Der Priester existiert in einem Großteil der religiösen Gemeinschaften als ein Religionsführer, der sich durch eine besondere göttliche Kraft auszeichnet und in seiner Eigenschaft als Kultvorsteher eine Mittlerrolle zwischen der Gottheit und den Menschen einnimmt. In allen Religionen gibt es Menschen, die durch besondere Kenntnisse, Fähigkeiten und Vollmachten die Verbindung zwischen dem transzendenten, göttlichen Bereich und der Alltagswelt der Menschen vermitteln und dadurch ordnen, heilend wirken oder Erkenntnisse gewinnen. Aus schamanischen Ursprüngen hat sich in den Hochkulturen in der Regel im Umfeld der Tempel ein Priesterstand mit genau geregelten Rechten und Pflichten entwickelt.
In Gesellschaften, in denen es noch nicht zur Ausbildung eines Priesterstandes gekommen ist, aber auch in solchen, in denen dieser Schritt bereits vollzogen ist, gibt es gewisse Vorstufen zum Priestertum. So ist in der Regel der Hausvater oder das Oberhaupt der Sippe mit der Wahrnehmung sakraler Funktionen betraut. In archaischen Kulturen ist die Ausübung der priesterlichen Aufgaben ursprünglich dem König vorbehalten, der sie aber mit der zunehmenden Weiterentwicklung und Differenzierung des religiösen Kultes an ihm untergeordnete Priester vergibt. Ein in solcher Weise ausgeprägtes Priestertum ist zuerst in Neolithikum und Bronzezeit im östlichen Mittelmeer zu beobachten.
Der Typ des Priesters ist in schriftlosen Kulturen zumeist von denen des Medizinmanns und Schamanen nicht klar zu trennen. Jedoch ist festzuhalten, dass der Medizinmann charakteristischerweise mit unpersonalen Mächte oder Kräfte zu tun hat, die er beherrschen muss, und nicht über den Kultdienst in einer personalen Beziehung zu einer Gottheit steht. Vom Schamanen unterscheidet den Priestertypen klar, dass Ersterer nur im Zustand der Trance beziehungsweise der Ekstase mit der Gottheit in Verbindung treten kann.
Der Mönch schließlich hat ursprünglich zwar nicht die kultische Mittlerfunktion des Priesters, doch kann er wie beispielshalber im Buddhismus priesterliche Funktionen übernehmen und so aus seiner ursprünglichen Lebensweise in ein Priestertum „hineinwachsen“. Oftmals hat sich also das Priestertum erst aus dem Mönchtum entwickelt. Typologisch charakteristisch ist jedoch, dass der Mönch die göttliche Kraft und Gnade aus seiner Lebensführung und nicht wie der Priester seines Amtes wegen erhält.
Die Aufgaben, die dem Priester zugeordnet sind, differieren je nach Religion. Grundsätzlich nimmt der Priester jedoch stets eine Mittlerfunktion zwischen dem Göttlichen und den Menschen ein. Dabei ist er wechselseitig Stellvertretung der Gottheit gegenüber den Menschen und der Menschen gegenüber der Gottheit: Er tut den göttlichen Willen kund, bewahrt das heilige Wissen und vermittelt die göttlichen Gnadenerweise. Als Stellvertreter der Menschen handelt er in Opferungen und bei den Gebeten an die Gottheit.
Als Kultdiener vollzieht er daneben die kultischen Handlungen zumeist in einem engen räumlichen Zusammenhang mit einem Tempel, Altar oder Naturheiligtum. Er opfert der Gottheit und leitet die Riten, verliest die heiligen Schriften und bewahrt den Kultort vor dem Eindringen Unbefugter. Zusätzlich zu diesen beiden Bereichen treten diverse andere Aufgaben hinzu, die jedoch nicht genuin priesterlich sind. Dazu zählen psychische und medizinische Betreuung der Gläubigen, das Verkünden von Prophezeiungen oder Beschwörungen der Gottheit oder anderer Geistwesen. Darüber hinaus sind in vielen Religionen Priester gleichzeitig Lehrer und Missionare und übernehmen administrative Aufgaben oder die Rechtsprechung.
Die Initiation der Priester erfolgt entweder über eine leibliche oder eine geistige Sukzession. In beiden Fällen ist wichtig, dass die Auswahl dabei nicht durch menschlichen Willen, sondern durch göttliche Kraft fällt. Bei der leiblichen Sukzession wird das Priesteramt innerhalb einer Familie vom Vater an den Sohn vererbt und weitergegeben. Der Vater weiht den Sohn in das priesterliche Wissen und eine eventuelle Geheimlehre ein. Die geistige Sukzession unterscheidet sich nur dahingehend, dass der Priester nicht durch Geburt, sondern durch eine besondere Weihe in das Priestertum aufgenommen wird und daher nicht in einer leiblichen, sondern über seinen „Weihevater“ in einer geistigen Ahnenreihe steht. Dabei werden die potentiellen Bewerber gezielt ausgewählt und im Hinblick auf ihre spätere Aufgabe, eventuell sogar in einer eigens dafür geschaffenen Institution, erzogen. Die Ausbildung erstreckt sich dabei in erster Linie auf das Wissen um die korrekte Verrichtung des Kultes. Das Erlernen einer vielfach vorhandenen alten Kultsprache, des richtigen Ablaufs der verschiedenen Riten und der oft umfangreichen Gebetstexte steht im Vordergrund. Daneben ist die Priesterschaft einer Kultur aber oft auch ein Kulturträger ersten Ranges und wird in vielen anderen Bereichen zusätzlich gebildet. Dazu zählen bevorzugt Astronomie, Mathematik, Zeitrechnung, Medizin, Schrift und Geschichtsschreibung.
