| Wissenschaftlicher Name
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| Primates
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| en
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Die
Primaten (Primates) oder
Herrentiere sind eine zu der Überordnung der
Euarchontoglires gehörige
Ordnung innerhalb der
Unterklasse der
höheren Säugetiere. Ihre Erforschung ist Gegenstand der
Primatologie. Der Ausdruck
Affen, der bisweilen für diese Ordnung verwendet wird, ist insofern missverständlich, als die
Affen oder Eigentlichen Affen eine traditionelle Unterordnung darstellten, die im Gegensatz zu den
Halbaffen stand. Heute werden Primaten in die beiden Unterordnungen der
Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini) und
Trockennasenaffen (Haplorhini) eingeteilt, wobei letztere auch die
Menschenaffen (Hominidae) inklusive des
Menschen (
Homo sapiens) mit einschließen.
Verbreitung
Katta sehr gross.jpg zählen zu den nur auf Madagaskar lebenden Primaten]]
Mit Ausnahme des
Menschen, der eine weltweite Verbreitung erreicht hat, ist das Verbreitungsgebiet der Primaten größtenteils auf die
Tropen und
Subtropen Amerikas,
Afrikas und
Asiens beschränkt. Auf dem amerikanischen Kontinent reicht ihr heutiges Verbreitungsgebiet vom südlichen
Mexiko bis ins nördliche
Argentinien. Die Arten auf den
Karibischen Inseln, die
Antillenaffen (Xenotrichini) sind ausgestorben, heute gibt es dort nur vom Menschen eingeschleppte Tiere. In Afrika sind sie weit verbreitet, die größte Artendichte erreichen sie in den Regionen südlich der
Sahara. Auf der Insel
Madagaskar hat sich eine eigene Primatenfauna (ausschließlich Feuchtnasenaffen) entwickelt. In Asien umfasst ihr Verbreitungsgebiet die
Arabische Halbinsel (der dort lebende
Mantelpavian wurde jedoch möglicherweise vom Menschen eingeschleppt), den
indischen Subkontinent,
Volksrepublik China,
Japan und
Südostasien. Die östliche Grenze ihres Vorkommens bilden die Inseln
Sulawesi und
Timor. In Europa kommt frei lebend eine einzige Art vor, der
Berberaffe in
Gibraltar, doch ist auch diese Population wahrscheinlich vom Menschen eingeführt.
Nicht-menschliche Primaten fehlen in Nordamerika, dem größten Teil Europas, den nördlichen und zentralen Teilen Asiens, dem australisch-ozeanischen Raum sowie auf abgelegenen Inseln und den Polarregionen.
Anders als andere Säugetiergruppen sind Primaten nicht im großen Ausmaß vom Menschen in anderen Regionen sesshaft gemacht worden, außer den bereits erwähnten Mantelpavianen auf der Arabischen Halbinsel und den Berberaffen in Gibraltar betrifft das nur kleine Gruppen, beispielsweise einer Population der Grünen Meerkatze, die von afrikanischen Sklaven auf die Karibikinsel Saint Kitts mitgebracht wurde, oder einer Gruppe Rhesusaffen in Florida.
Merkmale
Obwohl die Primaten eine relativ klar definierte Säugetierordnung sind, gibt es relativ wenig Merkmale, die bei allen Tieren dieser Ordnung und sonst bei keinem anderen Säugetier zu finden sind.
Körpergröße
Die Körpergröße schwankt zwischen dem nur 12 bis 14 Zentimeter langen und 40 g schweren
Mausmakis und dem bis zu 275 kg schweren
Gorilla. Generell sind Feuchtnasenaffen (Durchschnittsgewicht 500 g) kleiner als Trockennasenaffen (Durchschnittsgewicht 5 kg), eine Tatsache, die auch auf den unterschiedlichen Aktivitätszeiten gründet (siehe unten). Einige Arten haben einen ausgeprägten
Geschlechtsdimorphismus, Männchen sind manchmal doppelt so schwer wie Weibchen und unterscheiden sich auch in der Fellfarbe (zum Beispiel der
Mantelpavian).
Behaarung
Der Körper der meisten Primaten ist mit Fell bedeckt, dessen Färbung von weiß über grau bis zu braun und schwarz variieren kann. Die Handflächen und Fußsohlen sind meistens unbehaart, bei manchen Arten auch das Gesicht oder der ganze Kopf (zum Beispiel
Uakaris). Am wenigsten behaart ist der
Mensch.
