Ein Programmfehler oder Softwarefehler, im Englischen auch einfach Bug (Wanze, Käfer, Insekt; Aussprache: Bagg) genannt, ist ein Ausdruck aus dem EDV-Bereich.
Ein Programmfehler tritt in Computerprogrammen auf, wenn der Programmierer einen bestimmten Zustand in der Programmlogik nicht berücksichtigt hat, oder wenn die Laufzeitumgebung an sich fehlerhaft arbeitet. Auch Unvollständigkeit, Fehler, Ungenauigkeiten, Mehrdeutigkeiten o. ä. in der Spezifikation des Programms können zu Bugs führen, bzw. als solche interpretiert werden.
Es gibt eine Regel, nach der ein Computerprogramm ab einer bestimmten Größe immer auch Programmfehler beinhaltet. Die Anzahl von Fehlern zur Lebenszeit eines komplexen System verhält sich nach der sogenannten Badewannenkurve. Diese besagt, dass für neue Produkte auch die Zahl der Fehler hoch ist. Die Fehler werden zum Großteil behoben, wonach eine Phase mit wenig Fehlern erreicht wird. Gegen Ende der Nutzungszeit steigt, selbst bei Software, die Zahl der Fehler wieder an.
Um Bugs in Programmen besser verstehen zu können, gibt es Programme, sogenannte Debugger, mit denen man ein Programm, welches man analysiert, schrittweise ablaufen lassen kann und sich sämtliche internen Zustände (Variablen) des Programmes anzeigen lassen kann. Programmierfehler lassen sich auch bei sorgfältigster Programmierung nicht vermeiden. Man schätzt, dass pro 1000 Zeilen Code im Mittel etwa zwei Fehler auftreten.
Einer modernen Legende zufolge ist die Bezeichnung in der Anfangszeit der Computer entstanden, als Insekten in den großen Maschinen die Funktionsweise der Relais störten und Kurzschlüsse verursachten. Die Erfindung des Begriffs wird oft der Computerpionierin Grace Hopper zugesprochen. Sie verbreitete die Geschichte, dass am 9. September 1945 eine Motte in einem Relais des Computers Mark II Aiken Relay Calculator zu einer Fehlfunktion führte. Die Motte wurde entfernt und in das Logbuch mit den Worten „First actual case of bug being found.“ („Das erste Mal, dass ein Bug auch wirklich gefunden wurde.“) geklebt. Die Legende von der Begriffsfindung hält sich hartnäckig, obwohl die Logbuch-Eintragung gerade auf die frühere Verwendung des Begriffs hinweist. Die entsprechende Seite des Logbuchs wurde bis Anfang der 1990er Jahre am Naval Surface Warfare Center Computer Museum der US-Marine in Dahlgren, Virginia, aufbewahrt. Zur Zeit befindet sich diese Logbuch-Seite mit der Motte am Smithsonian Institute.
In der Softwaretechnik wird zwischen folgenden Typen von Fehlern in Programmen unterschieden:
Werkzeuge wie Bugzilla oder Mantis dienen der Erfassung und Dokumentation von Programmfehlern (engl. bugreport, bugtracker). Daneben nehmen sie auch Verbesserungsvorschläge und Wünsche der Nutzer oder allgemeine Vorgänge auf. Bei manchen Projekten spricht man dann zum Beispiel von Metabugs, wo ein Bug ein Element einer Aufgabenliste darstellt. Bei einigen Projekten spricht man stattdessen von „Issues“ (Angelegenheiten), da sich dieser Ausdruck nicht auf Programmfehler beschränkt.
Generell gilt der Leitsatz: Je früher in einem Entwicklungsprozess der Fehler auftritt und je später er entdeckt wird, umso aufwendiger wird es, den Fehler zu beheben.
Am wichtigsten ist eine gute und geeignete Planung des Entwicklungsprozess. Hierfür gibt es bereits etliche Prozessmodelle, aus denen ein geeignetes ausgewählt werden kann.
Ein Problem ist, dass die Korrektheit eines Programms nur gegen eine entsprechend formalisierte Spezifikation bewiesen werden kann. Eine solche Spezifikation zu erstellen kann jedoch im Einzelfall ähnlich kompliziert und fehlerträchtig sein, wie die Programmierung des Programms selbst.
Auch die Entwicklung immer abstrakterer Programmierparadigmen und Programmierstile wie die objektorientierte Programmierung, Design By Contract und die aspektorientierte Programmierung dienen unter anderem der Fehlervermeidung und Vereinfachung der Fehlersuche. Aus den zur Verfügung stehenden Techniken für das Problem ist eine geeignete auszuwählen. Ein wichtiger Punkt hierbei ist aber auch, dass für das jeweilige Paradigma erfahrene Programmierer zur Verfügung stehen müssen, sonst entsteht oft der gegenteilige Effekt.
