Als Kraftpost bezeichnet man den kombinierten Personen- und Posttransport durch die Deutsche Reichspost bzw. Deutsche Bundespost in Postbussen als Nachfolger der Postkutsche. Seit 1965 wurde offiziell die Bezeichnung Postreisedienst verwendet.
Die erste Kraftpostlinie in Deutschland wurde von der Postverwaltung des Königreichs Bayern ab dem 1. Juni 1905 zwischen Bad Tölz und Lenggries eingerichtet. Die von der Kraftpost eingesetzten Personenbusse hatten Briefkästen an Bord, in die Post eingeworfen werden konnte. Nach einer kriegsbedingten Stagnation in der Entwicklung erfuhr die Kraftpost ihre erste Blüte in den 1920er und frühen 1930er Jahren, als mit Kraftpostlinien der ländliche Raum erschlossen wurde. Hierbei gab es ein starkes Nord-Süd-Gefälle, da im norddeutschen Flachland bereits ein dichtes Netz an Eisenbahnlinien bestand, wohingegen in Süddeutschland Kraftpostbusse in vielen ländlichen Gemeinden die erste Anbindung an größere Verkehrswege darstellten. Neben einem dichten Liniennetz wurden auch insbesondere Ausflugsfahrten veranstaltet. Die so genannte "Deutsche Alpenpost" war ein wichtiges Verkehrsmittel in den Skigebieten der deutschen Alpen. Weitere Fernlinien in Deutschland (u.a. Lüneburger Heidepost, Eifelpost, Schwarzwaldpost, Bayerwaldpost) und in die Nachbarländer (Alpen-Adria-Post, Isar-Engadin-Post) kamen hinzu.
Dem deutschen Beispiel folgend waren übrigens auch in Österreich und der Schweiz in den Jahren 1906 und 1907 entsprechende Kraftpostlinien eingerichtet worden. Diese werden bis heute unter den Bezeichnungen Postbus (Österreich) und PostAuto (Schweiz) betrieben.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Westdeutschland wieder ein dichtes Streckennetz der Kraftpost aufgebaut, während der Kraftpostdienst in Ostdeutschland 1953 endete (Überführung in Volkseigene Verkehrsbetriebe). Zur Blütezeit Mitte der 1950er war die Kraftpost - wie schon in den 1920er und 1930er Jahren - wieder das größte Busunternehmen Europas mit über 4.000 posteigenen Omnibussen. Durch den wachsenden Individualverkehr und auch strukturell bedingt begann jedoch schon Ende der 1950er Jahre der wirtschaftliche Niedergang der Postbusse. Als gemeinwirtschaftliches Unternehmen war die Deutsche Bundespost auch zur Aufrechterhaltung unwirtschaftlicher Linien verpflichtet. Der Anteil des nicht kostendeckenden Verkehrs mit Schüler- und Sozialtarifen nahm ständig zu.
Am 18. März 1976 wurden nach langwierigen politischen Entscheidungsprozessen die Bahn- und Postbusse zur Omnibusverkehrsgemeinschaft Bahn/Post zusammengeführt, die den Übergang des Postreisedienstes auf den Bahnbusdienst der Deutschen Bundesbahn einleitete, die als Schienenersatzverkehr ein Netz parallel zu Bahnstrecken betrieb. Zuvor hatte der Postreisedienst 1974 mit 435 Mio. Fahrgästen die höchste Beförderungszahl in den 80 Jahren seines Bestehens erreicht. Ziel der Vereinigung war es, den öffentlichen Personennahverkehr mit Bussen wirtschaftlich zu betreiben und bedarfsgerecht auszubauen. Zu diesem Zweck wurden zunächst vier gemeinsame Regionalbusgesellschaften als Pilotvorhaben gegründet, die unter Regie der Deutschen Bundesbahn standen. In den übrigen Teilen Deutschlands übernahm die Deutsche Bundesbahn auf Beschluss des Bundeskabinetts vom 25. Juni 1980 zum 1. Januar 1981 alle von Bahn und Post betriebenen Busdienste unter ihre Regie. Es wurden in 19 Regionen auf öffentlich-rechtlicher Grundlage regionalisierte, von der übrigen Bahn-Organisation getrennte Busgesellschaften eingerichtet. Teilweise trugen diese den Namen "Geschäftsbereich Bahnbus (GBB) XY", teilweise bereits Namen wie "Regionalverkehr XY" Allerdings mit Ausnahme der Region Allgäu: Hier übernahm erst zum 1. Juni 1985 die Regionalverkehr Schwaben-Allgäu (RVA), eine Tochtergesellschaft der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) im Allgäu den letzten Teil des noch alleine der Bundespost unterstehenden Postreisedienstes im Bundesgebiet.
Allerdings - und dies ist vielfach unbekannt - war die Deutsche Bundespost bis 1995 an den Regionalbusunternehmen beteiligt. Diese waren unter dem Dach der Unternehmensgruppe "Vereinigte Bundesverkehrsbetriebe GmbH" (VBG) zusammengeschlossen. Gesellschafter der VBG waren die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Bundespost. (1994 Gesellschafter Deutsche Bundesbahn = DB AG; 1995 Gesellschafter Deutsche Bundespost = PDB Postdienst Beteiligungs GmbH). Mit der Postreform 1995 endete dann jedoch die Ära endgültig, die bereits zehn Jahre zuvor mit der Übergabe der letzten gelben Postomnibusse für die Öffentlichkeit sichtbar zu Ende gegangen war. Die letzten von der Bundespost in den 1980er Jahren beschafften Fahrzeuge waren allerdings noch bis in die 1990er Jahre bei den Nachfolgeunternehmen im Einsatz.
Die Regionalbusgesellschaften sind heute erfolgreich in die Unternehmensgruppe Deutsche Bahn unter dem Dach von DB Stadtverkehr integriert. Vier Regionalbusunternehmen, die Regionalverkehr Köln, Regionalverkehr Hannover, Kraftverkehr Stade/Lüneburg und Regionalbus Augsburg waren jedoch schon bis 1995 an öffentliche bzw. private Verkehrsunternehmen und kommunale Gebietskörperschaften verkauft worden.
Zum Einsatz kamen seit den 1970er Jahren standardisierte Überlandomnibusse, die als Besonderheit aber mit einem Briefkasten (i.d.R. im vorderen Türbereich) versehen waren.
Kurioserweise war aber der letzte Postbusfahrer Deutschlands bis vor Kurzem noch im Dienst. Fünf Ingolstädter Postbusfahrer erkämpften sich bei der Übernahme der Postbuslinie Ingolstadt - Beilngries durch die Deutsche Bundesbahn eine Sonderregelung, nach der sie weiterhin Postbeamten blieben, jedoch fortan in Bahnbussen zwischen Ingolstadt und Beilngries Dienst taten. Diese Regelung blieb auch bestehen, als der regionale Bahnbusbetrieb "Regionalbus Augsburg" (RBA) privatisiert wurde. Der letzte der fünf, Peter Brandl, ging erst Ende Januar 2006 in Ruhestand. Peter Brandls Bus war bis zum Schluss immer auch eine Art mobiles Postamt, denn er bot unterwegs weiterhin Postdienstleistungen wie z. B. Briefmarkenverkauf an.
Im Jubiläumsjahr 2005 (Einrichtung der ersten deutschen Kraftpost vor 100 Jahren) sind ein Sonderpostwertzeichen und zwei Bücher zur Erinnerung an die Kraftpost erschienen.
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