Gesicht und Sinne
Spectral Tarsier.jpg.]]
Typisch für Primaten sind die relativ großen, nach vorne gerichteten Augen. Damit einhergehend ist ein gutentwickelter
Gesichtssinn und ein im Verhältnis großes
Gehirn. Die größten Augen aller Primaten haben die
Koboldmakis. Bei den größtenteils nachtaktiven Feuchtnasenaffen ist zusätzlich eine lichtreflektierende Schicht hinter der
Netzhaut, das
Tapetum lucidum vorhanden.
Namensgebender Unterschied der beiden Unterordnungen ist der Nasenspiegel (Rhinarium), der bei den Feuchtnasenaffen feucht und drüsenreich ist und sich in einem gut entwickelten Geruchssinn widerspiegelt. Die Trockennasenaffen hingegen besitzen einfache, trockene Nüstern und ihr Geruchssinn ist weitgehend unterentwickelt.
Zähne
Die ältesten gefundenen fossilen Primaten besaßen eine
Zahnformel von 2-1-4-3, das bedeutet pro Kieferhälfte zwei
Schneidezähne, einen
Eckzahn, vier
Prämolaren und drei
Molaren, insgesamt also 40 Zähne. Die maximale Zahnformel der rezenten Primaten lautet jedoch 2-1-3-3, die beispielsweise bei den
Lemuren und
Kapuzinerartigen auftritt. Manche Gattungen haben ernährungsbedingt weitere Zähne eingebüßt, so besitzen die
Wieselmakis keine Schneidezähne im Oberkiefer. Die wenigsten Zähne aller lebenden Arten hat mit 18 das
Fingertier, das keine Eckzähne und nur mehr einen Schneidezahn pro Kieferhälfte besitzt. Die
Altweltaffen, einschließlich des
Menschen haben die Zahnformel 2-1-2-3, also 32 Zähne.
Die Form insbesondere der Backenzähne gibt Aufschluss über die Ernährung. Vorwiegend fruchtfressende Arten haben abgerundete, insektenfressende Arten haben auffallend spitze Molaren. Bei Blätterfressern haben die Backenzähne scharfe Kanten, die zur Zerkleinerung der harten Blätter dienen.
Gliedmaßen
Weisshandgibbon tierpark berlin.jpg
Da die meisten Primatenarten Baumbewohner sind, sind ihre Gliedmaßen an die Lebensweise angepasst. Die Hinterbeine sind fast immer länger und stärker als die Vorderbeine (Ausnahmen sind die
Gibbons und die nicht-menschlichen
Menschenaffen) und tragen den größeren Anteil der Bewegung. Besonders ausgeprägt ist das bei den springenden Primaten und beim Menschen. Die Finger und Zehen sind an das Greifen angepasst. Merkmal aller Arten (mit Ausnahme des Menschen) ist die
opponierbare (den anderen Zehen gegenüberstellbare) Großzehe. Auch der Daumen ist in den meisten Fällen opponierbar, bei Arten, die sich hangelnd durch die Äste bewegen, ist dieser jedoch zurückgebildet (beispielsweise bei den
Klammeraffen und
Stummelaffen). Die jeweils fünf Strahlen der Gliedmaßen (Finger und Zehen) tragen in den meisten Fällen Nägel statt Krallen. Feuchtnasenaffen haben an der zweiten Zehe eine Putz- oder Toilettenkralle, die der Fellpflege dient. Die Unterseite der Hände und Füße ist unbehaart und mit sensiblen Tastfeldern versehen.
Schwanz
Für viele baumbewohnende Säugetiere ist ein langer Schwanz ein wichtiges Gleichgewichts- und Balanceorgan, so auch bei den meisten Primaten. Jedoch kann der Schwanz rückgebildet sein oder ganz fehlen. Mit Ausnahme der
Menschenartigen, die generell schwanzlos sind, ist die Schwanzlänge kein Verwandtschaftsmerkmal, da Stummelschwänze bei zahlreichen Arten unabhängig von der Entwicklung vorkommen. Sogar innerhalb einer Gattung, der
Makaken, gibt es schwanzlose Arten (zum Beispiel der
Berberaffe) und Arten, deren Schwanz länger als der Körper ist, zum Beispiel der
Javaneraffe. Einen Greifschwanz haben nur einige Gattungen der
Neuweltaffen ausgebildet, die
Klammerschwanzaffen und die
Brüllaffen. Dieser ist an der Unterseite unbehaart und mit sensiblen Nervenzellen ausgestattet.
