article

Postbus_Temsa.jpg

Allgemeines


Der Postbus ist Österreichs mit Abstand größtes Busunternehmen und betreibt den Großteil des Überlandbus-Netzes. Er gehört seit 2003 zum ÖBB-Konzern (ÖBB). Der operative Betrieb ist seit Oktober 2004 in Form der ÖBB-Postbus GmbH organisiert.

Die ÖBB-Postbus GmbH betreibt fast 2200 Busse und beschäftigt fast 4000 Mitarbeiter. Dazu kommen noch ca 180 Busse in den Tochterunternehmen sowie die Busse der Subauftragnehmer in ganz Österreich. Die Busse legen jährlich 120 Millionen Fahrzeugkilometer auf fast 30000 Kursen zurück und befördern dabei 245 Millionen Fahrgäste. Der mittlere Jahresumsatz liegt bei 345 Millionen Euro.

Geschichte


1907 richtete die kaiserlich-königliche Staatspost die ersten Kraftfahrlinien ein. Der Postautobus, wie er in Österreich genannt wurde, löste in den folgenden Jahrzehnten die Postkutsche als Beförderungsmittel ab. Die erste Postautobus-Linie Österreichs wurde im heutigen Südtirol zwischen Neumarkt und Predazzo eröffnet. Diese Linie gibt es noch heute (Linie 133 des ÖPNV-Systems Südtirol). Die nächste Linie im gleichen Jahr war Linz-Eferding, diese Strecke wird noch heute vom Regionalmanagement Oberösterreich des Postbusses betrieben.

In der Sommersaison 1927 wurde der Großglockner erstmals per Postbus erschlossen.

1929 wurde der Winterverkehr mit Raupenschlitten in den Tauern aufgenommen.

Die Zwangsrequirierungen und Zerstörungen in Folge des Ersten und Zweiten Weltkriegs brachten den Verkehr jeweils gegen Kriegsende weitgehend zum Erliegen.

In der Nachkriegszeit teilten sich der Postbus und der bis dahin als Konkurrent angesehene Bahnbus ihre Interessenssphären auf: Den Bussen der ÖBB blieben die parallel zu Bahnstrecken verlaufenden Landstriche vorbehalten, dem Postbus die übrigen Gebiete.

Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Ereignisse in Deutschland wurde 1988 die sogenannte Bundesbus-Geschäftsstelle ins Leben gerufen. Deren Aufgabe war es, das Zusammenwirken von Postbus und Bahnbus zu regeln. Sie war jedoch eine typisch österreichische Lösung: Die beiden Busbetriebe blieben weitgehend unabhängig. Lediglich das neue äußere Erscheinungsbild vermittelte durch ein gemeinsames Lackierungsschema, die Bezeichnung Bundesbus und das gemeinsame Kfz-Kennzeichen "BD" für "Busdienst" den Eindruck, dass Postbus und Bahnbus zusammengelegt worden wären.

Um so leichter war es 1997, nach der Ausgliederung der Postverwaltung in eine privatrechtliche Gesellschaft, die Bundesbus-Geschäftsstelle wieder aufzulösen, und getrennte Wege zu gehen. Der Bahnbus war zu dieser Zeit wegen der Trennung von Personen- und Güterverkehr schon aus dem Kraftwagendienst (KWD) der ÖBB herausgelöst. Der Postbus blieb noch bis zur Gründung der Österreichischen Postbus AG im Jahr 2000 ein Teilbetrieb der Post bzw Post-und Telekom Austria AG (PTA). 2001 wurde er von der Post direkt auf die ÖIAG (Industrieholding des Bundes) übertragen. Im Mai 2002 verkündete die österreichische Regierung ihre Zukunftspläne für die beiden Busbetriebe des Bundes. In Folge wurde der Postbus an die ÖBB verkauft (wirksam 2003). Aus personalrechtlichen Gründen gliederte man den operativen Betrieb in die neue ÖBB-Postbus GmbH aus. Zum 1. Jänner 2005 wurde der operative Teil von Österreichischer Postbus AG und der Bahnbus in die ÖBB-Postbus GmbH gespalten. Die Österreichische Postbus AG ist seitdem nur noch Immobilieneigentümerin und Personalamt für die noch vorhandenen Bundesbeamten. Weiters wurde im Lauf des Jahres ein maßgeblicher Teil des Unternehmens durch Verkauf von kleineren regionalen Betriebsteilen privatisiert.

Die ÖBB-Postbus GmbH und Österreichische Postbus AG sind 100% Tochter der ÖBB-Personenverkehr AG.

Tarife


Tariflich sind die Postbusse überwiegend in die Verkehrsverbünde eingegliedert. Ein Haustraif wird nur noch auf wenigen Linien angewendet (zB Vienna Airport Lines, Großglocknerverkehr und Friedrichshafen Airport Lines).