Softwareexperten sind sich darüber einig, dass praktisch jedes nicht-triviale Programm Fehler enthält. Deshalb wurden Techniken entwickelt, mit Fehlern innerhalb von Programmen tolerant umzugehen. Zu diesen Techniken gehören defensives Programmieren, Ausnahmebehandlung, Redundanz und die Überwachung von Programmen (z. B. durch Watchdog-timer) sowie die Plausibilisierung des Programmes während der Entwicklung und der Daten während des Programmablaufs.
Darüber hinaus wird eine Reihe fortgeschrittener Anwendungen angeboten, die entweder den Quellcode oder den Binärcode analysieren und versuchen, häufig gemachte Fehler automatisiert zu finden. In diese Kategorie fallen etwa Programme zur Ausführungsüberwachung, die üblicherweise fehlerhafte Speicherzugriffe und Speicherlecks zuverlässig aufspüren. Beispiele sind das frei erhältliche Tool Valgrind und das kommerzielle Purify. Eine weitere Kategorie von Prüfprogrammen umfasst Anwendungen, die Quell- oder Binärcode statisch analysieren und etwa nicht geschlossene Ressourcen und andere Probleme auffinden und melden können. Darunter fallen etwa Findbugs, lint und Splint.
Es ist durchaus sinnvoll, dass der Test vor dem eigentlichen Programm entwickelt wird. Damit wird erreicht, dass nicht ein Test geschrieben wird der zu dem bereits geschriebenen Programm passt. Dies kann durch Ermittlung von Testfällen anhand der Spezifikation bereits während der Analyse- bzw. Designphase erfolgen. Die Ermittlung von Testfällen in diesem frühen Stadium der Softwareentwicklung ermöglicht zudem die Prüfung der Anforderungen an das Programm auf Testbarkeit und Vollständigkeit. Die anhand der Spezifikation ermittelten Testfälle stellen die Basis für die Abnahmetests und können kontinuierlich über den gesamten Entwicklungsprozess verfeinert werden.
Manche Softwareanbieter führen Testphasen teilweise öffentlich durch und geben Betaversionen heraus, um die unvorhersehbar vielfältigen Nutzungsbedingungen verschiedener Anwender durch diese selbst testen und kommentieren zu lassen. Man nennt dies auch scherzhaft „Bananensoftware“, weil sie „erst beim Kunden reift“. Diese Bezeichnung wird ebenfalls oft abwertend gebraucht um die geringe Wertschätzung zu früher Vermarktung ungenügend entwickelter bzw. schlecht getester Software zum Ausdruck zu bringen.
In Spezialfällen ist ein Beweis der Fehlerfreiheit eines Programms möglich. Insbesondere in Bereichen, in denen der Einsatz von Software mit hohen finanziellen, wirtschaftlichen oder menschlichen Risiken verbunden ist, wie z. B. bei militärisch oder medizinisch genutzer Software oder in der Luft- und Raumfahrt, verwendet man zudem eine (formale) Verifizierung genannte Methode, bei der die Korrektheit einer Software formal-mathematisch nachgewiesen wird. Dieser Methode sind allerdings wegen des enormen Aufwands enge Grenzen gesetzt und sie ist daher bei komplexen Programmen praktisch unmöglich durchzuführen (siehe auch Berechenbarkeit). Allerdings gibt es mittlerweile Werkzeuge, die diesen Nachweis zumindest für Teilbereiche (Laufzeitfehler) schnell und zuverlässig erbringen können (PolySpace Verifier).
Neben der mathematischen Verifizierung gibt es noch eine praxistaugliche Form der Verifizierung, die durch die Qualitätsmanagement-Norm ISO 9000 beschrieben wird. Bei ihr wird nur dann ein Fehler konstatiert, wenn eine Anforderung nicht erfüllt ist. Umgekehrt kann demnach ein Arbeitsergebnis (und damit auch Software) als fehlerfrei bezeichnet werden, wenn es nachweisbar alle Anforderungen erfüllt. Die Erfüllung einer Anforderung wird dabei durch Tests festgestellt. Wenn alle Tests das erwartete Ergebnis bringen, ist eine Anforderung erfüllt.
Die Folgen eines Programmfehlers können außerordentlich sein:
Der Grund ist oft, dass der Einsatz eines Analysewerkzeuges verhindert, dass der Fehler auftritt, weil sich die Rahmenbedingungen, insbesondere das zeitliche Verhalten, dadurch ändern. Solche Fehler treten in nebenläufigen Umgebungen vermehrt auf. Eine besonders häufige Ursache dafür sind Wettlaufsituationen (Race Conditions) wegen mangelnder Synchronisation (genauer: Sequentialisierung).
Im Programmiererjargon spricht man dabei manchmal scherzhaft von „Heisenbug“, in Anlehnung an Werner Heisenbergs Unschärferelation.
Heisenbugs and Bohrbugs: Why are they different? (PDF, Englisch)
Бъг | Bug (computer) | Software bug | Error de software | Ohjelmointivirhe | Bogue (informatique) | Bug | באג | Kernel panic | Bug (informatica) | バグ | Bug | Bug (programowanie) | Bug | Баг | Bugg (dator) | จุดบกพร่อง (คอมพิวเตอร์) | 程序错误
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Programmfehler".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world