Lebensweise
Lebensraum
Man vermutet, dass sich die Primaten aus baumbewohnenden Tieren entwickelt haben und noch heute sind viele Arten reine Baumbewohner, die kaum jemals auf den Boden kommen. Andere Arten sind zum Teil
terrestrisch (auf dem Boden lebend), dazu zählen beispielsweise
Paviane und
Husarenaffen. Nur wenige Arten sind reine Bodenbewohner, darunter der
Dschelada und natürlich der
Mensch. Primaten finden sich in den verschiedensten Waldformen, darunter
Regenwälder,
Mangrovenwälder, aber auch Gebirgswälder bis über 3000 m Höhe. Obwohl man diesen Tieren generell nachsagt, wasserscheu zu sein, finden sich Arten, die gut und gerne schwimmen, darunter der
Nasenaffe oder die
Sumpfmeerkatze, die sogar kleine Schwimmhäute zwischen den Fingern entwickelt hat. Für einige
hemerophile Arten (Kulturfolger) sind auch Städte und Dörfer Heimat geworden, zum Beispiel dem
Rhesusaffen und den
Hanuman-Langur.
Aktivitätszeiten
Vereinfacht gesagt sind Feuchtnasenaffen meist nachtaktiv (Ausnahmen:
Indri,
Sifakas und
Varis), während Trockennasenaffen meist tagaktiv sind (Ausnahmen:
Koboldmakis und
Nachtaffen). Die unterschiedlichen Aktivitätszeiten haben sich auch im Körperbau niedergeschlagen, so sind in beiden Untergruppen nachtaktive Tiere durchschnittlich kleiner als tagaktive. Eine weitere Anpassung an die Nachtaktivität stellt der bessere Geruchssinn der Feuchtnasenaffen dar. Vergleichbar mit anderen Säugetieren ist die Tatsache, dass Arten, die sich vorwiegend von Blättern ernähren, längere Ruhezeiten einlegen, um den niedrigen Nährwert ihrer Nahrung zu kompensieren.
Fortbewegung
Hamadryas Baboon.jpg
Primaten verwenden unterschiedliche Arten der Fortbewegung, die sich in verschiedenen Anpassungen im Körperbau widerspiegeln und auch vom Lebensraum abhängig sind. Es lassen sich folgende Formen unterscheiden:
- Vierbeiniges Gehen in den Bäumen: Bei dieser Form der Fortbewegung werden vorwiegend waagrechte Äste ausgenutzt.
- Senkrechtes Klettern und Springen: dazu werden vorwiegend die senkrechten Stämme ausgenutzt. Springfähige Primaten haben besonders starke hintere Gliedmaßen.
- Langsames Klettern: Diese Form haben insbesondere die Loris perfektioniert, die behäbig durch die Äste klettern, deren fester Klammergriff um die Äste aber kaum mit Gewalt gelöst werden kann.
- Vierbeiniges Gehen am Boden: Hände und Füße dienen der Fortbewegung am Boden, wobei sich die Details unterscheiden können: während Paviane alle drei Fingerglieder am Boden aufsetzen, stützen sich Gorillas und Schimpansen auf die zweiten Fingerglieder (so genannter Knöchelgang).
- Schwinghangeln: Bei dieser Methode schwingen sich die Tiere mit Hilfe ihrer kräftigen Arme durch das Geäst. Schwinghangeln lässt sich beispielsweise bei Spinnenaffen und Orang-Utans beobachten. Perfektioniert haben diese Methode die Gibbons (Brachiation).
- Bipedie: Den zweibeinigen, aufrechten Gang auf dem Boden praktizieren zeitweise mehrere Primatenarten, in Reinform kommt diese Methode nur bei den Menschen vor.
Sozialverhalten
Primaten haben in den meisten Fällen ein komplexes Sozialverhalten entwickelt. Reine Einzelgänger sind selten, auch bei Arten die vorwiegend einzeln leben (zum Beispiel der
Orang-Utan), überlappen sich die Reviere von Männchen und Weibchen, und bei der Fortpflanzung werden Tiere aus solchen überlappenden Territorien bevorzugt. Andere Arten leben in langjährigen monogamen Beziehungen (zum Beispiel
Indriartige oder
Gibbons). Vielfach leben Primaten jedoch in Gruppen. Diese können entweder Harems- oder Einzelmännchengruppen sein, wo ein Männchen zahlreiche Weibchen um sich schart, oder gemischte Gruppen, in denen mehrere geschlechtsreife Männchen und Weibchen zusammenleben. In Gruppen etabliert sich oft eine
Rangordnung, die durch Kämpfe, Alter, Verwandtschaft und andere Faktoren bestimmt ist.
