Ilmenau Pranger.jpger Rathaus]]
Der Pranger, Schandpfahl oder Kaak (engl. Public stock) war ein Strafwerkzeug in Form einer Säule, einer Plattform oder eines Holzpfostens, an denen ein Delinquent gefesselt und öffentlich vorgeführt wurde. Zunächst Folterwerkzeug und Stätte der Prügelstrafe, erlangten Pranger ab dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung zur Vollstreckung von Ehrenstrafen. Der Pranger diente den Städten auch als äußeres Zeichen der Gerichtsbarkeit.
Die Strafe bestand vor allem in der öffentlichen Schande, welche der Verurteilte zu erdulden hatte und die vielfach ein "normales" Weiterleben in der Gemeinschaft unmöglich machte oder sehr erschwerte. Auch war der Bestrafte den Schmähungen der Passanten ausgesetzt, die für ihn nicht ungefährlich waren. Auch das Bewerfen der betroffenen Person mit Gegenständen (Steinigung) und das Prügeln waren üblich. In vielen Städten (z.B. Lübeck) war es jedoch untersagt, mit festen Gegenständen nach dem Delinquenten zu werfen.
Bauformen
Es gibt verschiedene Bautypen des Prangers:
- Ein Halseisen, das mit einer Kette am Rathaus, der Kirche oder einem sonstigen öffentlichen Gebäude befestigt ist.
- Ein in den Boden eingelassener Holzpfahl mit einem Halseisen daran (Schandpfahl).
- Der Sitzpranger, ein Schandstuhl oder Schandesel, war ein hölzernes Gestell, welches auf einem öffentlichen Platz stand. Der Betroffene hatte darauf zu sitzen.
- Ein Käfig, zum Stehen und Sitzen auf öffentlichen Plätzen. Ein solcher befindet sich noch heute auf dem Markt der Stadt Leutschau (Levoča) in der Slowakei und in Möhringen (Donau).
- Auch der Lästerstein ist hierzu zu zählen.
- Im alten China, Japan und Korea ein quadratisches Holzbrett mit einer kreisrunden Öffnung für den Hals (Holzkragen, chin. ànsuǒ kor. kal, jap. kubikase [). Es gab Ausführungen für nur einen Delinquenten (Bild) oder auch für mehrere (Bild). In Europa waren derartige Geräte als Halsgeige bekannt.
Die wohl verbreitetste Form des Prangers bestand in der Regel aus zwei parallel angeordneten Brettern, die durch Scharniere miteinander verbunden und am Ende eines starken Pfahles angebracht waren. In beiden Brettern waren Aussparungen für den Hals und, links und rechts davon, für die Handgelenke. Die geschlossenen Bretter fesselten nun den Straftäter um Hals und Hände. Derart ausgestattet, wurde er dann auf öffentlichen Plätzen ausgestellt.
Heute
Trotz der modernen
Ächtung des Prangers existieren ähnliche Formen der öffentlichen Vorführung nach wie vor: In den
Medien werden tatsächliche oder vermeintliche Straftäter (oft mit Bild oder Angabe des Namens) zur Schau gestellt.
In den
USA werden inzwischen offiziell von Behördenseite Listen von Straftätern (z.B. Kunden von Prostituierten) mit vollem Namen, Anschrift und Photo veröffentlicht.
Siehe auch: Niedere Gerichtsbarkeit, Gesichtsverlust, Scham
Weblinks
Quellen
- Entstehung des frühneuzeitlichen Europa. 1550–1648. Herausgegeben und verfaßt von Richard van Dülmen, Fischer Weltgeschichte, Band 24 S.239, 9. Auflage, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2000.
- n Konrad Fuchs und Heribert Raab: Wörterbuch Geschichte. 12. Auflage, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2001.(S.631)
- Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 4 S.1196, Freiburg, Basel, Wien: Verlag Herder 1994.
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