Fuhrpark


1913 wurden die ersten eigenproduzierten Busse (ET 13) eingesetzt und anstelle der bisher eingesetzten Militärchauffeure eigene Buslenker angestellt. Nachdem es keine österreichischen Hersteller mehr gibt (Steyr, Gräf & Stift), setzt der Postbus heute in erster Linie Busse der Hersteller-Gruppen Evobus (Mercedes-Benz und Setra) bzw. Neoman (MAN und Neoplan) ein, sowie den Renault/Irisbus Ares und ca. 150 Busse des türkischen Herstellers Temsa (Safari IC in verschiedenen Längen).

Lackierungsschemata


Postbus_Irisbus.jpg

Übersicht

  • bis 1980: Elfenbein-Schwarz
  • 1980—1988: Dahliengelb-Schwarz

  • Bundesbus
    • 1988—1989: Dahliengelb-Blutorange (Linienbusse)
    • 1988—1990: Weiß-Dahliengelb-Verkehrsrot (Reisebusse)
    • 1990—1997/2000: Dahliengelb-Verkehrsrot (Linienbusse, 1991—1994 auch Reisebusse)
    • 1992—1996: Dahliengelb-Verkehrsrot-Weiß-Grau (Midibusse)
    • 1994—1997: Weiß-Verkehrsrot-Dahliengelb (Reisebusse)

  • 1997—2001: Weiß-Verkehrsrot-Dahliengelb (wie Bundesbus Reisebusse von 1994—1997)
  • 2000—2005: Lichtgrau-Rapsgelb
  • seit 2005: Sandquarz metallic

Anmerkungen

Neben den genannten Standardlackierungen gibt es beim Postbus auch Fahrzeuge in anderen, meist regionalen Lackierungsschemen (z.B. Landbus Vorarlberg oder Regionalbus Mur-/Eichfeld). Der eine oder andere Bus hat auch mal eine Sonderlackierung. Vorhandene Busse bekommen aus Kostengründen nur dann ein neues Farbkleid, wenn sie ohnehin eine Lackierung nötig haben.

Da in die ÖBB-Postbus GmbH auch die ehemaligen Bahnbusse integriert wurden, sind auch Busse im ehemaligen Bahnbus-Anstrich (verkehrsrot, vereinzelt auch noch im älteren Anstrich blutorange) mit Postbus-Logo im Einsatz.

Tochtergesellschaften/Submarken


Kuriosa


Im Kraftfahrzeuggesetz existiert noch die Regelung, dass Autobusse der Post- und Telegraphenverwaltung ein besonderes Folgetonhorn besitzen dürfen.

An Omnibussen, die zur Verwendung im Bereich der Post- und Telegraphenverwaltung bestimmt sind, dürfen Vorrichtungen zum Abgeben von Warnzeichen mit der Tonfolge des Posthornes (a-fis-a-d) angebracht sein.
Da die ÖBB-Postbus GmbH rechtlich das Nachfolgeunternehmen ist, gilt diese Regelung demnach bis heute noch. Einige Busse sind auch nach wie vor mit dem Folgetonhorn ausgerüstet. Das Horn wird auch - digital - wieder produziert. Auf einigen Gebirgslinien (z.B. die Linie Dornbirn-Ebnit) wird das Folgetonhorn auch regelmäßig eingesetzt um an schmalen unübersichtlichen Stellen die entgegenkommenden Fahrzeuge akustisch auf den Postbus aufmerksam zu machen.

Weblinks


  • Peter Hirschler: private Seite mit zahllosen Bildern von österreichischen Postbussen und Bahnbussen, besonders aus der Steiermark

  • public-transport.net: private Seite über Verkehrsmittel aller Art in Österreich und Europa, unter anderem auch eine Rubrik über österreichische Post- und Bahnbusse

Literaturhinweise


  • Peter Lösch, Hans Pötschner: 90 Jahre Postautobus. – Bonn: Omnibusspiegel Hanke, o. J. (1998). – ISBN 3-925301-97-6. – 208 S., zahlr. teils farb. Abb.: ausführliche Geschichte des österreichischen Postbusses und seines Fuhrparks von den Anfängen bis zur Gegenwart

  • Alfred Rotter: Wir bewegen Österreich (seit 1907 ...). – O. Ang. (Langenwang: Kurz, 2004). – ISBN 3-9501854-1-0. – Ca. 100 S., zahlr. teils farb. Abb.: Bildband über den Fuhrpark des österreichischen Postbusses von den Anfängen bis zu Gegenwart

  • Michael Schefbäck: Modelle österreichischer Post- und Bahnbusse. – Privatdruck, Wien 2005. – 24 S., zahlr. farb. Abb.: Bildband über Busmodelle von österreichischen Post- und Bahnbussen

  • Michael Schefbäck: Postbus–Bahnbus–Bundesbus Lackierungen. – Privatdruck, Wien 2005: Wandkalender für 2006 mit Bildern und Beschreibungen aller seit 1975 eingeführten Postbus- und Bahnbus- (bzw. Bundesbus-) Lackierungen.

Postwesen | Verkehrsgesellschaft (Österreich)

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Postbus (Österreich)".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld