USPresidentialSeal.jpg Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (amtl. President of the United States of America) ist Staatsoberhaupt und Regierungschef der Vereinigten Staaten und Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte. Die Amtszeit beträgt gewöhnlich vier Jahre, eine Wahl in das Amt ist nur zweimal möglich. Aktueller Amtsinhaber und 43. Präsident ist der Republikaner George Walker Bush.
Wegen des Supermachtstatus der USA und der enormen Machtfülle des Amtes gilt der Präsident der Vereinigten Staaten als mächtigster Mann der Welt. Der jeweilige Amtsinhaber ist stets eine der bekanntesten (und manchmal umstrittensten) öffentlichen Figuren überhaupt. Vor allem während des Kalten Krieges wurde der amerikanische Präsident auch als Leader of the Free World (Anführer der freien Welt) bezeichnet.
Die Position des Präsidenten wird in Artikel II der Verfassung beschrieben. Vorschriften zu seiner Wahl und Amtszeit sind durch den 12., 20., 22., 23. und 25. Verfassungszusatz geregelt.
Der Präsident fasst in sich drei Positionen (Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber) zusammen, die in vielen anderen Ländern von mindestens zwei Personen wahrgenommen werden. Obwohl er also die Verkörperung der amerikanischen Bundesexekutive schlechthin ist, so wird er doch durch das System der checks and balances vom Kongress (Legislative) und den Bundesgerichten (Judikative) kontrolliert. Dem Gedanken der strikten Gewaltenteilung entsprechend darf der Präsident daher auch nicht Mitglied des Kongresses oder eines Bundesgerichts sein.
Die Vereinigten Staaten verwendeten als eine der ersten modernen Demokratien als Erstes die Bezeichnung „Präsident“ (an Stelle eines Monarchen) für das Staatsoberhaupt. Die meisten republikanischen Staaten haben diese Amtsbezeichnung seither in Anlehnung an das amerikanische Vorbild übernommen.
Der Präsident hat als Verkörperung der Exekutive zum Beispiel formal keine Möglichkeit, dem Kongress Gesetzesvorhaben vorzulegen. In der Praxis werden daher vom Präsidenten geförderte Gesetzentwürfe von dem Präsidenten nahestehenden Abgeordneten in die zuständige Kammer eingebracht. Außerdem kann der Präsident durch informelle Einflussnahme, unter anderem auch durch seine Rede zur Lage der Nation, Entscheidungen des Kongresses in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken versuchen. Stimmt er mit der Linie des Kongresses überhaupt nicht überein, so kann er gegen ein Gesetz ein Veto einlegen, das vom Kongress nur mit Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern zurückgewiesen werden kann. Der Präsident kann jedoch unter keinen Umständen den Kongress auflösen. Allerdings kann der Präsident in Rahmen eines Impeachment-Verfahrens vom Kongress seines Amtes enthoben werden - hierbei ist allerdings zu beachten, daß dieses Verfahren strafrechtlicher Natur ist; eine politische Möglichkeit, den Präsidenten seines Amtes zu entheben, gibt es nicht.
Die Wahl des Präsidenten ist relativ kompliziert. Sie besteht aus Vorwahlen (primaries) zur Bestimmung der Präsidentschaftskandidaten einer Partei, der Volkswahl sowie der anschließenden Wahl durch die Wahlmänner. Schließlich erfolgt die Zählung der Wahlmännerstimmen.
Bei der Entscheidung, wer zum Präsidenten (und zum Vizepräsidenten) gewählt ist, zählt jedoch nicht, wer bundesweit die meisten Stimmen erhalten hat. Vielmehr wird diese Entscheidung einem Wahlmännerkollegium überlassen. Das Wahlmännerkollegium besteht aus 538 Personen, die von den Wählern in den einzelnen Bundesstaaten und im Bundesdistrikt gewählt werden. Diese Zahl entspricht der Zahl der Abgeordneten im Repräsentantenhaus (435) und im Senat (100) sowie drei Wahlmännern für den sonst im Kongress nicht vertretenen Regierungsbezirk. Dabei findet jedoch in der Regel keine Verhältniswahl statt; vielmehr entfallen alle Wahlmänner aus einem Bundesstaat auf den Vorschlag, der im Bundesstaat die meisten Stimmen erhält. Somit kann es vorkommen, dass wie im Jahr 2000 ein Kandidat (2000 Al Gore) zwar in der Volkswahl mehr Stimmen erhält als sein Kontrahent (2000 George W. Bush), in den Wahlmännerstimmen jedoch das Nachsehen hat.
Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, treffen sich die Wahlmänner der Staaten in den einzelnen Bundesstaaten im Dezember nach der Wahl zur Stimmabgabe: Das 538-köpfige Wahlmännerkollegium tritt als solches also nie zusammen. Hier geben die Wahlmänner ihre Stimmen – für Präsident und Vizepräsident getrennt – ab. Sie sind zwar gehalten, die Stimme demjenigen Kandidaten zu geben, auf dessen Konto sie gewählt wurden, dies wird jedoch durch die geheime Wahl oder durch sehr niedrige Strafen im Falle des Nichteinhaltens konterkariert. Aus diesem Grund kommt es regelmäßig vor, dass einzelne Wahlmänner entgegen dem Wählerauftrag stimmen; jedoch hat ein solcher faithless elector bis jetzt eine Wahl noch nie in ihr Gegenteil umschlagen lassen.
Bis 1800 wurden Präsident und Vizepräsident nicht getrennt gewählt, sondern der Erstplatzierte wurde Präsident, der zweite Vizepräsident. Nachdem die Wahl 1800 zu einem Gleichstand zwischen Thomas Jefferson und Aaron Burr geführt hatte, wurde dies durch den 1804 in Kraft getretenen 12. Verfassungszusatz geändert.
Am auf die Wahl folgenden 20. Januar (bis 1933 am 4. März) schließlich wird zunächst der Vizepräsident, dann der Präsident um genau 12.00 Uhr Ortszeit in der Bundeshauptstadt vereidigt. Der Eid lautet:
„I (Name) do solemnly swear (or: affirm) that I will faithfully execute the office of President of the United States, and will, to the best of my ability, preserve, protect, and defend the Constitution of the United States.“
deutsch: „Ich, (Name), schwöre (oder: gelobe), dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich ausüben und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften erhalten, schützen und verteidigen werde.“
Traditionellerweise legt der Präsident den Eid auf eine Bibel ab und fügt die Worte „so help me God“ („so wahr mir Gott helfe“) hinzu; dies gehört aber nicht zur verfassungsmässig vorgeschriebenen Eidesformel. Mit der Vereidigung tritt der Präsident in die Rechte und Pflichten seines Amtes ein.
Grundsätzlich darf seit 1951 jeder Präsident nur einmal wiedergewählt werden, unabhängig davon, ob die Wiederwahl anschließend an die erste Amtszeit oder später erfolgt. Ist jedoch eine Person ins Amt des Präsidenten nachgerückt und hat sie weniger als zwei Jahre im Amt verbracht, so darf die Person zweimal zum Präsidenten gewählt werden. Insgesamt beträgt die maximal mögliche Amtszeit also zehn Jahre. Lyndon B. Johnson hätte 1968 also erneut kandidieren dürfen, Ford, wäre er 1976 gewählt worden, 1980 nicht noch einmal.
Vor der Verabschiedung des 22. Verfassungszusatzes 1951 gab es keine Beschränkung der Wiederwahl außer dem Vorbild George Washingtons, der auf eine dritte Amtszeit verzichtet hatte und dies auch seinen Nachfolgern empfahl. 1912 kandidierte Theodore Roosevelt vergeblich für eine dritte Amtszeit. Franklin D. Roosevelt kandidierte erfolgreich 1940 für eine dritte und 1944 für eine vierte Amtszeit (zu Beginn der letzteren verstarb er jedoch). Alle anderen Präsidenten hatten sich an Washingtons Vorbild gehalten.
Traditionell dient das Gehalt des Präsidenten, des höchsten Amtsträgers in den Vereinigten Staaten, als Obergrenze für die Bezahlung von Regierungsangestellten. Daher musste 2001, als sich das Gehalt von hohen Beamten dem des Präsidenten immer weiter annäherte, die Entlohnung des Präsidenten angehoben werden, um diese Beamten weiterhin angemessen bezahlen zu können.
Für die heutigen Präsidenten kommen weitere Vorteile hinzu: Sie können im geräumigen Weißen Haus leben und arbeiten. Sie können an Bord der Air Force One und anderer dem Präsidenten zur Verfügung stehender Verkehrsmittel alle Dinge erledigen, die zur Erfüllung ihrer Aufgaben notwendig sind. Dazu gehören etwa eine gepanzerte Limousine und ein Hubschrauber. Ferner steht dem Amtsinhaber der Landsitz des Präsidenten in Camp David zur Verfügung, auf den auch ausländische Würdenträger häufig eingeladen werden.
