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PotsdamerPlatz Vogelperspektive 2004 2.jpg Der Potsdamer Platz ist eine Verkehrsdrehscheibe im Zentrum Berlins, von der mehrere große Straßen ausgehen.

Geschichte


potsdamerplatz3.jpg Anfang des 19. Jahrhunderts war der Potsdamer Platz nichts weiter als ein fünfeckiger Verkehrsknotenpunkt an der alten Reichsstraße 1, die Ostpreußen mit dem Rheinland verband. Ausgebaut wurde das unmittelbar an den heutigen Platz angrenzende Stadttor Richtung Potsdam in den Jahren 1823 und 1824 von dem königlichen Baumeister Karl Friedrich Schinkel. Das von ihm gestaltete Torhäuschen (Schinckelhäuschen) wurde auch nach dem Abriß der Akzisemauer 1867 beibehalten und prägte mit seiner klassizistischen Architektur den Platz bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

potsdamerplatz2.jpg Durch die Errichtung des Potsdamer Fernbahnhofs im Jahr 1838 wandelte sich der Charakter des nahe des alten Berliner Zentrums gelegenen Platzes Zug um Zug zu einem großstädtischen Umschlagplatz für Menschen und Waren. 1907 kam der westliche Endpunkt von Berlins erster U-Bahn-Linie hinzu. In rascher Folge entstanden Hotels und Gastronomiebetriebe: das "Grand-Hotel Bellevue", das "Palast Hotel", der "Fürstenhof", das "Pschorr-Bräu", der Literaten- und Künstler-Treffpunkt Café Josty sowie das "Haus Potsdam" mit dem bekannten "Café Picadilly". Das an der Ecke Stresemann-/Köthenerstraße gelegene "Café Picadilly" wurde 1914 in Haus Vaterland umbekannt und avancierte, geleitet zunächst von der Ufa, später der Hotelbetreiberfamilie Kepinski, in den 20er-Jahren zu Deutschlands größtem Amüsierpalast. Ein weiteres bekanntes Gebäude am Potsdamer Platz war das Vox-Haus. Es wurde nach dem Ersten Weltkrieg zum Funkhaus umgebaut und war 1923 die Geburtsstätte des deutschen Rundfunks.

potsdamerplatz1.jpg Als zentrumsnaher Dreh- und Angelpunkt entwickelte sich die Gegend um den Potsdamer Platz auch zu einem großstädtischen Amüsierviertel. Während tagsüber hier Angestellte, Sekretärinnen, Geschäftsleute und Touristen flanierten, bestimmten nachts Amüsierwillige, Varietés und Prostitutierte das Bild. Obwohl die Ausübung der Prostitution im kaiserlichen Berlin strengstens untersagt war, entstand seit Beginn des 20. Jahrhunderts rund um den Platz ein veritables Rotlichtmilieu. Verewigt wurde diese Seite des Potsdamer Platzes durch ein bekanntes Gemälde des expressionistischen Künstlers Ernst Ludwig Kirchner ("Potsdamer Platz, 1914"), welches zwei mondän gekleidete Frauen sowie eine Reihe weiterer Personen vor einem Nachtleben-Hintergrund inszeniert.

Geprägt wurde das Bild des Potsdamer Platzes schließlich auch durch eine weitere Neuerung. Aufgrund des großen Verkehrsaufkommens ließ die Berliner Stadtverwaltung 1924 in der Mitte des Platzes einen Signalturm mit einer Ampel erstellen – die erste Ampel Berlins. Technologisch galten Ampeln Ende der 1920er zwar für überholt. Aufgrund seines Reizes als Fotomotiv blieb der Ampelturm jedoch bis zum Ende der Olympischen Spiele 1936 stehen und wurde erst nach deren Ende demontiert. Komplettiert wurde die Reihe moderner, ambitionierter Gebäude rund um den pulsierenden Verkehrsknotenpunkt mit dem 1931/32 nach den Entwürfen von Erich Mendelssohn erbauten Columbushaus.

Bis 1940 war der Potsdamer Platz einer der belebtesten Plätze Europas. Nach den Bombardements der Alliierten im Zweiten Weltkrieg lag er jedoch zur Hälfte in Trümmern. 1953 brannte das Columbushaus nieder. 1961 wurde der Platz durch die Berliner Mauer geteilt und nahezu alle Gebäude wurden abgerissen. Bis zur Öffnung der Mauer im Jahr 1989 fristete er ein recht randständiges Dasein als innerstädtische Brache. Abseits der üblichen Touristenströme besiedelten das auf der Westseite der Mauer gelegene Teil des Areals Imbißbuden, Souvenirgeschäfte für Touristen sowie Podeste, von denen aus man einen Blick in den östlichen Teil der Stadt erhalten konnte.

