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Potosí ist eine Stadt im südlichen Zentral-Bolivien. Sie ist die Hauptstadt des gleichnamigen Departamentos und hat 132.966 Einwohner. Im 17. Jahrhundert war Potosí mit etwa 150.000 Einwohner die zweitgrößte Stadt der Welt nach London. Sie liegt am Fuß des Berges Cerro Rico, von dessen Silber- und Zinnvorkommen die Stadt noch heute abhängig ist.

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Lage und Geografie


Potosí liegt zwischen 3.976 m und 4.070 m Seehöhe auf der Hochebene des Altiplano, in einer kargen, steppenhaften Gegend. Die Stadt gilt als die höchstgelegene Großstadt der Welt. Das Klima ist den sogenannten Kalttropen zuzurechnen: Die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten sind wegen der hohen Lage und dem trockenen Klima deutlich geringer als die zwischen Tag und Nacht (normalerweise zwischen 15 ° C und 25 °C Unterschied), man findet also meist angenehm warme Tagestemperaturen, in der Nacht aber Werte, die selbst im Sommer um den Nullpunkt liegen. Potosí hat eine markante Regenzeit im Sommer, während der Wintermonate herrscht dagegen oft Wassermangel.

Geschichte


Schon die Inka hatten am Cerro Rico Silber fördern lassen. Egas de Guzmán errichtet 1533 eine blutige Tyrannei am Cerro Rico. Am 10. April 1545 als Bergbausiedlung gegründet, erreicht es bald eine sagenhafte Blüte. Schon 1553 wird es deshalb zur Villa Imperial, zur Reichsstadt. Es war die Hauptquelle des spanischen Silbers mit bedeutender Münzprägung (heute noch ist die Casa de la Moneda zu besichtigen). Mit dem Bau der Casa Real de la Moneda, der königlichen Münze wurde 1572 begonnen. Die spanischen Kolonialisatoren holten riesige Edelmetallmengen aus der Mine, die sie in die ganze Welt verschifften. Als Konsequenz des vergrößerten Angebots kam es zu einer deutlichen Verringerung des Silberwerts unter anderem in China und Europa. Diese ging als „Preisrevolution“, bzw. als Silber-Inflation des 16. Jahrhunderts in die Geschichte ein. Die Beobachtung von sinkenden Geldwerten führte zur wichtigen inflationstheoretischen Entwicklung der Quantitätstheorie des Geldes, die noch heute eine wichtige Rolle in den Überlegungen der Geldpolitik spielt.

Der Reichtum der Mine spülte ungeheure Menschenmassen in die unwirtliche Hochgebirgssteppe um den Cerro Rico. Gegen 1611 ist Potosí mit 120.000 bis 150.000 Einwohnern nach London zur größten Stadt der Welt aufgestiegen, obwohl nur ca. 13.500 Menschen unter Tage Silber fördern. Denn da in der kargen, kalten, feuchten Umgebung der Puna auf 4.000 m über NN keine Landwirtschaft möglich ist und eine relativ kaufkräftige große Einwohnerzahl versorgt werden musste, entstand eine völlig andersartige Sozialstruktur: Der größte Teil der Bevölkerung beschäftigte sich mit dem Heranschaffen und Handeln von Lebensmitteln und anderen Gütern, wie Bau- und Brennholz, Schwarzpulver, Coca und dem Abtransport des Silbers auf weite Distanzen.

Während des Unabhängigkeitskrieges 1809 bis 1825 gelangte Potosí mal in die Hände der Kolonialarmee, mal in den Händen der patriotischen Befreiungsarmee. Schwere Fehler der Ersten Argentinischen Unterstützungsarmee unter dem Kommando von Castelli bewirkten eine rückläufiges Verständnis für die Notwendigkeit der Unabhängigkeit und förderten Ressentiments gegen die Argentinier. Während dieser Besetzung griffen Anarchie und Gewaltexzesse um sich, so dass die Zustände in Potosí so verworren wurden, dass die Stadt nicht mehr zu verteidigen war.

Als die Zweite Unterstützungsarmee eintraf, wurde sie gut empfangen und ihr Kommandant Belgrano unternahm Einiges, um die Wunden zu heilen, die das tyrannische Verhalten Castellis hervorgerufen hatte. Als die Armee gezwungen war sich zurückzuziehen, traf Belgrano die kalkulierte Entscheidung, die Casa de la Moneda zu sprengen. Die Ablehnung der örtlichen Verantwortlichen, die Casa de la Moneda zu evakuieren, hätte viele Verletzte zur Folge gehabt, aber die Zündschnur war bereits entzündet. Das Desaster wurde nicht durch die Argentinier abgewendet, die bereits auf der Flucht waren, sondern durch örtliche Kräfte, die die Zündschnur löschten. Mit einem Schlag waren die freundlichen Beziehungen, die Belgrano mühsam aufgebaut hatte, wieder zerstört. Zwei oder mehr Expeditionen der Argentinier waren nötig, um von Potosí wieder Besitz zu ergreifen.

