Potosí ist eine Stadt im südlichen Zentral-Bolivien. Sie ist die Hauptstadt des gleichnamigen Departamentos und hat 132.966 Einwohner. Im 17. Jahrhundert war Potosí mit etwa 150.000 Einwohner die zweitgrößte Stadt der Welt nach London. Sie liegt am Fuß des Berges Cerro Rico, von dessen Silber- und Zinnvorkommen die Stadt noch heute abhängig ist.
Potosí liegt zwischen 3.976 m und 4.070 m Seehöhe auf der Hochebene des Altiplano, in einer kargen, steppenhaften Gegend. Die Stadt gilt als die höchstgelegene Großstadt der Welt. Das Klima ist den sogenannten Kalttropen zuzurechnen: Die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten sind wegen der hohen Lage und dem trockenen Klima deutlich geringer als die zwischen Tag und Nacht (normalerweise zwischen 15 ° C und 25 °C Unterschied), man findet also meist angenehm warme Tagestemperaturen, in der Nacht aber Werte, die selbst im Sommer um den Nullpunkt liegen. Potosí hat eine markante Regenzeit im Sommer, während der Wintermonate herrscht dagegen oft Wassermangel.
Der Reichtum der Mine spülte ungeheure Menschenmassen in die unwirtliche Hochgebirgssteppe um den Cerro Rico. Gegen 1611 ist Potosí mit 120.000 bis 150.000 Einwohnern nach London zur größten Stadt der Welt aufgestiegen, obwohl nur ca. 13.500 Menschen unter Tage Silber fördern. Denn da in der kargen, kalten, feuchten Umgebung der Puna auf 4.000 m über NN keine Landwirtschaft möglich ist und eine relativ kaufkräftige große Einwohnerzahl versorgt werden musste, entstand eine völlig andersartige Sozialstruktur: Der größte Teil der Bevölkerung beschäftigte sich mit dem Heranschaffen und Handeln von Lebensmitteln und anderen Gütern, wie Bau- und Brennholz, Schwarzpulver, Coca und dem Abtransport des Silbers auf weite Distanzen.
Während des Unabhängigkeitskrieges 1809 bis 1825 gelangte Potosí mal in die Hände der Kolonialarmee, mal in den Händen der patriotischen Befreiungsarmee. Schwere Fehler der Ersten Argentinischen Unterstützungsarmee unter dem Kommando von Castelli bewirkten eine rückläufiges Verständnis für die Notwendigkeit der Unabhängigkeit und förderten Ressentiments gegen die Argentinier. Während dieser Besetzung griffen Anarchie und Gewaltexzesse um sich, so dass die Zustände in Potosí so verworren wurden, dass die Stadt nicht mehr zu verteidigen war.
Als die Zweite Unterstützungsarmee eintraf, wurde sie gut empfangen und ihr Kommandant Belgrano unternahm Einiges, um die Wunden zu heilen, die das tyrannische Verhalten Castellis hervorgerufen hatte. Als die Armee gezwungen war sich zurückzuziehen, traf Belgrano die kalkulierte Entscheidung, die Casa de la Moneda zu sprengen. Die Ablehnung der örtlichen Verantwortlichen, die Casa de la Moneda zu evakuieren, hätte viele Verletzte zur Folge gehabt, aber die Zündschnur war bereits entzündet. Das Desaster wurde nicht durch die Argentinier abgewendet, die bereits auf der Flucht waren, sondern durch örtliche Kräfte, die die Zündschnur löschten. Mit einem Schlag waren die freundlichen Beziehungen, die Belgrano mühsam aufgebaut hatte, wieder zerstört. Zwei oder mehr Expeditionen der Argentinier waren nötig, um von Potosí wieder Besitz zu ergreifen.
