzept des Selbst ist das der Identität.
Die Objektbeziehungstheorie schließlich hat die interaktive Funktion der Affekte unterstrichen. Affekte spielen nämlich auch eine Rolle in der Anbahnung interpersoneller Beziehungen und der Regulation von Subjekt-Objekt-Interaktionen. Heute setzen sich weitgehend Komponentenmodelle der Affektivität durch, welche das relativ ganzheitliche Affektgeschehen als aus Bestandteilen zusammengesetzt ansehen. Ein solches von sechs Komponenten ausgehendes Affektmodell stammt von Rainer Krause. Es untergliedert das Affektsystem in: 1. Expressive Komponente (mimischer und gestischer Ausdruck des Affekts); 2. Physiologische Komponente (endokrine und neuronale Ebene des Affekts); 3. Motivationale Komponente (Innervation der Skelettmuskulatur); 4. Wahrnehmung/Bewusstes Erleben des Affekts; 5. Sprachliche Benennung des Erlebens; 6. Bewusste Wahrnehmung des Affekts als inneres Bild und als spezifische situative Bedeutung der Welt und der Objekte. Diese sechs Komponenten entwickeln sich nicht ontogenetisch synchron und sind in mehrfacher Hinsicht störanfällig.
Da Affekte mit höherer Geschwindigkeit operieren als rationale Denkprozesse kann man sie als phylogentisch ältere und ganzheitlichere Bewertung all unserer Erlebnisse verstehen. Sie sind eine besondere Art der Information im Rahmen psychischer Regulationsprozesse wie z.B. Triebansprüchen, zwischenmenschlichen Beziehungen oder Werten. So gesehen lassen sich Affekte am adäquatesten als eine Art Interface verstehen, das die psychische Ebene einschließlich ihrer unterschiedlichen Systembereiche mit der biologischen und der sozialen Ebene vernetzt. Das ist auch der Grund weshalb der Affekttheorie eine Zentralstellung in der gesamten psychoanalytischen Theorie und Therapie zukommt. Die enge wechselseitige Verbindung von Affekt und Kognition hat es mit sich gebracht, dass auch Piagets Ideen zur kognitiven Entwicklung in der Psychoanalyse breit rezipiert und mit der affektiven Entwicklung verbunden wurden (Ulrich Moser).
Zum Ich zählt man in weiterentwickelten psychoanalytischen Theorien das Ich-Gewissen (die vom Ich kritisch und selbstkritisch geprüften obersten handlungsleitenden moralischen Prinzipien, Werte und moralischen Einzelnormen aus dem Überich und aus den Ansprüchen der sozialen Umwelt) und die kritisch und selbstkritisch geprüften Selbstrepräsentanzen (Vorstellungen über das bzw.) des Selbst (siehe hierzu weiter untern "Psychoanalytische Selbstpsychologie").
Zum frühen Ich zählte Freud auch den sozialisationsgebildeten Charakter eines Menschen: die bewusstseinsfähigen Emotionen und Bedürfnisse, die in Art und Intensität aus den Grundtrieben des Es durch den Sozialisationsprozess geformt worden sind. Dabei bezeichnete Freud die sozialisationsgeformten Emotionen und Bedürfnisse als Triebabkömmlinge des Es im Ich. Das Es mit seinen angeborenen Triebimpulsen wird hier mit einem Baumstamm verglichen, aus dem das frühe Ich als Krone herauswächst. Deswegen nennt Freud diesen Teil des Ichs ein Produkt des Es: er ist aus dem Material des Es (Grundtrieben) entwickelt worden. Man sollte die Emotionen und Bedürfnisse aber unter das Es subsumieren, weil dies begrifflich klarer und weniger verwirrend ist. Man ist vielleicht verführt, die Emotionen und Bedürfnisse zum Ich zu zählen, weil man alles Bewusste mit dem Ich gleichsetzen möchte und die Emotionen und Bedürfnisse ja bewusst werden können. Aber nicht alles Bewusste gehört zum Ich, denn Überichinhalte können bewusst werden. Und nicht alles Unbewusste gehört zum Es, wie die Überichinhalte zeigen. Bei allen drei psychischen Strukturen gibt es Bewusstes, Unbewusstes und Vorbewusstes ( = was bewusst gelernt wurde, aber zu einem unbewussten Habitus wurde wie Autofahren, Fremdsprache...). Zum Beispiel kann ein durch Ich-Einsatz bewusst eingeübtes Handeln automatisiert werden und damit vorbewusst sein. Und was man bewusst erlebt hat, kann im Gedächtnis versinken, es kann vergessen werden und damit unbewusst sein, aber auch wiedererinnert werden.
