Potenzenplus.png Potenzenminus.png
Das Potenzieren ist wie das Multiplizieren seinem Ursprung nach zunächst eine abkürzende Schreibweise für eine wiederholte mathematische Rechenoperation. Wie beim Multiplizieren ein Summand wiederholt addiert wird, so wird beim Potenzieren ein Faktor immer wieder mit dem vorherigen Ergebnis multipliziert:
nennt man die Basis (Grundzahl) und den Exponenten (Hochzahl). Das Ergebnis ist die Potenz. Hierbei ist eine reelle und – nach obiger Definition vorläufig – eine natürliche Zahl. Ist , so wird festgelegt. Mit analytischen Methoden kann man im Fall positiver Basis Potenzen mit beliebigem reellem Exponenten definieren.
Für eine reelle Zahl und eine natürliche Zahl wird definiert
Sind und ganze Zahlen (), sowie eine positive, reelle Zahl, dann definiert man:
Wenn man Wurzeln aus negativen Zahlen mit ungeraden Exponenten zulässt, kann die Definition auf negative Basen und rationale Exponenten erweitern, wenn der Nenner des Exponenten ungerade ist. Dann gilt beispielsweise . Das Potenzgesetz gilt dann jedoch nur noch, wenn der Nenner von ebenfalls ungerade ist, z. B. ist
Für negative Basen ist diese Funktion aber unstetig; beispielsweise ist aber . Eine stetige Fortsetzung auf die reellen Zahlen ist also nur für positive Basen möglich.
Für positive reelle Zahlen ist die Funktion , stetig und lässt sich auf die reellen Zahlen fortsetzen; das Potenzieren mit beliebigen reellen Exponenten lässt sich als diese stetige Fortsetzung oder äquivalent als
definieren. Dabei ist die Exponentialfunktion und der natürliche Logarithmus.
| für alle (Anmerkungen zu "Null hoch Null" siehe unten) | |
| für und beliebige ganze Zahlen ; oder | |
| für positive und alle . | |
| für alle und nichtnegative ganze Zahlen und ; oder | |
| für alle und beliebige ganze Zahlen und ; oder | |
| für positive und alle und . | |
| für alle und beliebige ganze Zahlen und ; oder | |
| für positive und alle und . | |
| für alle und nichtnegative ganze Zahlen und ; oder | |
| für alle und beliebige ganze Zahlen und ; oder | |
| für positive und beliebige reelle Zahlen und . | |
| Man beachte: Die vorstehende Regel ist beispielsweise für , und nicht anwendbar, obwohl keine undefinierten Ausdrücke auftreten: | |
| für alle und nichtnegative ganze Zahlen ; oder | |
| für alle und beliebige ganze Zahlen ; oder | |
| für positive und alle . | |
| für alle und beliebige ganze Zahlen ; oder | |
| für positive und alle . | |
Das Potenzieren ist weder kommutativ, denn beispielsweise gilt , noch assoziativ, denn beispielsweise gilt .
Die Schreibweise ohne Klammern bedeutet .
Ist mit reellen Zahlen , , und , dann gilt für ganze Zahlen
Insbesondere gilt
Potenzen beliebiger komplexer Zahlen mit beliebigen reellen oder sogar komplexen Exponenten lassen sich zwar durch die Formel definieren. Es gibt dabei jedoch Probleme, weil der Logarithmus keine eindeutig bestimmte Fortsetzung auf ganz besitzt. Für positive reelle Basen gibt es diese Probleme jedoch nicht (s. Anm. 1 unten), und es gilt beispielsweise
Anm. 1: Für den (komplexen) Logarithmus einer positiven reellen Basis gibt es viele Werte, die sich jeweils um unterscheiden. Es kommt auf den Exponenten an: Ist er rational, so gibt es so viele Wurzeln, wie der ganzzahlige Nenner angibt. Z. B. gibt es bei einem Exponenten 1/4 vier (komplexe) Wurzeln:
oder oder oder
Im alltäglichen Leben werden die Zehnerpotenzen, also die Potenzen mit der Basis 10 (das sind 1, 10, 100, 1000, ...) wohl am häufigsten verwendet. Sie bilden die Grundlage unseres Zahlensystems, des Dezimalsystems.