Auch die Kommunikation und Interaktion spielt eine bedeutende Rolle. Etliche Arten haben eine Vielzahl von Lauten, die zur Markierung des Territoriums, zur Suche nach Gruppenmitgliedern, zur Drohung oder zur Warnung von Fressfeinden dienen kann. Besonders bekannt sind die Urwaldkonzerte der Brüllaffen und die Duettgesänge der Gibbonpärchen. Auch Körperhaltungen und Grimassen können eine Kommunikationsform darstellen, eine weitere wichtige Form der Interaktion ist die gegenseitige Fellpflege. Bei den Feuchtnasenaffen spielt der Geruchssinn eine bedeutendere Rolle, oft wird das Revier mit Duftdrüsen oder Urin markiert.
Ernährung
Gorilla.jpg
Vermutlich waren die Vorfahren der Primaten Insektenfresser, die Mehrzahl der Arten ist heute jedoch vorrangig Pflanzenfresser. Früchte stellen für viele Arten den Hauptbestandteil der Nahrung dar, ergänzt werden sie durch Blätter, Blüten, Knollen, Pilze, Samen, Nüsse, Baumsäfte und andere Pflanzenteile. Viele Arten sind jedoch Allesfresser, die neben pflanzlicher auch tierische Nahrung zu sich nehmen, insbesondere Insekten, Spinnen, Vogeleier und kleine Wirbeltiere. Zu den Gattungen, die gelegentlich Jagd auf größere Säugetiere (
Hasen, kleine Primaten, junge
Paarhufer) machen, gehören
Paviane und
Schimpansen.
Es gibt auch Arten, die vorwiegend Blätter verzehren. Um diese schwerverdauliche Nahrung zu verwerten, haben manche Tiere besondere Strategien entwickelt: so haben die Stummelaffen einen mehrkammerigen Magen, in welchem Mikroorganismen die Zellulose abbauen. Dieses Konzept ähnelt dem der Wiederkäuer oder mancher Känguruarten. Andere, wie die Brüllaffen oder der Gorilla, haben einen vergrößerten Dickdarm, der demselben Zweck dient.
Reine Fleischfresser sind selten unter den Primaten, dazu gehören beispielsweise die insektenfressenden Koboldmakis und Bärenmakis.
Fortpflanzung
Generell zeichnen sich Primaten durch eine lange Trächtigkeitsdauer, eine lange Entwicklungszeit der Jungen und eine eher hohe Lebenserwartung aus. Die Strategie dieser Tiere liegt darin, viel Zeit in die Aufzucht der Jungtiere zu investieren, dafür ist die Fortpflanzungsrate gering. Die kürzeste Tragzeit haben
Katzenmakis mit rund 60 Tagen, bei den meisten Arten liegt sie zwischen vier und sieben Monaten. Die längste Trächtigkeitsdauer haben der
Mensch und der
Gorilla mit rund neun Monaten.
Bei den meisten Arten überwiegen Einzelgeburten, und auch bei den Arten, die üblicherweise Mehrfachgeburten aufweisen (darunter Katzenmakis, Galagos und Krallenaffen) liegt die Wurfgröße selten über zwei oder drei Neugeborenen.
Systematik und Stammesgeschichte
Systematik
Die Primaten gehören innerhalb der
Plazentatiere zu den
Euarchontoglires, einer aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen festgelegten Überordnung. Ihre nächsten Verwandten sind die
Riesengleiter (Dermoptera). Die
Spitzhörnchen (Scandentia), die früher manchmal den Primaten zugerechnet wurden, zeigen zwar im Schädelbau und im Verhalten Ähnlichkeiten, diese sind aber entweder generelle Merkmale der Säuger oder konvergente Entwicklungen, sodass sie heute in eine eigene Ordnung, Scandentia, gestellt werden. Das nachfolgende Diagramm gibt die vermuteten Entwicklungsverhältnisse innerhalb dieser Unterordnung wieder:
Euarchontoglires
|--Glires
| |--Nagetiere (Rodentia)
| |--Hasenartige (Lagomorpha)
|--Euarchonta
|--Spitzhörnchen (Scandentia)
|--N.N.
