Die Prätorianergarde (oder kürzer Prätorianer, lateinisch Praetoriani) war eine Leibwächter-Truppe, die von den römischen Kaisern eingesetzt wurde. Bereits zu republikanischen Zeiten wurde sie von Feldherren benutzt (cohors praetoria) und läßt sich mindestens bis zur Familie der Scipionen um das Jahr 275 v. Chr. zurückverfolgen. Die Liktoren der höheren Ränge des Cursus honorum und die extraordinarii (eine erweiterte Schutztruppe der Amtsträger, da die Liktoren ihrer Aufgabe allein nicht mehr gewachsen waren) wurden nach und nach zu den ersten Truppen der Prätorianer vereinigt. Die erste Garde, die den Namen Prätorianer trug, wurde um 138 v. Chr. geschaffen. Konstantin der Große löste die Prätorianergarde dann 312 auf.
Nach Sejans Tod, der für ein Donativum (kaiserliches Geschenk) geopfert wurde, begann die Garde, im Reich eine zunehmend ambitionierte und blutige Rolle zu spielen. Für den richtigen Geldbetrag oder auch aus freien Stücken ermordeten sie Kaiser und schikanierten ihre Präfekten oder das römische Volk. Im Jahr 41 wurde Caligula von Verschwörern aus der senatorischen Klasse und der Garde getötet. Die Prätorianer setzten Claudius auf den Thron und nahmen dabei in Kauf, dass der Senat dazu in Opposition ging.
Im Jahr 271 segelte Aurelian mit Legionen, Prätorianerkohorten und anderen Kavallerieeinheiten nach Osten, um die Macht Palmyras zu brechen. Palmyra wurde leicht besiegt, was zu der orthodoxen Ansicht führte, dass Diokletian und seine Mitkaiser den sacer comitatus (die kaiserliche Eskorte im Feld) entwickelten, Militäreinheiten, die einen Ausleseprozess durchlaufen hatten, und Kommandostrukturen beinhalteten, die nach dem Modell der alten Prätorianerkohorten modelliert waren, nicht aber deren einförmige Zusammensetzung hatten, dafür aber wesentlich größer als die Prätorianerkohorte waren.
Diokletian schränkte den Status der Prätorianer im Jahr 284 ein, sie waren nicht mehr Teil des Palastes, zumal Diokletian auch in Nikomedia lebte, etwa 100 Kilometer von Byzanz entfernt in der Provinz Asia minor. Ein neues Korps, die Jovianer und Herkulianer, ersetzten die Prätorianer als Leibwache des Kaisers, eine Praxis, die während der Tetrarchie auch funktionierte. Bei Diokletians Rücktritt am 1. Mai 305 scheint das Castra Praetoria in Rom nur noch eine kleinere Garnison gewesen zu sein.
Im Feld waren die Prätorianer jeder Einheit der römischen Armee gleichgestellt. Von den ersten Kaisern nur selten eingesetzt, wurden sie ab 69 wesentlich aktiver. Sie kämpften in der ersten Schlacht von Bedriacum für Otho, unter Domitian und Trajan nahmen sie an den Kriegen von Dakien bis Mesopotamien teil, während sie unter Marcus Aurelius Jahre an der Donaufront verbrachten. Im 3. Jahrhundert unterstützten die Prätorianer die Kaiser in mehreren Städten.
Obwohl die Prätorianer Ähnlichkeiten mit den Legionstruppen aufwiesen, gab es doch einige Unterschiede. Ihre Kohorten waren größer, der Sold und die zusätzlichen Leistungen waren besser, und auf ihr militärisches Vermögen war Verlass. Sie erhielten höherere Geldgeschenke (Donativa) von den Kaisern, als die regulären Truppen. Unter Augustus bestanden die Kohorten der Prätorianer aus 9000 Männern, die aus der regulären Armee oder der Jugend von Etrurien, Umbrien und Latium, rekrutiert wurden, später auch aus Macedonia, Hispania Baetica, Hispania Tarraconensis, Lusitania und Illyricum. Vitellius bildete eine neue Garde aus den germanischen, Septimius Severus aus den pannonischen Legionen. Darüber hinaus stellte er den Ersatz für die Ränge aus dem gesamten Reich zusammen.
Zur Zeit des Augustus, etwa um 5, bestand jede Kohorte der Prätorianer aus 1000 bis zu maximal 1500 Männern, jedoch war, wie bei den anderen Legionen, der sofort einsetzbare Teil wesentlich kleiner. Tacitus berichtet, dass die Zahl der Kohorten im Jahr 47 von neun auf zwölf erhöht wurde, im Jahr 69 wurde sie kurzzeitig auf 16 aufgestockt, von Vespasian dann schnell wieder auf neun reduziert. Im Jahr 101 schließlich wurde sie wieder auf zehn angehoben, so dass im Ergebnis eine Elitetruppe von 5000 Mann zur Verfügung stand.
| Ränge in den Prätorianerkohorten, in aufsteigender Ordnung | - | Munifex | Einfacher Soldat. | - | Immunes | Mannschaftsdienstgrade, die von der normalen Arbeitspflicht (munera) der Soldaten befreit waren. | - | Evocati | Soldaten, die nach Erfüllung der Regeldienstzeit freiwillig länger dienten. Evocati der Prätorianer, die zu den Legionen wechselten, wurden dort als evocati augusti in höherem Rang eingestellt. | - | Centuriones | Befehlshaber einer Centurie. Eine Kohorte bestand aus sechs Zenturien. Im Gegensatz zu den Legionen waren Prätorianerzenturionen untereinander ranggleich. | - | Tribunes | Niedrigster Stabsoffiziersrang, bei den Prätorianern üblicherweise aus der Ritterklasse. Im Gegensatz zur Legion Befehlshaber nur einer einzigen Kohorte. | - |
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Neben den Kohorten unterstanden den Befehlshabern der Prätorianergarde, den Praefecti von denen es in der Regel jeweils zwei gab, gelegentlich aber auch nur einen, weitere Truppenteile. Dies waren die speculatores („Kundschafter“) und die statores („Polizei“) die durch die Kaiser vor allem als politische Polizei, aber auch für Kurierdienste eingesetzt wurde, sowie die durch Galba geschaffene persönliche Kavallerie des Kaisers, die equites singulares augusti.
Im übertragenen Sinn bezeichnet man mit dem Begriff einer „Prätorianergarde“ eine treu ergebene Gruppe nahestehender Personen im Umfeld mächtiger Personen (Politiker, Wirtschaftsführer).
Der Begriff des „Prätorianismus“ bezeichnet vor allem die Bereitschaft höherrangiger Personen der stehenden Streitkräfte eines Landes, bei als ungünstig oder unzuträglich angesehenen politischen Entwicklungen durch oft gewaltsames Eingreifen in die Politik den erwünschten Zustand wieder herbeizuführen, indem etwa Personen an die Macht verholfen wird, welche sich im Sinne der Militärs einsetzen sollen. Ein Beispiel ist das Spanien des 19. Jahrhunderts, als Dutzende pronunciamientos durch Militärs wie zum Beispiel Rafael del Riego und Baldomero Espartero Monarchen, Regenten, Verfassungen sowie eine Republik einsetzten, verteidigten, bekämpften und wieder abschafften.
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