Privates Beteiligungskapital (englisch private equity) ist der allgemeine Begriff für das von privaten und institutionellen Anlegern beschaffte Beteiligungskapital an nicht börslich (öffentlich) gehandelten Unternehmen. Neben der Einzahlung des Stamm- oder Grundkapitals durch die Firmengründer existieren vielfältige Finanzierungsformen und -gründe. Das Gegenteil des Private Equity ist Public Equity, das die Beteiligung am Eigenkapital eines öffentlich, an der Börse gehandelten Unternehmens bezeichnet, gemeinhin auch Aktie.
Man kann nach dem Zeitpunkt der Investition im Lebenszyklus eines Unternehmens zwischen seed finance (englisch seed: Saat), early stage finance (englisch: early stage: Frühphase) und growth finance (englisch growth: Wachstum) unterscheiden.
Das ideale Zielunternehmen (Target) einer Buy Out Transaktion weist hohe, stabile Cash-Flows auf, hat einen etablierten Markennamen und hohe Markteintrittsbarrieren und benötig wenig Kapital für Neuinvestitionen bzw. Forschung und Entwicklung.
Während im Mittelstand privates Beteiligungskapital zumeist für den langfristigen Vermögensaufbau verwendet wird, werden im Zuge von LBOs übernommene Unternehmen nach weitgehender Entschuldung häufig komplett oder in Teilen über einen Börsengang veräußert.
Die im Bereich privates Beteiligungskapital tätigen Firmen werden im englischen Sprachraum häufig unter dem Begriff Alternative Investments (alternative Investitionen) zusammengefasst (Alternative zu herkömmlichen Investitionen in öffentlich gehandelte Wertpapiere wie Aktien und Schuldverschreibungen). Hierunter fallen neben den Private-Equity-Gesellschaften auch die Hedge-Fonds.
Während Private Equity Firmen sich im angloamerikanischen Wirtschaftsraum bereits seit mehr als 20 Jahren betätigen, sind diese Finanzinvestoren in den letzten Jahren auch stark zunehmend in Europa tätig.
Das in Deutschland investierte Private-Equity-Kapital betrug 2002 noch 6,9 Milliarden Euro. 2004 waren es bereits 22,5 Milliarden Euro. Der Anstieg ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Verkauf von Beteiligungen an Unternehmen seit kurzem gesetzlich steuerfrei ist.
Der weltweite Anteil von Private-Equity-Gesellschaften an Unternehmenskäufen lag im Jahr 2000 noch bei 3 Prozent. 2004 war er auf 14 Prozent angewachsen und hatte ein Volumen von 294 Milliarden Dollar erreicht. Um Käufe von sehr großen Konzernen vornehmen zu können, bilden die Private Equity Gesellschaften zunehmend Bietergemeinschaften. Eine wichtige Rolle im Geschäft der Private Equitys spielen die Banken, da bei kreditfinanzierten Unternehmensübernahmen bis zu zwei Drittel des Kaufpreises mit Fremdkapital finanziert werden. Angesichts fehlender Alternativen im Bereich der hochrentablen Geldanlagen und der Möglichkeit, das Kreditrisiko durch die Weitergabe an andere Banken (die sogenannte Syndizierung) zu streuen, wird in Zukunft damit gerechnet, dass die Zahl der zu großem Anteil von Banken finanzierten Übernahmen durch Private Equity Konsortien noch steigen wird.
Beispiele für Private-Equity-Gesellschaften sind Advent, APAX Partners, Belfort Holding Group, BC Partners, Blackstone, Carlyle Group, CVC, Doughty Hanson & Co, Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR), Permira, Saban Capital Group sowie Investmentbanken wie Goldman Sachs. Auch Industrieunternehmen und Versicherungsgesellschaften werden zunehmend auf diesem Gebiet tätig. Da die vorgenannten Gesellschaften nur institutionellen Investoren oder sehr vermögenden Privatpersonen offenstehen, bildet sich seit einigen Jahren auch ein Fondsegment für Kleinanleger heraus. Die meisten dieser sogenannten Retailfonds investieren im Rahmen eines Dachfondskonzepts wieder in große Private Equity Fonds, was jedoch zu einer doppelten Kostenstruktur führt.
Es wird erwartet, dass die Bedeutung der Finanzierung durch privates Beteiligungskapital in Deutschland in den nächsten Jahren stark zunehmen wird, da - insbesondere im Hinblick auf Basel II - ein erschwerter Zugang zu Bankkrediten für Kleine und mittlere Unternehmen zu befürchten ist (siehe Ausführungen des Sachverständigenrates). Insbesondere bei LBOs durch Private Equity-Gesellschaften wird dies von der Bevölkerung jedoch auch sehr kritisch beobachtet.
In Deutschland ist diese Form der Fremdinvestition besonders im Frühjahr 2005 in den Fokus der öffentlichen Kritik geraten. Angestoßen wurde diese Diskussion durch Franz Müntefering in Form der Heuschrecken-Debatte.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Privates Beteiligungskapital".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world