|--Riesengleiter (Dermoptera)
|--Primaten (Primates)
Rote Varis.jpg sind Vertreter der Feuchtnasenaffen]]
Man teilt die Primaten heute in zwei Unterordnungen, die Trockennasenaffen (Haplorrhini) und die Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini). Früher wurde zwischen Halbaffen (Prosimiae) und "Echten" Affen (Simiae) unterschieden, bis auf die Familie der Koboldmakis entsprechen die Feuchtnasen- den Halbaffen und die Trockennasen- den echten Affen. Die Feuchtnasenaffen teilen sich in die Lemuriformes (Lemurenartige), die ausschließlich auf Madagaskar leben und die Loriformes, zu denen Loris und Galagos gehören. Bei den Trockennasenaffen stehen die Koboldmakis den anderen Arten gegenüber, die manchmal als Eigentliche Affen (Anthropoidea) bezeichnet werden und sich wiederum in die Neuweltaffen und die Altweltaffen teilen.
Die folgende Systematik zeigt nur die rezenten Familien:
Primaten (Primates)
|-- Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini)
| |--Lemuriformes (Lemurenartige)
| | |--Fingertiere (Daubentoniidae)
| | |
| | |--Lemuroidea
| | |--Katzenmakis (Cheirogaleidae)
| | |--Wieselmakis (Lepilemuridae)
| | |--N.N.
| | |--Indriartige (Indriidae)
| | |--Lemuren (Lemuridae)
| |
| |--Lorisiformes (Loriartige)
| |--Loris (Lorisidae)
| |--Galagos (Galagonidae)
|
|--Trockennasenaffen (Haplorrhini)
|
|--Tarsiiformes (Koboldmakis)
|
|--Anthropoidea ("Eigentliche Affen")
|--Neuweltaffen oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
| |--Sakiaffen (Pitheciidae)
| |--N.N.
| |--Klammerschwanzaffen (Atelidae)
| |--N.N.
| |--Krallenaffen (Callitrichidae)
| |--N.N.
| |--Nachtaffen (Aotidae)
| |--Kapuzinerartige (Cebidae)
|
|--Altweltaffen oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
|--Geschwänzte Altweltaffen (Cercopithecoidea)
| |--Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
|
|--Menschenartige (Hominoidea)
|--Gibbons (Hylobatidae)
|--Menschenaffen (inkl. Mensch) (Hominidae)
Stammesgeschichte
Die ältesten zweifelsfrei den Primaten zuzuordnenden Fossilienfunde stammen aus dem frühen
Eozän (vor rund 55 Millionen Jahren). Die Stellung der aus dem
Paläozän bekannten Gattung
Plesiadapis ist umstritten, sie wird aber heute meist nicht zu den Primaten gerechnet. Da die Funde aus dem Eozän bereits die Aufspaltung in die beiden Unterordnungen erkennen lassen, vermutet man, dass die ältesten Primaten in der
Kreidezeit gelebt haben, vor rund 80 bis 90 Millionen Jahren.
Die Funde aus dem Eozän werden den Adapiformes, einer Teilordnung der Feuchtnasenaffen, und den Omomyidae, einer den Koboldmakis ähnlichen Familie zugeordnet und sind aus Afrika, Asien, Europa und Nordamerika bekannt. Während die Primaten in Nordamerika im Oligozän ausstarben, entwickelten sie sich auf den anderen Kontinenten weiter. Die heutigen Primaten Amerikas, die Neuweltaffen, sind seit rund 25 Millionen Jahren belegt, älteste bekannte Gattung ist Branisella. Aus dem Miozän sind Vorfahren der meisten heutigen Familie bekannt, eine Ausnahme bilden die Primaten Madagaskars, was aber wohl auf eine schlechte Fossilienfundrate zurückzuführen ist. In Europa starben die nichtmenschlichen Primaten - aus der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) - im Pleistozän aus. Auf beispiellose Weise hat sich die Gattung Homo innerhalb der letzten 100.000 Jahre weltweit ausgebreitet, sodass heute in jedem Winkel der Erde Primaten zu finden sind.
Primaten und Menschen
Die folgenden Kapitel befassen sich mit dem Verhältnis zwischen Menschen und anderen Primaten, wobei der Mensch selbst weitestgehend unbeachtet bleibt.
Forschungsgeschichte
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Zu den frühesten im
Mittelmeerraum bekannten Primaten zählten der
Berberaffe Nordafrikas und der
Mantelpavian Ägyptens. Der
karthagische Seefahrer
Hanno († 440 v. Chr.) brachte von seiner Afrikareise die Felle von drei "wilden Frauen" mit, vermutlich
Schimpansen.