Selbst bezeichnet die Menge von Vorstellungen über einen selbst und seine Beziehungen zur Umwelt, die das Ich bei der Selbstverwirklichung leiten. Sie nennt man auch Selbstrepräsentanzen.
Dass das Ich realitätsgerecht zwischen den Ansprüchen des Es, des Überich und der sozialen Umwelt zu vermitteln hat, besagt, dass es orientiert ist an seinen eigenen psychischen Fähigkeiten und Möglichkeiten und an den möglichen und realen Gegebenheiten der Naturwelt und der Kulturwelt. Den Wissens-Erwerb über die eigenen psychischen Fähigkeiten und Möglichkeiten und Realitäten und Möglichkeiten von Natur- und Kulturwelt nennt man Selbsterkenntnis: Erkenne dich selbst! (Wahlspruch in der Griechischen Philosophie) Selbsterkenntnis ist also Voraussetzung nahezu jeder glückenden Selbstverwirklichung. "Glück" soll hier jetzt nur ganz allgemein bedeuten, dass ein Mensch am Ende seines Lebens von sich sagen kann, sein Leben sei ihm geglückt: sinnstiftend, produktiv, erfahrungsreich gewesen.
Das Ich benötigt also für seine Vermittlungs-Funktion realitätsgerechte Vorstellungen über sich selbst, die >Selbst< bzw. >Selbstrepräsentanzen< heißen. Aus den Selbstrepräsentanzen bezieht ein Mensch seine Selbstdefinition, seine psycho-soziale Identität.
Auf den ersten Blick scheint es, dass zwischen dem Ich und dem Selbst kaum Unterschiede bestehen. Der Schein trügt. Denn das Selbst, als die strukturierten Bilder über sich selbst, ist natürlich nicht reflexions- und kritikfähig. Nur das Ich mit seinen Funktionen des Wahrnehmens, Denkens und des Gedächtnisses vermag zu reflektieren und selbstkritisch zu sein. Die Ausbildung eines kritischen Selbst ist eine der Hauptfunktionen des Ich.
Ein Selbst kann man dann kritisch nennen bzw. die Selbstrepräsentanzen sind dann vom Ich kritisch erfasst und ausgebildet worden, wenn sie die Grenzen des Selbst (der Person) zureichend realistisch erfassen und dem Bewusstsein widerspiegeln. Dass man sich realistisch wahrnimmt, setzt Selbsterkenntnis voraus. Selbsterkenntnis ist die oft demütigende und schmerzhafte Erkenntnis der realen Grenzen des Selbst. Schmerzhaft ist diese Erkenntnis, weil wir uns alle gerne ungefährdeter, bedeutender, sicherer... sehen, als wir in Wahrheit sind. Diesen Sachverhalt bezeichnet man als Narzissmus. Erwachsene sollten ein realistisches Bild von sich haben - am besten eines, das ihrer Realität am nächsten kommt. Und sie sollten sich lieben und annehmen lernen so wie sie sind - und nicht, wie ein unrealistische Überich-Ichideal sie gerne hätte. Und sie sollten sich nicht kleiner sehen, als es ihren Möglichkeiten entspricht, sonst können sie nicht der werden, der sie sein könnten und sein sollten.
"Werde, der du bist (= von deinen Fähigkeiten und Möglichkeiten her, von deinen Wesens-Anlagen her und Wesens-Möglichkeiten her) ist zunächst scheinbar ein Anspruch, der von der erzieherischen Umwelt her einer Person angetragen werden und durch Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen ins Überich hineinsozialisiert werden. Aber es ist auch ein mehr oder weniger unbewusster Anspruch aus dem Es: Der psychosomatische Bewegungsdrang, der Neugierdrang (Wahrnehmungsinteresse) und Bestätigungs-Drang (Primär-Narzissmus) führen unbewusst, also wie automatisch, dazu, sich zu erproben, zu behaupten und Probleme lösen zu wollen. Das Ich muss jedoch die Handlungsimpulse und Handlungsansprüche aus dem Es, dem Überich und aus der sozialen Umwelt kritisch und vor allem selbstkritisch prüfen und dann handlungsleitend einsetzen, so dass man sagen kann: "Werde, der du bist" ist ein Anspruch des ichfunktional gebildeten Gewissens.