Der Potsdamer Platz nach 1990


potsdamerplatz5.jpg | PostdamerPlatz_apel.JPG | Train station Berlin Potsdamer Platz.jpg 1990, kurz nach dem Fall der Mauer, führte Roger Waters The Wall auf dem riesigen, noch sandigen Platz auf. Es wurde das bislang größte Konzert in der Geschichte der Rockmusik. Stadtentwicklungstechnisch gesehen stellte sich spätestens seit der Wiedervereinigung die Frage, wie die traditionelle Klammer zwischen dem östlichen und dem westlichen Zentrum Berlins in Zukunft aussehen sollte. Die Veräußerung der Grundstücke an den Automobilkonzern Daimler-Chrysler seitens des Berliner Senats erfolgte sehr rasch. Unter dem Bausenator Hans Stimmann wurde eine komplett neue städtebauliche Anlage durchgesetzt, die im Stil der Internationalen Moderne gehalten sein sollte. Die so realisierte Anlage soll der von Stimmann so bezeichneten „europäischen Stadt“ und dem Begriff einer „kritischen Rekonstruktion“ entsprechen. Das Konzept einer "City für das 21. Jahrhundert" fand nicht nur Zustimmung, sondern zog auch Kritik auf sich. Kritisiert wurde zum einen die Schnelle der Veräußerung, zum zweiten die Aufgabe eigenen städtischen Planungswillens und zum dritten die Tatsache, daß die Investoren die Straßen und Plätze nicht nur errichteten, sondern durch den Eigentumserwerb auch das Hausrecht in einem öffentlich zugänglichen Stadtterrain erwarben. Befürworter hingegen wiesen auf die angespannte Berliner Finanzlage hin und argumentierten, daß die Neugestaltung der riesigen Brachfläche letztlich nur durch einen kühnen Wurf aus einem Guß möglich sei.

Während der 1990er Jahre mutierte der Potsdamer Platz zur "größten Baustelle Europas". Von einem als Info-Box bezeichneten Aussichts-Container auf dem gegenüber liegenden Leipziger Platz konnten Einheimische und Touristen den Fortschritt der Bauarbeiten beobachten. Grob eingeteilt entstanden auf der an den ehemaligen Potsdamer Platz angrenzenden Brache vier unterschiedliche Komplexe. Das nordwestliche, zwischen der neuerbauten Entlastungsstraße und dem (neuen) Potsdamer Platz liegende, 27.000 Quadratmeter umfassende Gelände von Sony wurde vom dem US-Amerikaner Helmut Jahn gestaltet. Untergebracht sind in dem dreieckigen Areal Cafés, ein IMAX-Kino, ein Filmmuseum, Räume für "Deutsche Mediathek", Appartements, Büros sowie die europäische Sony-Zentrale, die in einem eigenen, 26-stöckigen Hochhaus, dem Sony-Center angesiedelt ist. Richtung (neuer) Potsdamer Platz endet das Sony-Arreal mit dem Sitz der Holding der Deutschen Bahn in Berlin, dem BahnTower.

Südlich daran an schließt sich das Gelände von DaimlerChrysler, mit rund 70.000 Quadratmeter der beherrschende Gebäudekomplex am (neuen) Potsdamer Platz. Unter anderem steht hier das von dem italienischen Stararchitekten Renzo Piano entworfene debis-Haus, Hauptsitz der DaimlerChrysler-Dienstleistungstochter debis und erkennbar an dem markanten Grünen Würfel auf seiner Spitze. Direkt gegenüber dem Sony-Gelände befindet sich ein weiteres markantes Hochhaus, der von Hans Kollhoff im New Yorker Backsteinstil entworfene, 101 Meter hohe Kollhoff-Tower. Laut Eigenaussage enthält er den schnellsten Fahrstuhl Europas und ermöglicht von der oben liegenden Dachterrasse einen guten Überblick über den neuen Potsdamer Platz. Auch die restliche Architektur weist teilweise mediterreane Stilzitate auf. Mittelpunkt des Daimler-Areals ist der im Westen gelegene Marlene-Dietrich-Platz. Um ihn herum angesiedelt sind: das Stella-Musical-Theater, ein IMAX-Kino, ein Spielcasino, das Luxushotel Hyatt-Regency sowie Varietébühnen und Restaurants.

Zwei kleinere Baueinheiten komplettieren die Neubebauung der ehemaligen Brache: im Norden das zwischen Sony Center und Tiergarten gelegene Beisheim-Areal mit Hotels wie dem Marriott und dem The Ritz-Carlton Berlin, im Osten die Park Kolonnaden – fünf vorwiegend für Büroraum verplante Gebäude, die von den beiden Areals von Sony und DaimlerChrysler durch eine baumlose Wiesenfläche namens Tilla-Durieux-Park abgegrenzt sind. In den Gesamtkomplex integriert sind auch die beiden einzigen übrig gebliebenen Altbauten: Das ehemalige Weinhaus Huth auf dem Daimler-Gelände ist mittlerweile ein Restaurant. Die Überreste des alten Hotels Esplanade schließlich wurden in den Sony-Gebäudekomplex mit eingebaut.