Zur digitalen Verarbeitung von Daten am Computer wird das Dualsystem mit der Basis 2 verwendet. Die Größeneinheiten digitaler Speichersysteme sind daher die Zweierpotenzen, also die Potenzen zur Basis 2 (das sind 1, 2, 4, 8, 16, ...). Ein Kilobyte (abgekürzt KB) entspricht Bytes.
Für die Mathematik besonders wichtig sind die Potenzen mit der Basis , der so genannten Eulerschen Zahl.
Zweierpotenzen entsprechen dem Prozess der wiederholten Verdoppelung. Das Anwachsen dieser Zahlenfolge überrascht bei Praxisbeispielen oft.
Beispiel 1: Ein Blatt Papier lässt sich nur etwa 7 Mal auf die halbe Größe falten. Es hat dann 128 Lagen. Wenn man es (theoretisch) 42 Mal falten könnte, entspräche seine Dicke der Entfernung von der Erde zum Mond.
Beispiel 2: Jeder Mensch hat zwei biologische Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern, usw. Verfolgt man diesen Ahnenbaum 70 Generationen zurück (ins Jahr Christi Geburt), so stammt jeder heutige Mensch von Menschen aus dieser Zeit ab, was weit mehr als die damalige Weltbevölkerung ist.
Beispiel 3: Die Legende vom Erfinder des Schachspiels, der auf jedem Feld des Schachbrettes die Anzahl der Weizenkörner verdoppelte: Weizenkornlegende.
Bei Schneeballsystemen, z.B. so genannten Schenkkreisen, werden zum Teil Systeme gestartet, die nicht nur eine Verdoppelung, sondern z.B. eine Verachtfachung der neuen Mitglieder pro Schritt vorsehen. Solche Folgen wachsen derart schnell an, dass die Systeme bereits nach wenigen Schritten zwangsläufig kollabieren.
1833 veröffentlichte Guillaume Libri eine Arbeit, in der er wenig überzeugende Argumente für präsentierte, die in der Folge kontrovers diskutiert wurden. Zur Verteidigung von Libri veröffentlichte August Ferdinand Möbius einen Beweis seines Lehrers Johann Friedrich Pfaff, der im Wesentlichen zeigte, dass , und einen angeblichen Beweis für falls . Dieser Beweis wurde durch das Gegenbeispiel und rasch widerlegt. In der Folge verstummte die Kontroverse und in Analysislehrbüchern verbreitete sich immer mehr die Konvention, undefiniert zu lassen.
Donald Ervin Knuth erwähnte 1992 im American Mathematical Monthly die Geschichte der Kontroverse und lehnte die Schlussfolgerung entschieden ab, dass undefiniert gelassen wird. Wenn man nicht voraussetzen kann, verlangen viele mathematische Theoreme wie z. B. der binomische Satz
Ebenso taucht der Ausdruck in der Potenzreihe für die Exponentialfunktion
Die Konvention ist also aus praktischen Gründen sinnvoll, weil sie die Formulierung vieler mathematischer Ausdrücke vereinfacht. Da diese Konvention aber nicht allgemein akzeptiert ist, ist es zweckmäßig, explizit auf die verwendete Definition hinzuweisen. per Definition bedeutet aber keineswegs, dass die Funktion an der Stelle stetig wäre.
William Kahan, der Hauptarchitekt des Standards IEEE 754 für binäre Gleitkommazahlen, empfahl für Zwecke der numerischen Mathematik zu wählen. Diese Konvention setzt sich anscheinend in der Informatik durch, so definieren der C99-Standard im Anhang F.9.4.4 sowie die Programmiersprache Java, dass pow(0.0,0.0)=1.
Allgemein gibt es Potenzen mit nichtnegativen ganzzahligen Exponenten in jedem Monoid , und es gelten die Potenzgesetze
Ist ein invertierbares Element, so kann man mittels
Allgemeinere Exponenten wie Matrizen werden meist nur im Zusammenhang mit der Basis , also als Werte der verallgemeinerten Exponentialfunktion betrachtet.
Darüberhinaus wird die Potenzschreibweise gelegentlich auch für andere natürliche Fortsetzungen verwendet. So werden beispielsweise in der algebraischen Zahlentheorie gelegentlich Potenzen von Elementen von (topologischen) Galoisgruppen mit Exponenten in Vervollständigungen von betrachtet; es handelt sich dann um die jeweils eindeutig bestimmte stetige Fortsetzung der Abbildung
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