Die Herausbildung des Selbst ist ein Vorgang der Kompromissbildung, insofern das Ich bei der Selbstverwirklichung zwischen den Ansprüchen des Es, des Überich und des Sozialaußen vermittelt. Das optimale Ziel der Kompromissbildung ist die Findung eines stabilen, d.h. konfliktfähigen Selbst: eines Selbst, das menschliches Handeln in einem konflikthaftend Leben lebensentfaltend (konfliktauflösend und konfliktminimierend) zu organisieren vermag. Diese Kompromissbildung des Selbst ist mitunter ein schwer zu lösendes Lebensproblem. Die Frage 'Wer bin ich' stellt sich oft manifest als Sinnkrise, wenn man nicht mehr sinnvoll sagen kann, warum man sich weiter abmühen soll, ob das, was man bisher glaubte, sinnvoll ist, wahr ist..., wenn man sich selbst zu einem unauslotbaren Abgrund wird.
Entwicklung der Psychoanalyse aus der Hypnose:
Die Hypnose als Behandlungsform wurde aber aus folgenden Gründen nach und nach aufgegeben:
Unverarbeitete Anteile einer Lebensgeschichte oder Defizite an Nähe und Wärme schränken die Persönlichkeit ein und/oder führen zu unangemessenen Verhaltensmustern. Oft kommt es auch zu dem so genannten Wiederholungszwang. Freud erkannte, dass wir manche für uns kritischen und unverarbeitbaren Situationen unbewusst immer wieder herstellen (inszenieren), in der gleichfalls unbewussten Hoffnung, dieses Problem doch noch zu lösen. So sucht sich eine Frau, die als Kind unter ihrem kalten, unnahbaren Vater gelitten hat, oft wieder unbewusst eine solchen Ehemann aus und wiederholt mit ihm die alten Kämpfe und Konflikte. Manchmal projiziert sie auch nur diese Merkmale auf ihren Mann und bringt ihn auf unterschwellige Weise dazu, sich so uneinfühlsam wie früher ihr Vater ihr gegenüber zu verhalten. Oft ergänzen sich solche Muster bei Paaren auch auf unheilvolle Weise und führen zu einer Dynamik, aus der die Paare alleine nicht mehr herausfinden.
Eine andere Möglichkeit, wie sich solche Erfahrungen niederschlagen können, sind zum Beispiel Depressionen. Im Verständnis der Psychoanalyse sind Depressionen das Ergebnis von Beziehungsverlusten oder Beziehungsabbrüchen in der Kindheit, die aber nicht in der Schwere des Verlusts gefühlt und betrauert werden konnten, d. h. mit anderen Worten partiell geleugnet werden. Das kann zum Beispiel bei der Geburt eines jüngeren Geschwisters passiert sein, wenn sich die Eltern teilweise oder ganz von dem älteren Kind abwendeten, und niemand Augen für dessen Trauer und Wut hatte und ihm durch Verständnis und Zuwendung half, diese Situation zu verarbeiten. Manchmal können solche Depressionen auch erst aufbrechen, nachdem in der gegenwärtigen Lebenssituation ein Verlust durchzumachen war, bei dem unbewusst wieder die 'alte Wunde' aufbrach.
Man unterscheidet positive und negative Übertragung. Bei der positiven Übertragung werden positive Anteile früherer Beziehungen auf den Analytiker projiziert, bei der negativen Übertragung negative Anteile.
Die Gefühle und Vorstellungen, die der Analytiker wiederum als Reaktion auf das Verhalten der Patienten bekommt, nennt man die Gegenübertragung des Analytikers. In unserem Beispiel kann sich unser Analytiker vielleicht einen Moment lang völlig unzulänglich, nachlässig und treulos fühlen, so wie der Patient früher seine Eltern erlebt hat. Der Analytiker sollte in seiner eigenen Analyse bzw. Lehranalyse gelernt haben, eigene Gefühle und Vorstellungen von durch Patienten erzeugten Gefühlen und Vorstellungen zu unterscheiden, um angemessen damit umgehen zu können, statt mit dem Patienten unbewusst mitzuagieren.