Potosí war jahrhundertelang ein Synonym für Reichtum. Im Spanischen gibt es immer noch die Redensart vale un Potosí für: „Es ist ein Vermögen wert“. Nach 1800 erschöpfte sich das Silber allmählich, stattdessen wurde Zinn das Hauptprodukt. Dies führte zu einem langsamen wirtschaftlichen Niedergang, der so gut wie das ganze Land erfasste. Doch noch heute schuften die mineros, die Bergleute unter haarstreubenden Sicherheits- und Umweltbedingungen Silber und Zinn in Genossenschaften. Auch heute (2005) noch arbeiten fast 6.500 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 16 Jahren unter unerträglichen Arbeitsbedingungen im Bereich des Cerro Rico, im Silber- und Zink- und Bleibergbau oder auf den Abraumhalden und den unterschiedlichsten Dienstleistungen. Mindestens 800 von ihnen sind täglich bis zu 10 Stunden unter Tage für etwa 4 US Dollar Lohn ohne Arbeitsvertag tätig. Förderten die Spanier vorwiegend durch Schwarzpulver und Knochenarbeit, so ist es heute Dynamit, Hydroglycerin und Amoniumnitrat, mit dem die Bergleute den Silberadern folgen. Pressluft und Hydraulik sind noch heute genausowenig gebräuchlich, wie seinerzeit Pferde- oder Maultierarbeit: Die niedrigen, verwinkelten Gänge ohne Beleuchtung, nennenswerte Stützen, Schienen, Frischluftversorgung durch Wetterschächte, die laufenden Sprengungen, die den Berg ständig erzittern lassen oder die vertikalen Schächte ohne Förderkörbe oder Abdeckungen hätten den Einsatz von Pferden oder Mulis unter Tage einfach unmöglich gemacht. Die durchschnittliche Lebenserwartung der mineros in Potosi liegt bei 38 Jahren.
1952 wird der Bergbau während der Regierungszeit des Movimiemto National Revolucionario (Movimiento Libre) MNR von Víctor Paz Estenssoro verstaatlicht und die Corporación Minera de Bolivia gegründet.
siehe auch: Minero
Ebenfalls sehenswert: Die unweit der Stadt gelegenen heißen Quellen an der Vulkanlagune in Tarapaya, auch "el ojo del Inca" - das Inkaauge - genannt.
Die Peripherie der Stadt, insbesondere die nahe des Cerro Rico gelegenen Viertel, ist dagegen ärmlich und uniform von der Adobe-Bauweise geprägt. Wirkliche Elendsviertel gibt es jedoch keine.
Bergmann-bolivien.jpg Der Haupteinkommenszweig von Potosí ist weiterhin der Bergbau am Cerro Rico. Abgebaut werden hauptsächlich Zinn, Kupfer und Silber. Berüchtigt sind nach wie vor die Arbeitsbedingungen in den Minen, die sich auf einem niedrigen Technologie- und Sicherheitsniveau befinden und nicht selten zu schweren Gesundheitsschäden (z.B. Staublunge) bei den Arbeitern führen. Weiterhin gibt es in der Stadt etwas Industrie (Metallverarbeitung, Textilindustrie) sowie Dienstleistungsgewerbe. Auf dem aufsteigenden Ast ist der Tourismus, da nicht nur die Minen und die Bauwerke im Zentrum, sondern auch mehrere Berge in der Umgebung sowie Thermalquellen für Besucher attraktiv sind. Dennoch gilt Potosí nach wie vor nicht als Boomtown, sondern eher als relativ arme Stadt in Bolivien.
siehe: Minero
Potosí besitzt trotz seiner relativ geringen Größe ein reges Kultur- und Nachtleben, es hat mehrere Theater und Kunstgalerien sowie eine beachtliche Anzahl von Diskotheken, Folklore-Peñas und Pubs. Weiterhin besitzt Potosí eine Universität, die auch ein Museum beherbergt.
Potosí liegt an einer Nebenroute des Panamericana-Netzwerks, das die Stadt mit Tupiza, Tarija, Villazón und der Grenze zu Argentinien im Süden sowie mit Sucre und La Paz im Norden verbindet. Busverbindungen gibt es in alle wichtigen Großstädte Boliviens sowie in den vor allem von ausländischen Touristen besuchten Ferienort Uyuni. Es ist zwar ans bolivianische Eisenbahnnetz angeschlossen, eine Passagierverbindung besteht aber derzeit nicht. Einen Flughafen ohne Passagierbetrieb besitzt Potosí ebenfalls, der nahegelegenste (und gelegentlich auch funktionierende) Flughafen ist der von Sucre (175 km nördlich).
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