Porrentruy ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirks des Kantons Jura in der Schweiz. Der deutsche Name der Stadt lautet Pruntrut; die Verwendung dieses Namens ist in der Deutschschweiz üblich.
Die Fläche des 14.8 km² grossen Gemeindegebiets umfasst im zentralen Teil die breite Talniederung der Allaine. Von Südwesten her mündet ebenfalls in einem breiten Tal der Creux-Genat, der aus einer nur periodisch fliessenden Karstquelle gespeist wird. Im Süden reicht das Gebiet auf die Höhen von La Banné (511 m ü. M.) und La Perche (526 m ü. M.), dazwischen befindet sich das klusartige Tal des Fontenais-Bachs. Bei Porrentruy biegt die Allaine von ihrer vorher westwärts gerichteten Fliessrichtung nach Norden ab und durchschneidet hier die Tafeljurahochflächen der Ajoie. Westlich dieses Tals gehören die Hügel und Wälder von Petit Fahy (543 m ü. M.) und Grand Fahy (570 m ü. M.) zu Porrentruy. Der höchste Punkt der Gemeinde wird auf dem Höhenrücken von Bure mit 580 m ü. M. erreicht. Nach Norden erstreckt sich die Gemeindefläche bis in den Bois de Sapins (530 m ü. M.), und die östliche Abgrenzung bildet das Trockental Combe Vaumacon. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 20 % auf Siedlungen, 41 % auf Wald und Gehölze, 38 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.
Zu Porrentruy gehören zahlreiche Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Porrentruy sind Fontenais, Bressaucourt, Courtedoux, Bure, Courchavon, Coeuve, Alle und Courgenay.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1809 | 2355 |
| 1818 | 1896 |
| 1850 | 2880 |
| 1870 | 4452 |
| 1900 | 6959 |
| 1910 | 6591 |
| 1930 | 5805 |
| 1950 | 6523 |
| 1960 | 7095 |
| 1970 | 7827 |
| 1980 | 7039 |
| 1990 | 6857 |
| 2000 | 6753 |
Die Stadt ist Sitz zahlreicher wichtiger Institutionen, nämlich des kantonalen Gerichts, der Kantonsbibliothek, der Kantonalbank des Kantons Jura, des kantonalen Amtes für Denkmalpflege und der Archive des ehemaligen Bistums Basel. Ferner verfügt Porrentruy über ein Regionalspital, das sich westlich der Stadt am Südhang der Tafeljurahochflächen befindet.
Als regionales Bildungszentrum ist Porrentruy Standort zahlreicher Schulen. In der Stadt befinden sich die Kantonsschule, mehrere Sekundarschulen, eine Handelsschule und eine Kunstgewerbeschule, das Lehrerseminar, in das 1979 auch das Lehrerinnenseminar von Delémont integriert wurde, Schulen für Uhrmacherei und Mikrotechnik sowie mehrere Privatschulen.
Für die Feinverteilung im Netz des öffentlichen Verkehrs sorgen zahlreiche Buslinien, welche die Bauerndörfer der Ajoie bedienen.
Erstmals wird Porrentruy 1136 unter dem Namen Purrentru erwähnt. Der Ortsname leitet sich vermutlich vom lateinischen pons Ragentrudis (Brücke der Ragentrud) ab. Ragentrud war die Gemahlin des 639 verstorbenen fränkischen Königs Dagobert I. Andere Quellen führen die Herkunft des Namens auf Bruntrutum (wasserreicher Brunnen) zurück. Aus diesem Wortstamm entstand die deutsche Bezeichnung Pruntrut.