Wenn der Patient im Analytiker aktuell vor allem Züge von sich selbst sieht, spricht man von einer Spiegelübertragung. Von komplementärer Gegenübertragung spricht man, wenn der Analytiker sich in der Rolle des früheren Beziehungspartners des Analysanden wahrnimmt, zum Beispiel in der Vater- oder Mutterrolle Von konkordanter Gegenübertragung oder Spiegelgegenübertragung spricht man, wenn in einer Therapiesituation sich der Therapeut mit der Rolle und dem Erleben des Patienten identifiziert, sich in diesen hineinversetzt und das Erleben des Patienten nachempfindet wie es tatsächlich ist. Somit hat die Gegenübertragung eine wichtige therapeutische Bedeutung. Sie ist heute eine wichtige Quelle für Informationen über die früheren und heutigen Beziehungskonstellationen des Patienten in der objektbeziehungstheoretischen Schule und der selbstpsychologischen Schule. Dort wird sie auch als Grundlage für echte Empathie angesehen.
Wenn man die Methoden der Psychoanalyse auf den Film anwenden will, so wird der Film gewissermaßen zum Klienten bzw. Patienten; es gilt also, die verschiedenen Ebenen der Bilder, die der Film zeigt, zu durchdringen. Dabei ist es wichtig, nicht den Drehbuchschreiber oder den Regisseur als zu analysierendes Objekt zu sehen, da man nicht davon ausgehen kann, dass die Filmbilder auch dessen Traumbildern entsprechen - egal, wie autobiographisch der Film ist. Vielmehr soll es darum gehen, die Wirkungsweise des Films auf den Zuschauer zu analysieren, die verwendeten Mittel wie Licht, Musik, Bewegung, Großaufnahmen etc. daraufhin zu untersuchen, was sie beim Publikum auslösen und inwiefern sie die Freudschen Urfantasien erfüllen. Dabei spielen Vorgänge wie Identifikation und das unbewusste Verarbeiten ödipaler oder narzisstischer Strukturen eine große Rolle. Vor allem Linda Williams geht davon aus, dass Filme nur dann erfolgreich sind, wenn sie die Urfantasien ansprechen, da der Zuschauer dadurch den Film tatsächlich miterlebt und unbewusst auf sich selbst beziehen kann. Maßgeblich ist bei der psychoanalytischen Filmtheorie, dass scheinbar unwichtige oder nebensächliche Details eine weitaus größere Wirkung auf die Psyche des Zuschauers haben, als dieser bewusst erfassen kann. Wichtige Vertreter dieser Filmtheorie sind Mechthild Zeul, Christian Metz, Teresa de Lauretis und Mary Ann Douane. Gemeinhin stützt sich die psychoanalytische Filmtheorie auf die Theorien von Jacques Lacan, etwas seinem Spiegelstadium, da auch in diesem Gebiet Freud mittlerweile z.T. als überholt gilt.
Die Psychoanalyse als Therapie und klinische Theorie spielt an Universitäten hauptsächlich im Bereich der Psychosomatischen Medizin, auch noch der Psychiatrie und in geringem Ausmaß der Klinischen Psychologie eine Rolle. Rezipiert wird sie als Theorie und Methodik noch von Literaturwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Pädagogik, Film- und Theaterwissenschaften, Kultur- und Sozialwissenschaften. Aus den interdisziplinären Verbindungen, die sie im Laufe ihrer Geschichte eingegangen ist, sind eine Reihe von fruchtbaren Kooperationen entstanden. So z.B. die Psychoanalytische Pädagogik, die Ethnopsychoanalyse, die Neuropsychoanalyse, die Psychohistorie und die Psychogeographie. Einige ihrer Termini wie z.B. Verdrängung, Fehlleistung, Unbewusstes, Trauma sind in die Alltagssprache eingegangen, werden aber nur selten in der korrekten Definition des Worts verwendet.