Der Standort des Priestertums innerhalb der Gesamtgesellschaft ist zum einen durch eine Reihe von Sonderstellungen gekennzeichnet. Dazu gehören Tabuvorschriften wie bestimmte Speisevorschriften oder Reinheitsgebote und das Einhalten eines strengen Lebenswandels. Darunter fällt die vielfach verbreitete Vorschrift der sexuellen Enthaltsamkeit, die entweder auf einen bestimmten Zeitraum vor und während der Kulthandlung beschränkt sein kann, oder aber auch dauerhaft ist. Andererseits genießen die Priester aber auch gewisse Reservatrechte. Sie sind durch ein hervorstechendes Äußeres, wie eine Amtstracht, gekennzeichnet und haben oftmals einen rechtlichen Sonderstatus, der sich beispielsweise in der Steuerfreiheit des Klerus äußert.
Durch diesen Sonderstatus entwickelte sich das Priestertum in einer Gesellschaft oft zur abgeschlossenen Kaste fort, das sich streng hierarchisch geordnet nach unten abschloss: Dabei bilden sich vielfach innerhalb des Priestertums Rangklassen mit abgestuften Befugnissen oder Kenntnissen und an die Spitze des gesamten Priestertums stellte sich ein allgemeiner Oberpriester mit umfassender Leitungsgewalt. Prominentestes Beispiel hierfür ist der Papst in der katholischen Kirche oder aber auch der chinesische Kaiser.
Nach der Bibel begründete Moses das Priestertum des Einen Gottes, das ausschließlich aus Männern besteht, und weihte seinen älteren Bruder Aaron zum ersten Hohepriester; von diesem stammen der Überlieferung nach alle späteren jüdischen Priester ab (die Nachkommen von Moses selbst gehören nicht zu den Priestern). Nach der Einwanderung im Land Kanaan und dem Bau des Tempels in Jerusalem festigte sich in Israel das Priestertum (hebr. „kohen“), dem der Tempelgottesdienst, die Opferriten und die Unterscheidung zwischen rein und unrein oblag. Diese Aufgabe war einem Teil der Männer des Volksstammes Levi (der Leviten) zugeteilt. Ihnen wurden bei der Landnahme spezielle Städte zugewiesen. Die Versorgung war durch den Zehnt sichergestellt.
Die Sehnsucht danach, ein priesterloses „Volk von Priestern“ zu sein, blieb jedoch wach und fand Ausdruck bei den großen Propheten.
Seit der Zerstörung des letzten Tempelbaus 70 n. Chr. hat das altisraelitische Priestertum kaum noch eine Funktion. Die Unterscheidung zwischen Priestern, anderen Leviten, und sonstigen Gläubigen besteht jedoch fort. Die Priester sprechen in der Synagoge den Segen, sie werden vor den anderen Juden zur öffentlichen Verlesung der Tora aufgerufen, und es gelten für sie bis heute einige abweichende Bestimmungen im jüdischen Gesetz; beispielsweise dürfen sie im Normalfall keine Witwen, Konvertitinnen, oder geschiedene Frauen heiraten. Nachnamen wie „Kohn“ oder „Cohan“ deuten oft auf Angehörige des Priestertums hin. Träger eines solchen Nachnamens dürfen keinen Friedhof betreten, auch nicht bei Verlust eines direkten Verwandten. Die soziologische Priesterrolle lebt in den Rabbinern fort, welche jedoch meist keine Priester im Sinne der Abstammung sind.
Durch das Anwachsen der Gemeinden und ihre institutionelle Verfestigung, durch den Ausbau der Liturgie und der Lehre, nicht zuletzt durch die antignostische Auseinandersetzung gewannen die Ämter an Gewicht. Im zweiten Jahrhundert bildete sich die bis heute verbreitete dreigliedrige hierarchische Struktur heraus: Bischof, Ältester (presbyteros) und Diakon. Der deutsche Begriff des Priesters hat sich zwar etymologisch aus dem griechischen Begriff „presbyteros“ entwickelt, wird aber in der katholischen und in der orthodoxen Kirchengemeinschaft im „kultisch-mittelnden“ Sinne (kohen, hiereus) verstanden. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen katholischem und evangelischem Amtsverständnis.
Die evangelische Theologie lehnt unter Berufung auf die Ekklesiologie ihrer Interpretation des Neuen Testaments ein besonderes Priestertum in der Kirche grundsätzlich ab. Ein evangelischer Pastor ist kein Priester. Alle Getauften haben gleichen Anteil am Priestertum Christi. Das Wort Priester wird, anders als beispielsweise in Skandinavien, in den deutschen evangelischen Kirchen und Freikirchen nicht verwendet.
Die öffentliche Evangeliumsverkündigung und die Spendung der Sakramente soll jedoch nur von ordentlich dazu Berufenen („rite vocati“) ausgeübt werden. Die Ordination der Pfarrer bzw. Pastoren gilt als Beauftragung und Segenshandlung, nicht als Sakrament.
In reformierten und presbyterianischen Kirchen steht das Wort „Presbyter”, das wie „Priester” von presbyteros stammt, für das Mitglied des Gemeindevorstands, des Presbyteriums, und ist deshalb nicht mit einem Pfarrer, Pastor oder Priester zu verwechseln.
Bei den evangelischen Christen gilt im Gegensatz zu dem katholischen "Weihepriestertum" das evangelische "Allgemeine Priestertum".
Der Gegensatz in der Sicht der kirchlichen Ämter und in der Frage ihrer Legitimität ist heute das größte Hindernis der kirchlichen Einheit. Im Verständnis des priesterlichen Dienstes gibt es jedoch auch Konvergenzen, die die alten Einseitigkeiten überwinden.
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