Aristoteles schreibt über Tiere, die sowohl Eigenschaften des Menschen als auch Eigenschaften der "Vierfüßer" teilen und unterteilt sie in (Menschen-)Affen, "Affen mit Schwanz" (vermutlich
Meerkatzen oder
Makaken) und
Paviane. Den Pavianen attestierte er eine hundeähnliche Schnauze und Zähne und prägte so den Begriff der
Hundsaffen, Im 2. Jahrhundert nach Christus sezierte
Galenos von Pergamon Berberaffen und schlussfolgerte daraus die menschliche Anatomie, bis ins 16. Jahrhundert hinein waren seine Forschungen für die Medizin bestimmend. Die Vorstellungen der Primaten im
Mittelalter waren überlagert mit Fabelwesen wie behaarten, geschwänzten Menschen und Halbwesen ähnlich dem
Satyr.
Pan, der Gattungsname der Schimpansen, abgeleitet vom bocksfüßigen Hirtengott
Pan, geht auf solche Vorstellungen zurück. 1641 kam erstmals ein lebendiger Schimpanse nach
Holland und wurde vom niederländischen Arzt
Nicolaes Tulpius (1593-1674), der durch seine Verewigung in
Rembrandts Gemälde "Die Anatomielektion des Dr. Tulp" berühmt wurde, untersucht und unter dem Titel "Indischer Satyr" veröffentlicht. Als Begründer der Primatologie gilt der englische Arzt und Zoologe
Edward Tyson (1650-1708), der 1699 eine Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen dem von ihm untersuchten "Orang-Outan oder
Homo sylvestris" - in Wahrheit einem Schimpansen aus
Angola - und dem Menschen feststellte.
Carl von Linné schuf die grundsätzlich heute noch gültige Systematik der Tiere, er teilte in der zehnten Auflage seiner "
Systema Naturae" (1758) die Primaten in vier Gattungen:
Homo (Mensch),
Simia (Menschenaffen und andere Affen),
Lemur (Lemuren und andere "niedere" Affen) und
Vespertilio (Fledermäuse) - in früheren Auflagen hatte er auch noch die
Faultiere zu den Primaten gerechnet.
affe-jardin.jpg
Ganz mochte man sich mit der Einordnung der Menschen unter die Primaten nicht abfinden, so teilte
Johann Friedrich Blumenbach diese Gruppe in die "Bimana" (Zweihänder, also Menschen) und "Quadrumana" (Vierhänder, also nicht-menschliche Primaten). Diese Einteilung spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, dass Menschenaffen in jener Zeit oft mit einem Stock dargestellt wurden, da das zweifüßige Gehen ohne Hilfe dem Menschen vorbehalten war. Im 19. Jahrhundert wurde die
Evolutionstheorie entwickelt und
Thomas Henry Huxley band mit seinem Werk "Evidence as to Man's Place in Nature" (1863) den Menschen konsequent in die Evolutionsvorgänge ein, was noch jahrzehntelange Diskussionen anheizen sollte, ob der Mensch denn wirklich vom Affen abstamme. Der britische Zoologe
St. George Mivart (1827-1900), ein konservativer
Katholik und Autodidakt versuchte einerseits, Darwins und Huxleys Thesen zu widerlegen, unter anderem mit der Behauptung, die Erde existiere für die beschriebenen Evolutionsprozesse noch nicht lang genug, andererseits aber modifizierte er die Einteilung Linnés, indem er die
Fledermäuse von den Primaten abtrennte und die bis vor kurzem gültige Einteilung in
Halbaffen und (Eigentliche)
Affen durchführte. Mivart etablierte auch eine Merkmalsliste der Primaten, in der er unter anderem ausgebildete
Schlüsselbeine, einen Greiffuß mit gegenüberstellbarer Großzehe und einen freihängenden
Penis mit dahinterliegendem
Skrotum anführte.
Ab dem 20. Jahrhundert spaltete sich die Forschungsgeschichte in zahlreiche Bereiche auf, die hier nur stichwortartig wiedergegeben werden können:
- Paläontologie: Mit Hilfe von Fossilien wurde versucht, die genauen Abstammungsverhältnisse innerhalb der Primaten zu ermitteln. Besonders intensiv wurde versucht, die Beziehungen zwischen den Echten Menschen und ihren tierischen Verwandten zu erhellen und den lang gesuchten "Missing Link" zu finden.
