Priene.jpg Priene war eine antike Stadt in Kleinasien, der heutigen Türkei.
Priene_Theater_Apr2005.jpgGegen Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. wurde die Stadt an anderer Stelle neu gegründet. Diese Maßnahme könnte von dem karischen Herrscher Maussollos oder den Athenern veranlasst worden sein. Die heute weitgehend ausgegrabene Siedlung liegt am Südhang der gebirgigen Halbinsel Mykale unterhalb eines über 300 m hohen Felsklotzes, der in das ummauerte Stadtgebiet einbezogen als Akropolis der Stadt diente. Benachbarte Poleis (Stadtstaaten) waren im Westen die Insel Samos, Milet im Süden, Magnesia im Osten und Herakleia am Latmos im Südosten. Die neue Siedlung wurde planmäßig und trotz der teils steilen Hanglage mit einem rechtwinkligen Straßenraster angelegt, das die Fläche in gleich große Insulae gliederte. Solche Stadtanlagen werden nach dem Namen des Theoretikers Hippodamos von Milet als hippodamisch bezeichnet. In der Stadtmitte war ein großer Platz, die Agora, ausgespart. In den Wohngebieten waren die Insulae anscheinend in gleich große Parzellen geteilt und mit einem weitgehend einheitlichen Haustyp bebaut. Der aufwändigste Einzelbau der neuen Stadt war der Athenatempel, der vom Architekten Pytheos geplant wurde. Auf einer seiner Anten ist eine Bauinschrift für Alexander den Großen eingemeißelt, der den Bau unterstützte, als er sich auf seinem Eroberungszug gegen das Perserreich 334 v. Chr. in Ionien aufhielt.
Priene, das wie die anderen griechischen Städte in Kleinasien die Autonomie behielt, hatte eine demokratische Verfassung, deren einzelne Ämter aus den Inschriften bekannt sind. Im Lauf der folgenden Jahrhunderte wurde die Stadt mit zahlreichen Marmorbauten immer weiter ausgebaut, die Agora mit Hallen umgeben. Zahlreiche mit Inschriften versehene Statuenbasen und Exedren zeugen vom Einfluss einzelner Familien.
Priene gehörte zu den hellenistischen Flächenstaaten der Seleukiden und nach 246 für etwa ein halbes Jahrhundert der Ptolemäer, bis es mit dem Sieg der Römer unter Gnaeus Manlius Vulso über die Seleukiden 190 v. Chr. in den Machtbereich Roms gelangte, vorerst als freier selbständiger Bundesgenosse. Gegen Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. vertraute der kappadokische König Orophernes der Athena von Priene den unermesslichen Schatz von 400 Talenten an. Nachdem Ariarathes V. ihn mit der Unterstützung durch Attalos II., König von Pergamon, vom Thron vertrieben hatte, forderte er von Priene die Herausgabe des Geldes, belagerte die Stadt und verwüstete ihr Umland. Doch ein Hilfsgesuch an die Römer führte zum Rückzug. Gegen 140/130 v. Chr. zerstörte eine Brandkatastrophe die im Westen gelegenen Stadtviertel. Nach dem Tode Attalos’ III. kam Priene mit dem gesamte Reichsgebiet Pergamons 129 v. Chr. per Testamentsbeschluss unter die Herrschaft des Römischen Reichs, wenn es auch nominell freie Stadt blieb.
Die Mithridatischen Kriege (89–65 v. Chr.) brachten einen schweren Einschnitt und wirtschaftlichen Niedergang. Doch einige Bauprojekte zeugen von einer gewissen Erholung, die sich daran bis in die frühe Kaiserzeit anschloss, darunter vor allem die Fertigstellung des Tempels unter Augustus, in dem dieser von da an mit verehrt wurde. Durch Anschwemmungen des Großen Mäander schob sich die Küstenlinie mehr und mehr hinaus, wodurch Priene mit seinem Hafen zusehends an Bedeutung verlor. Bei der Teilung des Römischen Reichs kam Kleinasien – und damit auch Priene – zum oströmischen Reich, das als byzantinisches Reich bis 1453 fortbestand. Vom 5. Jahrhundert an ist die Stadt als Bischofssitz belegt. Im 13. Jahrhundert wurde aus Spolien im Bereich der ehemaligen Agora ein Kastell errichtet. Mit der Eroberung durch die Türken gegen 1300 endet schließlich der Nachweis für die Besiedlung der inzwischen Sampson genannten Stadt.
Priene ist ein Musterbeispiel griechischen regelmäßigen Städtebaus einer mittelgroßen Polis. Mittelgroß heißt, dass in Priene etwa 5000 Menschen lebten. Der Stadtstaat Priene war geschichtlich nie von großer Bedeutung und besonderer politischer Stärke. Allerdings wurde ein reger Handel mit anderen Städten getrieben, was Münzfunde in der Stadt belegen.
Der gesamte Stadtstaat umfasste eine Fläche von 400 km², das eigentliche Stadtgebiet Prienes eine Fläche von 37 ha. Allerdings waren davon nur 15 ha bebaut bzw. bebaubar; die übrige Fläche bot im Belagerungsfall Schutzraum für Menschen aus der Umgebung und für deren Vieh. Die Stadt wird von einer Stadtmauer umgeben. Diese schließt neben der Stadt auch die Akropolis ein.
In die Stadt führen zwei Tore, eines im Westen und eines im Osten. Das Westtor führt direkt auf die Hauptstraße. Im Osten konnte man aufgrund von landschaftlichen Verhältnissen dies nicht realisieren. Das Osttor führt ein Stück weiter nördlich in die Stadt und Besucher werden über eine verbreiterte Nebenstraße auf die Hauptstraße geführt.
Das rechtwinklige Straßenraster teilt die Stadt in regelmäßige Insulae von 120 × 160 Fuß auf. Durch Vermessungen am Fundort konnte ein äußerst raffiniertes System der Anlage der Straßen rekonstruiert werden. Die von Norden nach Süden führenden Straßen sind überwiegend so genannte Treppenstraßen, das heißt die hohe Steigung (bis zu 35°) wurde mit Treppen ausgeglichen, was allerdings gleichzeitig bedeutet, dass diese Straßen nicht mit Wagen befahren werden konnten.
Die Hauptstraße, die die Stadt von Westen nach Osten auf einer Länge von ungefähr 1000 Metern durchquerte, war die breiteste, mit einer Breite von etwa 7,1 Metern, in damaligen Maßeinheiten der Stadt genau 24 Fuß.
Aufgrund von Messungen an Straßen, Gebäuden und Heiligtümern wurde ein Fußmaß von 29,46 cm ermittelt.
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