Der Primitivismus strebt eine gesellschaftliche Rückkehr zu vor-Industriellen, und oft sogar vor-Landwirtschaftlichen Produktions- und Lebensverhältnissen an.
Erst die Arbeitsteilung ermöglichte in dieser Anschauung die Akkumulation des ökonomischen Potenziales und damit die Entstehung von Machtverhältnissen. Daraus ergibt sich dann die historische Erscheinung einer autoritären Kultur des Patriarchalen und ihre Auswüchse, die Sitte und die Moral, wobei die Sitte wohl die gelebte Moral ist. Die Gesetzmäßigkeiten sind klassisch in eine totalitäre Weltanschauung religiöser oder sonstwie esoterischer Machart eingebunden.
Die von Menschen geschaffenen Mittel zur Beherrschung der Umwelt, die sogenannte Technik, sind stark entfremdend. Die technologische Entwicklung reflektiert und treibt in ihrem Wachstum in einem dialektischen Wechselspiel auch die gesellschaftliche Entfremdung, die sich seit der industriellen Revolution zum Beispiel mit der zeitlichen und horizontalen Teilung von Arbeitsprozessen (siehe Frederick Winslow Taylor) ganz konkret in den Produktionsverhältnissen niederschlägt.
Tatsächlich wird die Technik gemäß primitivistischen Vorstellungen zur neuen Religion, der Fortschrittsglaube die Hoffnung, und die modernen Götter und Götzen sollen gar massenmedial inszeniert sein. Doch auch die christliche Moral hat den Weg in die neue Zeit des Liberalismus hinübergeschafft und erfüllt in ihren modernen protestantischen Inkarnationen der schwäbischen Machart die altbekannten Funktionen, auch wenn gewisse klassische Manifestationen wie die der Familienstruktur sich gemächlich zu verabschieden scheinen.
Als logischer Schluss seiner Analyse möchte der neo-primitive Mensch in Reaktion auf diese Missverhältnisse zu seinem inneren Affen zurückfinden, um seine Triebstruktur von den Fesseln zu befreien, die Freud so eloquent beschrieben hat. Die Arbeit der beiden Sexuologen und Freud-Schüler Otto Gross und Wilhelm Reich in Reaktion auf die Einsichten Freuds hat maßgeblich zur späteren sexuellen Revolution und relativen weiteren Befreiung des Ichs beigetragen.
Der Primitivist erkennt sein Primatentum offen an und möchte ohne Privateigentum an Materie oder Person in freier Assoziation und offener Sexualität leben.
So schrieb William Blake 1789 in A Little Girl Lost:
Im Situationismus tauchen primitivistische Muster auf, z.B. bei Sous le pavé: la plage (Unter dem Pflaster liegt der Strand) (Lit. A.S. Ambulanzen)
Der Philosoph Max Stirner in seiner Selbstmächtigkeit des Einzelnen, Wilhelm Reich der Begründer der wissenschaftlich nicht anerkannten Orgontherapie und der anarchistische Freud-Schüler Otto Gross hatten einen Hang zum Primitivismus.
Theodore Kaczynski versuchte durch radikale Maßnahmen wie Briefbomben oder erzwungene Veröffentlichungen den Primitivismus zu erzwingen.
Manche Vorstellungen der Primitivisten lassen sich - losgelöst von ihren anarchistischen Grundlagen - auch in den Konzepten der Lebensreformbewegung sowie in geringerem Maße bei einigen Anhängern der völkischen Bewegung ausmachen.
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