Obwohl Firmen-Hochhäuser, Geschäfts- und Bürobauten das Bild am neuen Potsdamer Platz bestimmen, ist perspektivisch eine Wohnfläche von 20 Prozent vorgesehen. Hochgerechnet heißt dies, daß hier einmal 20.000 Menschen wohnen sollen. Aufgrund des Reißbrettentwurfs befürchten Kritiker, daß hier letztlich eine "Stadt in der Stadt" entsteht. Angemerkt wird bei aller Geschäftigkeit, daß sonst zum metropolitanen Straßenbild dazugehörende Personengruppen wie etwa Obdachlose, Punks oder auch Straßenmusiker am Potsdamer Platz nicht anzutreffen sind und das Ganze so einen sehr synthetischen, künstlichen Charakter aufweise.

Zögerlichen Einzug in die lange verödete Berliner Mitte hält mittlerweile auch die Kultur. Ein wesentlicher Meilenstein war die Eröffnung der Berlinale 2000 im Sony Center. Zumindest Teile des Areals werden mittlerweile von Einheimischen wie Touristen rege frequentiert; der Komplex hat sich zur fünftwichtigsten Kaufadresse der Hauptstadt entwickelt. Sogar Skeptiker räumen mittlerweile ein, daß durch die Neubebauung zumindest das Leben wieder zurückgekehrt ist an den Potsdamer Platz.

Der rote Info-Container wurde nach Ende der Neubebauung im Jahr 2001 demontiert. Ein ähnliches Bebauungskonzept ist nunmehr auch für den östlich an den Potsdamer Platz anschließenden und weitgehend ebenfalls brach liegenden Leipziger Platz vorgesehen.

Umgebung


Im Westen liegt der Bereich des Kulturforum Berlin mit einigen der wichtigsten Berliner Museen, darunter die Neue Nationalgalerie und die Gemäldegalerie. Außerdem befindet sich hier die Berliner Philharmonie und die zur Staatsbibliothek zu Berlin gehörige Neue Staatsbibliothek (Stabi). Der Verlauf der Berliner Mauer wird seit einigen Jahren durch in den Boden eingelassene Pflastersteine gekennzeichnet. Östlich des Potsdamer Platzes liegt das Oktogon vom Leipziger Platz. In der näheren Umgebung befinden sich das Gebäude des Bundesrats, das Areal des Denkmals für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal), das Brandenburger Tor, das Musikinstrumentenmuseum sowie der Martin-Gropius-Bau. Bis zum April 2005 gab es in der Nähe des Potsdamer Platzes die Möglichkeit die Diskotheken Tresor sowie bis 1997 das E-Werk, beides Geburtsstätten des Techno in Deutschland, zu besuchen.

Siehe auch: Leipziger Platz

Verkehrsanbindung


Am Bahnhof Potsdamer Platz halten unterirdisch die S-Bahn, Regionalzüge, sowie die U-Bahnlinie U2. Über zahlreiche Buslinien ist der Platz ebenfalls zu erreichen.

Literatur


Die drei letzten aufgeführten Titel sind Reiseführer, die ganz Berlin behandeln, jedoch auch zum Potsdamer Platz viele Infos enthalten.
  • Joachim Fischer und Michael Makropoulos (Hrsg.): Potsdamer Platz. Soziologische Theorien zu einem Ort der Moderne. Wilhelm Fink Verlag, München 2004. ISBN: 3770537084.
  • Andreas Muhs und Heinrich Wefing: Der Neue Potsdamer Platz, Ein Kunststück Stadt. be.bra verlag, Berlin-Brandenburg 1998. ISBN: 3930863421.
  • Wolf Thieme: Das letzte Haus am Potsdamer Platz, Eine Berliner Chronik. Rasch und Röhring Verlag, Hamburg 1988.
  • Gudrun Maurer: Berlin & Umgebung. 520 Seiten, Michael Müller Verlag, Erlangen. ISBN: 3-923278-85-3.
  • Hinnerk Dreppenstadt, Klaus Esche (Hrsg.): Ganz Berlin. Spaziergänge durch die Hauptstadt. 512 Seiten, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004. ISBN: 3-89479-139-X.
  • Kristine Jaath: Hauptstadt Berlin. Stadtführer. Ca. 390 Seiten, Reise Know-How Verlag Peter Rump, Bielefeld 2001. ISBN: 3-89416-888-9.

Galerie


Bild:Potsdamer Platz - BahnTower, 20060603 1.jpg|Bahn-Tower Bild:Potsdamer Platz - Kollhoff-Tower, 20060603.jpg|Kollhoff-Tower Bild:Berlin Ampel.jpg|Nachbau der ersten Ampel auf dem Potsdamer Platz, eine der ersten Ampeln überhaupt in Deutschland. Bild:PotsdamerPlatz_Vogelperspektive_2004_1.jpg|Blick über die Sony- und DaimlerChrysler-Quartiere, 2004

Weblinks


Platz in Berlin | Architektur von Piano, Renzo

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