- Systematik: Mit Hilfe von DNA-Vergleichen und anderer Vergleichsmethoden wurden die stammesgeschichtlichen Beziehungen der verschiedenen Primatengruppen genauer analysiert. Kladistische Systematiken wurden entwickelt, die dem früheren "Fortschrittsvorurteil" der klassischen Systematik gegenüberstehen. Zwei grundlegende Korrekturen in der Systematik sind dadurch entstanden: Die traditionelle Einteilung in Halbaffen und Affen wurde zugunsten der Gruppierung in Feuchtnasenaffen und Trockennasenaffen aufgegeben. Die zweite Änderung betrifft den Menschen, der früher - vielleicht als letztes Überbleibsel einer traditionell zugestandenen Sonderrolle - in einer eigenen Familie (Hominidae) den Menschenaffen (Pongidae) gegenüber gestellt wurde, heute allerdings zweifelsfrei als Mitglied der Menschenaffen (Hominidae) eingeordnet wird.
- Verhaltensforschung: Anstatt rein äußerlicher Beschreibungen rückte das Verhalten der Tiere in den Mittelpunkt. Verhaltensweisen, Werkzeuggebrauch und Sozialformen wurden exakter analysiert, viele Forscher verbrachten mehrere Jahre in der Nähe der Tiere, um genaue Freilandstudien durchführen zu können. Zu den bekanntesten Forscherinnen zählen Dian Fossey und Jane Goodall. In diesen Bereich gehört auch die Intelligenz- und Lernforschung. Anhand ihrer Fähigkeiten, Aufgabenstellungen zu lösen (zum Beispiele eine Frucht in einer durch Schnallen verschlossenen Schachtel) oder mittels Symbolkärtchen oder Gebärdensprache in eine Kommunikation mit Menschen zu treten, soll die Intelligenz und das Lernverhalten der Tiere ermittelt werden.
- Erhaltungsbiologie: Angesichts der zum Teil drastisch zurückgehenden natürlichen Lebensräume vieler Arten werden Fragen des Naturschutzes und der Errichtung geeigneter Schutzgebiete immer brennender.
Generell lässt sich in den letzten Jahrzehnten ein Rückgang der Forschung in anatomischen und physiologischen Fragestellung und ein Aufschwung in Freilandforschung und Erhaltensbiologie erkennen.
Kulturelle Bedeutung
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Die Menschenähnlichkeit im Körperbau und mehrere Angewohnheiten haben oft zu mythischen Vorstellungen beigetragen. Zu diesen Angewohnheiten zählen das morgendliche Aalen in der Sonne, das als religiöse Sonnenverehrung gedeutet wurde, die Schreie und Gesänge und die vermutete eheliche Treue mancher Arten.
In verschiedenen Religionen wurden manche Arten zu Heiligen Tieren erklärt. Der altägyptische Gott Thot wurde manchmal in Gestalt eines Pavians dargestellt. Im ägyptischen Totenbuch wird von den Pavianen berichtet, sie sitzen am Bug der Todesbarke und der Tote kann sich an sie wenden und um Gerechtigkeit im Totenreich bitten. Paviane genossen deshalb Schutz und wurden sogar mumifiziert. In Indien gelten der Rhesusaffe und der Hanuman-Langur als heilig. Im Ramayana, dem indischen Nationalepos, helfen Hanuman-Languren, die nach dem Affengott Hanuman benannt sind, dem Prinz Rama bei der Befreiung seiner Gattin aus den Fängen des Fürsten der Dämonen. Diese beiden Arten bevölkern indische Städte und Tempel in großer Zahl und dürfen unbehelligt Marktstände und Gärten plündern. In verschiedenen Regionen der Erde genossen gewisse Primaten aufgrund mythischer Vorstellungen Schutz vor der Bejagung, so zum Beispiel der Indri auf Madagaskar. In China wurden die Duettgesänge der Gibbons mit der angeblichen Melancholie dieser Tiere in Verbindung gebracht, was sich in Gedichten und Gemälden niedergeschlagen hat.