Die Siedlung gehörte anfänglich zur Grafschaft Mömpelgard (Montbéliard), bevor sie 1271 erstmals an das Fürstbistum Basel kam. Nachdem Porrentruy 1283 von den Burgundern eingenommen worden war, besetzte König Rudolf I. von Habsburg die Stadt und erzwang eine Rückgabe des Gebietes an das Fürstbistum. Gleichzeitig erhob er Porrentruy am 20. April 1283 zur freien Reichsstadt. Wegen finanzieller Schwierigkeiten musste der Fürstbischof 1386 die Ajoie zusammen mit Porrentruy an die Herren von Mömpelgard verkaufen. 1461 kam sie wieder unter die Herrschaft des Fürstbistums. Aufgrund der Reformation in Basel verlegte der Fürstbischof 1527 seinen offiziellen Sitz nach Porrentruy. Unter Fürstbischof Jakob Christoph Blarer von Wartensee, der 1575 bis 1608 regierte, erlebte die Stadt eine Blütezeit. In seine Zeit fiel die Renovation und der Ausbau des Schlosses sowie die Gründung des Jesuitenkollegiums (1591). Die Zeit der Prosperität endete 1618 jäh mit dem Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges, während dem Porrentruy mehrmals belagert, besetzt und geplündert wurde.
Porrentruy Réfous.jpg | 1792 eroberten französische Truppen die Ajoie. Porrentruy wurde Hauptstadt der von Frankreich abhängigen Raurakischen Republik, bis diese 1793 Frankreich angegliedert wurde und im Département du Mont Terrible aufging. Als Hauptstadt dieses Départements hatte Porrentruy jedoch weiterhin Bedeutung. Erst 1800, als Mont Terrible in das Département Haut-Rhin integriert wurde, erfolgte die Degradierung von Porrentruy zum Sitz einer Unterpräfektur. 1815 wurde die Stadt auf Beschluss des Wiener Kongresses dem Kanton Bern als Kompensation für die 1803 "verlorene" Waadt zugesprochen.
Bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges galt Porrentruy als geistiges Zentrum des Berner Juras und hatte auch mehr Einwohner als Delémont. Mit der Entwicklung des Strassenverkehrs sank aber die Bedeutung der Stadt wegen ihrer Randlage in der Schweiz, und eine wirtschaftliche Stagnation setzte ein. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu immer grösseren Spannungen zwischen dem kleinen katholischen, französischsprachigen und dem grösseren protestantischen, deutschsprachigen Teil des Kantons Bern. Diese führten dazu, dass nach mehreren regionalen und eidgenössischen Abstimmungen am 1. Januar 1979 der französischsprachige Kanton Jura gegründet wurde. Sehr zum Verdruss der in der Ajoie ansässigen Bevölkerung wurde aber Delémont die Hauptstadt des neuen Kantons. 1988 erhielt Porrentruy den Wakkerpreis für die beispielhafte Pflege des historischen Zentrums.
Die katholische Pfarrkirche Saint-Pierre ist eine dreischiffige gotische Basilika, die 1330-50 errichtet wurde. Sie enthält einen wertvollen Kirchenschatz und spätbarocke Seitenaltäre. Östlich der Altstadt befindet sich die katholische Kirche Saint-Germain, im 13. Jahrhundert im Stil der Spätromanik erbaut und 1698 umfassend restauriert und vergrössert. Die spätgotische ehemalige Jesuitenkirche (1599-1603) besitzt einen oktogonalen Turm von 1701. Sie dient heute als Konzertsaal. 1626 wurde die Kirche der Ursulinerinnen geweiht.
In erhöhter Lage steht das imposante Schloss, das 1527-1792 Residenz der Basler Fürstbischöfe war. Der älteste Teil ist die Tour Réfous, ein runder Bergfried, der 1271 erbaut wurde. Er stammt von der ersten Schlossanlage aus dem 13. Jahrhundert. Zahlreiche Umbauten erfolgten in den späteren Jahrhunderten, besonders im 16. Jahrhundert, als die Résidence, die Chancellerie und die Tour du Coq hinzugefügt wurden.
Bedeutende Bürgerhäuser aus der Barockzeit in der Altstadt sind das Hôtel de Ville (1761-63), das Hôtel-Dieu (1761-65), das Hôtel de Gléresse (1750, für den Baron von Ligerz erbaut) und das spätbarocke Hôtel des Halles (1766-69). Auf den Plätzen der Altstadt stehen zum Teil monumentale Brunnen, darunter der Samariterbrunnen (1564) und der Schweizerbrunnen (1518) mit Bannerträger und Eber. In der Umgebung der Altstadt befinden sich zahlreiche Villen und Handelshäuser aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts.
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