Der Präsident und seine Familie werden jederzeit vom United States Secret Service beschützt. Bis 1997 stand dieses Privileg auch allen früheren Präsidenten, die nach wie vor mit „Mr. President“ angesprochen werden, und ihren Familien bis zum Tod des Präsidenten zu. Seither gilt dies nur noch für maximal zehn Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt.
Hinzu kommen kleine Privilegien wie ein kostenloses Büro, ein Diplomatenpass und Haushaltsmittel für Bürohilfe und Assistenten. Jedoch erhalten Präsidenten erst seit 1958 eine Pension, nachdem sie das Amt verlassen haben. Seit Herbert Hoovers Präsidentschaft (1929-1933) bauen frühere Präsidenten regelmäßig eine eigene Präsidentenbibliothek auf, die vornehmlich der Bewahrung und Erforschung der Nachlässe der jeweiligen Präsidenten dienen.
Das Oval Office, das Arbeitszimmer des US-Präsidenten, ist im Weißen Haus untergebracht, welches durch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen beschützt wird. Ein Bunker unter dem Weißen Haus schützt den Präsidenten und seinen Stab in Notfällen.
Aufgrund des Wahlmännersystems kann es vorkommen, dass jemand Präsident wird, obwohl sein Gegenkandidat mehr Stimmen erhält:
Präsident Gerald Ford war von 9. April 1974 bis zum 20. Januar 1977 Präsident, ohne je vom amerikanischen Volk als Präsident oder Vizepräsident gewählt worden zu sein. Präsident Richard Nixon nominierte Ford für das Amt des Vizepräsidenten, als Spiro Agnew am 10. Oktober 1973 aufgrund von Korruptionsvorwürfen zurücktrat. Zwei Jahre später rückte Ford zum Präsidentamt auf, als Nixon aufgrund der Watergate-Affäre ebenfalls zurücktrat.
Grover Cleveland ist der einzige Präsident in der Geschichte der USA, dessen zwei Amtszeiten nicht direkt aufeinander folgten: Er war von 1885 bis 1889 und erneut von 1893 bis 1897 Präsident.
George W. Bush ist seit 1820 der erste wiedergewählte Präsident, der auf einen wiedergewählten Präsidenten (Bill Clinton) folgte. 1820 wurde James Monroe wiedergewählt, dessen Vorgänger James Madison ebenfalls wiedergewählt wurde. Zu beachten ist auch, dass James Madisons Vorgänger Thomas Jefferson ebenfalls wiedergewählt wurde. Dies gilt nur unter der Voraussetzung, wenn man beachtet, dass der Vorgänger des wiedergewählten William McKinley Grover Cleveland, der ebenfalls wiedergewählt wurde, zwei getrennte Amtszeiten vorweist. Grover Cleveland wurde 1884 in das Präsidentenamt gewählt. 1888 verlor er es an Benjamin Harrison. 1892 trat Grover Cleveland erneut an, und löste Benjamin Harrison ab. Wenn man dies zum Vorbild nimmt, so war die Wiederwahl von William McKinley die letzte vor George W. Bush, in der zwei wiedergewählte Präsidenten aufeinander folgten. Als erste Frau kandidierte 1872 – lange, bevor Frauen in den USA auf Bundesebene das aktive Wahlrecht hatten – Victoria Woodhull für die Präsidentschaft.
Zum Präsidentenmarsch, der offiziellen Hymne des US-Präsidenten, wurde vom US-Verteidigungsministerium seit 1952 die Komposition Hail to the Chief von Georg Drumm gemacht. Das Lied begleitet den Präsidenten bei fast jedem öffentlichen Auftritt. Der Text wird kaum gesungen.
Viele Präsidenten haben laut Burke's Peerage direkte Verwandschaftsbeziehungen zum britischen Hochadel.
Als Dienstwagen steht dem Präsidenten ein Cadillac DTS der Version 2006 zur Verfügung. Dieses Fahrzeug wird als "Cadillac One" bezeichnet. Allerdings handelt es sich dabei mehr um eine inoffizielle Bezeichnung.
Das Fahrzeug wird dabei von einer Eskorte begleitet, die sich außerhalb von Washington aber innerhalb der Vereinigten Staaten wie folgt zusammensetzt (außerhalb der Vereinigten Staaten kommen je nach Landesprotokoll noch andere Fahrzeuge, z.B. eine Motorradeskorte, hinzu):
Luftfahrzeuge, welche der Vizepräsident verwendet, tragen analoge Rufzeichen: "Air Force Two", "Marine Two" usw.
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