Primaten als Haustiere
Die ältesten Belege über Primaten als
Haustiere stammen aus dem Alten Ägypten, wo Bilder zeigen, wie Paviane an der Leine geführt wurden und mit Kindern spielten. Aus dem alten
China sind
Gibbons als Haustiere bekannt. Über Jahrtausende hinweg wurden Primaten als Haustiere gehalten, auch heute ist dies noch mancherorts üblich. Gehalten werden vor allem
Menschenaffen und kleinere Arten wie
Totenkopfaffen - bekannt war der Schimpanse
Michael Jacksons. Problematisch ist dabei, dass diese Tiere selten gezüchtet werden, sondern meistens als Jungtiere gefangen, was oft mit der Tötung der Mutter einhergeht. Aus dem Aspekt des
Tierschutzes werden Primaten als Haustiere generell abgelehnt, da eine
artgerechte Haltung kaum möglich ist und es auch zur Übertragung von Krankheiten - in beide Richtungen - kommen kann.
Primaten als Nutztiere
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Unter den Primaten finden sich keine klassischen Nutztiere. Im Bereich der medizinischen Forschung und der Erprobung von Kosmetika werden Primaten vielfach für
Tierversuche verwendet. Am bekanntesten ist wohl der
Rhesusfaktor, der 1940 am
Rhesusaffen entdeckt wurde. Früher hat die Suche nach Versuchstieren die Populationen zum Teil drastisch dezimiert; heute stammen die Tiere für diese Zwecke meist aus eigener Züchtung. Der Sinn und Nutzen der Tierversuche ist heftig umstritten, und die Diskussion darüber wird äußerst kontrovers geführt.
Ein weiterer Verwendungszweck von Primaten war die Raumfahrt. Der erste war 1958 "Gordo", ein Totenkopfaffe, der an Bord einer Redstone-Rakete ins All befördert wurde. Es folgten weitere Totenkopfaffen, Rhesusaffen und Schimpansen in den Raumfahrtprogrammen der USA, Frankreichs und der Sowjetunion.
In den USA gibt es Projekte, bei denen Kapuzineraffen als Hilfen für körperlich behinderte Menschen ausgebildet werden. Die Kosten der Ausbildung und die große Nachfrage sind hier aber ein Problem.
Bedrohung
Das größte Artensterben in jüngerer Vergangenheit hat auf
Madagaskar stattgefunden. Die Insel, die erst vor rund 1500 Jahren von Menschen besiedelt wurde, ist Heimat zahlreicher
endemischer Tierarten, darunter fünf Primatenfamilien. Mindestens acht Gattungen und fünfzehn Arten sind seither dort ausgestorben, höchstwahrscheinlich aufgrund der Bejagung, möglicherweise gekoppelt mit klimatischen Veränderungen. Zu den dort ausgerotteten Primaten zählen vorrangig größere, bodenlebende Arten, darunter die Riesenlemuren
Megaladapis und der gorillagroße
Archaeoindris sowie die
Palaeopropithecidae („Faultierlemuren“) und
Archaeolemuridae („Pavianlemuren“).
Global betrachtet ist die Situation vieler Primatenarten besorgniserregend. Als vorrangig waldbewohnende Tiere sind sie den Gefahren, die mit den großflächigen Abholzungen der Wälder einhergehen, drastisch ausgeliefert. Die Verbreitungsgebiete vieler Arten machen nur mehr einen Bruchteil ihres historischen Vorkommens aus. Die Jagd tut ein Übriges: Gründe für die Bejagung sind unter anderem ihr Fleisch, das verzehrt wird, und ihr Fell. Hinzu kommt die Tatsache, dass sie Plantagen und Felder verwüsten, sowie die - weitgehend illegale - Suche nach Haustieren. Dabei werden meist die Mütter erlegt, um halbwüchsige Tiere einfangen zu können. Obwohl die International Union for Conservation of Nature keine Primatenart als in den letzten 200 Jahren ausgestorben listet, gilt eine Reihe als stark gefährdet. Zu den bedrohtesten Primaten zählen beispielsweise die Spinnenaffen und die Löwenäffchen Südamerikas, der auf Java endemische Silbergibbon, mehrere Stumpfnasenarten und die sumatranische Unterart des Orang-Utan.
Weblinks
Literatur
- Louis de Bonis: Vom Affen zum Menschen. Spektrum der Wissenschaft 2004, ISBN 3936278709
- Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer-Verlag 2002, ISBN 3540436456
- Colin Groves: Primate Taxonomy. Smithsonian Inst Press 2001, ISBN 156098872X
- Andreas Paul: Von Affen und Menschen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1998, ISBN 3534138694
- Daris Swindler: Introduction to the Primates. University of Washington Press 1998, ISBN 0295977043
Primaten
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