Als Psychotherapiemethode nimmt die Psychoanalyse in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung der Bevölkerung neben anderen Therapiemethoden eine wichtige Stellung ein. In einigen Ländern wie z.B. der Bundesrepublik Deutschland wird ein begrenztes Kontingent von der Krankenkasse finanziert, während in anderen Ländern wie z.B. Österreich Psychotherapie privat finanziert werden muss. Da unter psychoanalytischer Therapie häufig fälschlicherweise noch immer einzig und allein die hochfrequente und langandauernde Therapie im Couchsetting verstanden wird, muss der Vollständigkeit halber hier erwähnt werden, dass solche klassischen Psychoanalysen nur einen geringen Prozentsatz aller durchgeführten psychoanalytischen Therapien ausmachen und in den meisten Fällen in einem niederfrequenten Setting mittlerer Dauer oder mit einer psychoanalytischen Kurzzeittherapie gearbeitet wird.
Außerdem haben sich die Beratungsformen der Supervision aus der lehranalytischen Praxis entwickelt. Ruth Cohn übertrug die analytische Arbeit auf Gruppen und entwickelte die Themenzentrierte Interaktion. Abgesehen davon hat die psychoanalytische Theorie und Therapie einen Einfluss auf die Entwicklung vieler weiterer Psychotherapiemethoden ausgeübt. Darunter die Transaktionsanalyse, die Katathym-imaginative Therapie und die Existenzanalyse. Darüberhinaus hatten Psychoanalytiker als Lehrmeister auch einen Einfluss auf Begründer von Psychotherapiemethoden, die sich stärker von der Psychoanalyse abgrenzen als die eben genannten. So wurde z.B. Carl Rogers, der Begründer der Klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie,stark vom Psychoanalytiker Otto Rank beeinflusst, und einige Methoden, die heute in der Verhaltenstherapie zum Standardrepertoire gehören, wurden erstmals bereits von Psychoanalytikern der ersten Generation empfohlen. So hat Sigmund Freud (1919a) die Konfrontation mit dem phobischen Objekt für Angstpatienten unumgänglich gehalten und Wilhelm Stekel mit der Technik der Reizüberflutung experimentiert.
Die Psychoanalyse begegnete von Anfang an zahlreicher Kritik. Karl Kraus hielt sie für nutzlos und bezeichnete sie als die Krankheit, für deren Heilung sie sich halte. Die Kirchen hingegen warfen ihr vor allem die Rechtfertigung von Unzucht und Pansexualismus vor; der Experimentalpsychologe A. Gemelli OFM, ehemals Rektor der Katholischen Universität in Mailand und Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, erklärte die Lehre Freuds in der Schrift "Psicoanalisi e Cattolicismo" (1950) für den Katholiken als unannehmbar. Auch die Nationalsozialisten lehnten die Lehren der Freudschen Schule scharf ab und führten gegen die psychoanalytischen Grundannahmen den Begriff „Adel der Seele“ ins Feld. Weil seine Bücher diesen angeblich in den Schmutz zögen, wurden Freuds Bücher am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz von nationalsozialistischen Studenten anlässlich der Kundgebung der Deutschen Studentenschaft "wider den undeutschen Geist" öffentlich verbrannt (begleitet von dem "Feuerspruch": "Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.").
Kritiker aus der Wissenschaft werfen der Psychoanalyse vor, ein empirischer Nachweis der Grundannahmen Freuds sei nie erfolgt: Weder für die Existenz des Ödipuskomplexes noch des Penisneids gebe es zufriedenstellende Belege, ebenso wenig für die Sinnhaftigkeit von Äußerungen des Unbewussten (freudsche Fehlleistung, Traumdeutung, Neurose), für die Lehre von der psychischen Energie oder für die Existenz der drei psychischen Instanzen, auf denen die Psychoanalyse beruht. Freuds Theoriebildung basiere kaum oder gar nicht auf quantitativer und experimenteller Forschung, sondern intuitiv, impressionistisch oder induzierend aus den einzelnen Erfahrungen, die er mit seinen (nach Empirie-Maßstäben vergleichsweise wenigen) Patienten in seiner Praxis gemacht hätte. Eine Zusammenfassung der Argumente der empiristischen Kritiker wurden 1986 polemisch in Tiefenschwindel - Die endlose und die beendbare Psychoanalyse des Literaturwissenschaftlers Dieter E. Zimmer zur Sprache gebracht, was jedoch widerum als überspitzt kritisiert wurde. Behavioristische Wissenschaftler wie Hans Eysenck gehen dagegen weniger von der Nichtexistenz sämtlicher mentaler Prozesse als von deren Unerkennbarkeit aus und werfen der Psychoanalyse vor, sie behindere mit ihren zum Teil mehrjährigen Langzeittherapien eher die Spontanheilung psychischer Erkrankungen, als dass sie dabei helfe (Eysenck 1952). Später revidierte Eysenck diese Ansicht mit dem Hinweis, dass der Nachweis seinerzeit noch nicht erbracht worden sei (1993).