Symbolwert

Obwohl die mexikanischen Silbervorkommen 1548 in Guanajuato, 1549 in Taco, 1551 in Pachuca, 1555 in Sombrerete, 1563 in Durango, 1569 in Fresnillo und 1600 in Zacatecas zusammen mehr als Potosí förderten, konnten sie sich nicht mit der größten Silbermine des Spanischen Reichs Potosí messen.

Potosí war jahrhundertelang ein Synonym für Reichtum. Im Spanischen gibt es immer noch die Redensart vale un Potosí für: „Es ist ein Vermögen wert“. Nach 1800 erschöpfte sich das Silber allmählich, stattdessen wurde Zinn das Hauptprodukt. Dies führte zu einem langsamen wirtschaftlichen Niedergang, der so gut wie das ganze Land erfasste. Doch noch heute schuften die mineros, die Bergleute unter haarstreubenden Sicherheits- und Umweltbedingungen Silber und Zinn in Genossenschaften. Auch heute (2005) noch arbeiten fast 6.500 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 16 Jahren unter unerträglichen Arbeitsbedingungen im Bereich des Cerro Rico, im Silber- und Zink- und Bleibergbau oder auf den Abraumhalden und den unterschiedlichsten Dienstleistungen. Mindestens 800 von ihnen sind täglich bis zu 10 Stunden unter Tage für etwa 4 US Dollar Lohn ohne Arbeitsvertag tätig. Förderten die Spanier vorwiegend durch Schwarzpulver und Knochenarbeit, so ist es heute Dynamit, Hydroglycerin und Amoniumnitrat, mit dem die Bergleute den Silberadern folgen. Pressluft und Hydraulik sind noch heute genausowenig gebräuchlich, wie seinerzeit Pferde- oder Maultierarbeit: Die niedrigen, verwinkelten Gänge ohne Beleuchtung, nennenswerte Stützen, Schienen, Frischluftversorgung durch Wetterschächte, die laufenden Sprengungen, die den Berg ständig erzittern lassen oder die vertikalen Schächte ohne Förderkörbe oder Abdeckungen hätten den Einsatz von Pferden oder Mulis unter Tage einfach unmöglich gemacht. Die durchschnittliche Lebenserwartung der mineros in Potosi liegt bei 38 Jahren.

Menschliche Kosten des Reichtums

Die indianischen Zwangsarbeiter, die vielfach nicht aus dem Hochgebirge stammten, kamen zu Tausenden in den Minen zu Tode. Sie werden trotz der dünnen Luft des Hochgebirges zu Höchstleistungen unter riskanten Bedingungen angetrieben. Der Verlust von Menschenleben wurde nicht unbedingt von der Krone und vom Vizekönig, aber von der spanischen Bürokratie, die die jährlichen Fördermengen und Ablieferungen nach Sevilla zu leisten hatte, in Kauf genommen. Wie hoch die menschlichen Verluste tatsächlich waren, ist ein in der Wissenschaft umstrittenes Thema, denn weder die Zahlen der indigenen Bevölkerung vor, noch bei Eroberungsbeginn sind bekannt. Nicolás Sánchez Albornoz und Ruggerio Romano weisen daher auf starke Schwankungen bei der Berechnungen des demografischen Rückgangs hin. Im Rahmen dieser Diskussion entwickelte sich die so genannte leyenda negra über viele Mio. toter Minenarbeitern. So veranschlagt Eduardo Galeano "8 Mio. Leichen von Indianern" als die Kosten des Silberbergbaus... Der spanische Versuch, schwarze Sklaven einzuführen, scheiterte an der sauerstoffarmen Höhenluft. Die meisten starben, bevor sie Untertage eingesetzt wurden. Der Vizekönig von Perú Graf Lemos schreibt 1699 nach einem Besuch des Bergwerks an den Indienrat: "Nach Spanien wird nicht Silber, sondern Indianerblut und Indianerschweiß verschifft". 1719 rafft der Typhus allein in Potosí 22.000 Menschen in 10 Monaten dahin.

1952 wird der Bergbau während der Regierungszeit des Movimiemto National Revolucionario (Movimiento Libre) MNR von Víctor Paz Estenssoro verstaatlicht und die Corporación Minera de Bolivia gegründet.

