Die Postmoderne bezeichnet eine geistig-kulturelle Bewegung, die schwer zu definieren ist, aber nach einer Meinung weitgehend durch ihre Zurückweisung der Moderne unterschieden werden kann – nach anderer Meinung deren Vollendung darstellt. Die Postmoderne ist eine Reaktion auf die Moderne. Jean-François Lyotard bezeichnete sie in einem vielbeachteten Aufsatz als Ende der großen Erzählungen. Zeitlich gibt es verschiedene Einordnungen, von ersten Anfängen in den 1960er Jahren, bis hin zum Beginn der 1980er Jahre, wo sich die Postmoderne in allen möglichen Alltagsphänomenen (z. B. Mode, Popkultur, Kunst, postmoderne Architektur) offen zu zeigen begann.
Die im Anschluss an Lyotard geführte Diskussion um die Epochendiagnose der Postmoderne, die in den 1980er Jahren sehr intensiv und mit großer Aufmerksamkeit der intellektuellen Öffentlichkeit geführt wurde, ist seit 1989 erlahmt bzw. wurde sie auf andere Gebiete wie den Streit um das "Ende der Geschichte" (Francis Fukuyama) verlagert.
1947 wird der Begriff „postmodern“ von Arnold J. Toynbee in seinem Werk A Study of History als bereits für die Jahre ab 1875 diagnostizierte kulturelle Erscheinung verwendet; die Postmoderne ist in diesem Sinne durch eine frühe Politik des Denkens in globalen Zusammenhängen gekennzeichnet und unterscheidet sich von dem vorherigen Politikverständnis in der Überwindung der nur nationalen Perspektive. Nach Toynbee wird mit der Postmoderne die Spätphase der abendländischen Kultur eingeleitet (A. Toynbee, A Study of History, 1947, S. 39).
Bloß literarisch wird der Begriff 1934 vom Literaturwissenschaftler Frederico de Oniz gebraucht und bezeichnet hier eine Zwischenperiode der hispanisch-amerikanischen Dichtung in den Jahren zwischen 1905 bis 1914, die geprägt ist von einer kurzzeitigen rückwärtsgewandten Abwendung von der Moderne.
In der entscheidenden nordamerikanischen Literaturdebatte des Jahres 1959 bezeichnet Irving Howe in "Mass Society and Postmodern Fiction" die Gegenwartsliteratur der Postmoderne als Verfallsphänomen der Moderne und geprägt durch mangelnden Neuerungswillen (Howe, Mass Society and Postmodern Fiction,Partisan Review 1959, S. 420-436). Eine Umwertung erfolgt in den 60er Jahren schon durch Irvin Howe selbst und durch Harry Levin, vor allem aber auch durch Susan Sontag und Leslie Fiedler (Fiedler, Cross the Border - Close the Gap, 1969).
Eine Zusammenfassung der begrifflichen Entwicklung findet sich in dem Buchkapitel "Die Genealogie des Ausdrucks 'Postmoderne'" und im Folgekapitel, S.12ff, in Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, Weinheim 1987)
Während in der Moderne die avantgardistische Perspektive dominiert, steht in der Postmoderne nicht die Innovation im Mittelpunkt des (künstlerischen) Interesses, sondern eine Rekombination oder neue Anwendung vorhandener Ideen. Die Welt wird nicht auf ein Fortschrittsziel hin betrachtet, sondern vielmehr als pluralistisch, zufällig, chaotisch und in ihren hinfälligen Momenten angesehen. Ebenso gilt die menschliche Identität als instabil und durch viele, teils disparate, kulturelle Faktoren geprägt. Medien und Technik spielen eine wichtige Rolle als Träger wie Vermittler von Kultur (siehe auch Medientheorie).
Die postmoderne Kunst zeichnet sich u.a. aus durch den erweiterten Kunstbegriff und zitathafte Verweise auf vergangene Stile, die teils ironisch in Szene gesetzt werden. Wo die Ironie misslingt oder nicht vorliegt, lässt sich die ganze Richtung mit dem "Eklektizismus" vergleichen. Andy Warhol stellt ein frühes Beispiel für einen postmodernen Künstler dar.
Bestimmte, nicht exklusive und auch nicht erschöpfende Kennzeichen postmodernen Denkens und Urteilens sind:
In der postmodernen Geisteswissenschaft sind die vorherrschenden Methoden der Poststrukturalismus und der Dekonstruktivismus.
Die Postmoderne wendet sich gegen Festschreibungen insbesondere ideologischer, aber auch kultureller Art. Postmoderne Philosophen wie Derrida sahen sich nicht zuletzt gerade deswegen heftigen Angriffen ausgesetzt.
Der Konservativismus lastet dem postmodernen Denken als Defizit eine Beliebigkeit zu wichtigen Fragen in Kultur und Gesellschaft an (Alan Sokal).
Es gibt keine übergeordnete Sprache, keine allgemeinverbindliche Wahrheit, die widerspruchsfrei das Ganze eines formalen Systems legitimiert. Wissenschaftliche Rationalität, sittliches Handeln und politische Gerechtigkeitsvorstellungen spielen je ihr eigenes Spiel und können nicht zur Deckung gebracht werden.
"In äußerster Vereinfachung kann man sagen: 'Postmoderne' bedeutet, dass man den Meta-Erzählungen keinen Glauben mehr schenkt." (Lyotard, Das Postmoderne Wissen, 1986, 7/14)
Lyotard knüpft in seinem Gedankengang an das Konzept Wittgensteins von den "Sprachspielen" und an die Heterogenität von Kants kritischen Schriften. Kant konstatiert ebenfalls, dass die menschliche Vernunft keinen direkten Zugang auf das Ganze und die "Dinge an sich" hat. Er teilt die menschliche Vernunft in theoretische Vernunft, praktische Vernunft und Urteilskraft. In seiner Philosophie wird somit der "reinen Vernunft" nur ein regulativer Charakter im Zugriff auf die Wirklichkeit zuerkannt.
Bereits im 19. Jahrhundert entwickelt sich eine Form der Sinfonie, die nicht mehr den Entwicklungsprozess originärer Themen erforscht, sondern bereits vorhandene musikalische Zeichen und Sphären kombiniert. Als logische Folge treten dekonstruktivistische Techniken hinzu. Als Meilenstein bezeichnete Gustav Mahler die Sinfonie in E-Dur (1878) des Bruckner-Schülers Hans Rott. Mahlers Sinfonien entwickeln ein eigenes Universum aus zitathaften Bausteinen aus der Militär-, Volks- und Kirchenmusik, sowie Rückgriffen auf vergangene Stile. Zeitgleich entwickelt der Amerikaner Charles Ives eine Collagetechnik, die vornehmlich amerikanische Volksmelodien verwendet. Weitere wichtige postmoderne Komponisten waren Bernd Alois Zimmermann und Luciano Berio. Als typische Vertreter einer musikalischen Postmoderne der Gegenwart werden trotz sehr unterschiedlicher Stile unter anderem John Zorn, Philip Glass, Arvo Pärt, Gia Kantscheli und Sofia Gubaidulina genannt.
siehe Postmoderne Architektur
Reflexionen zur Postmoderne:
Gegenpositionen – Rettung der Moderne:
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