Als postexpositionelle Prophylaxe (PEP) bezeichnet man allgemein eine medikamentöse Behandlung nach möglichem Kontakt mit den Erregern einer potentiell gesundheitsgefährdenden Erkrankung, um ihren Ausbruch zu verhindern. Am gängigsten ist diese Bezeichnung im Zusammenhang mit Kontakt zu AIDS-Erregern. Dies betraf ursprünglich beispielsweise medizinisches Personal, um ein Infektionsrisiko nach einer Stichverletzung mit einer Injektionsnadel zu unterbinden, gilt heute aber auch für medizinische Laien; ein Beispiel wäre hier eine drohende HIV-Infektion nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person.
Ebenfalls unter den Begriff postexpositionelle Prophylaxe fallen - nach möglichem Kontakt mit Infektionsquellen - Schutzimpfungen oder die Gabe von speziellen Immunglobulinen, zum Beispiel Tetanusimmunglobulin nach Verletzungen oder die prophylaktische Impfung nach Kontakt mit tollwuterkrankten Tieren.
Risiko je nach Erreger
Zu einer Übertragung nach einer Nadelstichverletzung kommt es
bei Hepatitis B Virus in 300 von 1.000 Fällen (30%)
bei Hepatitis C Virus in 30 von 1.000 Fällen (3%)
bei HIV in 3 von 1.000 Fällen (0,3%)
HIV
Bei HIV-Risikokontakt (mit übertragungsrelevanten Körperflüssigkeiten einer positiv getesteten Person) sollte
vor Ablauf von 24 Stunden mit einer postexpositionellen Prophylaxe begonnen werden, die besten Ergebnisse sind innerhalb eines Zeitfensters von zwei Stunden zu erwarten. Mehr als 72 Stunden nach dem Ereignis wird im Allgemeinen keine PEP mehr empfohlen. In jedem Falle muss eine entsprechend kundige Einrichtung aufgesucht werden (beispielsweise
mikrobiologisches Institut, Universitätsklinik), um im Einzelfall zu klären, ob eine solche Vorbeugung notwendig ist.
Die (durchaus nicht von Nebenwirkungen freie) Standard-Therapie besteht derzeit aus einer Kombination von mindestens drei verschiedenen Medikamenten und wird meist über einen Zeitraum von einem Monat angewandt. Je mehr Zeit vor Therapiebeginn vergeht, um so geringer sind die Erfolgschancen, eine möglicherweise erfolgte Infektion noch abzuwehren.
Im Falle eines ungeschützten Geschlechtsverkehres mit einer (potentiell) HIV-positiven Person werden die Behandlungskosten nicht unbedingt von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Diesbezüglich sind die Kassen mittlerweile jedoch aufgeschlossener, zumal ihnen im Falle einer tatsächlichen Infektion noch immensere Kosten erwachsen. Die Kosten der Prophylaxe belaufen sich für eine übliche vierwöchige Behandlung auf ca. 1100 Euro (Stand 2/2005). Als Nebenwirkungen werden hauptsächlich Übelkeit, Antriebslosigkeit und Durchfall beschrieben.
Hepatitis B
Hier sind vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen betroffen, die jedoch heute im Regelfall geimpft sein sollten. Bei nicht Geimpften, die sich beispielsweise eine Nadelstichverletzung mit Blut eines Infizierten zuziehen, wird die
simultane Gabe eines
Hepatitis B-Immunglobulins zusammen mit einer Impfung empfohlen.
Hepatitis C
Bei möglichem Kontakt mit Erregern der Hepatitis C wird derzeit
keine postexpositionelle Prophylaxe mehr empfohlen, da im Falle einer nachgewiesenen frischen Infektion nach neueren
Studien die Heilungschance mit einer
Interferon-Therapie bei etwa 98% liegt.
Tetanus
Hier wird bei entsprechend gefährdenden Verletzungen bei ungeimpften Personen derzeitig die umgehende gleichzeitige Gabe von Tetanusimmunglobulin und einer Impfung empfohlen. Bei Personen, die in der Vergangenheit bereits einmal ein komplette
Immunisierung für Tetanus durchgemacht haben, jedoch mehr als fünf bis zehn Jahre keine
Auffrischimpfung erhalten haben, sollte eine einmalige Auffrischimpfung durchgeführt werden.
Die postexpostionelle Tollwutimmunprophylaxe besteht aus einer Impfung und einer zusätzlichen Gabe eines Tollwutimmunglobulins. Die
Indikation wird von speziell als Tollwutberatungsstellen benannten Stellen, meist größeren Krankenhäusern, gestellt, die dann auch die entsprechenden
Präparate vorrätig haben. Die rechtzeitige
Intervention kann einen Krankheitsausbruch in 100% verhindern. Unterbleibt die Prophylaxe und kommt es zum Ausbruch einer Tollwuterkrankung, so verläuft diese immer tödlich - glücklicherweise ist das Zeitfenster bei der Tollwut jedoch relativ groß.
Meningokokkenmeningitis
Meningokokkenerkrankungen und hier insbesondere die
Meningitis sind hochansteckend und lebensbedrohlich. Daher wird auch für die Kontaktpersonen einer Erkrankten eine Chemoprophylaxe mit einem
Antibiotikum durchgeführt, wobei sich der Personenkreis nach der Art der Kontakts richtet, jedoch sollten im selben Haushalt Lebende immer behandelt werden. Eine Therapie ist bis zu zehn Tagen nach dem Kontakt mit dem Erkrankten sinnvoll.
Siehe auch
Weblinks
Infektionskrankheit
Post-exposure prophylaxis