Die Spekulation und ihre Folgen

Die Brüder Herbert Hunt und Nelson Bunker Hunt begannen in den 70er Jahren Silber sowohl physisch, als auch an der Börse auf Termin zu kaufen. Da sie eine Milliardenschwere US$-Erbschaft und reiche texanische Ölquellen besaßen, verfügten sie über die notwendigen Mittel, um gleichzeitig über Mittelsmänner durch ihre eigenen Kaufgebote immer mehr den Silberpreis zu steigern: Er stieg von 6 US$ auf 50 US$ pro Unze. Im Januar 1980 änderte die Aufsicht der Warenterminbörse in New York über Nacht die Regeln: es wurden nur noch Verkaufsaufträge abgewickelt, was zwangsläufig den Preis zum kollabieren brachte. Dabei wird vermutet, daß die hinter der Börsenaufsicht stehenden mächtigen Großbanken sich kurz vorher noch massiv mit Short-Positionen eingedeckt haben (Short-Positionen sind Spekulationen auf fallende Preise) und an dem von ihnen ausgelösten Preis-Sturz Milliarden Dollar verdienten. Der Preis für Silber an den Warenterminbörsen verfiel dramatisch. Zahllose Bergleute in Potosí und anderen Silberbergwerken wurden über Nacht arbeitslos. Auch der ohnehin hochverschuldete bolivianische Staat konnte unter dem Druck des IWF und der Weltbank nichts Wesentliches zur Entschärfung beitragen. 1985 übernahmen 45 Kooperativen die Schürfrechte im Cerro Rico. Noch 1989 betrug die Kindersterblichkeitsrate bis zum 5. Lebensjahr 135 pro 1.000, die Analphabetenquote 30 %, erhielten nur 48 % ihr Trinkwasser aus einer Wasserleitung (obwohl in der kargen Höhe von Potosí Brunnen und Quellen eine Seltenheit sind), verfügten 38 % über Elektrizität! Durch den stark rückläufigen Bergbau sind die ursprünglich für seinen Transport gebauten Bolivianischen Eisenbahnen, die von der Puna an die chilenische Küste führten, unrentabel geworden. Der Staat verkaufte auch sie an Privatunternehmen, die sie nach vergeblichen Sanierungsversuchen nach und nach stilllegten.

siehe auch: Minero

Sehenswürdigkeiten


Potosi2.jpg Das Zentrum von Potosí ist durchgehend im Kolonialstil gehalten und stammt fast vollständig aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Bauten, die zu den aufwändigsten und prächtigsten der Welt zählen, werden nach wie vor gut imstande gehalten und sind eine der größten Touristenattraktionen der Stadt. Die bekanntesten sind das Kloster Santa Teresa, , die Kathedrale an der zentralen Plaza 10 de Noviembre, und die Casa Real de Moneda (das Königliche Schatzhaus), die auch ein Museum beherbergt. Weiterhin sehenswert sind die barocken Kirchen, unter anderem La Compañía, San Francisco, San Lorenzo und San Martín.

Ebenfalls sehenswert: Die unweit der Stadt gelegenen heißen Quellen an der Vulkanlagune in Tarapaya, auch "el ojo del Inca" - das Inkaauge - genannt.

Die Peripherie der Stadt, insbesondere die nahe des Cerro Rico gelegenen Viertel, ist dagegen ärmlich und uniform von der Adobe-Bauweise geprägt. Wirkliche Elendsviertel gibt es jedoch keine.

Wirtschaft


Bergmann-bolivien.jpg Der Haupteinkommenszweig von Potosí ist weiterhin der Bergbau am Cerro Rico. Abgebaut werden hauptsächlich Zinn, Kupfer und Silber. Berüchtigt sind nach wie vor die Arbeitsbedingungen in den Minen, die sich auf einem niedrigen Technologie- und Sicherheitsniveau befinden und nicht selten zu schweren Gesundheitsschäden (z.B. Staublunge) bei den Arbeitern führen. Weiterhin gibt es in der Stadt etwas Industrie (Metallverarbeitung, Textilindustrie) sowie Dienstleistungsgewerbe. Auf dem aufsteigenden Ast ist der Tourismus, da nicht nur die Minen und die Bauwerke im Zentrum, sondern auch mehrere Berge in der Umgebung sowie Thermalquellen für Besucher attraktiv sind. Dennoch gilt Potosí nach wie vor nicht als Boomtown, sondern eher als relativ arme Stadt in Bolivien.

siehe: Minero

Kultur


Potosí besitzt trotz seiner relativ geringen Größe ein reges Kultur- und Nachtleben, es hat mehrere Theater und Kunstgalerien sowie eine beachtliche Anzahl von Diskotheken, Folklore-Peñas und Pubs. Weiterhin besitzt Potosí eine Universität, die auch ein Museum beherbergt.

Verkehr


Potosí liegt an einer Nebenroute des Panamericana-Netzwerks, das die Stadt mit Tupiza, Tarija, Villazón und der Grenze zu Argentinien im Süden sowie mit Sucre und La Paz im Norden verbindet. Busverbindungen gibt es in alle wichtigen Großstädte Boliviens sowie in den vor allem von ausländischen Touristen besuchten Ferienort Uyuni. Es ist zwar ans bolivianische Eisenbahnnetz angeschlossen, eine Passagierverbindung besteht aber derzeit nicht. Einen Flughafen ohne Passagierbetrieb besitzt Potosí ebenfalls, der nahegelegenste (und gelegentlich auch funktionierende) Flughafen ist der von Sucre (175 km nördlich).

Weblinks


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