Auf erkenntnistheoretischer Ebene wurde die Psychoanalyse von dem Wissenschaftstheoretiker Karl Raimund Popper kritisiert, der den kritischen Rationalismus begründete und darin den heute im akademischen Feld stark favorisierten Standpunkt vertrat, ein entscheidendes Kriterium für Wissenschaftlichkeit sei die prinzipielle Falsifizierbarkeit. Er warf der Psychoanalyse vor, sie sei als Ganzes unwissenschaftlich, da bei den psychoanalytischen Deutungshandlungen eine solche prinzipielle Falsifizierbarkeit nicht gegeben sei: Wenn Freud z. B. erklärt, dass der Traum einer jungverheirateten Frau von einem halbleeren Theater den latenten Wunsch zum Inhalt habe, sie hätte besser nicht so früh (und wohl auch nicht denjenigen) geheiratet, dann gebe es keine Möglichkeit mehr, sich gegen diese Deutung zu wehren – hätte die junge Frau widersprochen, wäre ihr das als Widerstand und somit als Indiz dafür ausgelegt worden, dass die Deutung stark libidinös besetzt sei und daher erst recht richtig sein müsse. Es bestehen also keine Möglichkeiten, unter denen Freud hätte zugeben müssen, dass seine vorgeschlagene Deutung falsch sei. Mit dieser Begründung wird der Psychoanalyse vorgeworfen, eine sich selbst abdichtende Weltanschauung oder eine Pseudowissenschaft zu sein.
Neuere, wenngleich umstrittene Metastudien zur Therapiewirkungsforschung schließlich kommen zu dem Ergebnis, dass tiefenpsychologisch orientierte Formen der Kurzzeittherapie keinen höheren Nutzen haben als andere, z. B. verhaltenstherapeutisch fundierte, obwohl sich die theoretischen Grundannahmen beider Formen diametral widersprächen. Daraus ließe sich der Schluss ziehen, dass es nicht so sehr darauf ankomme, welche Therapie ein Leidender nun mache, als dass sich jemand ihm zuwendet und sein Leiden in einen sinnvoll erscheinenden Zusammenhang einfügt. Mit dieser Erklärung wären sämtliche Annahmen der Psychoanalyse (Traum, Trauma, Triebschicksal usw.) nur fiktive und beliebige Konstruktionen, die eine solche zugewandte und sinnstiftende Beziehung ermöglichen.
Die Wirksamkeit der psychoanalytischen Therapie wird aufgrund vieler Studien von Vertretern der Psychoanalyse als belegt betrachtet. Dies wird jedoch von akademischen Psychologen bezweifelt, obwohl auch nach den Maßgaben der evidenzbasierten Medizin die Wirksamkeit als eindeutig belegt betrachtet werden kann (bspw. Grawe et al.; Leichsenring et al.) Hier gibt es große Differenzen zwischen den Vertretern der verschiedenen psychologischen Schulen, und auch eine heftige Debatte zwischen den verschiedenen Psychotherapieforschern, die sich um die unterschiedliche Aussagekraft der einzelnen Studien und Metastudien, sowie um die ethische Vertretbarkeit der Untersuchungsmethoden rankt.
Weitere Kritik stammt aus anderen tiefenpsychologischen Schulen. So kritisiert die Analytische Psychologie nach Carl Gustav Jung die Libidotheorie der Psychoanalyse sowie viele spezielle Annahmen und Methoden der Psychoanalyse.
Carl Rogers und die Klientenzentrierte Psychotherapie kritisierten vor allem, dass durch die Methode der Deutung die 'Selbstverwirklichung' des Individuums behindert werde.
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