Der große Postzugraub (engl. The Great Train Robbery) war die Bezeichnung eines Eisenbahn
Anführer der Bande war der damals 32-jährige Bruce Reynolds. Als gesichert gilt außerdem die Teilnahme von Ronald Biggs, Roger Cordrey, Buster Edwards, John Daly, Gordon Goody, Jimmy Hussey, Roy James, Robert Welch, Jimmy White, Charlie Wilson und Tommy Wisbey. Mindestens drei weitere Personen, darunter ein pensionierter Lokführer, waren ebenfalls am Tatort, konnten aber nie ermittelt werden.
Obwohl bei dem minutiös vorbereiteten Überfall keine Schusswaffen eingesetzt wurden, schlug ein Bandenmitglied dem Lokführer Jack Mills mit einer Eisenstange auf den Kopf. Dieser erholte sich psychisch nie wieder vollständig von dem Überfall und kehrte nicht mehr zu seiner Arbeit zurück. 1970 starb er an Leukämie.
Dennoch wurden zwölf Bandenmitglieder innerhalb weniger Monate geschnappt, nachdem die Polizei am fünften Tag nach dem Raub nach Hinweisen aus der Bevölkerung ihren - gerade verlassenen - Unterschlupf Leatherslade Farm entdeckt und dort zahlreiche Fingerabdrücke und andere Spuren sichergestellt hatte. Auch die Strohmänner John Wheater, Leonard Field und Brian Field, die die Farm im Auftrag der Räuber angekauft hatten, wurden verhaftet. Hinzu kam William Boal, der gemeinsam mit Cordrey auf der Flucht festgenommen worden war und sich bei der Vernehmung in Widersprüche verwickelt hatte.
Im bis dahin längsten Prozess der englischen Justizgeschichte wurden die Verhafteten 1964 in Aylesbury zu meist drakonischen Haftstrafen verurteilt. Biggs, Goody, Hussey, James, Welch, Wilson und Wisbey erhielten jeweils 30 Jahre, Boal und Cordrey 14 Jahre, Brian und Leonard Field je 5 Jahre und Wheater 3 Jahre Haft. Lediglich John Daly (Schwager von Bruce Reynolds) wurde mangels Beweisen freigesprochen.
Boal starb 1968 in der Haft. Die meisten anderen Posträuber saßen ihre Haftstrafen entweder ab oder kamen Mitte der 70er Jahre im Zuge einer Strafrechtsreform frei. Lediglich Ronald Biggs und Charlie Wilson gelang die Flucht.
Bruce Reynolds gelang die Flucht über Südfrankreich nach Mexiko, wo er eine Weile gemeinsam mit Buster Edwards lebte. 1968 wurde er bei einem Aufenthalt in England verhaftet und saß bis 1978 im Gefängnis. Buster Edwards war schon vorher aus Heimweh nach England zurückgekehrt und verhaftet worden. Er betrieb nach Verbüßung seiner Haft einen Blumenladen im Herzen Londons.
Trotz der Verletzung des Lokführers wurden der Raubzug und die Flucht von Vielen als modernes Robin-Hood-Abenteuer aufgefasst; vor allem Ronnie Biggs, der beim Raub selbst nur eine Nebenrolle gespielt hatte, wurde in der britischen und deutschen Boulevardpresse entsprechend als Held dargestellt.
Ronnie Biggs floh über Paris, wo er sich mit gefälschten Papieren versorgte und sein Gesicht verändern ließ, nach Australien mit seiner Ehefrau Charmian und seinen zwei Söhnen. Von dort gelang ihm erneut die Flucht nach Rio de Janeiro, Brasilien, wo er mit den letzten £ 200 ankam. Als man ihn schließlich auch dort 1974 nach 11 Jahren der Flucht ausfindig machte, konnte er den britischen Strafverfolgungsbehörden nicht ausgeliefert werden, weil eine brasilianische Staatsbürgerin, die Nachttänzerin Raimunda de Castro ein Kind von ihm erwartete. Der inzwischen völlig mittellose Biggs, der wegen seines Status als Verbrecher auch in Brasilien nicht arbeiten konnte, nutzte seine vorübergehend wiederkehrende Popularität für den Verkauf von T-Shirts und Kaffeebechern mit seinem Konterfei. Für $ 60 gewährte er das stimulierende Vergnügen, mit einem echten Verbrecher zu frühstücken. Zeitweilig trat er mit den legendären Sex Pistols mit dem Lied No one is innocent auf.
1991 nimmt Ronnie mit der Deutschen Punk- und Rockband Die Toten Hosen die Single Carnival In Rio (Punk Was) für deren Album Learning English - Lesson One auf und feiert mit ihnen seinen 62. Geburtstag.
Den Posträubern kam entgegen, dass der ursprünglich vorgesehene Hochsicherheitswaggon gerade im Ausbesserungswerk war.
1978 verkauften die bereits entlassenen Posträuber ihre Geschichte an einen Verlag und behaupteten in dem von Piers Paul Read verfassten Buch "The Train Robbers" zunächst, die Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen "ODESSA" habe den Raub finanziert, zogen diese Darstellung aber noch vor Veröffentlichung des Buches wieder als frei erfunden zurück. Auch der zweiten "Enthüllung", Buster Edwards sei der Mann gewesen, der den Lokführer geschlagen habe, wurde später vehement von anderen Posträubern widersprochen.
Als gesichert gilt, dass der Raub über ein Jahr lang geplant und zumindest indirekt aus der Beute eines Überfalls auf die Lohnkasse der Fluggesellschaft BOAC aus dem Jahre 1962 finanziert wurde.
Zwei der Posträuber versuchten sich als Autoren: Ronnie Biggs ("Odd Man Out") und Bruce Reynolds ("Autobiography of a Thief") schilderten in ihren Büchern jeweils auch den Ablauf des Postraubes, vermieden es aber, bislang unbekannte Details oder Namen zu enthüllen.
Von den gestohlenen 2.631.684 Pfund konnten nur rund 330.000 wiedergefunden werden: 146.000 hatten Boal und Cordrey bei ihrer Festnahme in Bornemouth bei sich, 100.900 wurden auf einer Lichtung gefunden, 47.245 in einer Telefonzelle, 36.000 im Wohnwagen von Jimmy White. Größtenteils waren die Banknoten (1-Pfund, 5-Pfund- und 10-Schilling-Scheine) nicht registriert, somit lassen sich spätere Funde gar nicht mehr zuordnen. Es muss angenommen werden, dass insbesondere die länger flüchtigen Biggs, Reynolds, Edwards und Charlie Wilson einen großen Teil ihres Anteils für ihre aufwändigen Fluchtpläne ausgegeben haben. Doch auch die anderen mussten in den Wochen bis zu ihrer Verhaftung hohe Schweigegelder zahlen oder wurden selbst bestohlen. Durch eine Währungsreform im Jahre 1970 (Abschaffung des Schilling, Umstellung auf dekadisches System) wurden zudem die Anteile der inhaftierten Posträuber, falls überhaupt noch vorhanden, unbrauchbar.
Ein von Biggs angeheuerter pensionierter Lokführer sollte ursprünglich die Lok bis zur Bridegobrücke fahren, bekam diese aber nicht in Gang. So wurde der bewusstlose Mills wachgerüttelt und gezwungen, weiter zu fahren.
Great Train Robbery (1963) | Attaque du train postal Glasgow-Londres | Napad stulecia | Det stora tågrånet
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"Postzugraub (England)".
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